Es ist ja nicht so, dass man uns nicht gewarnt hätte.
Teilung des letzten Bands auf zwei Filme, durchwachsene Kritiken und schlussendlich sogar deutliche Worte meines Lieblingsvideothekars, der sonst eher durch vertrauenswürdige Milde glänzt.
Doch kurz vor Ende aufgeben? Niemals. Das Ergebnis ist jedoch, wie nicht anders zu erwarten war, ermüdend.
Was macht ein Gondoliere abseits der Saison?
Er lässt sich treiben.
Ungefähr auf dem selben Niveau wie dieser Kalauer liegt THE TOURIST. Das Drehbuch ist ebenfalls ein Witz, der einem kein Schmunzeln auf die Lippen zwingt. Im Gegenteil. Man könnte wohl eine amüsante, auf jeden Fall interessantere Glosse darüber schreiben, wie dieser Film vermutlich zustande kam.
Wer Filme liebt, muss einfach für die Coen Brüder schwärmen. Die Titel, aus denen sich ihr bisheriges Werk zusammen setzt, lassen keine andere Reaktion zu. Ihr Gespür für schräge Charaktere und krude Dialoge, für eigenwillige Geschichten und abstruse Situationen hat Joel und Ethan Coen berühmt gemacht, und erlaubt auch die aktive Verdrängung der wenigen mittelprächtigen Titel wie LADYKILLERS und EIN UNMÖGLICHER HÄRTEFALL, die zwar nett anzusehen waren, über weite Strecken aber uninspiriert wirkten.
Haruki Murakami ist zweifellos ein großartiger Erzähler. Sein Talent, im vermeintlich Alltäglichen das Besondere zu entdecken, oder umgekehrt, das Surreale alltäglich erscheinen zu lassen, macht seine Geschichten zu ganz speziellen, wenn auch zuweilen schwer zugänglichen, Leseerfahrungen.
Französische Küche, französischer Käse, französischer Wein. Erkennt man alles, was aus Frankreich kommt, am Geschmack? Im Falle von 22 BULLETS lautet die Antwort: ja.
WEITER
Dass man für die bloße Existenz von Filmen wie THE ROAD dankbar sein muss, steht wohl außer Frage. Während die meisten Katastrophenfilme ihre Zuschauer allein schon ihres Drehbuchs und der Dialoge wegen an der Menschheit – bzw. der Relevanz des Fortbestands derselben – zweifeln lassen, gelingt es dem auf einer Geschichte von Cormac McCarthy basierenden Endzeitdrama ohne jeglichen Bombast und mit schonungsloser Unmittelbarkeit, die Konsequenzen eines von Menschen gemachten Weltuntergangs zu vermitteln. Dass dieser trotz seiner relativen Ereignisarmut nicht so ermüdend wirkt wie der vorangegangene Satz, ist auch gleich einer angenehmeren Aspekte dieses Films, der ansonsten weitgehend auf Annehmlichkeiten verzichtet.
WEITER
TANGLED lässt sich mit zwei Worten beschreiben: Instant Zuckerschock. Wer nicht von der ersten Minute an Karies bekommt, ist entweder in jungen Jahren von Bambi und Kollegen rangenommen worden, oder generell nur bedingt zurechnungsfähig. Die relativ freie Interpretation des Märchens von Rapunzel verzichtet zwar gnädigerweise darauf, den Tieren Stimmen zu geben, was in Anbetracht von Handlung und Erzählweise eine kluge Entscheidung war, geizt aber in keinem anderen Belang mit Zuckerguss und Sahne. So wirklich fies ist niemand, nicht einmal Halunken und Mörder, die blonde Prinzessin dafür doppelt so niedlich, harmlos und von jeglicher Sexualität restlos befreit. Disney halt. Es wird geneckt, gelacht, getanzt – und gesungen, ja gesungen wird auch, und das nicht einmal besonders überragend, dafür sogar einmal im Duett.
WEITER
Manchmal beantworten sich Fragen von selbst, auch wenn man es gar nicht möchte. Zum Beispiel, wer für die Wahlergebnisse in diesem Land sorgt. Um dies zu verstehen, genügt es, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Etwas schwieriger wird es bei Filmen. Wer allen Ernstes eine Verfilmung von »Schiffe versenken« oder eine amerikanisierte Version von AKIRA für eine gute Idee halten soll, will sich nicht jedem Filmfan erschließen, auch wenn es Kinogänger gibt, die ernsthaft glauben, dass ein Film wie AVATAR einen Directors Cut braucht.