The Wolfman.

Eines sei ihm zugestanden: Hübsch anzusehen ist er ja, der WOLFMAN. Also nicht die Figur selbst (die ist natürlich hässlich wie die Nacht finster), und auch nicht unbedingt Benicio del Toro (der in diesem Film etwas matschig wirkt), sondern der Film an sich, die Optik. An den Produktionswerten lässt sich jedenfalls wenig aussetzen. Diese kommen wundervoll klassisch daher und geben dem Film trotz zeitgemäßer Technik ein angenehm schweres, märchenhaftes Ambiente, das in seinen besseren Momenten an andere moderne Monster-Klassiker wie FRANKENSTEIN erinnert.

Leider erreicht der Film nie mehr als das, und oftmals nicht einmal deren Klasse, denn die Inszenierung selbst wirkt dröge und erstaunlich langweilig. Daran ändert auch das Staraufgebot, allen voran Anthony Hopkins als Vater des Protagonisten und Hugo Weaving – endlich mal wieder in der Rolle eines fiesen Agenten *hust* – wenig. Beide bieten dem Zuschauer zwar die gewohnt hohe darstellerische Qualität (Hopkins flößt genau den Respekt ein, den auch die Rolle verlangt, Weaving schafft es, den Ernst und in homöopathischer Dosis auch die Sichtweise seiner Figur zu vermitteln), doch genau wie die brütende Melancholie der Hauptfigur ist all das wohl und alt bekannt, und dementsprechend auch zu erwarten gewesen. Woran sowohl Drehbuch als auch Regisseur – und somit unweigerlich die Darsteller – scheitern, ist, den Zuschauer zu überraschen und emotional abzuholen.

So plätschert das Geschehen einem Bächlein gleich vor sich hin, unterbrochen nur von den eindrucksvollen Mutationsszenen sowie einem erzählerischen Abstecher in die Großstadt, der ebenfalls unspektakulär geriet und irgendwie an Filme wie HULK und THE LEAGUE OF EXTRAORDINARY GENTLEMEN erinnert. Als Finale gibt es dann einen aufwändigen Kampf, der ohne die Basis einer emotional packenden Geschichte schneller öde wird als die Lektüre eines Mondphasenkalenders. Oder die Figur von Emily Blunt, die als Witwe des verstorbenen Bruders des Protagonisten den ganzen Film in einer Art traumatischem Schockzustand verbringt. Anders lässt sich ihre Ausdrucks- und Belanglosigkeit schon kaum mehr erklären.

Nicht wirklich schlimm, aber auch zu keiner Zeit mehr als das, was zu erwarten war.
Wer sich einen Wolf drauf gefreut hat, braucht keinen Vollmond mehr, um zu heulen.


TM, 01.09.2010