Wer ständig Andere kritisiert, muss auch Bereitschaft zeigen, selbstkritisch zu sein. Deshalb sei an dieser Stelle eingestanden, dass es schon eine ganz besondere Form von Dummheit braucht, einen Film mit dem Titel NORWEGIAN NINJA anzusehen, und davon ernsthaft mehr als grenzdebilen Mist zu erwarten.
Zum Lieferumfang handelsüblicher Serienkiller-Thriller gehört genau ein Psychopath. Je nachdem, wo man bestellt, erhält man eventuell noch einen manischen Ermittler als Dreingabe. Ausnahmen gibt es, doch selbst diese stellt GOOD NEIGHBORS mühelos in den Schatten, denn der kanadische Indie-Streifen kommt mit sage und schreibe drei Verrückten daher, die als benachbartes Protagonistentrio alle Hauptrollen abdecken.
Zu PERFECT SENSE eine Rezension zu schreiben, die unter dem Motto “Weniger ist mehr” steht, grenzt an bittere Ironie, schließlich erzählt der Film vom Verlust der Sinne. Doch in diesem Fall scheint es mir tatsächlich angeraten, möglichst wenig auszuführen.
Der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests war nicht für jeden eine zufriedenstellende Wahl – und doch irgendwie genau die richtige. Nun, da die Folterwelle endlich abklingt, stellt sich die Frage, wo der Horrorfilm in den kommenden Jahren hingehen wird. Was wäre demnach passender, als einen ganz klassischen Gruselfilm zu zeigen, der daran erinnert, was Mainstream-Horror einmal auszeichnete.
Woran man merkt, dass man zu aktuellen Liebesfilmen und romantischen Komödien wenig Bezug hat? Wenn die erste Genre-Referenz, die spontan in den Sinn kommt, HARRY UND SALLY ist, dicht gefolgt von CASABLANCA. Ist man dann darüber hinweg, sich ganz schrecklich alt zu fühlen, folgen vielleicht weitere Titel. THE SCIENCE OF SLEEP, ETERNAL SUNSHINE OF A SPOTLESS MIND, REALITY BITES, BEFORE SUNRISE sowie SCHLAFLOS IN SEATTLE, HAUTNAH oder meinetwegen auch KEEPING THE FAITH. WEITER
Gut zwei Wochen schiebe ich diese Rezension bereits vor mir her, und wie es der Zufall so will, entspricht dies ziemlich genau der gefühlten Spieldauer von WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS.
Gut, dass ist vielleicht ein wenig übertrieben. Folgende Einschätzung leider nicht: Genauso wenig, wie ich wusste, was ich über dieses belanglose Bildgeplätscher schreiben könnte, genauso wenig scheint Oliver Stone gewusst zu haben, was er eigentlich erzählen möchte.
Ach, es ist doch immer das Gleiche. Ein Rebell / Außenseiter / Einzelkämpfer gerät in eine andere Welt / Dimension / Zeit, wird dort als Rebellenführer / Auserwählter / Erlöser entdeckt oder erkoren und führt die Unterdrückten / Versteckten / Rückständigen gegen ein Terrorregime / Diktatoren / Invasoren in den Kampf und über ein paar Opfer hin zur Freiheit / zum Sieg / zu neuem Selbstbewusstsein. Es ist das ewige Erlöser-Einerlei, der immerzu gleiche Eskapismus, der sich in maßgeschneiderte CGI-Klamotten hüllt und auf innere Werte pocht, ohne selbst welche zu besitzen.
Einen Film wie MACHETE an erzählerischen und qualitativen Standards messen zu wollen, macht in etwa so viel Sinn, wie die 10 Gebote auf einen Barsch anzuwenden. Keinen. Klar sollte jedoch sein: Rodriguez liebt es, im Schlamm zu wühlen. Und, um noch gehässiger zu werden, alten Dreck nach oben zu ziehen, um sich dann davon zu ernähren, was er darin finden. Das zeugt von einem gewissen Chuzpe, muss aber nicht jedem gefallen. Ob der einleitende Satz als Qualitätsurteil oder Schuldspruch ausgelegt werden sollte, ist somit eine reine Glaubensfrage.
Vor gut fünf Jahren, als ich noch besser über aktuelle Filme informiert war, hörte ich bei einer Busfahrt, wie sich ein paar Teenager über Quentin Tarantinos neuen Film HOSTEL unterhielten. Ich erinnere mich noch an die grimmig-amüsierte Verachtung, die ich empfand, als mir klar wurde, wie gut diese albernen “präsentiert von”-Zusätze tatsächlich funktionieren. Es hat lange gedauert, bis mir ein ähnlicher Fehler unterlief. Bedauerlich, dass dies der einzige Grund bleiben wird, warum ich DEVIL nicht vergessen werde.
Anthony Hopkins war lange Zeit ein Garant für hervorragendes Schauspiel, wenn auch nicht immer hervorragende Filme, wie WOLFMAN und BEOWULF oder auch THOR bewiesen haben. Wenn man ihn jedoch aus den mittelalterlich angehauchten Szenarien entfernt, und an Filme wie DAS PERFEKTE VERBRECHEN und WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEBT denkt, wird ein Bild wiederbelebt, dass sich seit SCHWEIGEN DER LÄMMER beharrlich hält.
Andere haben es bereits vor mir erkannt: Was gibt es am Ende dieser Reihe noch zu sagen? Sie hatte ihre Momente, vielleicht sogar den ein oder anderen Höhepunkt. Sie wurde in den späteren Teilen in fortschreitendem Maß dröge und schaffte es nicht, die stilistische Entwicklung und das Heranreifen ihrer Darsteller auch auf erzählerischer Ebene zu vermitteln. Und wie hört das Ganze nun nach über 7 Jahren auf? Mit einem Knall, viel Drama – und wenig Konsequenzen.
Es ist ja nicht so, dass man uns nicht gewarnt hätte.
Teilung des letzten Bands auf zwei Filme, durchwachsene Kritiken und schlussendlich sogar deutliche Worte meines Lieblingsvideothekars, der sonst eher durch vertrauenswürdige Milde glänzt.
Doch kurz vor Ende aufgeben? Niemals. Das Ergebnis ist jedoch, wie nicht anders zu erwarten war, ermüdend.
Was macht ein Gondoliere abseits der Saison?
Er lässt sich treiben.
Ungefähr auf dem selben Niveau wie dieser Kalauer liegt THE TOURIST. Das Drehbuch ist ebenfalls ein Witz, der einem kein Schmunzeln auf die Lippen zwingt. Im Gegenteil. Man könnte wohl eine amüsante, auf jeden Fall interessantere Glosse darüber schreiben, wie dieser Film vermutlich zustande kam.
Wer Filme liebt, muss einfach für die Coen Brüder schwärmen. Die Titel, aus denen sich ihr bisheriges Werk zusammen setzt, lassen keine andere Reaktion zu. Ihr Gespür für schräge Charaktere und krude Dialoge, für eigenwillige Geschichten und abstruse Situationen hat Joel und Ethan Coen berühmt gemacht, und erlaubt auch die aktive Verdrängung der wenigen mittelprächtigen Titel wie LADYKILLERS und EIN UNMÖGLICHER HÄRTEFALL, die zwar nett anzusehen waren, über weite Strecken aber uninspiriert wirkten.
Haruki Murakami ist zweifellos ein großartiger Erzähler. Sein Talent, im vermeintlich Alltäglichen das Besondere zu entdecken, oder umgekehrt, das Surreale alltäglich erscheinen zu lassen, macht seine Geschichten zu ganz speziellen, wenn auch zuweilen schwer zugänglichen, Leseerfahrungen.
Französische Küche, französischer Käse, französischer Wein. Erkennt man alles, was aus Frankreich kommt, am Geschmack? Im Falle von 22 BULLETS lautet die Antwort: ja.
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Dass man für die bloße Existenz von Filmen wie THE ROAD dankbar sein muss, steht wohl außer Frage. Während die meisten Katastrophenfilme ihre Zuschauer allein schon ihres Drehbuchs und der Dialoge wegen an der Menschheit – bzw. der Relevanz des Fortbestands derselben – zweifeln lassen, gelingt es dem auf einer Geschichte von Cormac McCarthy basierenden Endzeitdrama ohne jeglichen Bombast und mit schonungsloser Unmittelbarkeit, die Konsequenzen eines von Menschen gemachten Weltuntergangs zu vermitteln. Dass dieser trotz seiner relativen Ereignisarmut nicht so ermüdend wirkt wie der vorangegangene Satz, ist auch gleich einer angenehmeren Aspekte dieses Films, der ansonsten weitgehend auf Annehmlichkeiten verzichtet.
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TANGLED lässt sich mit zwei Worten beschreiben: Instant Zuckerschock. Wer nicht von der ersten Minute an Karies bekommt, ist entweder in jungen Jahren von Bambi und Kollegen rangenommen worden, oder generell nur bedingt zurechnungsfähig. Die relativ freie Interpretation des Märchens von Rapunzel verzichtet zwar gnädigerweise darauf, den Tieren Stimmen zu geben, was in Anbetracht von Handlung und Erzählweise eine kluge Entscheidung war, geizt aber in keinem anderen Belang mit Zuckerguss und Sahne. So wirklich fies ist niemand, nicht einmal Halunken und Mörder, die blonde Prinzessin dafür doppelt so niedlich, harmlos und von jeglicher Sexualität restlos befreit. Disney halt. Es wird geneckt, gelacht, getanzt – und gesungen, ja gesungen wird auch, und das nicht einmal besonders überragend, dafür sogar einmal im Duett.
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Manchmal beantworten sich Fragen von selbst, auch wenn man es gar nicht möchte. Zum Beispiel, wer für die Wahlergebnisse in diesem Land sorgt. Um dies zu verstehen, genügt es, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Etwas schwieriger wird es bei Filmen. Wer allen Ernstes eine Verfilmung von »Schiffe versenken« oder eine amerikanisierte Version von AKIRA für eine gute Idee halten soll, will sich nicht jedem Filmfan erschließen, auch wenn es Kinogänger gibt, die ernsthaft glauben, dass ein Film wie AVATAR einen Directors Cut braucht.
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Rachefilme sind wie ihre Protagonisten. Einfach nicht tot zu kriegen. Dabei hat das Genre seine Blütezeit längst hinter sich. Als Darsteller wie Charles Bronson in den 70er und 80er Jahren der Selbstjustiz ein Gesicht gaben und jegliche Zwischentöne vom Mündungsfeuer ihrer Schusswaffen überblendet wurden, war die Welt noch in Ordnung – beziehungsweise eben nicht, was den hauptsächlich mittelmäßigen bis gotterbärmlichen Produktionen einiges an Rückenwind bescherte. Dann kamen die 90er, und die Filme verschwanden in den Actionregalen der Videotheken und im Nachtprogramm der Privatsender, um schließlich auf billig produzierten VHS-Kassetten in den Wühltischen der Supermärkte zu vergammeln. Die Welt war immer noch nicht in Ordnung, aber Rachefilme alter Schule waren out.