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	<title>The Midnight Screening &#187; drama</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>13 Assassins</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 13:45:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Takashi Miike ist ein Regisseur, dessen Werk sich mir nicht erschließt. Von THE AUDITION mehr irritiert als begeistert und vom berüchtigten ICHI &#8211; THE KILLER klar unterwältigt, schloss ich mich um die Jahrtausendwende dankbar jenen an, die ihn und seine Filme in die Trash-Ecke schoben und von da an ignorierten. Alle paar Jahre mäanderte Miike [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2012/01/06/13-assassins/"><img class="alignnone size-full wp-image-4045" title="13 Assassins" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/13-Assassins.png" alt="" width="310" height="450" /></a></p>
<p>Takashi Miike ist ein Regisseur, dessen Werk sich mir nicht erschließt. Von THE AUDITION mehr irritiert als begeistert und vom berüchtigten ICHI &#8211; THE KILLER klar unterwältigt, schloss ich mich um die Jahrtausendwende dankbar jenen an, die ihn und seine Filme in die Trash-Ecke schoben und von da an ignorierten.<br />
<span id="more-4044"></span><br />
Alle paar Jahre mäanderte Miike wieder in meinen persönlichen Wahrnehmungsbereich, blieb dort aber selten lange genug, um Eindruck zu hinterlassen. Mit 13 ASSASSINS kann ich nun endlich einmal in die Lobeshymnen seiner treuen Fans einstimmen, denn auf seine Weise lässt dieser schmutzige, kleine Actionfilm selbst hoch budgetierte Genreverwandte wie RED CLIFF im Regen stehen.</p>
<p>Dass 13 ASSASSINS nicht allein vom Namen her an Kurosawas 7 SAMURAI erinnert, kann als Randnotiz vermerkt werden, spielt aber kaum eine Rolle. Misst man den Film an seiner Handlung &#8211; der Rekrutierung einer Gruppe ungleicher Gefährten für eine spezifische Mission (oft ein Himmelfahrtskommando), sowie die Durchführung eben dieser &#8211; werden noch weitaus mehr Vergleiche evident. Kurosawas Meisterwerk hat viele Nachfolger “inspiriert”, von dem direkten Remake DIE GLORREICHEN SIEBEN über Klassiker wie DAS DRECKIGE DUTZEND bis hin zu moderneren Ablegern wie OCEAN’S ELEVEN. Filme dieser Art werden stets große Ähnlichkeiten aufweisen, in so reduzierter Form wie hier aber auch immer die Ausnahme, und somit etwas Besonderes, bleiben.</p>
<p>Was am deutlichsten ins Auge fällt, ist, wie gut Miike hier seine Vorliebe für Schmutz und Abart unter Kontrolle hat. Sei es, wie er das Abgründige einsetzt, um den Antagonisten fast ohne dessen schauspielerisches Zutun in kürzester Zeit zum personifizierten Bösen aufzubauen, oder, wie er seine Helden durch Regen, Schmutz und Blut jagt, bis der unleugbare Pathos fast bis zur Unkenntlichkeit verkrustet ist &#8211; in 13 ASSASSINS regiert die Rohheit. Hier läuft niemand über Baumwipfel, hier durchschneiden keine Schwerter den herab fallenden Regen. Keine übermenschlichen Krieger kampftanzen auf Berggipfeln und Seen gegeneinander, und wenn der Tod bedeutungsschwer zelebriert wird, dann dort, wo Kultur und Geschichte dies verlangen.</p>
<p>Diese geradezu pragmatische Herangehensweise, die sich auch im Casting bemerkbar macht, lässt den Film viel erfrischender und kreativer wirken, als er eigentlich ist. Die Handlung bleibt banal, ihre Entwicklung bis zum Ende vorhersehbar. Es gibt kaum Überraschungen, weder in Zusammenstellung und Interaktion der Figuren noch in der Inszenierung. Dennoch bleibt das Ergebnis stets spannend und weist deutlich weniger Längen auf, als man bei verfilmten Legenden sonst erdulden darf.</p>
<p>13 ASSASSINS ist keine Filmkunst, keine Hochkultur, aber eine verdammt unterhaltsame Heldenmär, die in ihrer Einfachheit überzeugt und dabei niemals langweilt. Für Asia-Fans durchaus zu empfehlen.</p>
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		<title>Up in the Air</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 12:54:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer häufiger hier liest, hat längst die leidvolle Erfahrung gemacht, dass ich mir für wenige Wortspiele zu schade bin. Ich bin mir der Schändlichkeit meines Schreibstils bewusst, und doch: wann immer ich Besserung gelobe, kommt ein Film wie UP IN THE AIR daher, und macht sämtliche guten Vorsätze in einem Streich zunichte. Und so muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/12/31/up-in-the-air/%20"><img class="alignnone size-full wp-image-4034" title="Up in the Air" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/Up_In_The_Air1.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Wer häufiger hier liest, hat längst die leidvolle Erfahrung gemacht, dass ich mir für wenige Wortspiele zu schade bin. Ich bin mir der Schändlichkeit meines Schreibstils bewusst, und doch: wann immer ich Besserung gelobe, kommt ein Film wie UP IN THE AIR daher, und macht sämtliche guten Vorsätze in einem Streich zunichte. Und so muss ich mit Bedauern folgendes nieder bringen:<br />
<span id="more-4032"></span><br />
UP IN THE AIR braucht ziemlich lange, bis er abhebt. Trotz leichten Gepäcks lässt sich das Drehbuch redlich Zeit beim einchecken seines Protagonisten. Und obwohl selbst schlecht informierten Flugbegleitern relativ bald klar sein sollte, wohin die Reise geht, dreht der Plot erst gemächlich ein paar Kurven auf der Rollbahn, bis endlich Höhe gewonnen wird.</p>
<p>Was dann aber folgt, ist höchster Komfort: Angenehme Konversation, schöne Aussicht und ein erfreulicher Mangel an zeternden Mitreisenden macht den Flug zu einer ebenso erhol- wie unterhaltsamen Angelegenheit. Stärkere Turbulenzen bleiben aus, eine kurze Zwischenlandung bei der nächstgelegenen Sinnkrise sorgt kurz vor Erreichen des Reiseziels aber noch für willkommene Aufregung.</p>
<p>Zwischendurch bleibt noch genügend Zeit, Clooneys perfekte Zähne zu bewundern und sich zu fragen, was mit Vera Farmigas Lippen passiert ist und wo genau die adrette Anna Kendrick ihr Profil versteckt. Von solchen Oberflächlichkeiten abgesehen, kann man sich keine bessere Reisegefährten vorstellen.</p>
<p>Spaß beiseite: UP IN THE AIR ist ein ruhiger Film über einsame Menschen. Über Workaholics, die berufliche Reisen nutzen, um einen Teil ihrer Persönlichkeit auszuleben, der in ihrem Privatleben keinen Platz mehr hat. Über Einzelgänger, die sich abschotten, um vor der Welt zu fliehen, und dabei letztlich sich selbst aus den Augen verlieren. Und über Zielstrebige, die erst an der Wirklichkeit scheitern müssen, um im Leben anzukommen.</p>
<p>Es ist ein unprätentiöser, profan strukturierter Film über Einsam- und Gemeinsamkeit, der nichts wirklich Neues zu erzählen hat, bei dem, was er erreichen möchte, aber gute Arbeit leistet. Das liegt vor allem daran, dass er meist nur zurückhaltend Position ergreift, und lediglich dort dick aufträgt, wo es das Genre erlaubt oder erfordert. Die Botschaft wird auch ohne ein dramatisches Finale deutlich.</p>
<p>Ob das gebotene dem Zuschauer ausreicht, hängt davon ab, was man erwartet. Sollten Selbstfindungsgeschichte und Romanze scheitern, bleiben immer noch die Kommentare auf die moderne Arbeitswelt, welche beim Ein oder Anderen die ein oder andere Saite anschlagen sollten. So gelingt UP IN THE AIR am Ende vielleicht keine Punkt-, aber doch eine sehr saubere Landung.</p>
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		<title>Buried</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 11:28:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es liegt in der Natur des Menschen, der Intensität und Energie der eigenen Jugend nachzutrauern und im nächsten Atemzug der aktuellen Jugend eben solche abzusprechen. Von Ausnahmen abgesehen wird das, was im Jetzt für Spannung sorgt, vom Gestern stets verurteilt. Im Medium Film äußert sich dies darin, jedes Remake argwöhnisch zu beäugen, dem modernen Studiosystem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/12/26/buried/"><img class="alignnone size-full wp-image-4019" title="buried_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/buried_poster.png" alt="" width="310" height="434" /></a></p>
<p>Es liegt in der Natur des Menschen, der Intensität und Energie der eigenen Jugend nachzutrauern und im nächsten Atemzug der aktuellen Jugend eben solche abzusprechen. Von Ausnahmen abgesehen wird das, was im Jetzt für Spannung sorgt, vom Gestern stets verurteilt. Im Medium Film äußert sich dies darin, jedes Remake argwöhnisch zu beäugen, dem modernen Studiosystem jegliche Innovationsbereitschaft abzusprechen und &#8211; vor allem &#8211; den Mangel an echter Größe in der aktuellen Generation von (männlichen) Schauspielern zu beklagen.<br />
<span id="more-4017"></span><br />
Inwieweit diese Vorwürfe richtig scheinen oder sogar sind, muss jeder für sich entscheiden. Zweifellos haben Namen wie Paul Newman, Robert Redford, Dustin Hoffmann, Robert deNiro, Charlton Heston, Marlon Brando, Humphrey Bogart, James Stewart, Kirk Douglas, Jack Nicholson, Robert Mitchum, Clint Eastwood, Al Pacino (die Liste lässt sich fortführen) heute einen Nachhall, in dem Vermissen deutlich mitschwingt. Darsteller, deren Präsenz auf der Leinwand das romantische Bild von Film und Kino vollendeten und bis heute prägen. Ein Edward Norton hier sowie ein Leonardo DiCaprio oder ein Christian Bale dort können der Nostalgie nicht das Wasser reichen. Es reicht der Ausschnitt eines Klassikers, ein bloßer Satz, um an eine Zeit zu erinnern, in der nicht allein Effekte für Staunen sorgten.</p>
<p>Das dies ein Zerrbild ist, wird kaum jemand anzweifeln. Manch Name hat bereits die gleiche Wirkung (Gary Oldman, Kevin Spacey), manch Anderer kam lediglich spät zu seiner vollen Blüte (Viggo Mortensen, Liam Neeson). Nicht wenige Schauspieler sind dabei, ihren persönlichen Weg zur Unsterblichkeit zwischen Blockbustern und Indie-Produktionen zu finden. Heath Ledger hat es geschafft, leider auf furchtbar falsche Weise. Legenden, die der Tod geschaffen hat, kranken stets an Verklärung. Dabei zeigte sein Spiel in THE DARK KNIGHT eindrucksvoll, wie Intensität heute funktionieren kann. Tom Hardy ist ein weiterer, naheliegender Name, den man sich nicht allein des nächsten BATMAN Films wegen vormerken sollte. Doch auch er ist ein Mann der Extreme, und wo er landen wird, scheint ungewiss.</p>
<p>Ein großes Rätsel ist Ryan Reynolds. Hier gesellt sich THE NINES zu GREEN LANTERN, AMITYVILLE HORROR zu SMOKIN’ ACES und PAPER MAN zu SELBST IST DIE BRAUT. Das er sein Handwerk versteht, steht außer Frage. Doch auch den für Programmkinos geeigneten Stationen seiner Laufbahn fehlt es oft an eingangs beschriebener Intensität. Ob er sie zu selten zeigen darf, oder mit dem Gezeigten bereits an seine Grenzen stößt, scheint mir unmöglich zu beurteilen. Zu häufig scheint er mehr Projektionsfläche als Leuchtfeuer zu bleiben. In einem Film wie BURIED, der nicht mehr und nicht weniger als eine Ein-Mann-Tour-de-Force darstellt, sollte genau das aber eigentlich deutlich werden.</p>
<p>Über den Film selbst sagt man am Besten nichts. Die gesamte Wirkung des Kammerspiels ist davon abhängig, wie viel der Zuschauer bereits weiß, und wie rückhaltlos er sich auf das Geschehen einzulassen vermag. Das ist kein Allgemeinplatz: BURIED im Kino gesehen zu haben, mag gut für die  Einspielergebnisse gewesen sein, es gab aber in den letzten Jahren wohl kaum einen Film, bei dem das Risiko, unter dem Publikum zu leiden, größer war. Ein Film, der in einem geschlossenen Sarg spielt, und entsprechend über lange Strecken mit Dunkelheit, leisen Geräuschen und dem Grauen der todbringenden Isolation arbeitet, ist für größere Gruppen schlichtweg ungeeignet.</p>
<p>Wer allein oder zu zweit auf seinem Sofa sitzt und auf Beleuchtung verzichtet, darf sich aber auf ein eindringliches kleines Wunderwerk einstellen, dass aus dem restriktiven Setting mehr heraus holt, als man dem “modernen Film” eigentlich zutraut. BURIED ist spannend, beklemmend, anrührend und kompromisslos, und es wäre hirnverbrannt, dafür allein Drehbuch und Regisseur zu loben. Ryan Reynolds ist hier definitiv auf dem Zenit seiner Karriere angelangt, denn der Film zeigt mehr Facetten seines Fähigkeiten als all seine bisherigen Auftritte zusammengenommen.</p>
<p>Das ein solcher Film nicht an jedem Tag und für jeden Zuschauer funktionieren wird, sollte nachvollziehbar sein. Wenn aber die Umstände stimmen, bekommt man nicht nur einen starken Film geboten, sondern auch einen Grund, wieder etwas Glauben an ein Medium zurück zu gewinnen, dass in letzter Zeit mehr mit 3D-Spielereien und Produktionen wie “Schiffe versenken” beschäftigt schien.</p>
<p>In BURIED findet ein Talent zu seiner höchsten Form, und die hohe Kunst der Reduktion zu vollem Glanz. Wer das erkennt, darf seine Vorurteile begraben.</p>
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		<title>High Speed Money</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 12:28:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zeitreisen sind möglich. Zumindest in die 90er. Nach der Rezension der Schlaftablette WALL STREET &#8211; MONEY NEVER SLEEPS lieh mir ein Insider HIGH SPEED MONEY, mit der Anmerkung, der Film sei nicht frei von Schwächen, fange die Mentalität der Branche aber treffender ein. Was diesen letzteren Aspekt betrifft, kann ich mir kein Urteil anmaßen. Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/12/18/high-speed-money/"><img class="alignnone size-full wp-image-4013" title="Rogue Trader" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/rogue_trader.png" alt="" width="310" height="456" /></a></p>
<p>Zeitreisen sind möglich. Zumindest in die 90er. Nach der Rezension der Schlaftablette WALL STREET &#8211; MONEY NEVER SLEEPS lieh mir ein Insider HIGH SPEED MONEY, mit der Anmerkung, der Film sei nicht frei von Schwächen, fange die Mentalität der Branche aber treffender ein. Was diesen letzteren Aspekt betrifft, kann ich mir kein Urteil anmaßen. Doch wenn ROGUE TRADER (so der Originaltitel) einen Eindruck vermittelt, dann den der Glaubwürdigkeit. Kunststück &#8211; er basiert auf einer wahren Geschichte.</p>
<p><span id="more-4008"></span>Wer sich für den Inhalt interessiert, braucht nur den “Nick Leeson” Artikel auf Wikipedia aufrufen. Dort wird der Aufstieg und Fall des britischen Derivatehändlers, der im Alleingang eine renommierte Traditionsbank in die Knie zwang, gut zusammengefasst. Was diesem Beitrag allerdings fehlt, ist die emotionale Komponente, ein Eindruck in das Seelenleben des Protagonisten. Hier kommt ROGUE TRADER zum Zug. Ewan McGregor funktioniert in der Hauptrolle insofern gut, da er dem uninteressanten und gewöhnlichen Leeson mit seinem Charme etwas Charakter gibt, und somit dessen Funktion als Sympathieträger auf darstellerischer Ebene sichert.</p>
<p>Zu dem Zeitpunkt, als dieser die Konsequenzen seines Handelns begreift und ein verzweifelter Existenzkampf beginnt, ist somit trotz mangelndem Profil genug Projektionsfläche vorhanden, um aus der wachsenden Verzweiflung des Hochstaplers etwas Spannung zu generieren. Und das, obwohl die ein oder andere Station mit einer Selbstverständlichkeit abgehandelt wird, an der (damals) auch ein McGregor scheitern musste. ROGUE TRADER ist deshalb kein weiterer WALL STREET (1), aber er vermittelt einen soliden, weitestgehend nachvollziehbaren Eindruck des Systems, seiner Perversionen und Schwächen. Man lernt nicht viel, hat aber auch selten den Eindruck, von der Handlung allein gelassen zu werden.</p>
<p>Wirklich wichtig ist das alles nicht. Wer ernsthaft heute eine erste Sichtung antritt, darf sich auf einen massiven Verfremdungseffekt gefasst machen. ROGUE TRADER ist in Inhalt und Form durch und durch ein 90er Jahre Film. Kleidung, Frisuren, Musik, Bild, Kamera, Erzählweise &#8211; auf seine Weise wirkt er stellenweise DEUTLICH älter als frühere Filme McGregors. Zum Teil ist dies natürlich der Handlung zuzuschreiben, bzw. der Zeit, in der sie spielt. Das ändert aber nichts am Ergebnis. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal einen Film mit derart viel Voice-over gesehen habe, bei dem es nicht ironisch oder als reines Stilmittel eingesetzt wurde.</p>
<p>Es fällt schwer, eine Empfehlung für einen Film auszusprechen, der solide, aber in allen Punkten schlecht gealtert ist. Für sich genommen kann ROGUE TRADER heute kaum mehr bestehen. Es sei denn, man hat Freude an einer kleinen Zeitreise. An der Thematik Interessierten ist deshalb eher zum Buch zu raten.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>The Divide</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:37:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/29/the-divide/"><img class="alignnone size-full wp-image-3923" title="The Divide" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/The-Divide.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden lässt. Die Dunkelheit, die im Menschen schlummert, ist immer aktuell und verliert nie an Bedrohlichkeit und Schrecken.</p>
<p><span id="more-3922"></span></p>
<p>Nach diversen Verfilmungen, vielen Neu-Interpretation und unzähligen, vergleichbaren Geschichten nimmt sich nun THE DIVIDE der Thematik an und entwickelt sie um genau 1% weiter, indem er aus der Flucht vor einer atomaren Bedrohung eine tatsächliche Katastrophe macht, die eine Gruppe Erwachsener mit kindlichem Gemüt &#8211; im Film New Yorker &#8211; in den Bunker unter einem Mehrfamilienhaus treibt. Dort eingesperrt, mit begrenzten Vorräten und in Angst vor dem Strahlentod an der Oberfläche, eskalieren Furcht und Überlebenswille in altbewährter Form und abendfüllender Geschwindigkeit.</p>
<p>Schade ist nur, dass dem Ganzen der Beigeschmack eines TV-Films anhaftet, denn die überaus mäßigen Dialogen werden von den eindimensionalen Charakteren bereits im Originalton derart unbeholfen abgespult, dass man sich an eine Seifenoper oder ein unterdurchschnittliches Videospiel erinnert fühlt. Dunkelheit und Anspannung dieser emotional sehr zugänglichen Lage sorgen zwar für ein gewisses Maß an Atmosphäre, jedoch wird diese immer wieder von Drehbuchaussetzern zerrissen. Dass diverse Andeutungen und ein Nebenhandlungsstrang über einen gnadenlosen Militäreinsatz letztlich im Sand verlaufen, hilft ebenso wenig und trägt nur weiter dazu bei, die Reinheit der Grundidee zu verwässern.</p>
<p>Zu dem Zeitpunkt, an dem die Verbliebenen endgültig durchdrehen, beziehungsweise die Spaltung innerhalb der Gruppe zu dramatischen Konsequenzen führt, ist bereits so viel Potenzial verschenkt, dass der zunehmend groteske, in seiner fieberhaften Inszenierung überraschend dichte letzte Akt die Wertung zwar noch anhebt, aber auch nicht mehr über die Grenze hievt, die eine Empfehlung rechtfertigen würde.</p>
<p>Wer gerne wissen möchte, was Milo Ventimiglia nach seiner Zeit bei HEROES so treibt, und ob er zwischenzeitlich besser schauspielern gelernt hat, kann THE DIVIDE eine Chance geben. Sein Händchen für gute Drehbücher hat sich nicht sonderlich verbessert, die Zugänglichkeit des Szenarios sorgt aber für 1,5 halbwegs unterhaltsame Stunden.</p>
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		<title>Hesher</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:25:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erzählender Humor basiert meist auf Gegensätzen, auf Widersprüchen und Überraschungen. Sei es die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Auflösung, oder die offenen und versteckten Konflikte gegensätzlicher Charaktere, das zugrundeliegende Prinzip findet sich im Kern beinahe jeder Komödie. Besonders Sitcoms beziehen ihren Charme aus extremen Figuren und deren Reibung an sich selbst und ihrer Umwelt. Paradebeispiele finden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/29/hesher/"><img class="alignnone size-full wp-image-3914" title="Hesher" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/Hesher-Poster.png" alt="" width="310" height="465" /></a></p>
<p>Erzählender Humor basiert meist auf Gegensätzen, auf Widersprüchen und Überraschungen. Sei es die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Auflösung, oder die offenen und versteckten Konflikte gegensätzlicher Charaktere, das zugrundeliegende Prinzip findet sich im Kern beinahe jeder Komödie.</p>
<p><span id="more-3910"></span>Besonders Sitcoms beziehen ihren Charme aus extremen Figuren und deren Reibung an sich selbst und ihrer Umwelt. Paradebeispiele finden sich in FRIENDS, SEINFELD, COUPLING, bei THE OFFICE oder MARRIED WITH CHILDREN, und natürlich auch in aktuellen Erfolgsserien wie THE BIG BANG THEORY oder HOW I MET YOUR MOTHER. Man kann wohl mit gutem Gewissen sagen, dass gerade letztgenannte Serien von eben solchen Exoten leben, die größer als die Wirklichkeit scheinen, und doch in Wirklichkeit kaum lebensfähig wären.</p>
<p>Eine essenzielle Voraussetzung dafür, dass diese Charaktere funktionieren und die geschaffene Figurenkonstellation mehr als zwei Pointen lang Früchte trägt, ist, dass selbst jene Extremneurotiker ein emotionales Fundament besitzen, eine solide Basis, ein wenig Herz. Sie dürfen größer, ja sogar kleiner als das Leben sein, müssen dabei aber greifbar bleiben, d.h. sporadisch Stärken und Schwächen zeigen, die sich von ihren vordergründigen Eigenschaften unterscheiden. Wer einfach nur grundunsympathisch wirkt, kann als Antagonist eine Weile überdauern, aber dauerhaft keine Geschichte tragen. Immerhin zeichnet die Widersprüchlichkeit, die guten Humor über billige Kalauer hebt, auch den Menschen an sich aus.</p>
<p>Genau solch ein Charakter, sowie die dazugehörige Figurenkonstellation, bildet auch das Zentrum von HESHER. Hier wird eine von Trauer gelähmte Familie mit der Urgewalt eines Rebellen konfrontiert, dessen Rücksichtslosigkeit zum Katalysator für eine Art Selbstheilung wird. Ein rollender Stein, der durch seine pure Wucht all die Kiesel in Bewegung bringt, deren Leben er berührt. Ob sie das wollen oder nicht, spielt für ihn keine Rolle.</p>
<p>Besondere Erwähnung verdient dabei die Besetzung des Films. Joseph Gordon-Levitt, für mich mittlerweile fast über jeden Zweifel erhaben, spielt die titelgebende Rolle mit kompromisslosem Gusto, jedoch ohne störende Übertreibung. Seine Figur ist definitiv “larger than life”, zeigt aber genug bodenständige Züge, um ehrliche Zuneigung seitens des Zuschauers zu ermöglichen. Natalie Portman, die mal wieder keinen Tag älter als 20 wirkt, nimmt man die leicht verlotterte Supermarkt-Kassiererin zwar nicht ab, ihr Spiel ist aber ernsthaft und glaubwürdig genug, um Äußerlichkeiten die Relevanz zu nehmen. Devin Brochu, der im Zentrum der Geschichte steht, zeigt sich der Herausforderung einer Hauptrolle gewachsen und Rainn Wilson wird, wenn er so weiter macht, bald aus dem Offbeat-Kino nicht mehr wegzudenken sein.</p>
<p>Würde man es dabei belassen, könnte HESHER einfach nur eine nette Komödie sein. Wie die kurze Inhaltsangabe zeigt, hat HESHER aber mehr zu bieten. Die humorvollen Momente schaffen Erleichterung, hauptsächlich ist es jedoch ein Film über Verlust, Trauer, und wie man mit ihr umzugehen lernen kann. Es ist ein Film über Menschen, die sich allein fühlen, Menschen, die an einer Stelle verharrt sind, von der sie allein nicht mehr fortkommen und Außenseiter, die in den unwahrscheinlichsten Gefährten die größte Menschlichkeit finden. Die Fähigkeit, diese Themen mit Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zu behandeln, ohne in die Schwere eines Dramas oder den verkopften Pathos des Programmkinos zu verfallen, macht aus HESHER einen gleichzeitig zugänglichen wie berührenden Film.</p>
<p>Regisseur und Drehbuchautor Spencer Susser hat mit seiner Geschichte das Genre und seine Techniken nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht und im selben Streich gemeistert. HESHER ist somit in allen Punkten gelungen und unbedingt sehenswert. Großes Kino über kleine Leute, das Aufmerksamkeit verdient.</p>
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		<title>Super</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 10:51:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/02/super/"><img class="alignnone size-full wp-image-3886" title="super" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/super.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. <span id="more-3878"></span>Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer ist, ohne dies in ausreichendem Maß dem Publikum zu vermitteln. Es ist ein Film, der die richtigen Werkzeuge wiederholt falsch einsetzt, und somit viel Potenzial verschenkt. Dafür verdient er Anerkennung und Verachtung zugleich, und in diesem Spannungsfeld der Extreme, in dem sich auch die Handlung des Films bewegt, sehe ich mich gefangen. Und deshalb geht es diesmal auch nicht komplett ohne kleine Spoiler.</p>
<p><strong>Kleine Erwartungen, große Überraschung</strong></p>
<p>Die erste Frage, die sich bereits angesichts des Trailers stellte, war, ob SUPER überhaupt notwendig sei. Nach der mehr als gelungenen Millar-Verfilmung KICK-ASS schien ein weiterer Film über einen ordinären Verlierer, der sich entschließt, ein Superheld zu werden, und mit der unbarmherzigen Realität konfrontiert wird, überflüssig. Daran änderte auch das Indie-Flair des Trailers, der gute Soundtrack und die stets sympathische Ellen Page in einer Nebenrolle wenig.</p>
<p>Wer SUPER gesehen hat, weiß, dass diese Frage schnell irrelevant wird. SUPER ersetzt nicht nur den naiv-verzweifelten Teenager durch einen erwachsenen Soziopathen, er geht auch in allen anderen Aspekten weiter als sein Konkurrent. Wer KICK-ASS für derb und respektlos hielt, kann sich bei SUPER auf eine heftige Überraschung gefasst machen, denn was dieser an Bösartigkeit und blanker Brutalität mitbringt, sollte einen Großteil der Zuschauer weit aus der Komfortzone heraus katapultieren. Das dieses “sollte” ein Problem darstellt, dazu später mehr.</p>
<p><strong>Auf die Fresse, gerne, aber muss das sein?</strong></p>
<p>Dieser Effekt, das Abkippen der harmlosen Komödie in eine wüste Gewaltorgie, wirkt selbstverständlich deutlich intensiver, wenn man lediglich den Trailer kennt. Dieser verspricht eine ironische, leicht schwarzhumorige, ansonsten aber unauffällige Komödie. Das stellenweise schlichtweg geschmacklose Schlachtfest, das SUPER in Wirklichkeit darstellt, dürfte nur von Wenigen in dieser Form erwartet worden sein. Das Problem dabei ist weniger das blanke Vorhandensein der Gewalt, sondern wie diese als komisch oder gar verzeihlich inszeniert wird.</p>
<p>Ganz gleich, wie man den Film schlussendlich bewertet, an einer Sache darf es keinen Zweifel geben: SUPER erzählt von einem schwer geistig gestörten Mann, der sich von niemand geringerem als Gott berufen fühlt, Verbrechen zu bekämpfen, und dabei selbst geringste Taten mit einer unfassbaren, widerlichen Brutalität ahndet, die bei schwerer Körperverletzung beginnt und bei einem Massenmord endet. Punkt.</p>
<p>Es sollte nicht erwähnt werden müssen, dass der Film in dem Augenblick aufhört, eine reine Komödie zu sein, als der Protagonist einen Handtaschendieb mit einer Rohrzange krankenhausreif schlägt. Oder der Freundin eines Proleten, der sich in die Schlange vor der Kinokasse drängelt, ein schweres Schädeltrauma zufügt. Oder einem Teenager, der angeblich ein Auto ruiniert haben soll, eine Glasvase im Gesicht zertrümmert wird. Und weil die Kamera immer drauf hält, bis zum bitteren Ende, bis das Leben aus den Augen des Opfers weicht, während der “Held” immer noch dessen Kopf auf den Steinboden schmettert. Das zweite “sollte”, das gleiche Problem.</p>
<p>Die Frage muss nun lauten: Wie viel Intelligenz gesteht man Drehbuchautor, Regie und Publikum zu? Und welche Relevanz hat dies für das Zusammenspiel zwischen Film und Publikum? Versucht man diese beiden Fragen zu beantworten, öffnet man gleich die nächste Büchse, ein Kaleidoskop der Fragezeichen, ein “Best of LOST”, wenn man so will.</p>
<p>Waren die Macher ernsthaft der Meinung, hier noch eine Komödie zu produzieren? Oder ist SUPER womöglich der ultimative Abgesang auf unsere Art, Entertainment zu definieren bzw. damit umzugehen? Hält er, wie jedes wirklich großartige Werk, der Welt und seinem Publikum einen Spiegel vor, indem unverblümt zeigt, wie fadenscheinig und verlogen unser Umgang mit Gewalt geworden ist? Will SUPER erreichen, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt, dass wir über uns selbst erschrecken, so wie es schwarzem Humor durchaus erlaubt ist? Und wenn ja, warum bleibt er dem Zuschauer ein klares Signal schuldig, was seine Intention betrifft?</p>
<p><strong>Wo das Dilemma wohnt</strong></p>
<p>Ein Beispiel &#8211; in dubio pro reo, wenn man so will: Wieso ist es vollkommen in Ordnung, Helden wie BATMAN cool zu finden? Weil die Art und Weise, wie Blockbuster inszeniert werden, Gewalt in etwas verwandelt, dass immer leicht verdaulich bleibt. Weil der Held immer nur die Bösen umbringt, wenn es nicht mehr anders geht, mit »gutem Grund«, wenn es die Handlung erlaubt, und die Bösen immer Unschuldige töten, damit wir wissen, wer die Bösen sind. Tot und Gewalt haben in diesen Geschichten stets ihre erzählerische Berechtigung, sie sind ein Mittel zum Zweck, über das man nicht nachdenkt, solange es in der gewohnten Form angewendet wird. Jeder weiß, dass Batman seine Gegner nicht tötet. Aber ist das nicht pure Augenwischerei? Ist das nicht komplett verlogen? Warum erlauben wir Batman, ein Held zu sein, der er in der Wirklichkeit nie sein könnte? Weil wir solche Helden brauchen, wie auch die Filme selbst nicht müde werden, zu betonen. Weil uns ein Batarang nicht weh tut. Weil die Kamera im FSK12-Blockbuster schnell beiseite wischt, wenn der Knüppel niedersaust, die Wirklichkeit aber keine Abblende kennt. Selbst die neueren Filme, die einen realistischeren Ansatz verfolgen, können sich nicht von diesem Erbe lösen. Sie wollen es auch gar nicht, denn solange ein Farbfilter über den Bildern liegt und vorrangig die Bösen für den Bodycount sorgen, wirkt der Gute lediglich wie ein »dunkler Ritter«. Es ist absurd.</p>
<p>Und hier liegt nun der Kern des Problems:  Wenn SUPER eine solche Botschaft hat, verlagert er sie beinahe vollständig in den Subtext. Auf diese Weise kaschiert er mit seinen Intentionen aber genau jene Aussage, die dem Publikum unbedingt vermittelt werden müsste. Somit stellt er sich auf eine Ebene mit Zombiefilmen, deren banale Sozial- und Gesellschaftskritik regelmäßig im blanken Entertainment untergeht.</p>
<p><strong>Die Herde schluckt alles</strong></p>
<p>Keine Frage: Super kann erschrecken, wenn nicht sogar verstören. Genau deshalb sollte aber klar sein, dass es ein Fehler wäre, ihn lediglich als derbe Komödie zu sehen. Das Problem ist, wie schon angedeutet, dieses “sollte”. Es ist das selbe Problem, das auch bei den INGLORIOUS BASTERDS zu wenig diskutiert wurde. Und in vielerlei Hinsicht sind diese beiden Filme miteinander vergleichbar. Das Lachen sollte einem im Halse stecken bleiben. Nur scheint das bei der Masse nicht der Fall zu sein.</p>
<p>Denn machen wir uns nichts vor: Angesichts überdreht-brachialer Gewalt und auf die breite Masse gerechnet, gehen selbst die besten Absichten im Blöken und Grunzen der Schafe und Schweine unter. Ich wähle diese Beleidigungen sehr bewusst, denn anders kann man das, was sich an einem Samstag Abend im Cineplex versammelt, häufig nicht bezeichnen. Im selben Maß, wie sich SUPER vor der Verantwortung drückt, seinem Publikum eine schallende Ohrfeige zu verpassen, bzw. ihm zu sagen, WARUM er dies tut, nimmt er es leider auch aus der Verantwortung, seine eigenen Reaktionen zu hinterfragen. Der Spiegel, den der Film seinem Publikum vorhält, ist zu stumpf, um etwas darin zu erkennen.<strong></strong></p>
<p><em>(Spoilerwarnung, die kommenden beiden Absätze bitte ggf. überspringen)</em></p>
<p>Wozu man auch tendiert, weder Film noch Publikum können aus der Verantwortung genommen werden. Ein Film, der mehr von seinem Publikum erwartet, als es leisten kann, macht sich ebenso schuldig wie ein Publikum, das nicht willens oder nicht fähig ist, zu verstehen, was es sieht, durch seine Reaktion aber eine klare Aussage trifft. Das macht SUPER zu einem Erlebnis, das in positiver wie negativer Weise einzigartig ist. Ein MANN BEISST HUND der Superheldenkomödie, wenn man so will, ein Machwerk sondergleichen. Braucht die Welt Filme wie SUPER? Sicherlich nicht. Die Welt braucht Menschen, die von Filmen wie SUPER verstört werden. Aber setzt das die Existenz eines solchen Films voraus? Neu ist diese Frage nicht.</p>
<p>Selbst wenn man eine wohlwollende Interpretation vertritt und SUPER damit eine gewisse Absolution erteilt, darf man nicht leugnen, dass er sich schlussendlich an einer essenziellen Sache schuldig macht: Inkonsequenz. Falls all die Rücksichtslosigkeit tatsächlich Mut sein sollte, dann hätte SUPER auch den Mut haben müssen, seine Geschichte in angemessener Form zu beenden. Dass er seinen Protagonisten aber nach einem Blutbad, das unzählige eindeutiger Spuren hinterlässt, in ein Happy End entkommen lässt, in dem er nicht für seinen Amoklauf zur Rechenschaft gezogen wird, ist feige und verlogen und spielt jenen Psychopathen in die Hände, die den Film als reine Komödie sehen.</p>
<p><strong>Was ist, ist, was nicht ist, ist möglich</strong></p>
<p>SUPER ist ein guter Film. Er ist voller herber Ideen und handwerklich tadellos inszeniert. Aber er hat mir nur stellenweise Spaß gemacht. Die Frage, die ich mir seitdem stelle, ist:<em> Sollte</em> er das überhaupt? So vehement ich die Frage auch verneinen und SUPER ein tadelloses Zeugnis ausstellen will &#8211; die Zweifel bleiben. Am Film. An uns, dem Publikum. Und inwieweit wir einander verstehen.</p>
<p>SUPER ist ein Film, der seine Zuschauer zu Mittätern macht, ohne sie zuvor um ihr Einverständnis zu bitten. Auch wenn ich es zuvor als Frage formuliert habe, bin ich mir doch sicher: Die Welt braucht solche Geschichten, sei es in Film, Literatur oder anderen Kunstformen. Die Frage ist nicht, ob das einem gefällt, die Frage ist, ob man sich von einem solchen Werk zum Opfer machen lassen möchte. Die Welt braucht nämlich auch Leute, die bei solch einem Film den Saal verlassen. Und wenn ich Respekt vor jenen habe, die einen solchen Affront dreist als Komödie tarnen, dann auch vor jenen, die sich weigern, an dieser Farce teilzunehmen. Wer sich dem verweigert, ist kein Spielverderber, sondern zieht eine persönliche Konsequenz aus einem unprovozierten Angriff auf das, was man mangels besserer Alternativen als guten Geschmack bezeichnen kann.</p>
<p><strong>Am Ende keine Erkenntnis</strong></p>
<p>Was wissen wir, am Ende dieser endlosen Überlegungen? Ich könnte sagen, dass ich SUPER für einen guten, vielleicht sogar hervorragenden Film halte, mir aber immer noch nicht sicher bin, ob ich ihn vielleicht für schlauer halte, als er ist. SUPER stemmt sich mit Gewalt gegen jegliche Regeln, und wirft dabei eine Menge Fragen auf, ohne sie klar zu beantworten. Trägt ein Künstler die Verantwortung, nicht nur für sein Werk, sondern was es in den Augen jener, die es betrachten, darstellt? So formuliert muss die Antwort “Nein” lauten, aber es setzt voraus, einen Film wie ein Kunstwerk zu behandeln. Und dass SUPER dieses Prädikat verdient, darf angezweifelt werden.</p>
<p>In jedem Fall verdient er die Freigabe ab 18 wie kaum ein anderer Film, denn er erfordert ein gewisses Maß an Reife. Dass ein guter Teil des Publikums diesem Anspruch nicht gerecht werden wird, ist bedenklich. Wer über einen starken Magen verfügt und sich trotzdem eine gewisse Sensibilität erhalten hat, sollte ihn wahrscheinlich sehen. Eine Empfehlung behalte ich mir diesmal jedoch vor.</p>
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		<title>The Assault</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 09:05:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die meisten Trailer dieser Tage verraten zu viel. Sie sind zu lang und zu bemüht, möglichst viel vom Film zu zeigen. Spätestens wenn die, bei großen Produktionen übliche, schnelle Folge dramatischer Einstellungen das Ende des Trailers einläutet, kann man sich auf massive Spoiler gefasst machen. THE ASSAULT ist keine solche Produktion. Wer den Trailer gesehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/01/the-assault/"><img class="alignnone size-full wp-image-3858" title="The Assault" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/the-assault.png" alt="" width="310" height="419" /></a></p>
<p>Die meisten Trailer dieser Tage verraten zu viel. Sie sind zu lang und zu bemüht, möglichst viel vom Film zu zeigen. Spätestens wenn die, bei großen Produktionen übliche, schnelle Folge dramatischer Einstellungen das Ende des Trailers einläutet, kann man sich auf massive Spoiler gefasst machen. THE ASSAULT ist keine solche Produktion. Wer den Trailer gesehen hat, kann sich den eigentlichen Film dennoch sparen.<br />
<span id="more-3857"></span><br />
THE AUSSAULT erzählt von der Entführung einer Air-France-Maschine durch vier bewaffnete Terroristen im Jahre 1994. Der Vorfall hat sich tatsächlich ereignet, kostete mehrere der 220 Geiseln das Leben und endete in einem dramatischen Schusswechsel zwischen den Geiselnehmern und dem französischen GIGN-Einsatzkommando.</p>
<p>Autor und Regisseur Julien Leclerq beschreibt in nüchternen, stark farbreduzierten Bildern die Ereignisse jener drei Tage, von den Stunden vor der Entführung über das nervenzersetzende Warten bis hin zur dramatischen Stürmung des Flugzeugs, die Höhepunkt und Finale des Films bildet. Dabei verteilt er seine Aufmerksamkeit in gleichem Maß auf die verschiedenen involvierten Parteien. Neben den Vorgängen im Flugzeug und der Vorbereitung der Spezialeinheit werden auch die Entwicklungen im Ministerium für Innere Sicherheit sowie (an einem Beispiel) das Bangen der Familien jener tapferen Männer dokumentiert, die unter Einsatz ihres Lebens die Konfrontation auf engstem Raum wagen.</p>
<p>Diese furchtvollen Stunden, die Anspannung aller direkt oder indirekt betroffenen Personen, wird glaubhaft, realistisch und ohne jegliche Verklärung, Stilisierung oder überzogene Dramatik dargestellt. Somit vermeidet THE AUSSAULT auch ein Abrutschen in die Polemik, Banalität oder Verharmlosung des amerikanischen Popcorn-Kinos. Auch wenn ein Film wie MÜNCHEN in allen Belangen &#8211; Handlung, Darsteller, Emotionalität, Schauwerte &#8211; mehr zu bieten hat, sollte der ernsthaft an der Aufarbeitung von Terrorfällen interessierte Filmfan entweder THE AUSSAULT vorziehen, oder ihn zumindest mit in seine To-Do-Liste einbeziehen.</p>
<p>Das eigentliche Dilemma besteht aber, wie erwähnt, im Zusammenspiel mit dem Trailer. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was den Zuschauer bei THE AUSSAULT erwartet, ist eine Sichtung dessen dringend angeraten. Auf der anderen Seite umfasst der Trailer vollständig die beschriebene Zeitspanne, wodurch es dem Film an Überraschungen oder klassischen “Mehrwert” mangelt. Der Zuschauer bekommt exakt das geboten, was er im Trailer sieht, nicht weniger, aber eben auch keine Nanogramm, keine Nuance mehr.</p>
<p>Somit mag durchaus Enttäuschung aufkommen, wenn der Film gerade in dem Moment endet, als die Spannung ihren Höhepunkt erreicht. Wo eine fiktive Geschichte bei der Tragödie erst richtig beginnt, setzt Leclerq konsequent seinen Schlusspunkt. Dass die persönlichen Schicksale der Figuren nur noch im Abspann abzulesen sind, ist ernüchternd, aber stimmig. Und damit ist dann auch ein Fazit erreicht, das sowohl die Qualität, als auch den Inhalt des Films auf den Punkt bringt.</p>
<p>Ernüchternd, aber stimmig.</p>
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