Angenommen, Beavis and Butthead hätten diese Woche Premiere – wie wäre die Resonanz? Würde das Konzept heute noch funktionieren? Würde man ihr Lachen imitieren? Ihre Witze zitieren? Kurz gesagt: Wären die beiden noch popkulturell relevant?
Ähnliche Fragen drängen sich auf, wenn man heute, bald 8 Jahre nach seinem Leinwanddebut, NAPOLEON DYNAMITE sieht. Die High-School-Komödie erfüllt viele der Voraussetzungen, die einen Kultfilm ausmachen können. Kleines Budget, schräger Humor, absurde Figuren, holpriger Plot, eigenwilliger Tonfall. Doch reicht das aus, um heute noch Begeisterung zu provozieren?
Für mich lautet die Antwort auf all diese Fragen: Nein, wohl eher nicht. NAPOLEON DYNAMITE hat dabei mehr mit den eingangs genannten Chaoten gemein als nur die Verbindung zu MTV. Beide sind, daran besteht trotz des Altersunterschieds von gut 10 Jahren kein Zweifel, Kinder der 90er. Als solches kam NAPOLEON DYNAMITE 2004 sicher nicht zu spät, wie die treue Fangemeinschaft belegt. Das Haltbarkeitsdatum ist mittlerweile aber abgelaufen.
Es mag unfair scheinen, einen Film so lange nach seiner Veröffentlichung zu rezensieren, und dann das Alter als Hauptkriterium ins Feld zu führen. Es gibt viele, großartige Filme, die schlecht gealtert sind oder aus anderen Gründen heute nicht mehr funktionieren. Verdammt, selbst Klassiker wie Poltergeist, Fahrenheit oder Planet der Affen wirken ohne nostalgische Verklärung schrecklich naiv, von den Genrekollegen dieses konkreten Beispiels ganz zu schweigen. Das ist der Lauf der Dinge.
Im Falle von NAPOLEON DYNAMITE gibt es aber auch viel Konkurrenz. Gerade wenn man die Dekade, auf die er sich bezieht, im passenden Alter erlebt hat, fallen einem genug Namen ein, die höhere Klassen besuchen. Ferris Bueller, Parker Lewis, Max Fisher aus RUSHMORE, ja sogar Malcom und Scott Pilgrim zählen zu den Konkurrenten, die dem dösigen, leicht debilen Napoleon den Rang ablaufen. Zeitlos ist keiner von ihnen, doch die Art, wie Verlierer und Geeks hier inszeniert werden, ist für sich genommen einfach nicht mehr cool.
Was bleibt, ist ein skurriler, kleiner Film, der gleichzeitig amüsiert und befremdet, und durch seine Andersartigkeit im Gedächtnis bleibt. Er funktioniert als naives Märchen über Freundschaft und Familie, über Außenseiter und Andersartige, scheitert aber daran, ein konkretes Lebensgefühl zu vermitteln, das mehr als pubertäre Orientierungslosigkeit beinhaltet. Insofern ist er sicher authentisch und auf abstrakte Weise glaubwürdig, ob der humoristische Funke überspringt, hängt aber allein vom Zuschauer ab.
Die Serie South Park, die in Punkto Absurdität und Erzählweise ähnliche Pfade beschreitet, hat es geschafft, über 15 Jahre aktuell und somit bis heute relevant zu bleiben. NAPOLEON DYNAMITE kann man dies leider nicht bescheinigen.