Der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests war nicht für jeden eine zufriedenstellende Wahl – und doch irgendwie genau die richtige. Nun, da die Folterwelle endlich abklingt, stellt sich die Frage, wo der Horrorfilm in den kommenden Jahren hingehen wird. Was wäre demnach passender, als einen ganz klassischen Gruselfilm zu zeigen, der daran erinnert, was Mainstream-Horror einmal auszeichnete.
Dass ein Rückblick dieser Art nicht jedem zusagt, bedarf wohl keiner langen Erklärung. Wer etwas Neues sehen wollte, war bei DON’T BE AFRAID OF THE DARK definitiv im falschen Saal. Doch unter der Prämisse der eben formulierten Überlegung muss man dem Düstermärchen von Guillermo del Toros Protegé Troy Nixey zugestehen, seine Sache recht gut zu machen. Ob man daran auch Freude hat, hängt direkt mit der individuellen Nostalgiefähigkeit zusammen.
Mit seiner Kombination aus Spukhaus-Setting und Critter-Terror platziert sich DON’T BE AFRAID OF THE DARK irgendwo zwischen POLTERGEIST und GREMLINS. Damit die Mischung funktioniert, wurde die Handlung in ein Spukhaus verfrachtet, das in jeder Einstellung den Einfluss del Toros erkennen lässt. Fans des Mexikaners mag das freuen, Andere wären für etwas mehr Eigenständigkeit sicher nicht undankbar gewesen. Man muss schon sehr aufmerksam sein, um hier eine eigene Stimme heraus zu hören.
An Eigenständigkeit mangelt es leider auch in erzählerischer Hinsicht. Die üblichen Plotpunkte und Wendungen werden routiniert abgehakt, ohne gravierende Fehler, aber eben auch ohne Höhepunkte. Einzige Überraschung ist, wie schnell der Film zur Sache kommt, was die mysteriösen Wesen im Keller betrifft. Anstatt sich diese für das Ende aufzuheben, nutzt er hochwertige und gut eingesetzte CGI, um die Atmosphäre der Bedrohlichkeit greifbar zu machen und sporadisch jene wohligen Schauer hervor zu rufen, die Nixey offenbar vermitteln will. Ein ausschließlich auf Andeutungen basierender Stimmungsaufbau hätte in einer derart abgedroschenen Handlung auch kaum funktioniert.
Hierin liegt das eigentliche Problem des Films. Wo vor 20 bis 30 Jahren ein Schaudern noch ausreichte, um Kinogänger zu begeistern, macht sich heute Gleichgültigkeit breit. Daran ändert auch das solide Spiel von Guy Pearce und Katie Holmes wenig, die sich beide redlich bemühen, wie gewöhnliche Menschen zu wirken, aus ihren eindimensionalen Rollen aber nicht viel heraus holen können. Pearce als von seiner Arbeit vereinnahmter Vater bleibt dabei sogar noch blasser als Holmes, die fleißig Schlabberpullies trägt und ganz arg nett wirken will. Beiden fällt es gleich schwer, mehr als ein wenig Sympathie hervor zu rufen, weshalb sie stets Schauspieler bleiben. Einzige Ausnahme bildet Hauptdarstellering Bailee Madison, die unangefochten im Zentrum des Geschehens steht und über weite Strecken überzeugen kann. In Begeisterungsstürme wird man ihretwegen aber ebenso wenig ausbrechen.
Mit seinem ordinären Plot und seiner nostalgischen Erzählweise ist DON’T BE AFRAID OF THE DARK in weiten Teilen sehr vorhersehbar. Auch wenn es sich bei dem Film um ein Remake handelt, wäre es intelligent gewesen, der Geschichte einen frischeren Anstrich zu verpassen. Der Mangel an Überraschungen, gepaart mit dem Verzicht auf jegliche Form von Extreme, muss dem, zeitgenössischem Horror gewohnten, Publikum zwangsläufig aufstoßen. Somit ist er in Videotheken und den DVD-Regalen jener Sorte Filmfans, die man kaum mehr im Kino sieht, vielleicht besser aufgehoben.
Ein hübscher Gruselfilm mit abgedroschener Handlung, zu stark von Guillermo del Toro geprägt, aber weitgehend unterhaltsam. Wer sich an Zombies, Vampiren und Slashern sattgesehen hat, wird vielleicht zu schätzen wissen, dass heute überhaupt noch solche Filme gemacht werden, selbst wenn sich diese nicht von ihren Vorbildern abzusetzen vermögen. Es bleibt zu hoffen, dass Nixey bei seinem nächsten Projekt das technische Niveau halten, dabei aber mehr Eigenes einbringen kann.