Mindhunters.

So weit ist es nun schon. Ich verhalte mich wie Teenager in einem Horrorfilm. Statt die offensichtlichen Zeichen (B-Movie-Cover, Christian Slater) zu befolgen, höre ich auf den Rat der unbedenklich scheinenden Einheimischen und nehme einen Film mit nach Hause, für den ich normalerweise nicht einmal aus purem Mitleid bei strömendem Regen angehalten hätte. Zwei Stunden später finde ich mich auf meiner eigenen Couch wieder und winde mich vor Schmerzen. MINDHUNTERS, so der Name meines Peinigers, ist ein Psychothriller aus dem Jahr 2004, in dem eine Gruppe angehender FBI-Profiler von einem Serienkiller mit einer Vorliebe für perfide Fallen im übertragenen wie wörtlichen Sinne auseinandergenommen wird. Im Gegensatz zu SAW, der im gleichen Jahr startete, handelt es sich hierbei jedoch um Fallen, die nicht auf Folter und ein eventuelles Überleben ausgelegt sind, sondern um heimtückische, ebenfalls individuelle für jedes Ziel konzipierten Attacken, die keinerlei Chance auf Überleben einräumen sollen.

Das Ganze wird als »battle of the minds« verkauft und hätte als solches auch einen sehr soliden Unterhaltungswert besitzen können, wäre da nicht das Drehbuch, dass der Prämisse einen derart dicken Strich durch die Rechnung macht, dass man nicht einmal mehr erkennen kann, was als Gesamtsumme unten heraus kommen sollte.

Das Problem des Drehbuchs, und somit des gesamten Films, ist nämlich, dass sich Autor Wayne Kramer gehörig verhoben hat, als er sich der Gruppe hochintelligenter Studenten annahm. Diese unterscheiden sich kein Stück von den bescheuerten, übermäßig neurotischen Volldeppen, welche die üblichen Slasher bevölkern. Im Gegenteil, sie lassen manche ihrer Genrekollegen richtig gut aussehen, denn der »damaged goods«-Anstrich, den Kramer seinen Figuren verleiht, resultiert in Sprechtext und Aktionen, die haarsträubender kaum sein könnten. Man muss es schon selbst erleben, um zu glauben, wie bescheuert die Figuren sind, und was sie stellenweise von sich geben.

Der Klarheit wegen sei betont: Natürlich ist es legitim, Figuren austicken zu lassen, sobald sie in Situationen geraten, von denen sie sich heillos überfordert fühlen. Die Frage ist nur, in welchem Kontext man diese Figuren einführt und wie man diese zu Beginn des Films charakterisiert hat. Bedenkt man, dass es sich hier um Spezialisten am Ende ihrer Ausbildung handeln soll, die (damit wird der Film eröffnet) bereits in eindringlichsten Simulationen auf die Probe gestellt wurden, kann man beim Besten willen nicht mehr argumentieren, dass irrationales Verhalten solcher Ausmaße nur natürlich wäre, denn es lässt den selben Mangel an Selbsterhaltungstrieb erkennen, über den man bei anderen Produktionen den Kopf schüttelt. Davon abgesehen findet auch keine Entwicklung statt, die eine zunehmende Furcht erkennen lässt. Statt dessen verfallen die Charaktere so widerstandslos dem paranoiden Wahn wie die Dominosteine der ersten Falle um.

Was Val Kilmer, Christian Slater und LL Cool J (ja, genau der), in dieser Produktion verloren haben, und was genau sie mit ihrer Leinwandzeit anfangen, soll hier außen vor bleiben. Auch diese Kombination hätte, zumindest zum damaligen Zeitpunkt, Warnung genug sein sollen. Empfehlen kann man MINDHUNTERS jedenfalls nur absoluten schmerzbefreiten Genre-Junkies, denen glaubwürdige Dialoge und Wendungen vollkommen schnuppe sind, solange nervtötende Charaktere auf kreative Weise das Zeitliche segnen. Alle anderen werden sich über das Ende, dass noch die ganze Fadenscheinigkeit der Geschichte entblößt, kaum mehr aufregen können. Denn glücklicherweise schaltet sich ja ab einem gewissen Pensum an Pein der menschliche Geist einfach ab.


TM, 02.09.2010