Wer heute noch Buddy-Movies drehen will, muss schwere Geschütze auffahren. Die Blütezeit ist längst vorbei, die BAD BOYS und LETHAL WEAPONS wurden von prolligen Komödien auf der einen und derben Gangsterstreifen auf der anderen Seite abgelöst.
Ist das Genre damit gestorben? Natürlich nicht. Filme wie HOT FUZZ mit Simon Pegg und Nick Frost, oder KISS KISS BANG BANG mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer, können als moderne Glanzlichter der Kumpel-Actionkomödie betrachtet werden. Inbesondere Downey Jr. scheint mit aktuellen Filmreihen wie SHERLOCK HOLMES als Galionsfigur einer Renaissance des Genres fungieren zu wollen. Ob das gelingen wird, mag fraglich sein, es erspart einem jedoch die Erwähnung fauler Eier wie COP OUT, über die kein weiteres Wort verloren werden sollte.
Wie die ausführliche Aufzählung bekannter Titel ahnen lässt, fällt es CAT RUN schwer, sich im direkten Vergleich zu behaupten. Die Geschichte über zwei Jugendfreunde, die mit ihrer frisch gegründeten Detektei spontan an einen Fall geraten, der ein Dutzend tote Prostituierte, einen skrupellosen Senator und mehrere Killer einschließt, ist genau so frech geschrieben und locker inszeniert, wie man es sich von Filmen dieser Art wünscht, krankt aber an mehreren Punkten, vor allem einem eklatanten Mangel an individuellem Flair. In weiten Teilen wirkt CAT RUN lediglich wie ein Aufguss altbekannter Titel, beginnend mit der Charakterzusammenstellung.
TURISTAS-Regisseur John Stockwell kompensiert das zum Teil durch seine Bereitschaft, in Sachen Gewalt eine ordentliche Kelle auf die im Genre übliche, ohnehin schon üppige Portion zu schlagen. So gesehen scheint die Einschätzung hinsichtlich “schwerer Geschütze” nicht nur von ihm geteilt, sondern geradezu wörtlich genommen worden zu sein. Bis es so krawallig und respektlos wird, gilt es aber die ersten 50 Minuten durchzustehen, die sich allzu offensichtlich bei Stockwells Vorbildern bedienen, dabei leider extrem dröge gerieten und die Aufmerksamkeit des Zuschauers somit mehr auf die niedrigen Produktionswerte und den generischen Plot lenken.
Wer diese erste Hälfte übersteht, und es dann noch schafft, sich auf den Film einzulassen, wird mit einer actionreichen Hetzjagd belohnt, die durchaus nacherzählenswerte Höhepunkte vorweisen kann. Wenn ein schottischer Killer einen Redeschwall wüster Drohungen von sich gibt, nur um dann von seinen Opfern darauf hingewiesen zu werden, dass niemand seinen Akzent versteht, ist CAT RUN auf der Höhe seines Spiels.
Das wertvollste Gut des Films stellt dabei definitiv Janet McTeer dar, die als zugeknöpfte Profikillerin mit Gouvernanten-Charme einen beachtlichen Bodycount produziert, und später sogar halbwegs glaubwürdig vom Bösewicht zum menschlichen Wesen mutiert. Dass sie dabei nicht an die Qualität einer Helen Mirren in SHADOWBOXER heran reicht, ist eher dem Drehbuch und Regie als ihren Auftritten geschuldet. Im Kontrast zu den drei Protagonisten, die mit Hilfe der Genre-Schablone gezeichnet wurden (weißer, gehemmter, wortkarger Brainiac / schwarzer, lockerer, dauerquasselnder Comic-Relief-Naivling / wunderhübsche, zwischen Schmuckwerk und Ballast rangierende Damsel in Distress), sind McTeers Auftritte der beste Grund, sich CAT RUN anzusehen.
CAT RUN konnte bislang wenig wohlwollende Kritiken einheimsen, was angesichts der faden ersten Stunde und dem generischen Plot vollkommen nachvollziehbar ist. Mit einem kompakteren Drehbuch, mehr Budget und weniger blassen Protagonisten hätte CAT RUN ein großer Spaß für Genrefans werden können. So aber muss man es bei einer gleichgültigen Empfehlung unter Vorbehalt belassen.