Thirst.

Wie war das doch gleich mit »schwierig zu rezensieren« (Valhalla Rising)? Ich vergaß, da war ja noch THIRST. Und der hat es auch ziemlich in sich.

Es lässt sich wohl bedenkenlos behaupten, dass man sich auf einen Film wie THIRST nicht vorbereiten kann. Weder mental, noch cineastisch, auch wenn Erfahrung im Umgang mit asiatischem Kino sicher nicht schadet. Trotzdem: Ganz gleich, welche Erwartungshaltung man dem Film entgegenbringt, auf die ein oder andere Weise wird man überrascht, schlichtweg weil Chan-wook Parks neues Werk so viele unterschiedliche Töne anschlägt und so viele Wandlungen erfährt, dass damit gut und gerne drei Filme versorgt wären. Damit ist aber auch bereits genannt, was THIRST zu einem besonderen Film macht und die vielen positiven Kritiken legitimiert.

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Antichrist.

Zu jener Zeit, in der ANTICHRIST in Feuilletons und Öffentlichkeit diskutiert wurde, konnte man ein interessantes Detail beobachten, dass in der Abreibung, die von Triers Neuer vielerorts kassierte, beinahe unterging. Selbt jene Kinogänger, die den Film prinzipiell mochten, äußerten sich relativ verhalten bzw. gaben sich nüchtern-kritisch, was die Bewertung mancher Aspekte betraf. Auf echte Begeisterung traf man recht selten. Deshalb sehe ich es als meine Pflicht, hier einen Schritt nach vorn zu wagen und mit einer klaren Ansage zu eröffnen. ANTICHRIST ist nicht genial, aber sehr, sehr gut. Punkt. Jedenfalls wenn man von der Prämisse ausgeht, dass ein Regisseur wie von Trier ein recht klares Bild vor Augen hat, wo er mit einem Film, einer Geschichte, hin will.

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Downloading Nancy.

Nancy (Maria Bello) ist todunglücklich. Ihrer Ehe fehlt jegliche Wärme, Liebe und Leidenschaft. Auch Respekt und Höflichkeit leiden unter der eisigen Atmosphäre, machen ihr das von einem schlimmen Kindheitstrauma überschattete Dasein zur Hölle. Lediglich ihre Internet-Bekanntschaften verschaffen ihr Momente der Freude. Kein Wunder, dass ihr im Hobbykeller Golf spielender Gatte (Rufus Sewell) erst von Nancys Vorhaben erfährt, als es bereits zu spät ist. Nancy hat ihn verlassen, um ihr Leben zu beenden – mit Hilfe eines Online-Bekannten, der ein paar Tage nach ihrem Verschwinden unvermittelt vor der Türe steht.

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Frost/Nixon.

Wie spannend kann ein Film werden, der die Geschichte eines historischen Interviews nacherzählt? Die öffentliche Demontage des berüchtigten Richard Nixon (im Film gespielt von Frank Langella) durch den australischen Showmaster David Frost (Michael Sheen) ist gut dokumentiert, die Hintergründe der relevanten Personen recherchierbar. Eine Dramatisierung scheint somit kaum möglich, ohne Realitätsbezug und Authentizität einzubüßen.

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Bronson.

bronson1Was für ein Genre oder Stil bietet sich an, wenn man das Leben des »gewalttätigsten Gefängnisinsassen Großbritanniens« verfilmt, der den Großteil seines erwachsenen Lebens in Haft verbracht hat? Ein Biopic wie IM NAMEN DES VATERS? Eine kammerspielhafte Charakterstudie wie DER TOTMACHER? Ein lupenreiner Gefängnisfilm wie DIE VERURTEILTEN oder doch eher ein Kunst-Schocker wie UHRWERK ORANGE? Letzteres muss Ziel gewesen sein, was auch – beginnend im grandiosen Trailer – gerne deutlich gemacht wurde. Doch gerade im Vergleich mit Kubricks Klassiker zeigt sich, welches Dilemma dem Film letztlich echte Relevanz verwehrt.

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Rolling Thunder.

rolling_thunder_1Man stelle sich vor, der Drehbuchautor von TAXI DRIVER hätte sich einer geradlinigen Rachegeschichte angenommen, die in bester Pulp-Manier verfilmt worden wäre, somit Quentin Tarantino begeistert* und Bonnie Prince Billy inspiriert hätte – und dann vollkommen in Vergessenheit geriet. So geschehen im Fall von ROLLING THUNDER. Der 1977er Film mit William Devane und einem erschreckend jungen Tommy Lee Jones gilt als verschollene Perle seiner Zeit, und ist aktuell bestenfalls noch gebraucht oder in eingestaubten Wühltischen aufzufinden.

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Van Diemen’s Land.

Van Diemen's LandEine britische Strafkolonie am Ende der Welt, dem hintersten Winkel Australiens, im Jahre 1882. Hier gibt es keine Zäune, keine Gitter, keine Wände. Flucht ist möglich, aber sinnlos, denn die umliegenden, tiefen Wälder ersticken jeden Gedanken an ein Entkommen im Keim. Das gespenstisches Rauschen der Zweige, das Plätschern der eisigen Bäche und die gezackten Buckel der Berge, auf denen sich die Stämme endlos drängen, lässt Männer verstummen und Hoffnungen erstarren.

Und dennoch: Acht begehren auf. Acht Sträflinge überwältigen eines tristen Morgens beim Baumfällen ihren Aufseher und flüchten, zufällig von weiteren Wachen entdeckt, in kopfloser Hast in den Urwald. Abseits der geplanten Route, ohne Verpflegung, schützende Kleidung und Fauna, die es zu jagen lohnt, wird den Mannen bald bewusst, welches Schicksal ihnen blüht. Und dass, damit auch nur einer die nächste Siedlung erreichen kann, Opfer erbracht werden müssen.

Erbracht – oder erzwungen.

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Deliver us from evil.

Deliver us from evilLars (Jens Andersen) ist Lastwagenfahrer und voller Hass. Seine Wut und seine Frustration ventiliert er mit Hilfe von Gewalt, Alkohol und Rassismus, zum Beispiel gegenüber dem Bosnier Alain, der in dem kleinen, dänischen Dorf, in dem auch Lars lebt, das Trauma des Verlust seiner Familie zu verschmerzen versucht.

Johannes (Lasse Rimmer) ist Anwalt und Lars Bruder. Er hat kürzlich das Familienanwesen in seinem Heimatdorf bezogen, um seiner Frau Pernille und seinen Kindern die Idylle zu bieten, die er selbst in seiner Jugend so liebte. Mit seinem Bruder spricht er nicht mehr, dafür freundet er sich mit Alain an, der ihm dabei hilft, den umfangreichen Garten auf Vordermann zu bringen.

Als Lars eines morgens die Frau des ehemaligen Bürgermeisters und Bürgerwehrleiters anfährt, schiebt er den Unfall mit einer gekonnten Intrige Alain in die Schuhe. Als die Leiche gefunden und das laufende Volksfest unterbrochen wird, steht für die alkoholisierte, aufgebrachte Menge schnell der Schuldige fest.

Da die Situation bereits im Bierzelt außer Kontrolle gerät, jedoch kein Ordnungshüter in der Nähe ist, schafft Johannes Alain kurzerhand in seine Wohnung. Der Akt der Vernunft und Nächstenliebe hat tragische Konsequenzen. Die Meute folgt dem Anwalt bis zu seinem Haus.

Kurz darauf fallen die ersten Schüsse.

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Public Enemies.

pe01Kino, Sommer und Substanz, dieses Trio erlebt man ungefähr so häufig gemeinsam in Aktion wie die heilige Dreifaltigkeit. Dieses Jahr bildete bislang keine Ausnahme, und mit aktuellen Blockbuster-Kanidaten wie G.I. JOE oder G-Force scheint es in diesem Stil noch eine Weile weiter zu gehen. Trotzdem, und ungeachtet recht geringer Erwartungen bedingt durch mäßige Rezensionen, durfte man darauf hoffen, mit PUBLIC ENEMIES wenn schon keine positive Überraschung, dann doch wenigstens einen soliden Gangsterfilm geboten zu bekommen. Mit Johnny Depp und Christian Bale in den Hauptrollen war eine Performance zu erwarten, die über dem Niveau der Konkurrenz lag.

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Gran Torino.

Gran Torino PosterEs mag sich weniger positiv lesen als es gemeint ist, aber: GRAN TORINO entspricht den Erwartungen. Jedenfalls sofern man anrührendes Erzählkino mit breitem moralischem Fundament erwartet. Als solches funktioniert der Film sehr gut, auch wenn recht häufig für den Zuschauer erkennbar ist, an welcher Stelle und mit welchem Hebel die Geschichte gerade eine emotionale Reaktion zu erwirken versucht, und wie diese aussehen soll.

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Operation Walküre.

Operation Walküre FilmplakatDas große Monster Hollywood hat mit OPERATION WALKÜRE (OT: VALKYRIE) zweierlei bewiesen. Erstens, dass man durchaus noch fähig und gewillt ist, eine historisch weitgehend akkurate Verfilmung zu realisieren, die sich soweit möglich und nötig an den Fakten orientiert. Persönlich bin ich mit dem Thema wenig vertraut, hier scheinen sich die Experten allerdings einig. Zweitens, dass es noch Blockbusterkino geben kann, das ohne unnötigen Bombast daherkommt. Der nach der dramatischen Eröffnung eintretende “Mut zum Kammerspiel” stellt deshalb vielleicht die größte Leistung dieses Thrillers dar.

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The Fall.

The Fall - PosterUngefähr einmal im Jahr, und dieser Anlass ist für mich stets Grund zu großer Freude, kommt mehr oder minder unerwartet ein Film daher, der nicht nur positiv überrascht und die (meist eher moderaten) Erwartungen überflügelt, sondern in jedem Aspekt voll überzeugt. KONTROLL (der U-Bahn-, nicht der Musikerfilm) war so ein Fall, KISS KISS BANG BANG ein anderer, THE LOOKOUT (dt: Die Regeln der Gewalt) ein weiterer. THE FALL ist auch so ein … Fall, und diesmal hätte ich im Vorfeld eine kleine Summe dagegen gewettet.

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Der seltsame Fall des Benjamin Button.

benjaminbutton0Ein wenig ungerecht ist es schon. Gemessen an dem, was man üblicherweise vorgesetzt bekommt, dürfte man an einem schönen Film wie diesem kein einziges Detail bemängeln. Im Gegenteil, still müsste man schweigen, dankbar wie ein Kind, dem statt dem Telefonbuch endlich mal wieder ein Märchen vorgelesen wird. Eine Geschichte, die mehr enthält als ein paar bekannte Namen. Doch Kinder sind nur in Vergleichen so, die Realität sieht anders aus. Und wenn es eine Gruppe gibt, die mindestens ebenso undankbar ist, dann sind es die Filmfans. Und als solcher findet man durchaus etwas zu meckern.

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Inside Hollywood.

Inside Hollywood PosterWas genau macht eigentlich ein Produzent? Diese Frage kann man sowohl ernst als auch ironisch meinen, je nachdem zu welcher Gruppe man gehört: Denjenigen, die Filme nur ansehen oder jenen, die an deren Herstellung beteiligt sind. Wenn INSIDE HOLLYWOOD eines erreicht, dann ist es, diese Frage recht nachvollziehbar, wenn auch entsprechend oberflächlich, zu beantworten. Allerdings schleicht sich eine gewisse Ironie auch in diesen Aspekt: Die meiste Freude an dem Film werden Zuschauer haben, die die Antwort bereits kennen.

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Tage des Zorns.

Tage des zornsWir sind ja selbst schuld. Eigentlich wollen wir unterhalten werden, von Filmen mit spannenden Geschichten, faszinierenden Charakteren, packender Inszenierung. Und dann schauen wir uns Filme wie Wolverine, Terminator: Die Erlösung oder Transformers 2 im Kino an, der Effekte wegen, und ärgern uns hinterher, wenn wir den Saal unbeeindruckt verlassen, weil es all den Explosionen und all der Wucht wieder einmal nicht gelungen ist, den stets hauchdünnen Plot zu verbergen. Und warum das alles? Weil uns der Anspruch, die schweren Momente und behäbigen Tempi des Erzählkinos zu anstrengend sind, jedenfalls an einem Freitag abend.

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Syriana.

Syriana PosterWenn man nach einer Woche immer noch nicht weiß, was man zu einem Film schreiben soll, ist das kein wirklich gutes Zeichen. Ist die ambitionierte, in den (strukturellen) Spuren von TRAFFIC wandelnde Romanverfilmung schlecht? Nein. Hat sie die Lorbeeren verdient, die ihr in Form von 5 Preisen und 16 Nominierungen, darunter ein Oscar für George Clooney,  zuteil würde? Leider auch nicht.

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Tödliches Versprechen.

Tödliche Entscheidung - PosterDie Ironie bei manch mittelmäßigem Mainstream-Müll ist, dass man seltener enttäuscht wird, weil man von vornherein wenig erwartet. Bei Filmen, die sich einen gewissen erzählerischen Anspruch auf die Flaggen geschrieben haben, muss das Niveau hingegen überdurchschnittlich sein, um zu überzeugen. So gesehen positioniert sich das Popcornkino klüger als das Programmkino. Und deshalb darf man auch von Sidney Lumet (Serpico, Network) enttäuscht sein, wenn er einen Film wie TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG macht.

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Alles ist erleuchtet.

allesisterleuchtet_01Manche Filme sind wie Unfallopfer. Sie müssen nur lang genug herum liegen, dann wird sich schon jemand erbarmen. ALLES IST ERLEUCHTET bildet sogar in dieser Gruppe einen Härtefall. Bevor ich mich durchringen konnte, ihn anzusehen, beging ich erstmal wiederholt Fahrerflucht. Wie sich herausstellte, tat ich ihm damit Unrecht.

Großes, großes Unrecht.

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München.

Munich PosterWer schon immer wissen wollte, wie man sich mit 60 fühlt, kann die Stützstrümpfe ausziehen und die Feldstudien im Seniorenheim einstellen. Mit MÜNCHEN gelingt es Steven Spielberg mühelos, den Zuschauer in knapp 3 Stunden um gefühlte 30-40 Jahre altern zu lassen. Blöd nur, dass man auch in der Illusion, Spielbergs Jahrgang zu sein, wenig Gefallen an diesem Betroffenheitsklumpen finden wird.

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The Wrestler.

wrestler_01Man muss wahrscheinlich Fan von Schaukämpfen sein oder gewesen sein, um wirklich erfassen zu können, wie ungeschminkt und doch liebevoll Darren Aronofsky hier eine Branche portraitiert, die ihre Blütezeit hinter sich haben mag, angeblich aber abseits der großen Namen in vielen kleinen Ligen durchaus noch Blüten trägt. Die Frage für Nicht-Fans muss somit sein, ob man zu einem Film emotionalen Bezug aufbauen kann, dessen Sympathieträger ein gealterter, abgehalfterter Wrestler weit jenseits seines Zenits ist, der seinen Körper einer Karriere geopfert hat, von der nun nichts mehr übrig ist als die Chance auf ein kurzes, vernichtendes Comeback.

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