Besserwisser mögen »Platitüde!« rufen, dennoch muss an dieser Stelle das Offensichtliche als Einleitung dienen: Kein Film ist eine Insel. Ebenso wie der Erfolg oder Misserfolg eines Films noch Jahre später in dessen Genre nachhallen und Hollywood zu immer neuen Wiederholungstaten (oder deren Gegenteil) anstacheln mag, wird das Publikum einen Film immer an vergleichbaren Werken messen, die es bereits gesehen hat. Eine gewisse zeitliche Nähe kann die Wertung dabei dramatisch beeinflussen.
PRINCE OF PERSIA bietet eine Menge Sand, ist aber ebenfalls keine Insel, sondern eine Wüste. Eine Ideen-Wüste, sozusagen. Oder, um wenigstens den Anschein einer ernsthaften Rezension zu erwecken: Ein Abenteuerfilm klassischer Machart, der eine Zielgruppe anvisiert, die eben erst ein zweistelliges Alter erreicht hat, und das als Berechtigung dafür verwendet, sich in seiner eigenen Oberflächlichkeit zu suhlen und konsequent auf Einfallsreichtum zu verzichten. Ziel einer Rezension über einen solchen Film könnte sein, zu erörtern, warum man sich das als Erwachsener ansehen sollte. Leider fällt mir beim besten Willen kein Grund dafür ein.
Gut, für die Damen gibt es da Jake Gyllenhaal, der brav trainiert und in für Walt Disney Pictures vertretbarem Rahmen entblößt durch die erwartungsgemäß mit Parcours-Anleihen choreografierten Actionsequenzen hampelt. Angesichts des Niveaus, auf dem sich die Handlung abspielt, mag man ihm keine Profillosigkeit vorwerfen, es darf aber behauptet werden, dass jeder andere die Rolle ebenso hätte übernehmen können, Paul Giamatti vielleicht ausgenommen.
Für Cineasten ist da der großartige Ben Kingsley interessanter, der hier leider auch nicht spielen darf, dafür aber mehr Eyeliner trägt als die Puffmutter im Harem des Kalifen – welcher natürlich nicht gezeigt wird. Love-Interest Gemma Arterton gelingt es, stellenweise halbwegs süß zu wirken, doch auch ohne THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED gesehen zu haben wage ich die Behauptung, dass da deutlich mehr Potenzial vorhanden ist, als in diesem Fall gezeigt werden durfte.
Darüber hinaus wird man – ich kann kaum glauben, dass ich das schreibe – eher daran erinnert, dass DIE MUMIE doch nicht so schlecht und DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES doch nicht so eintönig gewesen sein kann, auch wenn diese Erkenntnis einer Prüfung womöglich nicht standzuhalten vermag. Und er dient als guter Beleg, dass INDIANA JONES auch nach einem mauen vierten Teil das Genre zu regieren vermag, jegliches »Ja, aber…« mal beiseite.
Da also der Film für sich genommen unter keinem Gesichtspunkt erwähnenswert ist, soll diese Kritik als Einleitung für die beiden Folgefilme, ROBIN HOOD und CENTURION, dienen. Denn hierbei handelt es sich ebenfalls um »Abenteuerfilme mit Schlachten-Anteil«, zu denen PRINCE OF PERSIA aufgrund einiger Handlungselemente durchaus gezählt werden kann. Auch hier haben wir einen Helden, der dem Zuschauer als Underdog verkauft wird, obwohl er natürlich keiner ist, und sei es nur, weil es sich um einen geborenen Anführer handelt. Auch hier haben wir mindestens eine fulminante Schlachtenszene, die den Film eröffnet, sowie zahlreiche kleinere Scharmützel im weiteren Verlauf der »Handlung«. Und da drei Titel schon ein Special rechtfertigen, wollen wir mal nicht so sein.
Es mag ein Fehler sein, von einem Bruckheimer-Spektakel mehr als Mittelmaß zu erwarten, doch mit einer großen Zahl an aufwändigem Actiontiteln in 2010 fällt es schwer, dem Prinzen eine echte Daseinsberechtigung zuzusprechen. Und so schließen wir mit der Frage:
Wohin schickt man jemand, der schon in der Wüste ist?