Ein in diesem Blog zuletzt recht inflationär verwendeter Begriff ist „sympathisch“. Daran sind die besprochenen Filme sicher nicht unbeteiligt, denn Mittelmaß verdient nun mal nicht mehr. Trotzdem wäre es angemessen, das Wort vorerst zu meiden, und sei es nur, um konkretere Aussagen zu erzwingen. Bei GREEN HORNET fällt das jedoch schwer, denn kein anderes Wort beschreibt diesen Film besser.
Klar, IRON MAN war ebenso sympathisch, in erster Linie dank Robert Downey Jr. Wenn ich nun aber sage, dass GREEN HORNET wie ein IRON MAN mit weniger Budget und spektakulären Effekten, sowie ohne Downey Jr, ist, will ihn dann noch jemand sehen? Nein, also lassen wir das. Auch ein Vergleich mit Spider-Man und Co ist müßig, denn kaum ein Blockbuster verzichtet auf coole Sprüche und comic relief.
Wie also unterscheidet sich GREEN HORNET von seinen Genrekollegen? Was macht ihn sehenswert, wenn die ganz großen Namen und Effekte fehlen? Die Antwort ist banal: Die Tatsache, dass es im Kern kein Superheldenfilm ist.
Seth Rogen, der hier die Hauptrolle spielt, kann seinen Kollegen in Charme und Chuzpe nicht das Wasser reichen, obwohl er mal wieder spielt, was er am besten kann – den Taugenichts. Da er am Drehbuch beteiligt war, muss man ihn dafür auch nicht in Schutz nehmen. Projektionsfläche für die Zuneigung der Zuschauer ist ohnehin Jay Chou, der den bescheidenen, jedoch überaus talentierten Mechaniker spielt, der als Sidekick von GREEN HORNET letztlich dessen Handlungsfähigkeit gewährleistet. Dass Anti-Bruce-Wayne Rogen ohne seine Hilfe keine 2 Minuten überleben würde, macht Chou zum stillen Star des ungleichen Gespanns.
Es ist die Gegensätzlichkeit dieser beiden Protagonisten, die den Film letztlich sehenswert macht. Action und Humor ziehen ihre Energie zum größten Teil aus der Dynamik des Duos, so dass man beinahe den Eindruck erhält, der Film würde auch ohne einen Bösewicht oder eine dramatische Rahmenhandlung gut funktionierten. Dass Christoph Waltz den Antagonisten stellt, bleibt dennoch ein massiver Mehrwert. Zum einen bringt er seinen größtenteils lächerlichen Sprechtext gut an den Mann und kann so tatsächlich einige Lacher für sich verbuchen. Zum anderen hat er mit INGLORIOUS BASTERDS bewiesen, wie souverän er eine Nebenrolle aufzuwerten versteht.
Als kleinen Bonus gibt es noch Cameron Diaz und Edward James Olmos, die zwar nichts Wesentliches zum Gesamtbild beitragen dürfen, aber wenigstens zu gefallen verstehen. Was weniger gefällt, sind die sporadischen, überflüssigen Ausbrüche von Gewalt, die in späteren Szenen heftiger inszeniert wurde, als in einem solchen Film angemessen scheint. Der Verfremdungseffekt schadet dem Gesamtbild nicht wesentlich, kindgerecht ist das Ergebnis trotzdem nicht.
Wer GREEN HORNET als Superheldenfilm begreifen möchte, sollte bereit sein, seine Erwartungen an die Konventionen des Genres etwas hintenan zu stellen. Wer sich (ergänzend oder ersatzweise) auf eine Buddy-Komödie einstellt, kommt voll auf seine Kosten. GREEN HORNET ist kein Film, der das Genre bereichert, aber ein großer Spaß, der sich selbst nicht zu ernst nimmt.