Up in the Air

Wer häufiger hier liest, hat längst die leidvolle Erfahrung gemacht, dass ich mir für wenige Wortspiele zu schade bin. Ich bin mir der Schändlichkeit meines Schreibstils bewusst, und doch: wann immer ich Besserung gelobe, kommt ein Film wie UP IN THE AIR daher, und macht sämtliche guten Vorsätze in einem Streich zunichte. Und so muss ich mit Bedauern folgendes nieder bringen:

UP IN THE AIR braucht ziemlich lange, bis er abhebt. Trotz leichten Gepäcks lässt sich das Drehbuch redlich Zeit beim einchecken seines Protagonisten. Und obwohl selbst schlecht informierten Flugbegleitern relativ bald klar sein sollte, wohin die Reise geht, dreht der Plot erst gemächlich ein paar Kurven auf der Rollbahn, bis endlich Höhe gewonnen wird.

Was dann aber folgt, ist höchster Komfort: Angenehme Konversation, schöne Aussicht und ein erfreulicher Mangel an zeternden Mitreisenden macht den Flug zu einer ebenso erhol- wie unterhaltsamen Angelegenheit. Stärkere Turbulenzen bleiben aus, eine kurze Zwischenlandung bei der nächstgelegenen Sinnkrise sorgt kurz vor Erreichen des Reiseziels aber noch für willkommene Aufregung.

Zwischendurch bleibt noch genügend Zeit, Clooneys perfekte Zähne zu bewundern und sich zu fragen, was mit Vera Farmigas Lippen passiert ist und wo genau die adrette Anna Kendrick ihr Profil versteckt. Von solchen Oberflächlichkeiten abgesehen, kann man sich keine bessere Reisegefährten vorstellen.

Spaß beiseite: UP IN THE AIR ist ein ruhiger Film über einsame Menschen. Über Workaholics, die berufliche Reisen nutzen, um einen Teil ihrer Persönlichkeit auszuleben, der in ihrem Privatleben keinen Platz mehr hat. Über Einzelgänger, die sich abschotten, um vor der Welt zu fliehen, und dabei letztlich sich selbst aus den Augen verlieren. Und über Zielstrebige, die erst an der Wirklichkeit scheitern müssen, um im Leben anzukommen.

Es ist ein unprätentiöser, profan strukturierter Film über Einsam- und Gemeinsamkeit, der nichts wirklich Neues zu erzählen hat, bei dem, was er erreichen möchte, aber gute Arbeit leistet. Das liegt vor allem daran, dass er meist nur zurückhaltend Position ergreift, und lediglich dort dick aufträgt, wo es das Genre erlaubt oder erfordert. Die Botschaft wird auch ohne ein dramatisches Finale deutlich.

Ob das gebotene dem Zuschauer ausreicht, hängt davon ab, was man erwartet. Sollten Selbstfindungsgeschichte und Romanze scheitern, bleiben immer noch die Kommentare auf die moderne Arbeitswelt, welche beim Ein oder Anderen die ein oder andere Saite anschlagen sollten. So gelingt UP IN THE AIR am Ende vielleicht keine Punkt-, aber doch eine sehr saubere Landung.


TM, 31.12.2011