Im Westen nichts Neues: Wenn ein Trailer eine Intensität verspricht, die das Endprodukt nicht liefern kann, hat man es in der Regel mit Blockbuster-Kino zu tun, das über ein ansehnliches Budget, werbewirksame Actionszenen und eindrucksvolle CGI-Effekte verfügt. Die Ausnahmen sind deshalb nicht weniger enttäuschend. Mit seinen Trailern, von denen einer komplett auf Sprechtext verzichtete, versprach RED HILL atmosphärische Bilder und weckte Neugierde auf einen spannenden Genremix aus Western, Horror und Thriller. Das mag der Film auch streng genommen sein. Leider funktioniert er in keiner dieser Kategorien besonders gut.
RED HILL frustriert mit dünner Handlung und seichten Charakteren, scheitert aber vor allem an dem Anspruch, mehr aus dem stimmungsvollen Setting zu machen. So dienen das australische Outback und die damit verbundenen Western-Anleihen lediglich als Kulisse für einen wenig überraschenden Rache-Thriller, der lediglich damit erstaunt, wie ein Film bei so viel Mord und Totschlag derart blutleer vor sich hin plätschern kann. Apropos blutleer: Hauptdarsteller Ryan Kwanten, manchen vielleicht aus der TV-Serie TRUE BLOOD ein Begriff, verdient fast ein wenig Mitleid, da er den Protagonisten dieser Geschichte nicht nur ertragen, sondern auch noch verkörpern muss. Der verhält sich nämlich entweder passiv, kleinlaut oder unsinnig, was im Kontrast mit Steve Bisley als herrischem Kleinstadtsheriff nur umso anstrengender wirkt.
Zugegeben, RED HILL ist kein schlechter Film. Dafür ist er handwerklich zu sauber ausgeführt. In seinen besseren Momenten erinnert er sogar ein wenig an den Carpenter-Klassiker ASSAULT ON PRECINCT 13. Dieser Vergleich basiert aber auf einer Menge Wohlwollen, das sich RED HILL im Laufe seiner ca. 90 Minuten zunehmend verspielt. Die verschiedenen Elemente wollen zu keinem Zeitpunkt richtig zünden. Das mag bei eingestreuten Details und aufgesetzter Symbolik nicht weiter stören, wird aber gegen Ende hin extrem lästig, wenn mit einem von Exposition und Rückblenden betriebenen Kipplaster noch schnell eine »überraschende« Wendung sowie eine Wagenladung Tragik auf das Finale geschüttet wird. Wer nicht darauf abfährt, wenn ein Film ohne Gespür und Verstand an den emotionalen Fäden seines Publikums zerrt, kann dann eigentlich schon gehen.
Summa summarum kann man RED HILL weder Western- noch Horror-Fans rückhaltlos empfehlen. Somit ist er mehr für Filmfans interessant, die australisches Kino mögen und sich dafür interessieren, wie der Film verschiedene Elemente und Stilrichtungen in sich vereint. Patrick Hughes beweist mit seinem ersten abendfüllenden Film, bei dem er Regie führte und das Drehbuch schrieb, auf jeden Fall Potenzial. Ob er dieses auch auszuschöpfen vermag, wird sich leider erst in seinem nächsten Werk zeigen können.