Schuster, bleib bei deinem Leisten. LITTLE BIG SOLDIER funktioniert als Abenteuerfilm mit Herz genau in jenen Szenen, in denen Jackie Chan das tut, was er am Besten kann: Martial Arts mit einfachem, verschmitztem Humor anreichern. Mit dieser Einsicht lässt sich das Drehbuch leider Zeit. Der augenzwinkernde Charme des kleinen Mannes, der eigentlich kein Held sein will, hat Chan berühmt gemacht, braucht hier aber erstaunlich lange, um in die Gänge zu kommen.
Filme wie THE SHINJUKU INCIDENT (den ich nicht gesehen habe) lassen vermuten, dass LITTLE BIG SOLDIER ein weiterer Versuch von Chan war, ein ihm wichtiges Thema oder eine ihm wichtige Geschichte mit etwas mehr Ernst zu behandeln, als die breite Masse von seinen Filmen gewohnt ist. Leider funktioniert dies nur insoweit, dass der Film ohne Chans »special sauce« wie jeder x-beliebige, asiatische Mittelalterfilm daher kommt: austauschbar und unterkühlt pathetisch.
Glücklicherweise nehmen die Szenen, in denen Chan sein Publikum mit der bewährten Kost bedient, über die Laufzeit hinweg kontinuierlich zu. Das macht LITTLE BIG SOLDIER dann nach zähem Einstieg doch noch zu einem großen Vergnügen. Der verbalen und physischen Kabbeleien zwischen den beiden Hauptfiguren funktionieren gut (weitaus besser z.B. als die mit der unnötig eingestreuten, weiblichen Nebenfigur), die Kampfszenen sind über weite Strecken nicht besonders kreativ choreografiert, erfüllen aber ihren Zweck.
Umso erstaunlicher ist es, dass der Film in seinen letzten Szenen stimmungsmäßig vollkommen kippt und in ein deprimierendes Ende abrutscht, das man sich allem lobenswerten Realismus zum Trotz durch ein leichtfüßigeres ersetzt wünscht.
LITTLE BIG SOLDIER ist keine Enttäuschung, wird aber von seinen eigenen, fehlgeleiteten Ambitionen überschattet und endet so in einer kruden, dysfunktionalen Mischung aus Humor, Heldengeschichte und Road-Movie.
Tragikomik geht anders.