Guter Trash, das muss selbst ich als Kostverächter eingestehen, ist eine Kunstform für sich. Das zeigt sich spätestens dann, wenn ein Film versucht, trashig zu sein, und dabei eine Bauchlandung hinlegt. Besonders fade wird es, wenn die Übung in Selbstironie 10 bis 20 Jahre zu spät kommt. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass beides auf THE EXPENDABLES zutrifft.
Die Rechnung war ja denkbar einfach: Man nehme ein Drehbuch für einen 80er-Jahre Actionknaller, füge ein wenig augenzwinkernden Charme hinzu, und multipliziere das Ganze mit 8. Acht Actionhelden alter Schule, von Urgesteinen wie Dolph Lundgren und Sylvester Stallone bis hin zu deren Erben Jet Li und Jason Statham, sollten mit mächtig Krawall und testosterongeladenen Einzeilern daran erinnern, was Actionfilme einst so unterhaltsam (und erfolgreich) machte.
Leider vergaß man dabei, auch Drehbuch und Inszenierung entsprechend zu gestalten, und so beschränkt sich der Multiplikator lediglich auf die Besetzungsliste. Herausgekommen ist dabei ein müder Vertreter eben jener Filme, die sich heute – zu Recht – in den Wühltischen der Elektrofachgeschäfte und Discounter finden. Von einer Verstärkung keine Spur. Auch die lobenswert konsequente FSK 18 Freigabe sowie der wirklich witzige Gastauftritt des fehlenden Neunten können nicht darüber hinweg täuschen, dass das, was letztlich über die Leinwand flimmert, von jedem noch so durchschnittlichen, zeitgenössischen Actionfilm an die Wand geklatscht wird.
Das liegt auch daran, dass die Verteilung auf die Figuren nicht funktioniert. So sind lediglich Stallone und Statham die meiste Zeit über zu sehen, während Darsteller mit ebenso viel Potenzial, wie Dolph Lundgren und Mickey Rourke, in Mini-Auftritten kläglich verenden. Da auch Jet Li und Alteisen Eric Roberts kaum zum Zuge kommen, bleibt wenig Zweifel daran, wem genau der Film zu einem zweiten Frühling verhelfen soll.
Genauso wenig, wie die Herren in der zweiten Reihe zum versprochenen Spektakel beitragen dürfen, funktionieren leider die Elemente, die an ihrer Stelle den Weg in die finale Schnittfassung fanden. So ist die angedeutete Romanze schlichtweg bescheuert und verpasst die Gelegenheit, es in Sachen Selbstironie mal richtig krachen zu lassen. Auch die Action gibt sich, vom Bodycount abgesehen, erstaunlich brav. Zwar existiert eine Szene, die jene Hemmungslosigkeit zelebriert, die man sich von einem Film wie diesem erwartet, dies führt aber lediglich dazu, dass man eben jene »Aufs Maul«-Mentalität die restliche Laufzeit über schmerzlich vermisst. Da hätten auch Chuck Norris, David Carradine (+), Van Damme und die doppelte Laufzeit wenig gerissen. Man braucht kein Mathematiker zu sein, um zu verstehen, dass kein Multiplikator ein höheres Ergebnis bringt, wenn der Multiplikand Null ist.
THE EXPENDABLES sollte eine Hommage an die »unschuldige Brutalität« einer Zeit werden, in der so vieles noch keinen faden Beigeschmack hatte, und sei es nur, weil die Filme oft schon bei ihrem Erscheinen lächerlich wirkten. Vermutlich, darf man mutmaßen, steckte dahinter auch die Hoffnung, dass jene, die mit diesen Filmen aufgewachsen sind, genauso begeistert sein würden wie der Nachwuchs, der das »gute Haudrauf-Kino« in dieser Form nicht mehr live mitbekommen hat. So absurd es sich auch lesen mag: THE EXPENDABLES hätte eine Brücke zwischen alten und jungen Actionfans schlagen und sich an beiden eine goldene Nase verdienen können. Ob es damit klappt, werden die Wühltische entscheiden.
Vielleicht hätte jemand den Mut aufbringen sollen, Stallone den bald 15 Jahre alten DOBERMANN zu zeigen. So kann und muss respektlose Action heute aussehen. Und dies ist nur eines von vielen Beispielen, von diskutablen, moderneren Auswüchsen wie CRANK und Co vorsätzlich abgesehen. Wie THE EXPENDABLES dagegen aussieht?
Alt.