The A-Team

Welche Daseinsberechtigung hat ein Film wie DAS A-TEAM? Ein Film, der auf einer Serie basiert, die fast 30 Jahre auf dem Buckel hat. Eine Serie, die damals ein Millionenpublikum erreichte, angeblich noch heute Kinder und Jugendliche begeistert und bei vielen, mittlerweile erwachsenen Fans Kultstatus genießt. Was darf man erwarten, womit muss man leben, wie gut kann er sein?

Für mich persönlich ist das A-TEAM das, was für andere KNIGHT RIDER, MAGNUM oder MIAMI VICE war: eine mit Nostalgie schwangere Erinnerung. Eine Serie, die sich ins kollektive, popkulturelle Gedächtnis meiner Generation eingebrannt hat, und deren Darsteller ebenso wenig austauschbar scheinen wie das unerreichbare Dreigespann Kirk / Spock / Pille. Die Protagonisten jener Serien waren keine James Bonds, der alle paar Jahre gewechselt wird. Sie waren eine Instanz, eine unveränderliche Größe, kurz gesagt: sie waren zuverlässig.

Was aber noch viel wichtiger ist: Das A-TEAM war eine jener Serien, deren Naivität dem Star-Trek-Universum in Nichts nachstand. Eine Serie, wo viel geschossen und nie gestorben wurde, und das Gute im Menschen immer gewann. Doch genau in dieser Naivität steckt ein wesentliches Problem, mit dem jede Neuinterpretation konfrontiert ist: Was kann ein A-TEAM-Film heute, wo eben jene brachiale Harmlosigkeit selbst einem Teenager befremdlich scheint, noch an den Tisch bringen?

Der Reboot von STAR TREK hat bereit bewiesen: Es geht schon irgendwie. Selbst eine modernisierte Neuauflage, die sich gezwungenermaßen vom naiven Charme und sympathischen Kitsch des Originals verabschieden muss, kann Spaß machen, ohne das Erbe zu schänden. Nichtsdestotrotz: Wo ein zur Kindheitserinnerung mutierter Franchise wieder im Sinne seiner Definition gebraucht wird, nämlich um Geld zu verdienen, macht sich schnell Unbehagen breit. Und so lohnt es sich, vom kulturellen Selbsterhaltungstrieb Abstand zu nehmen und dem Ganzen so unvoreingenommen wie möglich entgegen zu treten.

Wem dies gelingt, der wird ohne Widerwillen zugeben können, dass das Kunststück einmal mehr  gelungen ist. DAS A-TEAM hat den Sprung geschafft, moderne, aufwändig inszenierte Action zu liefern, ohne die Unschuld des Originals dabei einzubüßen. Die Wärme, die Harmlosigkeit, der Kameradschaftsgeist und vor allen Dingen der Humor sind erhalten geblieben, und werden von der exzellenten Besetzung rückhaltlos getragen. Es ist ein Film geworden, den man sowohl mit nostalgischer Freude genießen als auch 12-Jährigen Jungs zeigen kann, ohne Gefahr zu laufen, sich oder sie zu langweilen.

Natürlich bleiben George Peppard, Dwight Schultz, Mr. T und Dirk Benedict unersetzbar. Liam Neeson, Sharlto Copley, Quinton Jackson und Bradley Cooper leisten aber verdammt gute Arbeit, die Figuren zu modernisieren, ohne deren jeweiliges Wesen aus den Augen zu verlieren. Es ist das erste Mal, dass ich den Darstellern glaube, wenn Sie in Interviews behaupten, als Kind selbst Fan des Originals gewesen zu sein, denn was hier zu sehen ist, geht deutlich über Dialogzeilen hinaus. Das selbe gilt für Regisseur Joe Carnahan, der, glaubt man eben solchen Einspielern, neben den handwerklichen Fähigkeiten vor allem die richtige Stimmung ans Set brachte, unter der ein solcher Film entstehen muss.

Aus der Rolle fällt allein Jessica Biel, die in der Runde großer Jungen eigenartig deplatziert wirkt. Da überrascht das Geständnis, sie habe nie eine Folge der Serie gesehen, kaum noch. Glücklicherweise ist sie die meiste Zeit selbst nur Zuschauer. Besonders deutlich wird die Bedeutungslosigkeit ihrer Rolle in einer Szene, in der sie auf einem Bildschirm beobachtet, wie sich das Team aus einem geklauten Militärflugzeug rettet, das unter Beschuss automatischer Drohnen steht. Ihre Figur ist immer noch ein Teil des Moments, aber sie interessiert nicht.

Diese Szene kann auch als Beispiel dafür dienen, wie das A-TEAM heute funktioniert. Leider wurde sie schon in einem Trailer verraten und wird viele deshalb nicht mehr so beeindruckt haben wie mich. Es genügt zu sagen, dass die Action so haarsträubend unrealistisch ist, dass man sich eigentlich nur mit breitem Grinsen zurück lehnen kann.

Knackige Action, ein paar absurde Stunts, tolle Effekte und vor allem viel Herz und Humor. Wenn es einen Film gibt, der Männer meines Alters mit Reboots klassischer Serien versöhnen sollte, dann diesen.


TM, 27.11.2011