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	<title>The Midnight Screening &#187; Fantasy Filmfest</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>13 Assassins</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 13:45:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Takashi Miike ist ein Regisseur, dessen Werk sich mir nicht erschließt. Von THE AUDITION mehr irritiert als begeistert und vom berüchtigten ICHI &#8211; THE KILLER klar unterwältigt, schloss ich mich um die Jahrtausendwende dankbar jenen an, die ihn und seine Filme in die Trash-Ecke schoben und von da an ignorierten. Alle paar Jahre mäanderte Miike [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2012/01/06/13-assassins/"><img class="alignnone size-full wp-image-4045" title="13 Assassins" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/13-Assassins.png" alt="" width="310" height="450" /></a></p>
<p>Takashi Miike ist ein Regisseur, dessen Werk sich mir nicht erschließt. Von THE AUDITION mehr irritiert als begeistert und vom berüchtigten ICHI &#8211; THE KILLER klar unterwältigt, schloss ich mich um die Jahrtausendwende dankbar jenen an, die ihn und seine Filme in die Trash-Ecke schoben und von da an ignorierten.<br />
<span id="more-4044"></span><br />
Alle paar Jahre mäanderte Miike wieder in meinen persönlichen Wahrnehmungsbereich, blieb dort aber selten lange genug, um Eindruck zu hinterlassen. Mit 13 ASSASSINS kann ich nun endlich einmal in die Lobeshymnen seiner treuen Fans einstimmen, denn auf seine Weise lässt dieser schmutzige, kleine Actionfilm selbst hoch budgetierte Genreverwandte wie RED CLIFF im Regen stehen.</p>
<p>Dass 13 ASSASSINS nicht allein vom Namen her an Kurosawas 7 SAMURAI erinnert, kann als Randnotiz vermerkt werden, spielt aber kaum eine Rolle. Misst man den Film an seiner Handlung &#8211; der Rekrutierung einer Gruppe ungleicher Gefährten für eine spezifische Mission (oft ein Himmelfahrtskommando), sowie die Durchführung eben dieser &#8211; werden noch weitaus mehr Vergleiche evident. Kurosawas Meisterwerk hat viele Nachfolger “inspiriert”, von dem direkten Remake DIE GLORREICHEN SIEBEN über Klassiker wie DAS DRECKIGE DUTZEND bis hin zu moderneren Ablegern wie OCEAN’S ELEVEN. Filme dieser Art werden stets große Ähnlichkeiten aufweisen, in so reduzierter Form wie hier aber auch immer die Ausnahme, und somit etwas Besonderes, bleiben.</p>
<p>Was am deutlichsten ins Auge fällt, ist, wie gut Miike hier seine Vorliebe für Schmutz und Abart unter Kontrolle hat. Sei es, wie er das Abgründige einsetzt, um den Antagonisten fast ohne dessen schauspielerisches Zutun in kürzester Zeit zum personifizierten Bösen aufzubauen, oder, wie er seine Helden durch Regen, Schmutz und Blut jagt, bis der unleugbare Pathos fast bis zur Unkenntlichkeit verkrustet ist &#8211; in 13 ASSASSINS regiert die Rohheit. Hier läuft niemand über Baumwipfel, hier durchschneiden keine Schwerter den herab fallenden Regen. Keine übermenschlichen Krieger kampftanzen auf Berggipfeln und Seen gegeneinander, und wenn der Tod bedeutungsschwer zelebriert wird, dann dort, wo Kultur und Geschichte dies verlangen.</p>
<p>Diese geradezu pragmatische Herangehensweise, die sich auch im Casting bemerkbar macht, lässt den Film viel erfrischender und kreativer wirken, als er eigentlich ist. Die Handlung bleibt banal, ihre Entwicklung bis zum Ende vorhersehbar. Es gibt kaum Überraschungen, weder in Zusammenstellung und Interaktion der Figuren noch in der Inszenierung. Dennoch bleibt das Ergebnis stets spannend und weist deutlich weniger Längen auf, als man bei verfilmten Legenden sonst erdulden darf.</p>
<p>13 ASSASSINS ist keine Filmkunst, keine Hochkultur, aber eine verdammt unterhaltsame Heldenmär, die in ihrer Einfachheit überzeugt und dabei niemals langweilt. Für Asia-Fans durchaus zu empfehlen.</p>
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		<title>Black Death</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 11:18:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu Beginn eines Films stellt man sich als Zuschauer verschiedene Fragen. Manche sind banal (Dauert der Vorspann noch lange? Ist der Typ neben mir bald mit seinem Handy fertig? Geh ich schnell nochmal auf Toilette?), andere hintergründig (Reflektiert der französische Film in seiner stilistischen Zerrissenheit die innere Unruhe einer Gesellschaft, deren kulturelles Erbe von Revolution [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/11/19/black-death/"><img class="alignnone size-full wp-image-3987" title="Black Death" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/11/black-death-poster.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Zu Beginn eines Films stellt man sich als Zuschauer verschiedene Fragen. Manche sind banal (Dauert der Vorspann noch lange? Ist der Typ neben mir bald mit seinem Handy fertig? Geh ich schnell nochmal auf Toilette?), andere hintergründig (Reflektiert der französische Film in seiner stilistischen Zerrissenheit die innere Unruhe einer Gesellschaft, deren kulturelles Erbe von Revolution genährt wurde?), manche vollkommen idiotisch (siehe vorheriges Beispiel).<br />
<span id="more-3938"></span></p>
<p>Die wirklich wichtigen Fragestellungen werden aber unbemerkt abgehandelt. Es sind jene Fragen, die sich auch ein Autor stellen sollte, der zugängliche Geschichten erzählen möchte, jene Fragen, die entscheiden, ob sich der durchschnittliche Zuschauer auf emotionaler wie geistiger Ebene in das Geschehen involvieren lässt. Ein beliebtes Beispiel: Welches Ziel verfolgt der Protagonist? Welche Bedürfnisse hat er? Welche Wünsche?</p>
<p>Zu diesen Fragen kann man auch jenen Gedanken zählen, der mir nach den ersten Minuten von BLACK DEATH durch den Kopf ging: »Ist der Knilch da ernsthaft der Protagonist?« Was dabei als ungläubiger Zweifel begann, schlug im Laufe des Films in deprimierende Ernüchterung um.</p>
<p>Die Hauptfigur ist ein junger Mönch, der sich zwischen seinem Glauben an Gott und der Liebe zu seiner Holden entscheiden muss. In seiner Verzweiflung entschließt er sich altersgerecht dazu, auf beiden Hochzeiten zu tanzen, was, wie wir alten Leute wissen, nie, aber auch wirklich nie, gut geht.</p>
<p>Während der versierte Filmfan bereits beim ersten Auftritt von Sean Bean Schlimmes ahnt, wird der arglose Junge in dieser Erzählung von einem älteren Mönch gewarnt. Auch wenn dessen Worte etwas sehr dramatisch klingen, treffen sie doch den Punkt: Die Figuren, die Sean Bean verkörpert, ziehen das Verderben an wie Scheiße die Fliegen.</p>
<p>Aber gut, würden junge Protagonisten auf den Ratschlag alter Knacker hören, würden sehr viele, sehr geliebte Geschichten auf Kurzfilmfestivals verenden. Alte Mönche, womöglich mit charaktervollem Mundgeruch, sind aber glücklicherweise kein Gegner für die hormonelle Springflut eines naiven Recken.</p>
<p>Anstatt also einem vernünftigen, jungen Mann dabei zuzusehen, wie er ENTWEDER als keusche Gebetsmühle vor sich hin erodiert ODER mit der holden Maid vor der grassierenden Pest in eine goldene Zukunft voller Kinder und Kartoffeln flieht, folgt er einer Gruppe von Kreuzsöldnern auf Heidenjagd in eben jenen Wald, in dem seine Liebe auf ihn warten will.</p>
<p>Dass die Mission ein Killerkommando und die Idee der Goldhaarigen, allein in einem Wald auf ihren Freund zu warten, ziemlich bescheuert ist, weiß unser Held natürlich nicht. Was der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt aber bereits ahnt: Viel mehr wird nicht mehr kommen. BLACK DEATH ist ein brutales Schauermärchen im Gewand eines Mittelalterstreifens, der kaum ein Klischee auslässt und sich um Vorhersehbarkeit so sehr sorgt wie ich mich um die Rückkehr Jesu Christi.</p>
<p>Leider bleibt der Protagonist dabei so hohl und trist wie in den ersten 10 Minuten. Er trägt den generischen Plot mit Ach und Krach über die &#8211; das muss man zugestehen &#8211; recht kurzweiligen 100 Minuten, mehr geben aber weder Drehbuch noch Darsteller her. Was mit Sean Beans Figur passiert, bedarf ganz ungeachtet der vernachlässigbaren Spoilergefahr wohl kaum einer Erwähnung.</p>
<p>Das Alles kann man als “erwachsene Fantasy für Minderjährige” bezeichnen und gefällig finden, die Erwartungen sollten im Vorfeld jedoch auf das mögliche Minimum reduziert werden. Wer von Filmen wie KING ARTHUR schon genervt oder gelangweilt war, sollte das Inseldorf, zu dem die Reise führt, weiträumig umschiffen. Oder, um auch mit einer Umformulierung zu schließen &#8211; meiden wie die Pest.</p>
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		<title>Red Cliff</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Nov 2011 11:45:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Achtet man darauf, was das Fantasy Filmfest Jahr ein, Jahr aus an Filmkost aus Fernost importiert, lässt sich mit einer gewissen Überzeugung sagen: Asiatische Mittelalter-/Schlachtenfilme haben immer Konjunktur. Wer angesichts von Schwertkämpfern, die über Baumwipfel oder Bergseen laufen, kritisch die Augen zusammenkneift, darf jedoch fragen, ob man die wirklich alle sehen muss. RED CLIFF ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/11/12/red-cliff/"><img class="alignnone size-full wp-image-3961" title="Red Cliff" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/11/redcliff.png" alt="" width="310" height="438" /></a></p>
<p>Achtet man darauf, was das Fantasy Filmfest Jahr ein, Jahr aus an Filmkost aus Fernost importiert, lässt sich mit einer gewissen Überzeugung sagen: Asiatische Mittelalter-/Schlachtenfilme haben immer Konjunktur. Wer angesichts von Schwertkämpfern, die über Baumwipfel oder Bergseen laufen, kritisch die Augen zusammenkneift, darf jedoch fragen, ob man die wirklich alle sehen muss.</p>
<p><span id="more-3947"></span>RED CLIFF ist ein Schwergewicht unter den Kriegsepen, und gewinnt Sympathiepunkte dadurch, dass er zunächst auf derart überzogenen Märchenkram verzichtet &#8211; nur um dem Zuschauer eine ganz eigene Esoterik unterzumogeln. Worauf Regisseur John Woo, der sich hier durchaus ein wenig neu erfunden hat, ebenfalls verzichtet, ist der Schneidetisch, denn mit seinen 5 Stunden Laufzeit ist die Originalversion von RED CLIFF (ursprünglich auf zwei Spielfilme verteilt, hier in einer gekürzten, internationalen Fassung ins Kino gekommen und nur als Special Edition in voller Länge veröffentlicht) ein echter Brocken. Und während die Schachtelsätze dieser Kritik versuchen, dem monumentalen Aufwand gerecht zu werden, den Woo mit seiner Kriegermär betrieben hat, vermisst man doch fast ein wenig die naive Freude, welche seine früheren, in jeglicher Hinsicht weniger beeindruckenden Werke zu vermitteln wussten.</p>
<p>Nun hat es einen etwas eigenartigen Beigeschmack, Filmen wie A BETTER TOMORROW, HARD BOILED, OPERATION: BROKEN ARROW oder FACE OFF nachzuweinen, die heute in dieser Form auch nicht mehr funktionieren würden. Und man muss zugestehen, dass Woo nicht viel Anlass für Kritik gibt, was Ästhetik, Detailtreue und Inszenierung betrifft. Und doch geht in all der Größe ein wenig die Greifbarkeit verloren. Der eingewobenen Sub-Plots zum Trotz bleibt der (europäische) Zuschauer stets Betrachter. Daran ändert auch eine kleine, sympathische Romanze wenig, die auf die 5 Stunden gerechnet wenig zu bewegen weiß.</p>
<p>Dafür gibt es ein Wiedersehen mit Darstellern wie dem niemals alternden TONY LEUNG (Asiens Antwort auf Natalie Portman, was mich betrifft), sowie dem immer sympathischen Takeshi Kaneshiro. Wenn man bedenkt, dass man Ersteren noch aus Filmen wie BULLET IN THE HEAD kennt, wird erst deutlich, wie viel Zeit vergangen ist. Und eben diese ist auch im Hinblick auf die visuellen Werte relevant. In einer Zeit, in der die Grenze zwischen CGI und Realfilm stellenweise kaum mehr auszumachen ist, sind solche Bilder nichts besonderes mehr. Sie sind es erst, wenn man bedenkt, wie viel in diesem Fall tatsächlich live gefilmt wurde. Doch daran muss man sich immer wieder erinnern. Selbst wenn es der Leistung an sich keinen Abbruch tut, echte Faszination kommt selten auf. RED CLIFF ist gewaltig, doch für ein von Schlachtenfilmen und CGI geschwollenes Auge nichts Besonderes mehr. Traurig, aber wohl unvermeidlich.</p>
<p>Regisseur John Woo erlaubte sich bei seinem Beitrag zum Monumentalkino, rückhaltlos in Bildgewalt zu schwelgen. Dabei arbeitete er derart konsequent, dass es schon Superstar Tony Leung braucht, um daran zu erinnern, dass man von Herrn Woo einst Kugelhagel und Taubenschwärme gewohnt war. Das weckt eine ganz andere Nostalgie als das eigentliche Thema des Films vielleicht beabsichtigt. Wäre nicht die Abstumpfung, wäre es atemberaubend. So bleibt es niveauvoll, aber auch dröge und ein bisschen öde.</p>
<p>Wenigstens Tauben sind wieder dabei.</p>
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		<title>The Divide</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:37:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/29/the-divide/"><img class="alignnone size-full wp-image-3923" title="The Divide" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/The-Divide.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden lässt. Die Dunkelheit, die im Menschen schlummert, ist immer aktuell und verliert nie an Bedrohlichkeit und Schrecken.</p>
<p><span id="more-3922"></span></p>
<p>Nach diversen Verfilmungen, vielen Neu-Interpretation und unzähligen, vergleichbaren Geschichten nimmt sich nun THE DIVIDE der Thematik an und entwickelt sie um genau 1% weiter, indem er aus der Flucht vor einer atomaren Bedrohung eine tatsächliche Katastrophe macht, die eine Gruppe Erwachsener mit kindlichem Gemüt &#8211; im Film New Yorker &#8211; in den Bunker unter einem Mehrfamilienhaus treibt. Dort eingesperrt, mit begrenzten Vorräten und in Angst vor dem Strahlentod an der Oberfläche, eskalieren Furcht und Überlebenswille in altbewährter Form und abendfüllender Geschwindigkeit.</p>
<p>Schade ist nur, dass dem Ganzen der Beigeschmack eines TV-Films anhaftet, denn die überaus mäßigen Dialogen werden von den eindimensionalen Charakteren bereits im Originalton derart unbeholfen abgespult, dass man sich an eine Seifenoper oder ein unterdurchschnittliches Videospiel erinnert fühlt. Dunkelheit und Anspannung dieser emotional sehr zugänglichen Lage sorgen zwar für ein gewisses Maß an Atmosphäre, jedoch wird diese immer wieder von Drehbuchaussetzern zerrissen. Dass diverse Andeutungen und ein Nebenhandlungsstrang über einen gnadenlosen Militäreinsatz letztlich im Sand verlaufen, hilft ebenso wenig und trägt nur weiter dazu bei, die Reinheit der Grundidee zu verwässern.</p>
<p>Zu dem Zeitpunkt, an dem die Verbliebenen endgültig durchdrehen, beziehungsweise die Spaltung innerhalb der Gruppe zu dramatischen Konsequenzen führt, ist bereits so viel Potenzial verschenkt, dass der zunehmend groteske, in seiner fieberhaften Inszenierung überraschend dichte letzte Akt die Wertung zwar noch anhebt, aber auch nicht mehr über die Grenze hievt, die eine Empfehlung rechtfertigen würde.</p>
<p>Wer gerne wissen möchte, was Milo Ventimiglia nach seiner Zeit bei HEROES so treibt, und ob er zwischenzeitlich besser schauspielern gelernt hat, kann THE DIVIDE eine Chance geben. Sein Händchen für gute Drehbücher hat sich nicht sonderlich verbessert, die Zugänglichkeit des Szenarios sorgt aber für 1,5 halbwegs unterhaltsame Stunden.</p>
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		<title>Hesher</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:25:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Erzählender Humor basiert meist auf Gegensätzen, auf Widersprüchen und Überraschungen. Sei es die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Auflösung, oder die offenen und versteckten Konflikte gegensätzlicher Charaktere, das zugrundeliegende Prinzip findet sich im Kern beinahe jeder Komödie. Besonders Sitcoms beziehen ihren Charme aus extremen Figuren und deren Reibung an sich selbst und ihrer Umwelt. Paradebeispiele finden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/29/hesher/"><img class="alignnone size-full wp-image-3914" title="Hesher" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/Hesher-Poster.png" alt="" width="310" height="465" /></a></p>
<p>Erzählender Humor basiert meist auf Gegensätzen, auf Widersprüchen und Überraschungen. Sei es die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Auflösung, oder die offenen und versteckten Konflikte gegensätzlicher Charaktere, das zugrundeliegende Prinzip findet sich im Kern beinahe jeder Komödie.</p>
<p><span id="more-3910"></span>Besonders Sitcoms beziehen ihren Charme aus extremen Figuren und deren Reibung an sich selbst und ihrer Umwelt. Paradebeispiele finden sich in FRIENDS, SEINFELD, COUPLING, bei THE OFFICE oder MARRIED WITH CHILDREN, und natürlich auch in aktuellen Erfolgsserien wie THE BIG BANG THEORY oder HOW I MET YOUR MOTHER. Man kann wohl mit gutem Gewissen sagen, dass gerade letztgenannte Serien von eben solchen Exoten leben, die größer als die Wirklichkeit scheinen, und doch in Wirklichkeit kaum lebensfähig wären.</p>
<p>Eine essenzielle Voraussetzung dafür, dass diese Charaktere funktionieren und die geschaffene Figurenkonstellation mehr als zwei Pointen lang Früchte trägt, ist, dass selbst jene Extremneurotiker ein emotionales Fundament besitzen, eine solide Basis, ein wenig Herz. Sie dürfen größer, ja sogar kleiner als das Leben sein, müssen dabei aber greifbar bleiben, d.h. sporadisch Stärken und Schwächen zeigen, die sich von ihren vordergründigen Eigenschaften unterscheiden. Wer einfach nur grundunsympathisch wirkt, kann als Antagonist eine Weile überdauern, aber dauerhaft keine Geschichte tragen. Immerhin zeichnet die Widersprüchlichkeit, die guten Humor über billige Kalauer hebt, auch den Menschen an sich aus.</p>
<p>Genau solch ein Charakter, sowie die dazugehörige Figurenkonstellation, bildet auch das Zentrum von HESHER. Hier wird eine von Trauer gelähmte Familie mit der Urgewalt eines Rebellen konfrontiert, dessen Rücksichtslosigkeit zum Katalysator für eine Art Selbstheilung wird. Ein rollender Stein, der durch seine pure Wucht all die Kiesel in Bewegung bringt, deren Leben er berührt. Ob sie das wollen oder nicht, spielt für ihn keine Rolle.</p>
<p>Besondere Erwähnung verdient dabei die Besetzung des Films. Joseph Gordon-Levitt, für mich mittlerweile fast über jeden Zweifel erhaben, spielt die titelgebende Rolle mit kompromisslosem Gusto, jedoch ohne störende Übertreibung. Seine Figur ist definitiv “larger than life”, zeigt aber genug bodenständige Züge, um ehrliche Zuneigung seitens des Zuschauers zu ermöglichen. Natalie Portman, die mal wieder keinen Tag älter als 20 wirkt, nimmt man die leicht verlotterte Supermarkt-Kassiererin zwar nicht ab, ihr Spiel ist aber ernsthaft und glaubwürdig genug, um Äußerlichkeiten die Relevanz zu nehmen. Devin Brochu, der im Zentrum der Geschichte steht, zeigt sich der Herausforderung einer Hauptrolle gewachsen und Rainn Wilson wird, wenn er so weiter macht, bald aus dem Offbeat-Kino nicht mehr wegzudenken sein.</p>
<p>Würde man es dabei belassen, könnte HESHER einfach nur eine nette Komödie sein. Wie die kurze Inhaltsangabe zeigt, hat HESHER aber mehr zu bieten. Die humorvollen Momente schaffen Erleichterung, hauptsächlich ist es jedoch ein Film über Verlust, Trauer, und wie man mit ihr umzugehen lernen kann. Es ist ein Film über Menschen, die sich allein fühlen, Menschen, die an einer Stelle verharrt sind, von der sie allein nicht mehr fortkommen und Außenseiter, die in den unwahrscheinlichsten Gefährten die größte Menschlichkeit finden. Die Fähigkeit, diese Themen mit Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zu behandeln, ohne in die Schwere eines Dramas oder den verkopften Pathos des Programmkinos zu verfallen, macht aus HESHER einen gleichzeitig zugänglichen wie berührenden Film.</p>
<p>Regisseur und Drehbuchautor Spencer Susser hat mit seiner Geschichte das Genre und seine Techniken nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht und im selben Streich gemeistert. HESHER ist somit in allen Punkten gelungen und unbedingt sehenswert. Großes Kino über kleine Leute, das Aufmerksamkeit verdient.</p>
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		<title>Red State</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 10:27:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[1994 drehte ein bis dahin praktisch unbekannter Regisseur einen Film über zwei Taugenichtse, die in benachbarten Läden arbeiteten und den ganzen Tag damit verbrachten, Unsinn zu reden, sich mit ihren neurotischen Kunden anzulegen und jeder Art von Verantwortung tunlichst aus dem Weg zu gehen. Die Dialoge waren frech, die Witze kompromisslos und jede zweite Szene [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/15/red-state/"><img class="alignnone size-full wp-image-3903" title="Red State" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/redstate1.png" alt="" width="310" height="440" /></a></p>
<p>1994 drehte ein bis dahin praktisch unbekannter Regisseur einen Film über zwei Taugenichtse, die in benachbarten Läden arbeiteten und den ganzen Tag damit verbrachten, Unsinn zu reden, sich mit ihren neurotischen Kunden anzulegen und jeder Art von Verantwortung tunlichst aus dem Weg zu gehen. Die Dialoge waren frech, die Witze kompromisslos und jede zweite Szene perfekt zitierbar.<br />
<span id="more-3892"></span><br />
Der Film hieß CLERKS, war mit Minimalbudget in Schwarzweiß gedreht worden und avancierte aus dem Stand zum Kultfilm. Plötzlich hatte Kevin Smith, der in seinem Film auch eine Nebenrolle spielte und in dem Laden, der als Hauptschauplatz diente, nebenbei jobbte, eine Karriere. Es folgten weitere Filme, Comics, Stand Up Comedy und eine treu ergebene Fangemeinde, die von dem Slacker-Humor kaum genug bekommen konnte, sei es wegen dessen unverblümter Obszönität, oder weil die Narben, die der Tod von Kurt Cobain hinterlassen hatte, immer noch schmerzten. Die endlosen, authentisch klingenden Gespräche über Filme, Frauen, Drogen und Sex in CLERKS und Smiths nachfolgenden Werken waren genau der Balsam, den diese Generation brauchte &#8211; eine neue Art von Unbeschwertheit, die eine Rebellion ersetzte, ohne echten Einsatz zu erfordern.</p>
<p><strong>Geburtsort New Jersey, unbekannt verzogen</strong></p>
<p>12 Jahre später drehte Kevin Smith CLERKS 2. Der große Durchbruch mit DOGMA lag bereits einige Jahre zurück, die Smith-Euphorie war spürbar abgeebbt, und so richtig wollte der New Jersey Humor auch nicht mehr ziehen. Smith teilte plötzlich das Schicksal vieler Vorreiter: Er war von eben jenem Trend, den er mit erschaffen und wesentlich geprägt hatte, überholt worden. Obszönität war längst salonfähig geworden, schlimmer noch, Mainstream, und für die Art von Dreistigkeit, die jetzt noch provozierte, war Smith einfach zu smart, und vielleicht auch etwas zu erwachsen.</p>
<p>Dabei war er an seinem Schicksal keinesfalls unbeteiligt. Mit Filmen wie JAY &amp; SILENT BOB STRIKE BACK hatte er seine eigenen Kreationen gründlich totgeritten. Was als Gimmick in einem flapsig zusammen geschusterten Indie-Streifen hervorragend funktionierte, verlor unter der Last einer aufwändigeren Produktion und mangels Entwicklung erst seinen Charme, dann jegliche Authentizität. Dass Smith gleichzeitig begann, Material aus seinem StandUp-Programm in seinen Filmen aufzuwärmen, und sich somit wiederholt selbst zu zitieren, half dabei wenig. Selbst der solide ZACK &amp; MIRI MAKE A PORNO konnte nicht mehr richtig an jene alte Unbeschwertheit anknüpfen, vom viel getadelten COP OUT ganz zu schweigen. Smith war nicht mehr Indie, nicht mehr Kult, er war “der fette Typ in Stirb Langsam 4, der im Keller seiner Mutter wohnt und einen auf Hacker macht” (kein Zitat).</p>
<p>Was bleibt, sind Trümmer. Heute findet man neben erbitterten und verbitterten Fans deshalb auch jene, die sich fragen, welche Bedeutung Smith noch haben kann, nun da alles an den Tisch gebracht worden scheint, was er in petto hatte. Ehemalige Fans vielleicht, über die Jahre kritisch geworden, die Smiths Arbeit heute kaum mehr etwas abgewinnen können. Leute, die auf gewisse Weise älter geworden sind als der verschmitzte Schelm, der &#8211; wie jeder intelligente Mensch &#8211; tunlichst kaschiert, wie viel Furcht ihm manche Menschen bereiten.</p>
<p>Solange man Smith aber zugesteht, dass seine Arbeit einmal Relevanz hatte, einen unverkennbaren, eigenen Stil, muss man sich fragen, was es war, das seine Werke so einzigartig machte. Die Antwort darauf ist einfach. Es war nie das “Was”, sondern immer das “Wie.” Es war die Sichtweise eines Mannes, der trotz aller Klarsicht immer Kind geblieben ist, einem Geek aus Leidenschaft, der vor dem Leid der Welt flüchten und es manchmal auch banalisieren muss, um nicht an ihm zu zerbrechen. Der angesichts der Mentalitäten, die vor der eigenen Haustür lauern, ein gewisses Grauen nicht verbergen kann.</p>
<p><strong>Und dann kam das Grauen</strong></p>
<p>Wer nicht bereits zu dieser Erkenntnis gelangt ist, wird sie vielleicht bei RED STATE haben, denn was man auch über Smiths Ausflug ins Horror-Genre denken mag, eines sollte in jedem Fall unstrittig sein: Er ist erstaunlich unkonventionell. Die kleine Geschichte über ein paar notgeile Teenager, die in die Fänge einer ultrakonservativen, religiösen Gemeinde geraten, ist laut, brutal, absolut kompromisslos und überraschend kurzweilig geraten. Und wieder mal ist es das “wie”, nicht das “was”, welches für Erstaunen sorgt</p>
<p>Weniger wohlwollend könnte man formulieren, dass der Film von vorne bis hinten ein Fiasko ist; ein inkohärentes, launig zusammengestückeltes und manisch inszeniertes Filmchen, das mehr von John Goodman und Michael Parks darstellerischer Leistung zusammen gehalten wird als von seinem Drehbuch oder seinem Regisseur. Trotz seiner kurzen Laufzeit und seinem grausigen Thema gönnt sich Smith endlose Monologe, deplatzierten Slapstick und mehr als nur einen Bruch in Genre, Stilistik und Filmsprache (wobei ich mich mit Letzterem etwas aus dem Fenster lehne).</p>
<p>Gerade einem Genre, dem es so sehr an wirklich frischen Ideen mangelt, und das sich so gerne an Klischees bedient, bekommt diese unkonventionelle Erzählweise aber überraschend gut. Kein Zweifel, RED STATE wirkt genauso hingerotzt wie damals CLERKS, ohne dabei den selben Charme zu entwickeln, doch merkt man dem Geschehen an, dass Smith sich mit seinen ganz persönlichen Ängsten auseinander gesetzt hat. Dass er dabei versucht, möglichst keine Partei zu ergreifen, und neben der Sekte auch die Behörden und die Opfer bloßstellt, zeigt, dass ihm trotz aller Gewalt und Launigkeit an seinem Thema etwas lag.</p>
<p>RED STATE ist deshalb kein echter Horrorfilm geworden, und auch nicht keine rein polemische Hasstirade auf religiösen Fanatismus. Beide Aspekte werden zweifellos bedient, sei es durch Folterszenen oder eine ausufernde, von Wahnsinn vergiftete Predigt. Es ist kein Film über Zwischentöne, kein Film über Figuren, die irgend eine Art von Entwicklung durchleben. In erster Linie ist RED STATE eine Parabel über den Wahnsinn in unserer Welt, ein bitterer Witz, über den niemand so richtig lachen will. Und so scheint es mehr als passend, dass das Fazit Erinnerungen an BURN AFTER READING weckt, und nicht wenige Zuschauer mit der Frage in den Abspann entlassen werden, ob es das ernsthaft gewesen sein soll.</p>
<p>Man muss Kevin Smith deshalb nicht wieder mögen. Man muss nicht einmal RED STATE gesehen haben, so gut ist er nicht. Aber man muss Smith zugestehen, mit RED STATE endlich etwas Neues gewagt zu haben, ohne dabei zu vergessen, was eine Geschichte gut macht. Die persönliche Note, die Art und Weise, WIE man sie erzählt. Und so darf man &#8211; endlich und trotz Smiths Ankündigung, der nächste Film würde sein letzter sein &#8211; wieder auf seine kommenden Werke gespannt sein.</p>
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		<title>Super</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 10:51:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/02/super/"><img class="alignnone size-full wp-image-3886" title="super" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/super.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. <span id="more-3878"></span>Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer ist, ohne dies in ausreichendem Maß dem Publikum zu vermitteln. Es ist ein Film, der die richtigen Werkzeuge wiederholt falsch einsetzt, und somit viel Potenzial verschenkt. Dafür verdient er Anerkennung und Verachtung zugleich, und in diesem Spannungsfeld der Extreme, in dem sich auch die Handlung des Films bewegt, sehe ich mich gefangen. Und deshalb geht es diesmal auch nicht komplett ohne kleine Spoiler.</p>
<p><strong>Kleine Erwartungen, große Überraschung</strong></p>
<p>Die erste Frage, die sich bereits angesichts des Trailers stellte, war, ob SUPER überhaupt notwendig sei. Nach der mehr als gelungenen Millar-Verfilmung KICK-ASS schien ein weiterer Film über einen ordinären Verlierer, der sich entschließt, ein Superheld zu werden, und mit der unbarmherzigen Realität konfrontiert wird, überflüssig. Daran änderte auch das Indie-Flair des Trailers, der gute Soundtrack und die stets sympathische Ellen Page in einer Nebenrolle wenig.</p>
<p>Wer SUPER gesehen hat, weiß, dass diese Frage schnell irrelevant wird. SUPER ersetzt nicht nur den naiv-verzweifelten Teenager durch einen erwachsenen Soziopathen, er geht auch in allen anderen Aspekten weiter als sein Konkurrent. Wer KICK-ASS für derb und respektlos hielt, kann sich bei SUPER auf eine heftige Überraschung gefasst machen, denn was dieser an Bösartigkeit und blanker Brutalität mitbringt, sollte einen Großteil der Zuschauer weit aus der Komfortzone heraus katapultieren. Das dieses “sollte” ein Problem darstellt, dazu später mehr.</p>
<p><strong>Auf die Fresse, gerne, aber muss das sein?</strong></p>
<p>Dieser Effekt, das Abkippen der harmlosen Komödie in eine wüste Gewaltorgie, wirkt selbstverständlich deutlich intensiver, wenn man lediglich den Trailer kennt. Dieser verspricht eine ironische, leicht schwarzhumorige, ansonsten aber unauffällige Komödie. Das stellenweise schlichtweg geschmacklose Schlachtfest, das SUPER in Wirklichkeit darstellt, dürfte nur von Wenigen in dieser Form erwartet worden sein. Das Problem dabei ist weniger das blanke Vorhandensein der Gewalt, sondern wie diese als komisch oder gar verzeihlich inszeniert wird.</p>
<p>Ganz gleich, wie man den Film schlussendlich bewertet, an einer Sache darf es keinen Zweifel geben: SUPER erzählt von einem schwer geistig gestörten Mann, der sich von niemand geringerem als Gott berufen fühlt, Verbrechen zu bekämpfen, und dabei selbst geringste Taten mit einer unfassbaren, widerlichen Brutalität ahndet, die bei schwerer Körperverletzung beginnt und bei einem Massenmord endet. Punkt.</p>
<p>Es sollte nicht erwähnt werden müssen, dass der Film in dem Augenblick aufhört, eine reine Komödie zu sein, als der Protagonist einen Handtaschendieb mit einer Rohrzange krankenhausreif schlägt. Oder der Freundin eines Proleten, der sich in die Schlange vor der Kinokasse drängelt, ein schweres Schädeltrauma zufügt. Oder einem Teenager, der angeblich ein Auto ruiniert haben soll, eine Glasvase im Gesicht zertrümmert wird. Und weil die Kamera immer drauf hält, bis zum bitteren Ende, bis das Leben aus den Augen des Opfers weicht, während der “Held” immer noch dessen Kopf auf den Steinboden schmettert. Das zweite “sollte”, das gleiche Problem.</p>
<p>Die Frage muss nun lauten: Wie viel Intelligenz gesteht man Drehbuchautor, Regie und Publikum zu? Und welche Relevanz hat dies für das Zusammenspiel zwischen Film und Publikum? Versucht man diese beiden Fragen zu beantworten, öffnet man gleich die nächste Büchse, ein Kaleidoskop der Fragezeichen, ein “Best of LOST”, wenn man so will.</p>
<p>Waren die Macher ernsthaft der Meinung, hier noch eine Komödie zu produzieren? Oder ist SUPER womöglich der ultimative Abgesang auf unsere Art, Entertainment zu definieren bzw. damit umzugehen? Hält er, wie jedes wirklich großartige Werk, der Welt und seinem Publikum einen Spiegel vor, indem unverblümt zeigt, wie fadenscheinig und verlogen unser Umgang mit Gewalt geworden ist? Will SUPER erreichen, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt, dass wir über uns selbst erschrecken, so wie es schwarzem Humor durchaus erlaubt ist? Und wenn ja, warum bleibt er dem Zuschauer ein klares Signal schuldig, was seine Intention betrifft?</p>
<p><strong>Wo das Dilemma wohnt</strong></p>
<p>Ein Beispiel &#8211; in dubio pro reo, wenn man so will: Wieso ist es vollkommen in Ordnung, Helden wie BATMAN cool zu finden? Weil die Art und Weise, wie Blockbuster inszeniert werden, Gewalt in etwas verwandelt, dass immer leicht verdaulich bleibt. Weil der Held immer nur die Bösen umbringt, wenn es nicht mehr anders geht, mit »gutem Grund«, wenn es die Handlung erlaubt, und die Bösen immer Unschuldige töten, damit wir wissen, wer die Bösen sind. Tot und Gewalt haben in diesen Geschichten stets ihre erzählerische Berechtigung, sie sind ein Mittel zum Zweck, über das man nicht nachdenkt, solange es in der gewohnten Form angewendet wird. Jeder weiß, dass Batman seine Gegner nicht tötet. Aber ist das nicht pure Augenwischerei? Ist das nicht komplett verlogen? Warum erlauben wir Batman, ein Held zu sein, der er in der Wirklichkeit nie sein könnte? Weil wir solche Helden brauchen, wie auch die Filme selbst nicht müde werden, zu betonen. Weil uns ein Batarang nicht weh tut. Weil die Kamera im FSK12-Blockbuster schnell beiseite wischt, wenn der Knüppel niedersaust, die Wirklichkeit aber keine Abblende kennt. Selbst die neueren Filme, die einen realistischeren Ansatz verfolgen, können sich nicht von diesem Erbe lösen. Sie wollen es auch gar nicht, denn solange ein Farbfilter über den Bildern liegt und vorrangig die Bösen für den Bodycount sorgen, wirkt der Gute lediglich wie ein »dunkler Ritter«. Es ist absurd.</p>
<p>Und hier liegt nun der Kern des Problems:  Wenn SUPER eine solche Botschaft hat, verlagert er sie beinahe vollständig in den Subtext. Auf diese Weise kaschiert er mit seinen Intentionen aber genau jene Aussage, die dem Publikum unbedingt vermittelt werden müsste. Somit stellt er sich auf eine Ebene mit Zombiefilmen, deren banale Sozial- und Gesellschaftskritik regelmäßig im blanken Entertainment untergeht.</p>
<p><strong>Die Herde schluckt alles</strong></p>
<p>Keine Frage: Super kann erschrecken, wenn nicht sogar verstören. Genau deshalb sollte aber klar sein, dass es ein Fehler wäre, ihn lediglich als derbe Komödie zu sehen. Das Problem ist, wie schon angedeutet, dieses “sollte”. Es ist das selbe Problem, das auch bei den INGLORIOUS BASTERDS zu wenig diskutiert wurde. Und in vielerlei Hinsicht sind diese beiden Filme miteinander vergleichbar. Das Lachen sollte einem im Halse stecken bleiben. Nur scheint das bei der Masse nicht der Fall zu sein.</p>
<p>Denn machen wir uns nichts vor: Angesichts überdreht-brachialer Gewalt und auf die breite Masse gerechnet, gehen selbst die besten Absichten im Blöken und Grunzen der Schafe und Schweine unter. Ich wähle diese Beleidigungen sehr bewusst, denn anders kann man das, was sich an einem Samstag Abend im Cineplex versammelt, häufig nicht bezeichnen. Im selben Maß, wie sich SUPER vor der Verantwortung drückt, seinem Publikum eine schallende Ohrfeige zu verpassen, bzw. ihm zu sagen, WARUM er dies tut, nimmt er es leider auch aus der Verantwortung, seine eigenen Reaktionen zu hinterfragen. Der Spiegel, den der Film seinem Publikum vorhält, ist zu stumpf, um etwas darin zu erkennen.<strong></strong></p>
<p><em>(Spoilerwarnung, die kommenden beiden Absätze bitte ggf. überspringen)</em></p>
<p>Wozu man auch tendiert, weder Film noch Publikum können aus der Verantwortung genommen werden. Ein Film, der mehr von seinem Publikum erwartet, als es leisten kann, macht sich ebenso schuldig wie ein Publikum, das nicht willens oder nicht fähig ist, zu verstehen, was es sieht, durch seine Reaktion aber eine klare Aussage trifft. Das macht SUPER zu einem Erlebnis, das in positiver wie negativer Weise einzigartig ist. Ein MANN BEISST HUND der Superheldenkomödie, wenn man so will, ein Machwerk sondergleichen. Braucht die Welt Filme wie SUPER? Sicherlich nicht. Die Welt braucht Menschen, die von Filmen wie SUPER verstört werden. Aber setzt das die Existenz eines solchen Films voraus? Neu ist diese Frage nicht.</p>
<p>Selbst wenn man eine wohlwollende Interpretation vertritt und SUPER damit eine gewisse Absolution erteilt, darf man nicht leugnen, dass er sich schlussendlich an einer essenziellen Sache schuldig macht: Inkonsequenz. Falls all die Rücksichtslosigkeit tatsächlich Mut sein sollte, dann hätte SUPER auch den Mut haben müssen, seine Geschichte in angemessener Form zu beenden. Dass er seinen Protagonisten aber nach einem Blutbad, das unzählige eindeutiger Spuren hinterlässt, in ein Happy End entkommen lässt, in dem er nicht für seinen Amoklauf zur Rechenschaft gezogen wird, ist feige und verlogen und spielt jenen Psychopathen in die Hände, die den Film als reine Komödie sehen.</p>
<p><strong>Was ist, ist, was nicht ist, ist möglich</strong></p>
<p>SUPER ist ein guter Film. Er ist voller herber Ideen und handwerklich tadellos inszeniert. Aber er hat mir nur stellenweise Spaß gemacht. Die Frage, die ich mir seitdem stelle, ist:<em> Sollte</em> er das überhaupt? So vehement ich die Frage auch verneinen und SUPER ein tadelloses Zeugnis ausstellen will &#8211; die Zweifel bleiben. Am Film. An uns, dem Publikum. Und inwieweit wir einander verstehen.</p>
<p>SUPER ist ein Film, der seine Zuschauer zu Mittätern macht, ohne sie zuvor um ihr Einverständnis zu bitten. Auch wenn ich es zuvor als Frage formuliert habe, bin ich mir doch sicher: Die Welt braucht solche Geschichten, sei es in Film, Literatur oder anderen Kunstformen. Die Frage ist nicht, ob das einem gefällt, die Frage ist, ob man sich von einem solchen Werk zum Opfer machen lassen möchte. Die Welt braucht nämlich auch Leute, die bei solch einem Film den Saal verlassen. Und wenn ich Respekt vor jenen habe, die einen solchen Affront dreist als Komödie tarnen, dann auch vor jenen, die sich weigern, an dieser Farce teilzunehmen. Wer sich dem verweigert, ist kein Spielverderber, sondern zieht eine persönliche Konsequenz aus einem unprovozierten Angriff auf das, was man mangels besserer Alternativen als guten Geschmack bezeichnen kann.</p>
<p><strong>Am Ende keine Erkenntnis</strong></p>
<p>Was wissen wir, am Ende dieser endlosen Überlegungen? Ich könnte sagen, dass ich SUPER für einen guten, vielleicht sogar hervorragenden Film halte, mir aber immer noch nicht sicher bin, ob ich ihn vielleicht für schlauer halte, als er ist. SUPER stemmt sich mit Gewalt gegen jegliche Regeln, und wirft dabei eine Menge Fragen auf, ohne sie klar zu beantworten. Trägt ein Künstler die Verantwortung, nicht nur für sein Werk, sondern was es in den Augen jener, die es betrachten, darstellt? So formuliert muss die Antwort “Nein” lauten, aber es setzt voraus, einen Film wie ein Kunstwerk zu behandeln. Und dass SUPER dieses Prädikat verdient, darf angezweifelt werden.</p>
<p>In jedem Fall verdient er die Freigabe ab 18 wie kaum ein anderer Film, denn er erfordert ein gewisses Maß an Reife. Dass ein guter Teil des Publikums diesem Anspruch nicht gerecht werden wird, ist bedenklich. Wer über einen starken Magen verfügt und sich trotzdem eine gewisse Sensibilität erhalten hat, sollte ihn wahrscheinlich sehen. Eine Empfehlung behalte ich mir diesmal jedoch vor.</p>
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		<title>Kill List</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 13:13:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/05/kill-list/"><img class="alignnone size-full wp-image-3872" title="Kill List" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/kill-list-poster.png" alt="" width="310" height="464" /></a></p>
<p>Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten.<br />
<span id="more-3870"></span><br />
Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit seinem schmutzigen Realismus und seiner überraschend aufmerksamen Charakterzeichnung auf eine Weise an die Nieren geht, die das moderne Actionkino als moralisch nicht minder bedenkliche Verharmlosung enttarnt.</p>
<p>Das Erstaunliche dabei ist, dass der Film als spröde, fast dokumentarisch anmutende Milieustudie beginnt, dann als harter Selbstjustiz-Streifen die Grenzen der Glaubwürdigkeit im Rahmen seiner realistischen Erzählweise abtastet, nur um im letzten Akt vollkommen durchzudrehen und in einer albtraumhaft surrealen Hetzjagd zu explodieren, die den absehbaren Twist am Ende schon beinahe harmlos wirken lässt.</p>
<p>Wer bis zu diesem Punkt nicht bereits das Handtuch geworfen hat, erkennt hinter all dem Lärm und all der Raubeinigkeit eine gar nicht mal dumme Kombination zweier Klassiker, deren Nennung einem Spoiler gleich käme, jedem Filmfan aber ein Begriff sein sollten.</p>
<p>Getragen wird das Ganze von einem Drehbuch, das sich sowohl seiner Ziele als auch seiner Zielgruppe bewusst ist, und zwei Darstellern, die ihre Charaktere mit erschreckender Authentizität verkörpern. Selbst wenn die Geschichte für sich genommen enttäuschen oder abschrecken mag, schaffen es die beiden Protagonisten mühelos in meine persönlichen Top 10 der glaubwürdigsten Profikiller seit Alain Delon in LE SAMURAI.</p>
<p>Kompromisslos, derb und vollkommen wahnsinnig &#8211; KILL LIST ist ein grauschwarzer Albtraum, ein herber mindfuck irgendwo zwischen “bat shit crazy” und “quite smart”. Russisches Roulette für mutige Thrillerfans, die 8MM schon als nervigen Mainstream-Mist bezeichnen.</p>
<p>Ansehen auf eigene Gefahr.</p>
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