Zu PERFECT SENSE eine Rezension zu schreiben, die unter dem Motto “Weniger ist mehr” steht, grenzt an bittere Ironie, schließlich erzählt der Film vom Verlust der Sinne. Doch in diesem Fall scheint es mir tatsächlich angeraten, möglichst wenig auszuführen.
Der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests war nicht für jeden eine zufriedenstellende Wahl – und doch irgendwie genau die richtige. Nun, da die Folterwelle endlich abklingt, stellt sich die Frage, wo der Horrorfilm in den kommenden Jahren hingehen wird. Was wäre demnach passender, als einen ganz klassischen Gruselfilm zu zeigen, der daran erinnert, was Mainstream-Horror einmal auszeichnete.
Woran man merkt, dass man zu aktuellen Liebesfilmen und romantischen Komödien wenig Bezug hat? Wenn die erste Genre-Referenz, die spontan in den Sinn kommt, HARRY UND SALLY ist, dicht gefolgt von CASABLANCA. Ist man dann darüber hinweg, sich ganz schrecklich alt zu fühlen, folgen vielleicht weitere Titel. THE SCIENCE OF SLEEP, ETERNAL SUNSHINE OF A SPOTLESS MIND, REALITY BITES, BEFORE SUNRISE sowie SCHLAFLOS IN SEATTLE, HAUTNAH oder meinetwegen auch KEEPING THE FAITH. WEITER
Gut zwei Wochen schiebe ich diese Rezension bereits vor mir her, und wie es der Zufall so will, entspricht dies ziemlich genau der gefühlten Spieldauer von WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS.
Gut, dass ist vielleicht ein wenig übertrieben. Folgende Einschätzung leider nicht: Genauso wenig, wie ich wusste, was ich über dieses belanglose Bildgeplätscher schreiben könnte, genauso wenig scheint Oliver Stone gewusst zu haben, was er eigentlich erzählen möchte.
Ach, es ist doch immer das Gleiche. Ein Rebell / Außenseiter / Einzelkämpfer gerät in eine andere Welt / Dimension / Zeit, wird dort als Rebellenführer / Auserwählter / Erlöser entdeckt oder erkoren und führt die Unterdrückten / Versteckten / Rückständigen gegen ein Terrorregime / Diktatoren / Invasoren in den Kampf und über ein paar Opfer hin zur Freiheit / zum Sieg / zu neuem Selbstbewusstsein. Es ist das ewige Erlöser-Einerlei, der immerzu gleiche Eskapismus, der sich in maßgeschneiderte CGI-Klamotten hüllt und auf innere Werte pocht, ohne selbst welche zu besitzen.
Einen Film wie MACHETE an erzählerischen und qualitativen Standards messen zu wollen, macht in etwa so viel Sinn, wie die 10 Gebote auf einen Barsch anzuwenden. Keinen. Klar sollte jedoch sein: Rodriguez liebt es, im Schlamm zu wühlen. Und, um noch gehässiger zu werden, alten Dreck nach oben zu ziehen, um sich dann davon zu ernähren, was er darin finden. Das zeugt von einem gewissen Chuzpe, muss aber nicht jedem gefallen. Ob der einleitende Satz als Qualitätsurteil oder Schuldspruch ausgelegt werden sollte, ist somit eine reine Glaubensfrage.
Vor gut fünf Jahren, als ich noch besser über aktuelle Filme informiert war, hörte ich bei einer Busfahrt, wie sich ein paar Teenager über Quentin Tarantinos neuen Film HOSTEL unterhielten. Ich erinnere mich noch an die grimmig-amüsierte Verachtung, die ich empfand, als mir klar wurde, wie gut diese albernen “präsentiert von”-Zusätze tatsächlich funktionieren. Es hat lange gedauert, bis mir ein ähnlicher Fehler unterlief. Bedauerlich, dass dies der einzige Grund bleiben wird, warum ich DEVIL nicht vergessen werde.
Anthony Hopkins war lange Zeit ein Garant für hervorragendes Schauspiel, wenn auch nicht immer hervorragende Filme, wie WOLFMAN und BEOWULF oder auch THOR bewiesen haben. Wenn man ihn jedoch aus den mittelalterlich angehauchten Szenarien entfernt, und an Filme wie DAS PERFEKTE VERBRECHEN und WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEBT denkt, wird ein Bild wiederbelebt, dass sich seit SCHWEIGEN DER LÄMMER beharrlich hält.