Wer Filme liebt, muss einfach für die Coen Brüder schwärmen. Die Titel, aus denen sich ihr bisheriges Werk zusammen setzt, lassen keine andere Reaktion zu. Ihr Gespür für schräge Charaktere und krude Dialoge, für eigenwillige Geschichten und abstruse Situationen hat Joel und Ethan Coen berühmt gemacht, und erlaubt auch die aktive Verdrängung der wenigen mittelprächtigen Titel wie LADYKILLERS und EIN UNMÖGLICHER HÄRTEFALL, die zwar nett anzusehen waren, über weite Strecken aber uninspiriert wirkten.
Auch A SERIOUS MAN sollte man in dieser kurzen Liste nicht vergessen, obwohl ich mir weiterhin dessen bewusst bin, dass ich in diesem Fall mit meiner Abneigung alleine stehe. Was demnach alle Coen-Kenner eint, ist das gewisse Leuchten in den Augen, das man unweigerlich bekommt, sobald man über ihre Filme spricht. Dieses Leuchten mit jedem neuen Film zu erhalten – oder im Bestfall sogar zu erhellen – ist jedoch eine Herausforderung, der selbst zwei so große Talente langfristig kaum gewachsen sein können. Wenig verwunderlich also, wenn ab und an ein Film an diesem Anspruch scheitert. TRUE GRIT ist einer davon – und dennoch weit von einer Enttäuschung entfernt.
Nachdem die Coens so ziemlich jedes andere Genre besucht und – auf ihre Weise – gemeistert haben, entschieden sie sich mit TRUE GRIT nun für eine Kategorie, die nach NO COUNTRY FOR OLD MEN bereits absehbar war, und sich in Andeutungen auch durch Filme wie THE BIG LEBOWKSI zieht: Den Western. Und da Neuinterpretationen alter Geschichten ebenfalls keine Seltenheit bei ihren Filmen sind (A SERIOUS MAN, MILLERS CROSSING, O BROTHER WHERE ART THOU, usw.), darf es auch nicht wundern, wenn es sich bei diesem Western um ein waschechtes Remake handelt.
Die Geschichte über das (in diesem Fall) kleine Mädchen, das gemeinsam mit einem abgehalfterten U.S. Marshal (Jeff Bridges) und einem eitlen Texas-Ranger (Matt Damon) auf die Jagd nach dem Mörder ihres Vaters geht, zeigt durchaus Spuren jener Elemente, die einen guten Coen Film ausmachen. Die Charaktere sind gleichermaßen kauzig wie einprägsam geraten und werden von ihren Darstellern gut und glaubwürdig gespielt. Jeff Bridges trägt wieder seinen Bart spazieren, Matt Damon darf die Nervensäge geben, alles ist wunderbar. Die Dialoge sind genrebedingt etwas knapper gehalten und nur gemäßigt kurios, lassen aber immer wieder Funken Coen-schen Humors erkennen. Die sehr geradlinige Erzählweise passt zum Genre, und auch wenn das Ende ein wenig antiklimaktisch wirkt, rundet es die Geschichte in akzeptabler Weise ab.
Zusammen genommen reicht das für einen guten Western, leider aber nicht für einen wirklich guten Coen-Film. Man sollte zweifellos Fan des Genres sein, wenn man den Abspann mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen betrachten will. Es mag dem Film ein wenig Unrecht tun, ihn an einer derart großen Erwartungshaltung zu messen – doch lässt es sich angesichts der Namen vor und hinter der Kamera nicht vermeiden. Somit ist TRUE GRIT ein deutlicher Schritt nach vorn, vor den überwiegend drögen A SERIOUS MAN und nahe an NO COUNTRY FOR OLD MEN heran. Es ist ein Western, der es noch wagt, mehr Abenteuer als ein Abgesang aufs Genre zu sein. Dennoch bleibt es ein langer Ritt zurück zu der Größe, welche die Coen Filme einmal hatten.