The Ghost Writer.

Selten sind sie, die Filme, in denen einfach alles stimmt. THE GHOSTWRITER ist solch ein Fall. Mit ruhigem Tempo und leisen Tönen komponiert (anders darf man es schon nicht mehr nennen) Regisseur Roman Polanski einen Thriller, wie man ihn sich harmonischer kaum wünschen kann. Der angedeutete Widerspruch in dieser Aussage ist dabei stellvertretend für den einzigen kritischen Hinweis, den man in diesem Kontext geben muss: THE GHOSTWRITER ist Programmkino, ein guter Wein mit edler Note, der jedoch auch einen gewissen »Feingeist« voraussetzt, um überzeugen zu können. Er ist nicht wahnsinnig packend, nicht unfassbar einfallsreich und auch nicht so intensiv, dass man noch Jahre später davon sprechen wird. Doch wer zieht nicht mit Freuden einen Film, der gut sein möchte und das schafft, einem Film vor, der bahnbrechend sein will, und an diesem Anspruch scheitert.

Schon in der ersten Einstellung, in der eine Fähre in einen Hafen einläuft, wird deutlich, dass gleich etwas Besonderes folgen wird. Die Stimmung, die von Kamera und musikalischer Untermalung transportiert wird, während sich der Bug langsam öffnet, liegt einen Tick abseits der gewohnten Kost, wirkt einen Hauch kühler, eindringlicher, ja sogar »bedachter« als in anderen Filmen. Würde es sich nicht um die Verfilmung eines Romans von Robert Harris handeln, träfe es der Vergleich am Besten, dass sich die Szene anfühlt, als würde man sie gerade lesen, nicht betrachten. Wer sich hiervon schon gelangweilt fühlt, kann eigentlich gleich abschalten.

Dieses Gefühl zieht sich durch den gesamten Film, dem es gelingt, sich seine Klarheit in allen Aspekten zu bewähren. Allen voran muss hier die brillante Besetzung erwähnt werden. Ewan McGregor und Pierce Brosnan entpuppen sich als ideale Wahl für ihre jeweiligen Rollen und überraschen – gestützt durch vortreffliche Dialoge – mit einer Authentizität, die man ihnen nicht unbedingt zugetraut hätte. Genauso erwähnenswert sind jedoch die weiteren Rollen, bei denen man geradezu ins Schwärmen gerät. Olivia Williams, Kim Cattrall und Tom Wilkinson kann man schon kaum mehr für ihr gutes Spiel loben, so perfekt sind sie besetzt.

Die Geschichte selbst ist relativ geradlinig, profitiert aber von dem durchweg professionellem Timing und guter Glaubwürdigkeit, so dass die Passagen, in denen der literarische Charakter in den Vordergrund tritt, nie störend auffallen. Dabei ist zu beachten, dass es kaum eine Rolle spielt, was letztlich hinter dem mysteriösen Todesfall steckt. THE GHOSTWRITER handelt nicht allein von der Aufklärung eines Verbrechens, sondern – wenn man so will – vom klassischen Bild der Fliege, die sich in einem Spinnennetz verfängt und immer weiter darin verstrickt, je mehr sie sich nach einem Ausweg umsieht. Der politische Aspekt wird dabei lediglich in homöopathischen Dosen verabreicht und lässt nie seine Funktion als Katalysator vergessen. Wenn die Buchvorlage, wie es heißt, auch als Abrechnung mit Tony Blair zu verstehen ist – der filmischen Umsetzung merkt man nicht viel davon an.

Schlussendlich lebt THE GHOSTWRITER jedoch von seiner Stimmung, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Laufzeit zieht. Mit einem herben, in gewissem Sinne für Polanski-Filme typischen Ende wird dann noch eine Schlussnote gesetzt, die endgültig beweist, wie schön und erwachsen ein Thriller wirken kann, der sich nicht darum sorgen muss, wie er an den Kinokassen abschneiden wird.

Einfach großartig.


TM, 02.09.2010