The Last Exorcism.

Wenn es etwas Abschreckendes bei THE LAST EXORCISM gibt, dann ist dies nicht das neckische Poster, bei dem Aerobic-Kultisten feuchte Augen bekommen, sondern das Stilmittel, mit dem das Erstlingswerk von Regisseur Daniel Stamm seine Geschichte erzählt. Ein Kamerateam begleitet einen Prediger auf seinem »letzten Exorzismus«, um eine Dokumentation über die betrügerischen Praktiken zu drehen, mit denen arglos-fanatische Hinterwäldler hinters Licht geführt und um ihr Geld erleichtert werden. Es kommt natürlich alles anders, aber wirklich überraschen wird das niemanden, denn Filme dieser Art gibt es zuhauf.


Was aber sogleich gefällt, ist der Tonfall, den das einleitende Interview mit besagtem Prediger (Patrick Fabian) anschlägt. Fabian überzeugt von der ersten Minute an mit Charme und Charisma und macht sich so in seiner Rolle glaubwürdig. Auch die Motivation hinter seinem letzten Exorzismus ist einfach, aber nachvollziehbar und erklärt seine Teilnahme und die Dreharbeiten selbst besser als die üblichen Varianten, die sich meist auf Zufall berufen – oder auf einen Protagonisten, der weiter geht, als es das Kamerateam erwartete. Dies verhilft dem Film auch zu einigem Witz, denn der Blick in die Arbeits- und Gedankenwelt eines professionellen Betrügers geriet tatsächlich höchst unterhaltsam. Dies gilt auch für die übrigen Rollen, die durchweg gut besetzt wurden und trotz ihrer Klischeehaftigkeit nie wirklich unrealistisch wirken.

Natürlich lässt sich streiten, ob dies ausreicht, um die abgedroschene Prämisse interessant zu machen. Wenn sich Drehbuchautoren und Regisseur für ein Stilmittel entscheiden, das die Erzählung derart dominieren muss, sollte die Bewertung jedoch auf der Frage aufbauen, wie konsequent und harmonisch Stil und Handlung kooperieren. In diesem Beispiel bedeutet das: Wann läuft die Kamera, wann nicht? Welche Rolle spielt die Kamera als Erzähler? Wie natürlich fühlt sich die Aufbereitung für den Zuschauer an? Und wie verhält sich das Filmteam, wenn der ursprüngliche Plan in Furcht und Chaos mündet?

An dieser Stelle kann man dann mit den Fragen wieder von vorne beginnen, denn mit zunehmender Intensität der Ereignisse muss die Glaubwürdigkeit fortwährend neu unter Beweis gestellt werden.

THE LAST EXORCISM schlägt sich hier wesentlich besser als viele seiner Verwandten, was auch daran liegt, dass auf allzu effektreiche und gewalttätige Szenen verzichtet wurde. Projektmentor Eli Roth ist zwar namentlich auf dem Plakat aufgeführt, hielt sich aber offenbar zurück, denn die Geschmacklosigkeiten, für die er bekannt und berühmt ist, fehlen in diesem geradezu klassischen Gruselthriller komplett. Das mag jene enttäuschen, die sich Krasseres erhofft hatten, kommt dem Film aber zugute.

Leider entgleist die Handlung am Ende abrupt in ein Finale, das die einzige, große Schwachstelle des Films darstellt. In dem Bestreben, mit einem Knall zu schließen, wird die Suspense einer billigen, aufgesetzt wirkenden Enthüllung geopfert. Hier holt der Film auch alle Wackelkameraanfälle nach, die er sich zuvor verkniffen hatte.

Wer darüber hinweg sehen kann, und sich vom Ende nicht das zuvor gesehene vermiesen lässt, darf sich über erstaunlich unaufgeregten, stimmungsvollen Exorzisten-Horror freuen, der in seinen besseren Momenten mit subtilen Mittel große Wirkung zeigt.


TM, 19.09.2010