Rollin‘ rollin‘ rollin‘
Though the limbs are swollen
Keep that camera rollin‘
Rawhide!
Es gibt genau einen Grund, sich THE SILENT HOUSE anzusehen. Der kleine, unauffällige Spukfilm wurde – laut Aussage der Macher – in einer einzigen Einstellung gedreht. Kein Schnitt, keine Abblende, kein Szenenwechsel, nichts. Die Protagonistin wird unterbrechungsfrei auf ihrem Horrortrip begleitet, der damit beginnt, dass die junge Frau mit ihrem Vater ein abgelegenes Landhaus für den Verkauf herrichten soll. Alles was passiert, geschieht demnach in Echtzeit, beginnend mit der einsetzenden Dämmerung, der ersten Filmminute. Das Grauen, das die junge Frau im Haus erwartet, entsteht somit ohne plötzliche Umblenden und Schock-Momente, welche auf Schnitttechnik angewiesen sind.
Das geht? Und wie das geht. Das Eindrucksvollste daran ist, dass es sich erwähnte Crew nicht einfach gemacht hat. Beginnend mit den dicht möblierten Zimmern, über komplizierte Kamerafahrten (beispielsweise durch ein parkendes Auto) bis hin zu den ständig wechselnden Lichtverhältnissen und notwendigen Schärfe- und Fokus-Einstellungen kann man sich vor lauter Staunen über die Kameraführung und die Leistung der Hauptdarstellerin kaum mehr auf die Handlung konzentrieren. Dass diese auch keinerlei Aufmerksamkeit verdient, ist bedauerlich, steht aber auf einem anderen Blatt.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es natürlich einige Momente gibt, in denen ein unauffälliger Schnitt problemlos möglich gewesen wäre und vielleicht auch vorgenommen wurde. So wird das Bild ein paar Mal komplett dunkel, weil das Licht verlöscht, und auch an anderen Stellen kann man Ansatzpunkte sehen, wenn man sich mit der Materie auskennt (ich rede hier nicht von mir). Angesichts dessen, was an anderen Stellen eindeutig geleistet wurde, darf man diese Unsicherheit aber in Kauf nehmen und das Experiment als geglückt erklären.
Kommen wir vom Erstaunlichen zum Ärgerlichen: So viel Kreativität und Können auch in die technische Umsetzung geflossen sein mag, so uninspiriert und abgegriffen ist die eigentliche Handlung. Die simple Spuk-Geschichte, für die aus unerfindlichem Grund drei Autoren notwendig waren, nudelt nicht nur lauwarme Klischees im Dutzend herunter, das Ende kann man auch mit gutem Willen nur noch als Vollkatastrophe beurteilen. Dies gilt insbesondere, da es das Gesehene auf eine Weise in Frage stellt, welche die spannende, in die technischen Umsetzung verwobene, Erzählweise mit beschmutzt. Dass dieses Fiasko womöglich dadurch zustande kommt, dass der Quark auf tatsächlichen Gegebenheiten beruhen soll, scheint als Vermutung naheliegend, tröstet aber nicht über die Tatsache hinweg, dass der Film in der Gesamtwertung massiv abfällt.
Auch nach Wochen bin ich von Idee und Umsetzung so angetan, dass ich dem Film eine positive Wertung bescheinigen möchte. Man muss sich wohl damit abfinden, dass ein Film wie dieser nur mit einer Handlung wie der beschriebenen möglich sein kann. Nur weil das Experiment auf technischer und atmosphärischer Ebene funktioniert hat, darf man nicht vergessen, dass erzählerische Beschränkungen damit einher gehen, beispielsweise was die Anzahl der Figuren und die Sprechtextmenge betrifft, die kaum ein anderes Genre erlaubt oder vergeben hätte. Anders formuliert: Die Fragen, die ich mir im Vorfeld stellte, war nicht etwa: »Wird mich die Geschichte faszinieren?« oder »Werden mich dich Darsteller überzeugen«, sondern einfach: »Schaffen die das? Ziehen die das durch?« Die Antwort lautet in beiden Fällen: ja.
THE SILENT HOUSE ist durchaus spannend, wird aber von einer uninspirierten Geschichte und einem fürchterlichen Ende in die Knie gezwungen. Filmfans, die für derlei Experimente offen sind, kann dieser Film – wenn auch nur unter Vorbehalt – empfohlen werden. Wem es allein um einen guten Horrorfilm geht, der sollte auch an PARANORMAL ACTIVITY oder BLAIR WITCH PROJECT Gefallen gefunden haben, um seine Investition nicht zu bereuen.