Horrible Bosses / Kill the Boss

Nett ist der kleine Bruder von Scheiße, betone ich gern. Wenn sich aber der Großteil aktueller Komödien in eben jener suhlt, und die Gürtellinie irgendwo am Firmament verblasst, kann dieses Urteil hier nicht gelten. HORRIBLE BOSSES ist eine nette Komödie, die in keiner Weise Maßstäbe setzt, mit ihrer sympathischen, wenig aufgeregten Art jedoch deutlich mehr Anerkennung verdient als Genrekollegen wie HANGOVER.

Auch hier ist es eine Männer-Clique (Bateman, Day, Sudeiki), die sich Hals über Kopf in einer Sache verrennt, und auch hier dienen hauptsächlich Zoten als Marschverpflegung auf der routinierten Reise entlang handelsüblicher, humoristischer Wegpunkte. Von ihren absurd bösartigen Chefs in verschiedenerlei Ecken gedrängt und in ernster Sorge um ihre Existenz, entschließen die Freunde, die ungeliebten Vorgesetzten ins Jenseits zu befördern. Dass drei Kerle ohne Kanten oder kriminellen Hintergrund an dieser Herausforderung scheitern, versteht sich von selbst.

Die eigentlichen Stars dabei sind definitiv die titelgebenden Arbeitgeber. Colin Farell als kokain- und sexsüchtiger Widerling mit Halbglatze, Kevin Spacey als fieser Egomane mit Eifersuchtsproblemen sowie Jennifer Aniston als durchtriebene Schlampe spielen ihre Rollen mit einer Hingabe, die keinen Zweifel daran lässt, dass die Absurdität ihrer Aktionen gewollt ist. Das Besondere dabei ist, dass es jedem der drei gelingt, auf seine Weise einzigartig zu sein und greifbar zu bleiben. Obwohl es sich eindeutig um Karikaturen handelt, kann man nicht umhin, sie tatsächlich ein wenig zu hassen.

Schwieriger gestaltet sich die Chemie im Hinblick auf die Untergebenen. Sie sollen leiden, aber sympathisch bleiben, was angesichts des Mangels an Rückgrat, den insbesondere Batemans und Days Figuren demonstrieren, relativ schwer fällt. Obwohl Days Charakter die meisten Lacher auf seiner Seite hat, trägt Sudeikis lockere Art wesentlicher dazu bei, ein positives Bild der Gruppe zu wahren. Seine Sprüche sind selten echte Schenkelklopfer, lassen die Komödie aber stellenweise intelligenter wirken, als sie eigentlich ist, was Anerkennung verdient.

Trotz diese Qualitäten kann ich nicht umhin, mir vorzustellen, wie der Film als schwarze Komödie, die er definitiv nicht ist, funktioniert hätte. Durch die makabere Thematik drängt sich der Vergleich mit Filmen wie VERY BAD THINGS auf, dem HORRIBLE BOSSES wenig entgegen setzen kann. Ein kompromissloses Drehbuch mit passenden Darstellern wie Christian Slater und Cameron Diaz (die man auch mit Liebe hassen kann) konnten hier weitaus mehr erreichen, auch ohne sich rückhaltlos dem Analhumor zu verschreiben oder plump zu wirken.

Letztlich steht und fällt der Film mit der Bereitschaft, sich auf die Figuren und deren persönliche Sackgassen einzulassen. Reicht die Sorge, vielleicht keinen Job mehr zu finden, aus, um einen Chef wie Kevin Spacey zu ertragen? Vielleicht beantwortet ein Amerikaner diese Frage aktuell etwas anders als ich.

Ähnlich ist es bei dem Gespann Aniston – Day. Aniston inszeniert sich perfekt und macht – in jedem Sinn – eine hervorragende Figur. Im Gegenzug erhält Days Verlobte 3 magere Szenen, in denen sie kaum sprechen, dafür aber scheel lächeln darf. Dass Anistons Anzüglichkeiten unerträglich sein sollen, kann man in diesem Kontext selbst einem Darsteller wie Day nur schwer durchgehen lassen. Sicher, sein Dilemma ist nachvollziehbar, die unter den Avancen lauernde Bedrohung durchaus begreifbar – dennoch muss man schon eine Ecke weiter denken, um nicht fassungslos den Kopf zu schütteln, wie er auf manche der “Belästigungen” reagiert. Der Spott seiner Freunde ist da schon fast beruhigend, zeigt er doch auf, dass dieser Punkt nicht übersehen wurde. Unterm Strich freut, dass Aniston mal wieder zeigt, was sie kann, doch ein ENTHÜLLUNG ist HORRIBLE BOSSES halt auch nicht.

Letztendlich funktioniert mehr, als es zu bezweifeln gibt. Nicht jede Szene zündet, aber baden geht auch kaum eine. Im Gegensatz zu Sitcoms wie HOW I MET YOUR MOTHER, BIG BANG THEORY oder COUPLING werde ich mit Mainstream-Komödien selten warm. HORRIBLE BOSSES bringt es nicht zur goldenen Ausnahme, kann aber als entspannte Unterhaltung durchaus punkten. Schlecht für das Zwerchfell, gut für den Schmunzelmuskel.


TM, 30.12.2011