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	<title>The Midnight Screening &#187; comedy</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Napoleon Dynamite</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 16:47:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angenommen, Beavis and Butthead hätten diese Woche Premiere – wie wäre die Resonanz? Würde das Konzept heute noch funktionieren? Würde man ihr Lachen imitieren? Ihre Witze zitieren? Kurz gesagt: Wären die beiden noch popkulturell relevant? Ähnliche Fragen drängen sich auf, wenn man heute, bald 8 Jahre nach seinem Leinwanddebut, NAPOLEON DYNAMITE sieht. Die High-School-Komödie erfüllt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2012/01/05/napoleon-dynamite/"><img class="alignnone size-full wp-image-4040" title="Napoleon Dynamite" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/Napoleon-Dynamite.png" alt="" width="310" height="444" /></a></p>
<p>Angenommen, Beavis and Butthead hätten diese Woche Premiere – wie wäre die Resonanz? Würde das Konzept heute noch funktionieren? Würde man ihr Lachen imitieren? Ihre Witze zitieren? Kurz gesagt: Wären die beiden noch popkulturell relevant?<br />
<span id="more-4039"></span><br />
Ähnliche Fragen drängen sich auf, wenn man heute, bald 8 Jahre nach seinem Leinwanddebut, NAPOLEON DYNAMITE sieht. Die High-School-Komödie erfüllt viele der Voraussetzungen, die einen Kultfilm ausmachen können. Kleines Budget, schräger Humor, absurde Figuren, holpriger Plot, eigenwilliger Tonfall. Doch reicht das aus, um heute noch Begeisterung zu provozieren?</p>
<p>Für mich lautet die Antwort auf all diese Fragen: Nein, wohl eher nicht. NAPOLEON DYNAMITE hat dabei mehr mit den eingangs genannten Chaoten gemein als nur die Verbindung zu MTV. Beide sind, daran besteht trotz des Altersunterschieds von gut 10 Jahren kein Zweifel, Kinder der 90er. Als solches kam NAPOLEON DYNAMITE 2004 sicher nicht zu spät, wie die treue Fangemeinschaft belegt. Das Haltbarkeitsdatum ist mittlerweile aber abgelaufen.</p>
<p>Es mag unfair scheinen, einen Film so lange nach seiner Veröffentlichung zu rezensieren, und dann das Alter als Hauptkriterium ins Feld zu führen. Es gibt viele, großartige Filme, die schlecht gealtert sind oder aus anderen Gründen heute nicht mehr funktionieren. Verdammt, selbst Klassiker wie Poltergeist, Fahrenheit oder Planet der Affen wirken ohne nostalgische Verklärung schrecklich naiv, von den Genrekollegen dieses konkreten Beispiels ganz zu schweigen. Das ist der Lauf der Dinge.</p>
<p>Im Falle von NAPOLEON DYNAMITE gibt es aber auch viel Konkurrenz. Gerade wenn man die Dekade, auf die er sich bezieht, im passenden Alter erlebt hat, fallen einem genug Namen ein, die höhere Klassen besuchen. Ferris Bueller, Parker Lewis, Max Fisher aus RUSHMORE, ja sogar Malcom und Scott Pilgrim zählen zu den Konkurrenten, die dem dösigen, leicht debilen Napoleon den Rang ablaufen. Zeitlos ist keiner von ihnen, doch die Art, wie Verlierer und Geeks hier inszeniert werden, ist für sich genommen einfach nicht mehr cool.</p>
<p>Was bleibt, ist ein skurriler, kleiner Film, der gleichzeitig amüsiert und befremdet, und durch seine Andersartigkeit im Gedächtnis bleibt. Er funktioniert als naives Märchen über Freundschaft und Familie, über Außenseiter und Andersartige, scheitert aber daran, ein konkretes Lebensgefühl zu vermitteln, das mehr als pubertäre Orientierungslosigkeit beinhaltet. Insofern ist er sicher authentisch und auf abstrakte Weise glaubwürdig, ob der humoristische Funke überspringt, hängt aber allein vom Zuschauer ab.</p>
<p>Die Serie South Park, die in Punkto Absurdität und Erzählweise ähnliche Pfade beschreitet, hat es geschafft, über 15 Jahre aktuell und somit bis heute relevant zu bleiben. NAPOLEON DYNAMITE kann man dies leider nicht bescheinigen.</p>
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		<title>Up in the Air</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 12:54:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer häufiger hier liest, hat längst die leidvolle Erfahrung gemacht, dass ich mir für wenige Wortspiele zu schade bin. Ich bin mir der Schändlichkeit meines Schreibstils bewusst, und doch: wann immer ich Besserung gelobe, kommt ein Film wie UP IN THE AIR daher, und macht sämtliche guten Vorsätze in einem Streich zunichte. Und so muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/12/31/up-in-the-air/%20"><img class="alignnone size-full wp-image-4034" title="Up in the Air" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/Up_In_The_Air1.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Wer häufiger hier liest, hat längst die leidvolle Erfahrung gemacht, dass ich mir für wenige Wortspiele zu schade bin. Ich bin mir der Schändlichkeit meines Schreibstils bewusst, und doch: wann immer ich Besserung gelobe, kommt ein Film wie UP IN THE AIR daher, und macht sämtliche guten Vorsätze in einem Streich zunichte. Und so muss ich mit Bedauern folgendes nieder bringen:<br />
<span id="more-4032"></span><br />
UP IN THE AIR braucht ziemlich lange, bis er abhebt. Trotz leichten Gepäcks lässt sich das Drehbuch redlich Zeit beim einchecken seines Protagonisten. Und obwohl selbst schlecht informierten Flugbegleitern relativ bald klar sein sollte, wohin die Reise geht, dreht der Plot erst gemächlich ein paar Kurven auf der Rollbahn, bis endlich Höhe gewonnen wird.</p>
<p>Was dann aber folgt, ist höchster Komfort: Angenehme Konversation, schöne Aussicht und ein erfreulicher Mangel an zeternden Mitreisenden macht den Flug zu einer ebenso erhol- wie unterhaltsamen Angelegenheit. Stärkere Turbulenzen bleiben aus, eine kurze Zwischenlandung bei der nächstgelegenen Sinnkrise sorgt kurz vor Erreichen des Reiseziels aber noch für willkommene Aufregung.</p>
<p>Zwischendurch bleibt noch genügend Zeit, Clooneys perfekte Zähne zu bewundern und sich zu fragen, was mit Vera Farmigas Lippen passiert ist und wo genau die adrette Anna Kendrick ihr Profil versteckt. Von solchen Oberflächlichkeiten abgesehen, kann man sich keine bessere Reisegefährten vorstellen.</p>
<p>Spaß beiseite: UP IN THE AIR ist ein ruhiger Film über einsame Menschen. Über Workaholics, die berufliche Reisen nutzen, um einen Teil ihrer Persönlichkeit auszuleben, der in ihrem Privatleben keinen Platz mehr hat. Über Einzelgänger, die sich abschotten, um vor der Welt zu fliehen, und dabei letztlich sich selbst aus den Augen verlieren. Und über Zielstrebige, die erst an der Wirklichkeit scheitern müssen, um im Leben anzukommen.</p>
<p>Es ist ein unprätentiöser, profan strukturierter Film über Einsam- und Gemeinsamkeit, der nichts wirklich Neues zu erzählen hat, bei dem, was er erreichen möchte, aber gute Arbeit leistet. Das liegt vor allem daran, dass er meist nur zurückhaltend Position ergreift, und lediglich dort dick aufträgt, wo es das Genre erlaubt oder erfordert. Die Botschaft wird auch ohne ein dramatisches Finale deutlich.</p>
<p>Ob das gebotene dem Zuschauer ausreicht, hängt davon ab, was man erwartet. Sollten Selbstfindungsgeschichte und Romanze scheitern, bleiben immer noch die Kommentare auf die moderne Arbeitswelt, welche beim Ein oder Anderen die ein oder andere Saite anschlagen sollten. So gelingt UP IN THE AIR am Ende vielleicht keine Punkt-, aber doch eine sehr saubere Landung.</p>
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		<title>Horrible Bosses / Kill the Boss</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 12:29:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nett ist der kleine Bruder von Scheiße, betone ich gern. Wenn sich aber der Großteil aktueller Komödien in eben jener suhlt, und die Gürtellinie irgendwo am Firmament verblasst, kann dieses Urteil hier nicht gelten. HORRIBLE BOSSES ist eine nette Komödie, die in keiner Weise Maßstäbe setzt, mit ihrer sympathischen, wenig aufgeregten Art jedoch deutlich mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/12/30/horrible-bosses-kill-the-boss/"><img class="alignnone size-full wp-image-4026" title="Horrible Bosses" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/Horrible_Bosses.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Nett ist der kleine Bruder von Scheiße, betone ich gern. Wenn sich aber der Großteil aktueller Komödien in eben jener suhlt, und die Gürtellinie irgendwo am Firmament verblasst, kann dieses Urteil hier nicht gelten. HORRIBLE BOSSES ist eine nette Komödie, die in keiner Weise Maßstäbe setzt, mit ihrer sympathischen, wenig aufgeregten Art jedoch deutlich mehr Anerkennung verdient als Genrekollegen wie HANGOVER.</p>
<p><span id="more-4025"></span>Auch hier ist es eine Männer-Clique (Bateman, Day, Sudeiki), die sich Hals über Kopf in einer Sache verrennt, und auch hier dienen hauptsächlich Zoten als Marschverpflegung auf der routinierten Reise entlang handelsüblicher, humoristischer Wegpunkte. Von ihren absurd bösartigen Chefs in verschiedenerlei Ecken gedrängt und in ernster Sorge um ihre Existenz, entschließen die Freunde, die ungeliebten Vorgesetzten ins Jenseits zu befördern. Dass drei Kerle ohne Kanten oder kriminellen Hintergrund an dieser Herausforderung scheitern, versteht sich von selbst.</p>
<p>Die eigentlichen Stars dabei sind definitiv die titelgebenden Arbeitgeber. Colin Farell als kokain- und sexsüchtiger Widerling mit Halbglatze, Kevin Spacey als fieser Egomane mit Eifersuchtsproblemen sowie Jennifer Aniston als durchtriebene Schlampe spielen ihre Rollen mit einer Hingabe, die keinen Zweifel daran lässt, dass die Absurdität ihrer Aktionen gewollt ist. Das Besondere dabei ist, dass es jedem der drei gelingt, auf seine Weise einzigartig zu sein und greifbar zu bleiben. Obwohl es sich eindeutig um Karikaturen handelt, kann man nicht umhin, sie tatsächlich ein wenig zu hassen.</p>
<p>Schwieriger gestaltet sich die Chemie im Hinblick auf die Untergebenen. Sie sollen leiden, aber sympathisch bleiben, was angesichts des Mangels an Rückgrat, den insbesondere Batemans und Days Figuren demonstrieren, relativ schwer fällt. Obwohl Days Charakter die meisten Lacher auf seiner Seite hat, trägt Sudeikis lockere Art wesentlicher dazu bei, ein positives Bild der Gruppe zu wahren. Seine Sprüche sind selten echte Schenkelklopfer, lassen die Komödie aber stellenweise intelligenter wirken, als sie eigentlich ist, was Anerkennung verdient.</p>
<p>Trotz diese Qualitäten kann ich nicht umhin, mir vorzustellen, wie der Film als schwarze Komödie, die er definitiv nicht ist, funktioniert hätte. Durch die makabere Thematik drängt sich der Vergleich mit Filmen wie VERY BAD THINGS auf, dem HORRIBLE BOSSES wenig entgegen setzen kann. Ein kompromissloses Drehbuch mit passenden Darstellern wie Christian Slater und Cameron Diaz (die man auch mit Liebe hassen kann) konnten hier weitaus mehr erreichen, auch ohne sich rückhaltlos dem Analhumor zu verschreiben oder plump zu wirken.</p>
<p>Letztlich steht und fällt der Film mit der Bereitschaft, sich auf die Figuren und deren persönliche Sackgassen einzulassen. Reicht die Sorge, vielleicht keinen Job mehr zu finden, aus, um einen Chef wie Kevin Spacey zu ertragen? Vielleicht beantwortet ein Amerikaner diese Frage aktuell etwas anders als ich.</p>
<p>Ähnlich ist es bei dem Gespann Aniston &#8211; Day. Aniston inszeniert sich perfekt und macht &#8211; in jedem Sinn &#8211; eine hervorragende Figur. Im Gegenzug erhält Days Verlobte 3 magere Szenen, in denen sie kaum sprechen, dafür aber scheel lächeln darf. Dass Anistons Anzüglichkeiten unerträglich sein sollen, kann man in diesem Kontext selbst einem Darsteller wie Day nur schwer durchgehen lassen. Sicher, sein Dilemma ist nachvollziehbar, die unter den Avancen lauernde Bedrohung durchaus begreifbar &#8211; dennoch muss man schon eine Ecke weiter denken, um nicht fassungslos den Kopf zu schütteln, wie er auf manche der “Belästigungen” reagiert. Der Spott seiner Freunde ist da schon fast beruhigend, zeigt er doch auf, dass dieser Punkt nicht übersehen wurde. Unterm Strich freut, dass Aniston mal wieder zeigt, was sie kann, doch ein ENTHÜLLUNG ist HORRIBLE BOSSES halt auch nicht.</p>
<p>Letztendlich funktioniert mehr, als es zu bezweifeln gibt. Nicht jede Szene zündet, aber baden geht auch kaum eine. Im Gegensatz zu Sitcoms wie HOW I MET YOUR MOTHER, BIG BANG THEORY oder COUPLING werde ich mit Mainstream-Komödien selten warm. HORRIBLE BOSSES bringt es nicht zur goldenen Ausnahme, kann aber als entspannte Unterhaltung durchaus punkten. Schlecht für das Zwerchfell, gut für den Schmunzelmuskel.</p>
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		<title>Green Hornet</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 13:57:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein in diesem Blog zuletzt recht inflationär verwendeter Begriff ist „sympathisch“. Daran sind die besprochenen Filme sicher nicht unbeteiligt, denn Mittelmaß verdient nun mal nicht mehr. Trotzdem wäre es angemessen, das Wort vorerst zu meiden, und sei es nur, um konkretere Aussagen zu erzwingen. Bei GREEN HORNET fällt das jedoch schwer, denn kein anderes Wort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/12/17/green-hornet/"><img class="alignnone size-full wp-image-4003" title="Green Hornet" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/Green-Hornet.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Ein in diesem Blog zuletzt recht inflationär verwendeter Begriff ist „sympathisch“. Daran sind die besprochenen Filme sicher nicht unbeteiligt, denn Mittelmaß verdient nun mal nicht mehr. Trotzdem wäre es angemessen, das Wort vorerst zu meiden, und sei es nur, um konkretere Aussagen zu erzwingen. Bei GREEN HORNET fällt das jedoch schwer, denn kein anderes Wort beschreibt diesen Film besser.</p>
<p><span id="more-4002"></span>Klar, IRON MAN war ebenso sympathisch, in erster Linie dank Robert Downey Jr. Wenn ich nun aber sage, dass GREEN HORNET wie ein IRON MAN mit weniger Budget und spektakulären Effekten, sowie ohne Downey Jr, ist, will ihn dann noch jemand sehen? Nein, also lassen wir das. Auch ein Vergleich mit Spider-Man und Co ist müßig, denn kaum ein Blockbuster verzichtet auf coole Sprüche und comic relief.</p>
<p>Wie also unterscheidet sich GREEN HORNET von seinen Genrekollegen? Was macht ihn sehenswert, wenn die ganz großen Namen und Effekte fehlen? Die Antwort ist banal: Die Tatsache, dass es im Kern kein Superheldenfilm ist.</p>
<p>Seth Rogen, der hier die Hauptrolle spielt, kann seinen Kollegen in Charme und Chuzpe nicht das Wasser reichen, obwohl er mal wieder spielt, was er am besten kann – den Taugenichts. Da er am Drehbuch beteiligt war, muss man ihn dafür auch nicht in Schutz nehmen. Projektionsfläche für die Zuneigung der Zuschauer ist ohnehin Jay Chou, der den bescheidenen, jedoch überaus talentierten Mechaniker spielt, der als Sidekick von GREEN HORNET letztlich dessen Handlungsfähigkeit gewährleistet. Dass Anti-Bruce-Wayne Rogen ohne seine Hilfe keine 2 Minuten überleben würde, macht Chou zum stillen Star des ungleichen Gespanns.</p>
<p>Es ist die Gegensätzlichkeit dieser beiden Protagonisten, die den Film letztlich sehenswert macht. Action und Humor ziehen ihre Energie zum größten Teil aus der Dynamik des Duos, so dass man beinahe den Eindruck erhält, der Film würde auch ohne einen Bösewicht oder eine dramatische Rahmenhandlung gut funktionierten. Dass Christoph Waltz den Antagonisten stellt, bleibt dennoch ein massiver Mehrwert. Zum einen bringt er seinen größtenteils lächerlichen Sprechtext gut an den Mann und kann so tatsächlich einige Lacher für sich verbuchen. Zum anderen hat er mit INGLORIOUS BASTERDS bewiesen, wie souverän er eine Nebenrolle aufzuwerten versteht.</p>
<p>Als kleinen Bonus gibt es noch Cameron Diaz und Edward James Olmos, die zwar nichts Wesentliches zum Gesamtbild beitragen dürfen, aber wenigstens zu gefallen verstehen. Was weniger gefällt, sind die sporadischen, überflüssigen Ausbrüche von Gewalt, die in späteren Szenen heftiger inszeniert wurde, als in einem solchen Film angemessen scheint. Der Verfremdungseffekt schadet dem Gesamtbild nicht wesentlich, kindgerecht ist das Ergebnis trotzdem nicht.</p>
<p>Wer GREEN HORNET als Superheldenfilm begreifen möchte, sollte bereit sein, seine Erwartungen an die Konventionen des Genres etwas hintenan zu stellen. Wer sich (ergänzend oder ersatzweise) auf eine Buddy-Komödie einstellt, kommt voll auf seine Kosten. GREEN HORNET ist kein Film, der das Genre bereichert, aber ein großer Spaß, der sich selbst nicht zu ernst nimmt.</p>
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		<title>Scott Pilgrim vs. the World</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Nov 2011 11:00:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Scott Pilgrim ist ein elender Versager. Er hat keine Arbeit, kein Geld, keine Träume, kein Ziel, kein Konzept. Er setzt sich für niemanden ein und verbringt seine Tage damit, sich selbst zu bemitleiden und sporadisch mit seiner Band zu proben, deren übrige Mitglieder durchweg motivierter scheinen, erfolgreich Musik zu machen. Wenn Scott Pilgrim sonst noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/11/13/scott-pilgrim-vs-the-world/"><img class="alignnone size-full wp-image-3969" title="Scott Pilgrim" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/11/scott_pilgrim_poster_.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Scott Pilgrim ist ein elender Versager. Er hat keine Arbeit, kein Geld, keine Träume, kein Ziel, kein Konzept. Er setzt sich für niemanden ein und verbringt seine Tage damit, sich selbst zu bemitleiden und sporadisch mit seiner Band zu proben, deren übrige Mitglieder durchweg motivierter scheinen, erfolgreich Musik zu machen. Wenn Scott Pilgrim sonst noch etwas ist, dann ein solider Bassist, aber wir wissen ja, was man über Bassisten sagt.<br />
<span id="more-3944"></span><br />
Als wäre das nicht schon genug, entpuppt er sich auch noch als elender Feigling. Als ihm die sprichwörtliche Frau seiner Träume über den Weg läuft, ist er zwar sofort davon überzeugt, sie kennen lernen zu müssen, bringt aber nicht den Mumm auf, seine taufrische Beziehung zu dem minderjährigen, chinesischen Schulmädchen Knives Chau zu beenden, die ihn seit der ersten Bandprobe vergöttert. Statt dessen lässt er sie am ausgestreckten Arm verhungern, was ihn ungemein sympathisch macht.</p>
<p>An dieser Stelle erreicht Scott Pilgrims Geschichte dann auch ein Level an Armseligkeit, das mich damals dazu brachte, die Comicvorlage nach nur wenigen Seiten beiseitezulegen und nie wieder in die Hand zu nehmen. Wenn ich talentlose Unsympathen sehen möchte, die nicht genug Eier in der Hose haben, um allein ein Überraschungsei zu öffnen, brauche ich nur ein Fenster aufmachen, sei es nun das meiner Wohnung oder meines Browsers.</p>
<p>Gute Voraussetzungen also für die Verfilmung des erfolgreichen Indie-Comics von Bryan Lee O‘Malley. Die nervöse, effektverliebte Inszenierung von Edgar Wright hält sich auch nicht lange mit Annäherungsversuchen an den Mainstream auf und geht sofort in die Vollen. Dass der Film die Vorlage dabei nahezu wortgetreu abbildet, muss auch bei mangelnder Begeisterung für die Figuren lobend erwähnt werden.</p>
<p>Nach gut 20 &#8211; 30 Minuten Qual und Fremdscham-Wellen, garniert mit einigen netten Einfällen und Dialogen, geschieht dann plötzlich etwas außerordentlich Interessantes. SCOTT PILGRIM vs THE WORLD wird richtig, richtig gut.</p>
<p>Der Grund dafür ist einfach: Das Alleinstellungsmerkmal des Comics lag in der Verschmelzung dreier Schwerpunkte, die eigentlich nicht für das Medium gemacht scheinen: Musik, Videospiel-Ästketik/Logik und romantische Komödie mit Indie-Attitüde. Was nun im Comic schon für eine treue Fanbase sorgte, entwickelt erst als Film sein echtes Potenzial. In dem Augenblick, als der erste “Bossfight” beginnt, wirft das Drehbuch jegliche Zurückhaltung über Bord und zündet ein Feuerwerk an Effekten, Ideen und markigen Sprüchen, das mit Gitarren- und Technomusik mitreißend untermalt für keine der übrigen 90 Minuten mehr Langeweile aufkommen lässt.</p>
<p>Die einleitend erwähnte, nervöse Energie des Films schwappt dabei auch auf Drehbuch und Akteuere über. Wenn Krötenfresse Michael Cera, immer noch mein Hauptkandidat für eine Lurchi-Verfilmung, plötzlich Roundhouse-Kicks austeilt, ist schnell vergessen, wie nervtötend seine Figur eigentlich ist. Die niemals glaubwürdige Romanze verkommt zum bloßen Tablett, auf dem der eigentliche Cocktail serviert wird, und der Mangel an Substanz in Handlung und Figuren zu einem leichten Gegenwind, welcher der Turbine im Rücken des Zuschauers nichts entgegen zu setzen vermag. Das erinnert in manchen Momenten fast an den Effekt, der TRON: LEGACY erträglich machte, ein Vergleich würde SCOTT PILGRIM aber Unrecht tun, denn dass der Geschichte bei gleichbleibend hohem Einfallsreichtum noch eine Spur mehr Herzblut innewohnt, geht trotz aller erzählerischer Schwächen nie verloren.</p>
<p>Das Schöne daran ist, dass sich diese Liste kleiner Widersprüchlichkeiten, das Spannungsfeld von Stärken und Schwächen, endlos weiter spinnen lässt. Einerseits scheint die Videospiel-Stilistik angesichts des Protagonisten unpassend, da Scott Pilgrim schon mit einer Online-Bestellung überfordert ist. Andererseits sind Videospiele Kulturgut unserer Generation, und somit aus einer solchen Welt nicht wegzudenken. Und wo die Chemie zwischen den Hauptfiguren nicht spürbar wird, machen Nebenrollen wie die von Kieran Culkin als schwuler Wohngenosse oder Jason Schwartzman als Label-Chef gerade wegen ihrer Überzeichnung alles wieder wett. Vorsätzliches Overacting ist Tanzen auf dünnem Eis, aber hier hält es, weil das Gesamtbild stimmt.</p>
<p>Filme wie SCOTT PILGRIM vs THE WORLD sollen einfach Spaß machen. Sie sollen Energie und Zeitgeist unprätentiös und rücksichtlos zelebrieren. Nur dann haben sie eine Chance, ihr Kultpotenzial zu entfalten. Wie die Rezensionen dieses Blogs beweisen, geht diese Rechnung für mich selten auf, besonders wenn man merkt, dass hinter all der Frische viel Berechnung steht. In diesem Fall hat es funktioniert. Dass es bis zur Hälfte des Films dauert, bis das Positive das schwer Erträgliche ausgeglichen hat, ist zweifellos abschreckend. Eine ehrliche Chance hat SCOTT PILGRIM trotzdem verdient, auch wenn er ein blödes Arschloch ist.</p>
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		<title>Hesher</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:25:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erzählender Humor basiert meist auf Gegensätzen, auf Widersprüchen und Überraschungen. Sei es die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Auflösung, oder die offenen und versteckten Konflikte gegensätzlicher Charaktere, das zugrundeliegende Prinzip findet sich im Kern beinahe jeder Komödie. Besonders Sitcoms beziehen ihren Charme aus extremen Figuren und deren Reibung an sich selbst und ihrer Umwelt. Paradebeispiele finden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/29/hesher/"><img class="alignnone size-full wp-image-3914" title="Hesher" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/Hesher-Poster.png" alt="" width="310" height="465" /></a></p>
<p>Erzählender Humor basiert meist auf Gegensätzen, auf Widersprüchen und Überraschungen. Sei es die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Auflösung, oder die offenen und versteckten Konflikte gegensätzlicher Charaktere, das zugrundeliegende Prinzip findet sich im Kern beinahe jeder Komödie.</p>
<p><span id="more-3910"></span>Besonders Sitcoms beziehen ihren Charme aus extremen Figuren und deren Reibung an sich selbst und ihrer Umwelt. Paradebeispiele finden sich in FRIENDS, SEINFELD, COUPLING, bei THE OFFICE oder MARRIED WITH CHILDREN, und natürlich auch in aktuellen Erfolgsserien wie THE BIG BANG THEORY oder HOW I MET YOUR MOTHER. Man kann wohl mit gutem Gewissen sagen, dass gerade letztgenannte Serien von eben solchen Exoten leben, die größer als die Wirklichkeit scheinen, und doch in Wirklichkeit kaum lebensfähig wären.</p>
<p>Eine essenzielle Voraussetzung dafür, dass diese Charaktere funktionieren und die geschaffene Figurenkonstellation mehr als zwei Pointen lang Früchte trägt, ist, dass selbst jene Extremneurotiker ein emotionales Fundament besitzen, eine solide Basis, ein wenig Herz. Sie dürfen größer, ja sogar kleiner als das Leben sein, müssen dabei aber greifbar bleiben, d.h. sporadisch Stärken und Schwächen zeigen, die sich von ihren vordergründigen Eigenschaften unterscheiden. Wer einfach nur grundunsympathisch wirkt, kann als Antagonist eine Weile überdauern, aber dauerhaft keine Geschichte tragen. Immerhin zeichnet die Widersprüchlichkeit, die guten Humor über billige Kalauer hebt, auch den Menschen an sich aus.</p>
<p>Genau solch ein Charakter, sowie die dazugehörige Figurenkonstellation, bildet auch das Zentrum von HESHER. Hier wird eine von Trauer gelähmte Familie mit der Urgewalt eines Rebellen konfrontiert, dessen Rücksichtslosigkeit zum Katalysator für eine Art Selbstheilung wird. Ein rollender Stein, der durch seine pure Wucht all die Kiesel in Bewegung bringt, deren Leben er berührt. Ob sie das wollen oder nicht, spielt für ihn keine Rolle.</p>
<p>Besondere Erwähnung verdient dabei die Besetzung des Films. Joseph Gordon-Levitt, für mich mittlerweile fast über jeden Zweifel erhaben, spielt die titelgebende Rolle mit kompromisslosem Gusto, jedoch ohne störende Übertreibung. Seine Figur ist definitiv “larger than life”, zeigt aber genug bodenständige Züge, um ehrliche Zuneigung seitens des Zuschauers zu ermöglichen. Natalie Portman, die mal wieder keinen Tag älter als 20 wirkt, nimmt man die leicht verlotterte Supermarkt-Kassiererin zwar nicht ab, ihr Spiel ist aber ernsthaft und glaubwürdig genug, um Äußerlichkeiten die Relevanz zu nehmen. Devin Brochu, der im Zentrum der Geschichte steht, zeigt sich der Herausforderung einer Hauptrolle gewachsen und Rainn Wilson wird, wenn er so weiter macht, bald aus dem Offbeat-Kino nicht mehr wegzudenken sein.</p>
<p>Würde man es dabei belassen, könnte HESHER einfach nur eine nette Komödie sein. Wie die kurze Inhaltsangabe zeigt, hat HESHER aber mehr zu bieten. Die humorvollen Momente schaffen Erleichterung, hauptsächlich ist es jedoch ein Film über Verlust, Trauer, und wie man mit ihr umzugehen lernen kann. Es ist ein Film über Menschen, die sich allein fühlen, Menschen, die an einer Stelle verharrt sind, von der sie allein nicht mehr fortkommen und Außenseiter, die in den unwahrscheinlichsten Gefährten die größte Menschlichkeit finden. Die Fähigkeit, diese Themen mit Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zu behandeln, ohne in die Schwere eines Dramas oder den verkopften Pathos des Programmkinos zu verfallen, macht aus HESHER einen gleichzeitig zugänglichen wie berührenden Film.</p>
<p>Regisseur und Drehbuchautor Spencer Susser hat mit seiner Geschichte das Genre und seine Techniken nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht und im selben Streich gemeistert. HESHER ist somit in allen Punkten gelungen und unbedingt sehenswert. Großes Kino über kleine Leute, das Aufmerksamkeit verdient.</p>
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		<title>Super</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 10:51:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/02/super/"><img class="alignnone size-full wp-image-3886" title="super" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/super.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. <span id="more-3878"></span>Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer ist, ohne dies in ausreichendem Maß dem Publikum zu vermitteln. Es ist ein Film, der die richtigen Werkzeuge wiederholt falsch einsetzt, und somit viel Potenzial verschenkt. Dafür verdient er Anerkennung und Verachtung zugleich, und in diesem Spannungsfeld der Extreme, in dem sich auch die Handlung des Films bewegt, sehe ich mich gefangen. Und deshalb geht es diesmal auch nicht komplett ohne kleine Spoiler.</p>
<p><strong>Kleine Erwartungen, große Überraschung</strong></p>
<p>Die erste Frage, die sich bereits angesichts des Trailers stellte, war, ob SUPER überhaupt notwendig sei. Nach der mehr als gelungenen Millar-Verfilmung KICK-ASS schien ein weiterer Film über einen ordinären Verlierer, der sich entschließt, ein Superheld zu werden, und mit der unbarmherzigen Realität konfrontiert wird, überflüssig. Daran änderte auch das Indie-Flair des Trailers, der gute Soundtrack und die stets sympathische Ellen Page in einer Nebenrolle wenig.</p>
<p>Wer SUPER gesehen hat, weiß, dass diese Frage schnell irrelevant wird. SUPER ersetzt nicht nur den naiv-verzweifelten Teenager durch einen erwachsenen Soziopathen, er geht auch in allen anderen Aspekten weiter als sein Konkurrent. Wer KICK-ASS für derb und respektlos hielt, kann sich bei SUPER auf eine heftige Überraschung gefasst machen, denn was dieser an Bösartigkeit und blanker Brutalität mitbringt, sollte einen Großteil der Zuschauer weit aus der Komfortzone heraus katapultieren. Das dieses “sollte” ein Problem darstellt, dazu später mehr.</p>
<p><strong>Auf die Fresse, gerne, aber muss das sein?</strong></p>
<p>Dieser Effekt, das Abkippen der harmlosen Komödie in eine wüste Gewaltorgie, wirkt selbstverständlich deutlich intensiver, wenn man lediglich den Trailer kennt. Dieser verspricht eine ironische, leicht schwarzhumorige, ansonsten aber unauffällige Komödie. Das stellenweise schlichtweg geschmacklose Schlachtfest, das SUPER in Wirklichkeit darstellt, dürfte nur von Wenigen in dieser Form erwartet worden sein. Das Problem dabei ist weniger das blanke Vorhandensein der Gewalt, sondern wie diese als komisch oder gar verzeihlich inszeniert wird.</p>
<p>Ganz gleich, wie man den Film schlussendlich bewertet, an einer Sache darf es keinen Zweifel geben: SUPER erzählt von einem schwer geistig gestörten Mann, der sich von niemand geringerem als Gott berufen fühlt, Verbrechen zu bekämpfen, und dabei selbst geringste Taten mit einer unfassbaren, widerlichen Brutalität ahndet, die bei schwerer Körperverletzung beginnt und bei einem Massenmord endet. Punkt.</p>
<p>Es sollte nicht erwähnt werden müssen, dass der Film in dem Augenblick aufhört, eine reine Komödie zu sein, als der Protagonist einen Handtaschendieb mit einer Rohrzange krankenhausreif schlägt. Oder der Freundin eines Proleten, der sich in die Schlange vor der Kinokasse drängelt, ein schweres Schädeltrauma zufügt. Oder einem Teenager, der angeblich ein Auto ruiniert haben soll, eine Glasvase im Gesicht zertrümmert wird. Und weil die Kamera immer drauf hält, bis zum bitteren Ende, bis das Leben aus den Augen des Opfers weicht, während der “Held” immer noch dessen Kopf auf den Steinboden schmettert. Das zweite “sollte”, das gleiche Problem.</p>
<p>Die Frage muss nun lauten: Wie viel Intelligenz gesteht man Drehbuchautor, Regie und Publikum zu? Und welche Relevanz hat dies für das Zusammenspiel zwischen Film und Publikum? Versucht man diese beiden Fragen zu beantworten, öffnet man gleich die nächste Büchse, ein Kaleidoskop der Fragezeichen, ein “Best of LOST”, wenn man so will.</p>
<p>Waren die Macher ernsthaft der Meinung, hier noch eine Komödie zu produzieren? Oder ist SUPER womöglich der ultimative Abgesang auf unsere Art, Entertainment zu definieren bzw. damit umzugehen? Hält er, wie jedes wirklich großartige Werk, der Welt und seinem Publikum einen Spiegel vor, indem unverblümt zeigt, wie fadenscheinig und verlogen unser Umgang mit Gewalt geworden ist? Will SUPER erreichen, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt, dass wir über uns selbst erschrecken, so wie es schwarzem Humor durchaus erlaubt ist? Und wenn ja, warum bleibt er dem Zuschauer ein klares Signal schuldig, was seine Intention betrifft?</p>
<p><strong>Wo das Dilemma wohnt</strong></p>
<p>Ein Beispiel &#8211; in dubio pro reo, wenn man so will: Wieso ist es vollkommen in Ordnung, Helden wie BATMAN cool zu finden? Weil die Art und Weise, wie Blockbuster inszeniert werden, Gewalt in etwas verwandelt, dass immer leicht verdaulich bleibt. Weil der Held immer nur die Bösen umbringt, wenn es nicht mehr anders geht, mit »gutem Grund«, wenn es die Handlung erlaubt, und die Bösen immer Unschuldige töten, damit wir wissen, wer die Bösen sind. Tot und Gewalt haben in diesen Geschichten stets ihre erzählerische Berechtigung, sie sind ein Mittel zum Zweck, über das man nicht nachdenkt, solange es in der gewohnten Form angewendet wird. Jeder weiß, dass Batman seine Gegner nicht tötet. Aber ist das nicht pure Augenwischerei? Ist das nicht komplett verlogen? Warum erlauben wir Batman, ein Held zu sein, der er in der Wirklichkeit nie sein könnte? Weil wir solche Helden brauchen, wie auch die Filme selbst nicht müde werden, zu betonen. Weil uns ein Batarang nicht weh tut. Weil die Kamera im FSK12-Blockbuster schnell beiseite wischt, wenn der Knüppel niedersaust, die Wirklichkeit aber keine Abblende kennt. Selbst die neueren Filme, die einen realistischeren Ansatz verfolgen, können sich nicht von diesem Erbe lösen. Sie wollen es auch gar nicht, denn solange ein Farbfilter über den Bildern liegt und vorrangig die Bösen für den Bodycount sorgen, wirkt der Gute lediglich wie ein »dunkler Ritter«. Es ist absurd.</p>
<p>Und hier liegt nun der Kern des Problems:  Wenn SUPER eine solche Botschaft hat, verlagert er sie beinahe vollständig in den Subtext. Auf diese Weise kaschiert er mit seinen Intentionen aber genau jene Aussage, die dem Publikum unbedingt vermittelt werden müsste. Somit stellt er sich auf eine Ebene mit Zombiefilmen, deren banale Sozial- und Gesellschaftskritik regelmäßig im blanken Entertainment untergeht.</p>
<p><strong>Die Herde schluckt alles</strong></p>
<p>Keine Frage: Super kann erschrecken, wenn nicht sogar verstören. Genau deshalb sollte aber klar sein, dass es ein Fehler wäre, ihn lediglich als derbe Komödie zu sehen. Das Problem ist, wie schon angedeutet, dieses “sollte”. Es ist das selbe Problem, das auch bei den INGLORIOUS BASTERDS zu wenig diskutiert wurde. Und in vielerlei Hinsicht sind diese beiden Filme miteinander vergleichbar. Das Lachen sollte einem im Halse stecken bleiben. Nur scheint das bei der Masse nicht der Fall zu sein.</p>
<p>Denn machen wir uns nichts vor: Angesichts überdreht-brachialer Gewalt und auf die breite Masse gerechnet, gehen selbst die besten Absichten im Blöken und Grunzen der Schafe und Schweine unter. Ich wähle diese Beleidigungen sehr bewusst, denn anders kann man das, was sich an einem Samstag Abend im Cineplex versammelt, häufig nicht bezeichnen. Im selben Maß, wie sich SUPER vor der Verantwortung drückt, seinem Publikum eine schallende Ohrfeige zu verpassen, bzw. ihm zu sagen, WARUM er dies tut, nimmt er es leider auch aus der Verantwortung, seine eigenen Reaktionen zu hinterfragen. Der Spiegel, den der Film seinem Publikum vorhält, ist zu stumpf, um etwas darin zu erkennen.<strong></strong></p>
<p><em>(Spoilerwarnung, die kommenden beiden Absätze bitte ggf. überspringen)</em></p>
<p>Wozu man auch tendiert, weder Film noch Publikum können aus der Verantwortung genommen werden. Ein Film, der mehr von seinem Publikum erwartet, als es leisten kann, macht sich ebenso schuldig wie ein Publikum, das nicht willens oder nicht fähig ist, zu verstehen, was es sieht, durch seine Reaktion aber eine klare Aussage trifft. Das macht SUPER zu einem Erlebnis, das in positiver wie negativer Weise einzigartig ist. Ein MANN BEISST HUND der Superheldenkomödie, wenn man so will, ein Machwerk sondergleichen. Braucht die Welt Filme wie SUPER? Sicherlich nicht. Die Welt braucht Menschen, die von Filmen wie SUPER verstört werden. Aber setzt das die Existenz eines solchen Films voraus? Neu ist diese Frage nicht.</p>
<p>Selbst wenn man eine wohlwollende Interpretation vertritt und SUPER damit eine gewisse Absolution erteilt, darf man nicht leugnen, dass er sich schlussendlich an einer essenziellen Sache schuldig macht: Inkonsequenz. Falls all die Rücksichtslosigkeit tatsächlich Mut sein sollte, dann hätte SUPER auch den Mut haben müssen, seine Geschichte in angemessener Form zu beenden. Dass er seinen Protagonisten aber nach einem Blutbad, das unzählige eindeutiger Spuren hinterlässt, in ein Happy End entkommen lässt, in dem er nicht für seinen Amoklauf zur Rechenschaft gezogen wird, ist feige und verlogen und spielt jenen Psychopathen in die Hände, die den Film als reine Komödie sehen.</p>
<p><strong>Was ist, ist, was nicht ist, ist möglich</strong></p>
<p>SUPER ist ein guter Film. Er ist voller herber Ideen und handwerklich tadellos inszeniert. Aber er hat mir nur stellenweise Spaß gemacht. Die Frage, die ich mir seitdem stelle, ist:<em> Sollte</em> er das überhaupt? So vehement ich die Frage auch verneinen und SUPER ein tadelloses Zeugnis ausstellen will &#8211; die Zweifel bleiben. Am Film. An uns, dem Publikum. Und inwieweit wir einander verstehen.</p>
<p>SUPER ist ein Film, der seine Zuschauer zu Mittätern macht, ohne sie zuvor um ihr Einverständnis zu bitten. Auch wenn ich es zuvor als Frage formuliert habe, bin ich mir doch sicher: Die Welt braucht solche Geschichten, sei es in Film, Literatur oder anderen Kunstformen. Die Frage ist nicht, ob das einem gefällt, die Frage ist, ob man sich von einem solchen Werk zum Opfer machen lassen möchte. Die Welt braucht nämlich auch Leute, die bei solch einem Film den Saal verlassen. Und wenn ich Respekt vor jenen habe, die einen solchen Affront dreist als Komödie tarnen, dann auch vor jenen, die sich weigern, an dieser Farce teilzunehmen. Wer sich dem verweigert, ist kein Spielverderber, sondern zieht eine persönliche Konsequenz aus einem unprovozierten Angriff auf das, was man mangels besserer Alternativen als guten Geschmack bezeichnen kann.</p>
<p><strong>Am Ende keine Erkenntnis</strong></p>
<p>Was wissen wir, am Ende dieser endlosen Überlegungen? Ich könnte sagen, dass ich SUPER für einen guten, vielleicht sogar hervorragenden Film halte, mir aber immer noch nicht sicher bin, ob ich ihn vielleicht für schlauer halte, als er ist. SUPER stemmt sich mit Gewalt gegen jegliche Regeln, und wirft dabei eine Menge Fragen auf, ohne sie klar zu beantworten. Trägt ein Künstler die Verantwortung, nicht nur für sein Werk, sondern was es in den Augen jener, die es betrachten, darstellt? So formuliert muss die Antwort “Nein” lauten, aber es setzt voraus, einen Film wie ein Kunstwerk zu behandeln. Und dass SUPER dieses Prädikat verdient, darf angezweifelt werden.</p>
<p>In jedem Fall verdient er die Freigabe ab 18 wie kaum ein anderer Film, denn er erfordert ein gewisses Maß an Reife. Dass ein guter Teil des Publikums diesem Anspruch nicht gerecht werden wird, ist bedenklich. Wer über einen starken Magen verfügt und sich trotzdem eine gewisse Sensibilität erhalten hat, sollte ihn wahrscheinlich sehen. Eine Empfehlung behalte ich mir diesmal jedoch vor.</p>
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		<title>Tangled</title>
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		<pubDate>Sat, 07 May 2011 11:43:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TANGLED lässt sich mit zwei Worten beschreiben: Instant Zuckerschock. Wer nicht von der ersten Minute an Karies bekommt, ist entweder in jungen Jahren von Bambi und Kollegen rangenommen worden, oder generell nur bedingt zurechnungsfähig. Die relativ freie Interpretation des Märchens von Rapunzel verzichtet zwar gnädigerweise darauf, den Tieren Stimmen zu geben, was in Anbetracht von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/05/07/tangled/"><img class="alignnone size-full wp-image-3608" title="Tangled Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/05/Tangled-Poster.png" alt="" width="180" height="267" /></a>TANGLED lässt sich mit zwei Worten beschreiben: Instant Zuckerschock. Wer nicht von der ersten Minute an Karies bekommt, ist entweder in jungen Jahren von Bambi und Kollegen rangenommen worden, oder generell nur bedingt zurechnungsfähig. Die relativ freie Interpretation des Märchens von Rapunzel verzichtet zwar gnädigerweise darauf, den Tieren Stimmen zu geben, was in Anbetracht von Handlung und Erzählweise eine kluge Entscheidung war, geizt aber in keinem anderen Belang mit Zuckerguss und Sahne. So wirklich fies ist niemand, nicht einmal Halunken und Mörder, die blonde Prinzessin dafür doppelt so niedlich, harmlos und von jeglicher Sexualität restlos befreit. Disney halt. Es wird geneckt, gelacht, getanzt &#8211; und gesungen, ja gesungen wird auch, und das nicht einmal besonders überragend, dafür sogar einmal im Duett.<br />
<span id="more-3607"></span><br />
Als jemand, der tatsächlich einst von Bambi, Schneewittchen und Co abgehärtet wurde, muss ich allerdings gestehen, dass TANGLED für mich trotzdem wunderbar funktioniert hat. Das liegt, Oberflächlichkeit olé, vor allem an der Optik. Sicher, den Liedern fehlt der Schmiss und die augenzwinkernde Bissigkeit eines CHARLIE AND THE CHOCOLATE FACTORY. Auch den frechen Humor eines KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA sowie die wirklich herzerwärmenden Figuren und erinnerungswürdigen Momente einer Pixar Produktion sucht man vergeblich.</p>
<p>Doch obwohl die ganze Chose furchtbar vorhersehbar und banal ist, kann man nicht umhin, anzuerkennen, mit wie viel Liebe hier konzipiert, animiert und coloriert wurde. TANGLED ist ein wahrer Augenschmaus, der eine Farbenpracht und eine räumliche Tiefe vermittelt, die auch ohne 3D-Brillen und große Leinwand zu beeindrucken versteht. Es ist, um endlich auf den Punkt zu kommen: Disney-Destillat, Eye-Candy ohne Reibungsfläche, dessen größtes Kunststück es darstellt, so lange zu unterhalten, wie er es tut, und dabei nicht so restlos abzuperlen, wie es z.B. die neuen STAR WARS Filme vor ein paar Jahren taten.</p>
<p>Als Film mit erzählerischen Ambitionen ein Witz, als farbenfrohes, sympathisch-nostalgisches Spektakel eine Augenweide: Wer seine Kitsch-Allergie für zwei Stunden zu unterdrücken vermag, kann an TANGLED sehr viel Freude haben. Der Rest kann ihn zumindest als Demonstrationsmaterial für die Leistungsfähigkeit von BluRay-Optik auf HD-Fernsehern verwenden, sollte dabei aber den Ton auf stumm schalten.</p>
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