Einen Film wie MACHETE an erzählerischen und qualitativen Standards messen zu wollen, macht in etwa so viel Sinn, wie die 10 Gebote auf einen Barsch anzuwenden. Keinen. Klar sollte jedoch sein: Rodriguez liebt es, im Schlamm zu wühlen. Und, um noch gehässiger zu werden, alten Dreck nach oben zu ziehen, um sich dann davon zu ernähren, was er darin finden. Das zeugt von einem gewissen Chuzpe, muss aber nicht jedem gefallen. Ob der einleitende Satz als Qualitätsurteil oder Schuldspruch ausgelegt werden sollte, ist somit eine reine Glaubensfrage.
Weil Rodriguez sich nicht zu schade dafür ist, seinen Vorbildern in immer neuen Trash-Kunstwerken zu huldigen, beglückt er uns auch dieses Mal mit einer Hommage an das Kino, welches jene, die ihn vergöttern, kaum mehr kennen. MACHETE, der zunächst im Rahmen des Grindhouse Double Features mit einem kultigen Fake-Trailer in Erscheinung trat, wurde dem johlenden Publikum aufgrund der großen Resonanz nun tatsächlich noch als vollwertiger Spielfilm vor den Latz gerotzt. Katzengold für Freunde des schlechten Geschmacks, die (im Idealfall gruppiert und alkoholisiert) knackige Hintern und große Kaliber abfeiern möchten.
Also kaspern sich Danny Trejo, Robert de Niro, Don Johnson, Jessica Alba, Michelle Rodriguez und Steven Seagal durch eine wahnwitzige, absurd-humorvolle Gewaltorgie im Stil alter Rachethriller, C-Movies und Spagetthi-Western, die sich redlich bemüht, politisch inkorrekt zu sein. Da wird einer Schwangeren in den Bauch geschossen, ein Priester in der Kirche gekreuzigt und auch ansonsten möglichst viel derber Unsinn fabriziert, um das gelangweilte Samstag-Abend-Publikum aus der Reserve zu locken. Erlaubt ist, was Spaß macht. Man kennt das.
Dass dies – für sich genommen – funktioniert, liegt zum guten Teil an der Unbekümmertheit, mit der sich Regie, Drehbuch, Darsteller und Inszenierung aufeinander einlassen. Es ist ein derber Scherz auf Stammtisch-Niveau, der hier über knapp 2 Stunden ausgewalzt wird, und dabei doch kurzweilig bleibt. Man muss schon sehr nüchtern sein, um mitzubekommen, wie oberflächlich der Tabubruch eigentlich ist. Denn so sehr der Film auch auf das Häufchen haut, bleibt er auf seine Weise doch verhalten, geradezu prüde. Eben genau wie in der Bierstube beim Schützenverein um die Ecke. Über die unkeuschen Gedanken des Fieslings Jeff Fahey seiner Tochter Lindsay Lohan gegenüber darf man lachen. Wenn es aber wirklich mal zur Sache geht, wird hastig abgeblendet.
Das Kalkül, das letztlich hinter einer solchen Produktion steht, ist irrelevant. Einen Film zu rezensieren, der sich selbst keine Sekunde ernst nimmt, und das im Minutentakt betont, macht auch mit der besten Argumentation keinen Sinn. MACHETE ist genau das, was er sein möchte. Ein launischer Haufen Trash, der jederzeit bereit ist, seinen inkohärenten Plot einer fixen Idee oder eines anzüglichen Gedankens wegen im Stich zu lassen. Dabei kleidet er sich in eine kalkulierte Naivität, die wundervoll und widerlich zugleich ist. Aber eben auch reaktionär, altbacken und bei weitem nicht so charmant wie die Vorbilder, denen er nacheifert.