Ordentlich Prügel hat er einstecken müssen, unser Held, und damit ist sowohl der titelgebende Protagonist gemeint als auch einstiger Publikumsliebling unter den Filmemachern, Ridley Scott. Dieser nahm sich der weitläufig bekannten Legende an und strickte daraus – unterstützt von nicht weniger als vier Drehbuchautoren, immer ein gutes Zeichen – eine Art Prequel zu jener Geschichte, die man unter diesem Titel eigentlich erwartet.
Herausgekommen ist dabei der wohl langweiligste Schlachtenfilm, den man sich vorstellen kann, ein Heldenepos ohne erinnerungswürdige Höhepunkte, der sich gerade weit genug an seiner Vorlage orientiert, um schmerzlich spürbar zu machen, was der Film ebenfalls hätte werden können: Eine überfällige, salonfähige Ablösung für den schlecht gealterten Kevin Costner Streifen.
Doch das ist nur die vorherrschende Meinung, und dies wäre keine AcidBar-Rezension (Markenaufbau, Baby!), wenn an dieser Stelle nicht ein »Aber…« folgen würde. Denn im Gegensatz zu vielen Kritikern, deren durch einleitenden Absatz hinreichend dargelegten Standpunkt ich durchaus nachvollziehen kann, fand ich den Film durchweg interessant, unterhaltsam und erfrischend anders.
Das mag zum Teil daran liegen, dass die überwiegend negativen Stimmen meine Erwartungshaltung weit genug gedämpft hatten. Oder an dem kurz zuvor durchlittenen, inhaltsleeren Rohrkrepierer PRINCE OF PERSIA, dem ein wenig jener Bodenständigkeit, die ROBIN HOOD anhaftet, gut getan hätte. Ich würde ROBIN HOOD aber Unrecht tun, den Grund für meine Empfänglichkeit und die daraus resultierende, positive Grundstimmung allein dem vorangegangenen Fehltritt zuzuschreiben. Somit soll folgendes Beispiel sowohl als Beleg für die unleugbaren Stärken des Films, als auch als Beweis dafür dienen, wie wenig manchmal genügt, mich zufrieden zu stellen.
In einer für den Film symptomatischen Szene erfährt die in dieser Version überaus und doch glaubwürdig spröde Marian (Cate Blanchett) vom Tod ihres im Kreuzzug verstorbenen Mannes. Gewohnt, sich allein in einer erbarmungslosen Welt zu behaupten und Schutz in unterkühltem Ernst zu finden, wendet sich die Witwe von Robin Longstride (Russell Crowe), dem Überbringer der Nachricht, ab. Während sie sich mit steinerner Miene entfernt, knickt sie ein, so dass ihr Gang für einen Augenblick aus dem Gleichgewicht gerät. Doch anstatt zu stürzen, fängt sie sich wieder und setzt ihren Weg ungerührt fort. Kaum zwei Schritte später ist der Augenblick der Schwäche vergessen, als hätte es ihn nie gegeben.
In dieser Szene zeigt sich die Detailverliebtheit des Films ebenso wie die großartige Leistung seiner Darsteller. Das solche Augenblicke, von denen es einige gibt, nicht im Hollywood-Storytelling und dem endlosen Schwertgeklirre untergehen, rettet den Film in meinen Augen in den soliden Durchschnitt und gleicht viele der Fehltritte aus, die Genre und Drehbuch zweifellos innewohnen.
Als Schmankerl gibt es noch jeweils eine kleine Portionen William Hurt, Max von Sydow und Mark Strong auf der positiven Seite und – zur Trübung des Vergnügens – den Wermutstropfen einer Herr-der-Fliegen-Kinder-Enklave sowie einige Rückblenden, denen man das Publikum anmerkt, für das sie gedacht sind. Summa summarum keine Offenbarung, aber solide Unterhaltung auf technisch hohem Niveau, die sich hinter den anderen Abenteuerfilmen der letzten Monate sicher nicht verstecken muss.
Interessante Charaktere, versierte Darsteller, und ab und an ein kräftiges Scharmützel – mir hat‘s gefallen, pfeilgrad, wie der Österreicher sagt.