Norwegian Ninja

Wer ständig Andere kritisiert, muss auch Bereitschaft zeigen, selbstkritisch zu sein. Deshalb sei an dieser Stelle eingestanden, dass es schon eine ganz besondere Form von Dummheit braucht, einen Film mit dem Titel NORWEGIAN NINJA anzusehen, und davon ernsthaft mehr als grenzdebilen Mist zu erwarten.

Doch wie Tim Fischer einmal sang “es gibt ja auch Kontraste”, und so möchte ich als Verteidigung anbringen, dass es genügend Beispiele gibt, bei denen ein vergleichbares Konzept deutlich besser aufging. Seien es Filme wie BLACK SHEEP, TUCKER & DALE vs. EVIL oder – allen voran – BLACK DYNAMITE – ein Film, der einer bestimmten Art Trash huldigt, muss mehr als nur trashig sein, um als Komödie zu funktionieren.

Genau diese Eigenschaft spreche ich leider den NORWEGIAN NINJA ab. Das krude zusammengestrickte Machwerk reiht diverse, mäßig lustige Ideen und Einstellungen zu einer inkohärenten, dysfunktionalen Pseudohandlung zusammen, deren Lacher in Häufigkeit und Intensität deutlich unter einer heute wiederholten Folge RTL Samstag Nacht liegen. Wer für den demonstrativen Gebrauch von Modellflugzeugen an Nylonfäden noch Szenenapplaus erwartet, hat mein Mitleid, nicht meine Anerkennung.

Wie bereits eingestanden – Teilschuld bei Nichtgefallen liegt auch beim Zuschauer. Dies schließt selbstredend die Möglichkeit mit ein, dass Hardcore-Fans des persiflierten Genres zufrieden gestellt werden. So fürchterlich NORWEGIAN NINJA auch sein mag, existierten in den 60ern und 80ern doch nicht wenige Filme ähnlicher Machart, die später in den Wühltischen ihre meist minderjährigen Abnehmer fanden und heute, bei den erwachsen gewordenen Fans, jene Art Kultstatus genießen, den nur tief empfundene Nostalgie zu kreieren vermag.

Dementsprechend ist das einzig Gute, das zu schreiben ich mir abringen kann, folgendes Zugeständnis: Tief in diesem Unfall von einem Film eingeklemmt schlummert tatsächlich eine halbwegs funktionale Hommage. Sie mag bluten oder im Sterben liegen, aber sie ist da, irgendwo in all dem verbogenen Blech, mit gebrochenen Beinen und einem schweren Schädeltrauma.

Satire muss lebendig sein, verschmitzt, frech, vielleicht sogar böse. Selbst eine B- bis C-Movie-Satire kann – ja, muss – aller Kalauer und Peinlichkeiten zum Trotz noch als harmonisches Ganzes funktionieren. NORWEGIAN NINJA mag als stotternde Liebeserklärung durchgehen, verkommt dabei aber zu einer blassen Schwarz-Weiß-Kopie jener Filme, die man noch in den späten Neunzigern nachts im Privatfernsehen sah. Diese versuchten nicht krampfhaft witzig zu sein, sie nahmen sich nur an den falschen Stellen ernst. NORWEGIAN NINJA hingegen hält sich an den falschen Stellen für komisch.

Ein Film, der nicht annähernd so viel Gelächter und Szenenapplaus provozierte wie eingangs genannte Kollegen, und doch zum Abspann hin vereinzelt Beifall erntete, kann wohl guten Gewissens als Publikumsspalter interpretiert werden. Somit werden nicht Wenige den Saal mit zufriedenem Grinsen verlassen haben. Ich habe diese Glücklichen draußen nicht gefunden. Aber was heißt das schon. Wie es sich für echte Ninjas gehört, habe ich ja auch das vorangegangene Attentat nicht kommen sehen.


TM, 28.08.2011