Triangle.

Im DVD-Interview zu TRIANGLE erzählte einer der Macher, wenn mich die Erinnerung nicht trügt Regisseur und Drehbuchautor Christopher Smith himself, wie er auf die Idee zu TRIANGLE kam. Im Wesentlichen war es der Anblick eines Kreuzfahrt- schiffes, der den Stein ins Rollen brachte. Darauf folgte ein konkreter Einfall im Zusammenhang mit diesem Schiff, und der Film war geboren. In Folge dessen wurde »Schicht auf Schicht« hinzugefügt, bis am Ende ein Plot stand, der (SPOILER!) sich wohl als »Täglich grüßt das Murmeltierauf einem Hochseedampfer« beschreiben lässt – nur eben im Horrorgenre.

So gerät die obligatorische Gruppe junger Menschen mit einem Segelboot in ein mysteriöses Unwetter und erleidet Schiffbruch, wobei eine der Frauen verloren geht. Nachdem sich die Verbliebenen auf das Wrack gerettet haben, taucht unvermittelt besagtes Kreuzfahrtschiff auf. Das ist dann der Moment, an dem man sich noch einmal die Hülle ansieht, um sicher zu gehen, dass man nicht versehentlich GHOST SHIP ausgeliehen hat.

Während die Überlebenden versuchen, auf sich aufmerksam machen, sehen sie im Gegenlicht eine Gestalt an der Reling stehen, die auf Zurufe jedoch nicht reagiert. Als ein Weg aufs Schiff gefunden ist, schlägt den Schiffbrüchigen eisige Stille entgegen. Von der Gestalt sowie den übrigen Passagieren, der Crew und dem Kapitän, ist keine Spur zu entdecken. Der Schein trügt: Bald mehren sich nicht nur die Zeichen, dass sie beobachtet werden, auch Protagonistin Jess wird das komische Gefühl nicht los, bereits einmal hier gewesen zu sein.

Was dieser durchaus spannend inszenierten Einführung folgt, ist mehr oder minder klassische Slasher-Kost, nur eben angereichert mit erwähnter Mystery-Komponente. Deren Besonderheit wird schnell enthüllt, was klug ist, da es recht schwer sein dürfte, im Vorfeld die zahlreichen Hinweise auf Plakat, DVD-Hülle, Trailer usw. zu übersehen. Dieser Faktor rettet den Film auch vor dem Untergang, denn einfallsreich und mitreißend ist die Jagd für sich genommen nicht.

Es besitzt jedoch einen nicht geringen Unterhaltungswert, mitzuerleben, wie die einzelnen Sequenzen ineinandergreifen. Hier wurde durchaus intelligent und kreativ gearbeitet, was jeden freuen dürfte, der sauber konstruierte Geschichten zu schätzen weiß. So ist am Ende noch Platz für die ein oder andere kleine Überraschung oder – wenn man zuvor gut Acht gegeben hat – Bestätigung von Vermutungen.

Auch kann man den Szenen auf dem Kreuzfahrtschiff eine gewisse Atmosphäre nicht absprechen. Hier wäre im Hinblick auf das Thema aber mehr drin gewesen, die meiste Zeit über werden nur Lücken gefüllt, die nach dem ersten »Durchlauf« schon ersichtlich waren. Hier macht sich dann etwas Ernüchterung breit, da manche Momente auf mehr Reaktion vom Zuschauer zu hoffen scheinen, als realistisch zu erwarten wäre.

Mit zunehmender Laufzeit lässt sich kaum übersehen, dass ein echter Kontext, ein Zusammenhang zwischen Lokalität und Handlung, nicht gegeben ist. Natürlich braucht ein derartiger Plot einen isolierten, begrenzten Raum abseits der Zivilisation, um funktionieren zu können. Auch deutet der Titel des Films bereits an, was als Erklärung für das Zeitphänomen dienen soll. Dass der Film dem Zuschauer eine echte Erklärung schuldig bleibt, ist im Hinblick auf die Bauchlandungen diverser Genrekollegen eher zu begrüßen, streng genommen fehlt es aber dennoch an Kausalität und Kreativität. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sowohl TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER, wie auch Serien wie SUPERNATURAL, eindrucksvoll bewiesen haben, dass ein solcher Plot auch mitten im Chaos einer bevölkerten Stadt funktionieren kann. Es erfordert dann nur sehr souveränes Erzählen.

Als Slasher für Tretbootfahrer und Leichtmatrosen eine schöne Abwechslung, für alteingesessene Skipper auf den sieben Meeren des Grauens eher leichte Frühstückskost. TRIANGLE geht unterwegs nicht unter, läuft nach 100 unterhaltsamen Minuten aber trotzdem nur in den Hafen der Mittelmäßigkeit ein.


TM, 02.09.2010