Takashi Miike ist ein Regisseur, dessen Werk sich mir nicht erschließt. Von THE AUDITION mehr irritiert als begeistert und vom berüchtigten ICHI – THE KILLER klar unterwältigt, schloss ich mich um die Jahrtausendwende dankbar jenen an, die ihn und seine Filme in die Trash-Ecke schoben und von da an ignorierten.
Alle paar Jahre mäanderte Miike wieder in meinen persönlichen Wahrnehmungsbereich, blieb dort aber selten lange genug, um Eindruck zu hinterlassen. Mit 13 ASSASSINS kann ich nun endlich einmal in die Lobeshymnen seiner treuen Fans einstimmen, denn auf seine Weise lässt dieser schmutzige, kleine Actionfilm selbst hoch budgetierte Genreverwandte wie RED CLIFF im Regen stehen.
Dass 13 ASSASSINS nicht allein vom Namen her an Kurosawas 7 SAMURAI erinnert, kann als Randnotiz vermerkt werden, spielt aber kaum eine Rolle. Misst man den Film an seiner Handlung – der Rekrutierung einer Gruppe ungleicher Gefährten für eine spezifische Mission (oft ein Himmelfahrtskommando), sowie die Durchführung eben dieser – werden noch weitaus mehr Vergleiche evident. Kurosawas Meisterwerk hat viele Nachfolger “inspiriert”, von dem direkten Remake DIE GLORREICHEN SIEBEN über Klassiker wie DAS DRECKIGE DUTZEND bis hin zu moderneren Ablegern wie OCEAN’S ELEVEN. Filme dieser Art werden stets große Ähnlichkeiten aufweisen, in so reduzierter Form wie hier aber auch immer die Ausnahme, und somit etwas Besonderes, bleiben.
Was am deutlichsten ins Auge fällt, ist, wie gut Miike hier seine Vorliebe für Schmutz und Abart unter Kontrolle hat. Sei es, wie er das Abgründige einsetzt, um den Antagonisten fast ohne dessen schauspielerisches Zutun in kürzester Zeit zum personifizierten Bösen aufzubauen, oder, wie er seine Helden durch Regen, Schmutz und Blut jagt, bis der unleugbare Pathos fast bis zur Unkenntlichkeit verkrustet ist – in 13 ASSASSINS regiert die Rohheit. Hier läuft niemand über Baumwipfel, hier durchschneiden keine Schwerter den herab fallenden Regen. Keine übermenschlichen Krieger kampftanzen auf Berggipfeln und Seen gegeneinander, und wenn der Tod bedeutungsschwer zelebriert wird, dann dort, wo Kultur und Geschichte dies verlangen.
Diese geradezu pragmatische Herangehensweise, die sich auch im Casting bemerkbar macht, lässt den Film viel erfrischender und kreativer wirken, als er eigentlich ist. Die Handlung bleibt banal, ihre Entwicklung bis zum Ende vorhersehbar. Es gibt kaum Überraschungen, weder in Zusammenstellung und Interaktion der Figuren noch in der Inszenierung. Dennoch bleibt das Ergebnis stets spannend und weist deutlich weniger Längen auf, als man bei verfilmten Legenden sonst erdulden darf.
13 ASSASSINS ist keine Filmkunst, keine Hochkultur, aber eine verdammt unterhaltsame Heldenmär, die in ihrer Einfachheit überzeugt und dabei niemals langweilt. Für Asia-Fans durchaus zu empfehlen.