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	<title>The Midnight Screening &#187; horror</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Black Death</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 11:18:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu Beginn eines Films stellt man sich als Zuschauer verschiedene Fragen. Manche sind banal (Dauert der Vorspann noch lange? Ist der Typ neben mir bald mit seinem Handy fertig? Geh ich schnell nochmal auf Toilette?), andere hintergründig (Reflektiert der französische Film in seiner stilistischen Zerrissenheit die innere Unruhe einer Gesellschaft, deren kulturelles Erbe von Revolution [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/11/19/black-death/"><img class="alignnone size-full wp-image-3987" title="Black Death" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/11/black-death-poster.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Zu Beginn eines Films stellt man sich als Zuschauer verschiedene Fragen. Manche sind banal (Dauert der Vorspann noch lange? Ist der Typ neben mir bald mit seinem Handy fertig? Geh ich schnell nochmal auf Toilette?), andere hintergründig (Reflektiert der französische Film in seiner stilistischen Zerrissenheit die innere Unruhe einer Gesellschaft, deren kulturelles Erbe von Revolution genährt wurde?), manche vollkommen idiotisch (siehe vorheriges Beispiel).<br />
<span id="more-3938"></span></p>
<p>Die wirklich wichtigen Fragestellungen werden aber unbemerkt abgehandelt. Es sind jene Fragen, die sich auch ein Autor stellen sollte, der zugängliche Geschichten erzählen möchte, jene Fragen, die entscheiden, ob sich der durchschnittliche Zuschauer auf emotionaler wie geistiger Ebene in das Geschehen involvieren lässt. Ein beliebtes Beispiel: Welches Ziel verfolgt der Protagonist? Welche Bedürfnisse hat er? Welche Wünsche?</p>
<p>Zu diesen Fragen kann man auch jenen Gedanken zählen, der mir nach den ersten Minuten von BLACK DEATH durch den Kopf ging: »Ist der Knilch da ernsthaft der Protagonist?« Was dabei als ungläubiger Zweifel begann, schlug im Laufe des Films in deprimierende Ernüchterung um.</p>
<p>Die Hauptfigur ist ein junger Mönch, der sich zwischen seinem Glauben an Gott und der Liebe zu seiner Holden entscheiden muss. In seiner Verzweiflung entschließt er sich altersgerecht dazu, auf beiden Hochzeiten zu tanzen, was, wie wir alten Leute wissen, nie, aber auch wirklich nie, gut geht.</p>
<p>Während der versierte Filmfan bereits beim ersten Auftritt von Sean Bean Schlimmes ahnt, wird der arglose Junge in dieser Erzählung von einem älteren Mönch gewarnt. Auch wenn dessen Worte etwas sehr dramatisch klingen, treffen sie doch den Punkt: Die Figuren, die Sean Bean verkörpert, ziehen das Verderben an wie Scheiße die Fliegen.</p>
<p>Aber gut, würden junge Protagonisten auf den Ratschlag alter Knacker hören, würden sehr viele, sehr geliebte Geschichten auf Kurzfilmfestivals verenden. Alte Mönche, womöglich mit charaktervollem Mundgeruch, sind aber glücklicherweise kein Gegner für die hormonelle Springflut eines naiven Recken.</p>
<p>Anstatt also einem vernünftigen, jungen Mann dabei zuzusehen, wie er ENTWEDER als keusche Gebetsmühle vor sich hin erodiert ODER mit der holden Maid vor der grassierenden Pest in eine goldene Zukunft voller Kinder und Kartoffeln flieht, folgt er einer Gruppe von Kreuzsöldnern auf Heidenjagd in eben jenen Wald, in dem seine Liebe auf ihn warten will.</p>
<p>Dass die Mission ein Killerkommando und die Idee der Goldhaarigen, allein in einem Wald auf ihren Freund zu warten, ziemlich bescheuert ist, weiß unser Held natürlich nicht. Was der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt aber bereits ahnt: Viel mehr wird nicht mehr kommen. BLACK DEATH ist ein brutales Schauermärchen im Gewand eines Mittelalterstreifens, der kaum ein Klischee auslässt und sich um Vorhersehbarkeit so sehr sorgt wie ich mich um die Rückkehr Jesu Christi.</p>
<p>Leider bleibt der Protagonist dabei so hohl und trist wie in den ersten 10 Minuten. Er trägt den generischen Plot mit Ach und Krach über die &#8211; das muss man zugestehen &#8211; recht kurzweiligen 100 Minuten, mehr geben aber weder Drehbuch noch Darsteller her. Was mit Sean Beans Figur passiert, bedarf ganz ungeachtet der vernachlässigbaren Spoilergefahr wohl kaum einer Erwähnung.</p>
<p>Das Alles kann man als “erwachsene Fantasy für Minderjährige” bezeichnen und gefällig finden, die Erwartungen sollten im Vorfeld jedoch auf das mögliche Minimum reduziert werden. Wer von Filmen wie KING ARTHUR schon genervt oder gelangweilt war, sollte das Inseldorf, zu dem die Reise führt, weiträumig umschiffen. Oder, um auch mit einer Umformulierung zu schließen &#8211; meiden wie die Pest.</p>
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		<title>The Divide</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:37:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/29/the-divide/"><img class="alignnone size-full wp-image-3923" title="The Divide" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/The-Divide.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden lässt. Die Dunkelheit, die im Menschen schlummert, ist immer aktuell und verliert nie an Bedrohlichkeit und Schrecken.</p>
<p><span id="more-3922"></span></p>
<p>Nach diversen Verfilmungen, vielen Neu-Interpretation und unzähligen, vergleichbaren Geschichten nimmt sich nun THE DIVIDE der Thematik an und entwickelt sie um genau 1% weiter, indem er aus der Flucht vor einer atomaren Bedrohung eine tatsächliche Katastrophe macht, die eine Gruppe Erwachsener mit kindlichem Gemüt &#8211; im Film New Yorker &#8211; in den Bunker unter einem Mehrfamilienhaus treibt. Dort eingesperrt, mit begrenzten Vorräten und in Angst vor dem Strahlentod an der Oberfläche, eskalieren Furcht und Überlebenswille in altbewährter Form und abendfüllender Geschwindigkeit.</p>
<p>Schade ist nur, dass dem Ganzen der Beigeschmack eines TV-Films anhaftet, denn die überaus mäßigen Dialogen werden von den eindimensionalen Charakteren bereits im Originalton derart unbeholfen abgespult, dass man sich an eine Seifenoper oder ein unterdurchschnittliches Videospiel erinnert fühlt. Dunkelheit und Anspannung dieser emotional sehr zugänglichen Lage sorgen zwar für ein gewisses Maß an Atmosphäre, jedoch wird diese immer wieder von Drehbuchaussetzern zerrissen. Dass diverse Andeutungen und ein Nebenhandlungsstrang über einen gnadenlosen Militäreinsatz letztlich im Sand verlaufen, hilft ebenso wenig und trägt nur weiter dazu bei, die Reinheit der Grundidee zu verwässern.</p>
<p>Zu dem Zeitpunkt, an dem die Verbliebenen endgültig durchdrehen, beziehungsweise die Spaltung innerhalb der Gruppe zu dramatischen Konsequenzen führt, ist bereits so viel Potenzial verschenkt, dass der zunehmend groteske, in seiner fieberhaften Inszenierung überraschend dichte letzte Akt die Wertung zwar noch anhebt, aber auch nicht mehr über die Grenze hievt, die eine Empfehlung rechtfertigen würde.</p>
<p>Wer gerne wissen möchte, was Milo Ventimiglia nach seiner Zeit bei HEROES so treibt, und ob er zwischenzeitlich besser schauspielern gelernt hat, kann THE DIVIDE eine Chance geben. Sein Händchen für gute Drehbücher hat sich nicht sonderlich verbessert, die Zugänglichkeit des Szenarios sorgt aber für 1,5 halbwegs unterhaltsame Stunden.</p>
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		<title>End of Animal</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 10:18:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Taxi holpert auf einer schmalen, unbefestigten Straße durch eine karge Landschaft. Der Passagier, eine schwangere Frau, ist aus Seoul angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Als ein Anhalter darum bittet, mitgenommen zu werden, erteilt sie aus Höflichkeit ihre Erlaubnis, bloß um diese bereits Augenblicke später zu bereuen. Der zusätzliche Passagier entpuppt sich nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/01/end-of-animal/"><img class="alignnone size-full wp-image-3864" title="end-of-animal" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/end-of-animal.png" alt="" width="310" height="414" /></a></p>
<p>Ein Taxi holpert auf einer schmalen, unbefestigten Straße durch eine karge Landschaft. Der Passagier, eine schwangere Frau, ist aus Seoul angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Als ein Anhalter darum bittet, mitgenommen zu werden, erteilt sie aus Höflichkeit ihre Erlaubnis, bloß um diese bereits Augenblicke später zu bereuen.</p>
<p><span id="more-3862"></span>Der zusätzliche Passagier entpuppt sich nicht nur als aggressiver, aufdringlicher Zeitgenosse, sondern offenbart auch ein unheimlich detailliertes Wissen über die Vergangenheit des Taxifahrers und der jungen Frau. Bevor diese ihn zur Rede stellen können, spricht er von der Ankunft der Engel und zählt er einen Countdown herunter. Ein weißes Leuchten blendet die Insassen, und sie verlieren das Bewusstsein.</p>
<p>Eine Bombe? Eine Naturkatastrophe? Das Ende der Welt? Wer weiß.</p>
<p>Die junge Frau erwacht allein in dem verlassenen Taxi. Fahrer und Beifahrer sind verschwunden, Mobiltelefon und Motor nicht in Gang zu bringen. Eine Notiz informiert sie, dass der Fahrer sie nicht zu wecken vermochte, und aufgebrochen sei, um Hilfe zu holen. Nachdem sie eine Weile gewartet hat, verlässt die Frau den Wagen, und macht sich selbst auf dem Weg.</p>
<p>So beginnt eine post-apokalyptische Odyssee, wie sie minimalistischer kaum erzählt werden könnte. Was in den folgenden zwei Stunden passiert, könnte auf einem Bierdeckel Platz finden, würde nicht der streng lineare Aufbau dazu nötigen, jedes der Ereignisse gleichwertig zu behandeln. Besonders fällt dabei die geistige Verwandtschaft zu den Ideen Franz Kafkas auf, von dem nicht wenige Elemente der symbolschwangeren Geschichte inspiriert sein könnten. Ein  Erlösung verheißendes Ziel, das jeder Einheimische zu kennen vorgibt, aber niemand jemals zu erreichen scheint, eine allgegenwärtige Bedrohlichkeit, die alle Menschen zu umgibt, und selbst harmlose Kinder unterschwellig zu erbitterten Widersachern macht, eine Reise, die ihren Protagonisten immer wieder zurück wirft, und ihm Meter für Meter jeglicher Hoffnung sowie jedem Bezug zur Realität beraubt.</p>
<p>Funktioniert das so gut, wie es klingt? Leider nicht.</p>
<p>END OF ANIMAL ist, wie es sich für einen koreanischen Film gehört, keine leichte Kost. Wortkarg, unkomfortabel und bedeutungsschwanger dehnt er sich über seine 2 Stunden Laufzeit, die sich mangels packender Geschehnisse deutlich länger anfühlen. Dabei führt er viele interessante Motive ein, gleich den Protagonisten kommen diese aber niemals irgendwo an. Das mag bei Asia-Freaks und Arthaus-gestählten Cineasten als Kunst durchgehen, strapaziert aber die Geduld bis weit über den Punkt hinaus, an dem man dem Film noch ein klares Konzept zugestehen kann. Zu entbehrlich scheinen manche Nebenfiguren, zu repetitiv wiederholen sich die immer gleichen Andeutungen und zu wenig dieser Andeutungen führen tatsächlich zu einer befriedigenden Enthüllung.</p>
<p>Unterm Strich ist es nicht der Mangel an Erklärungen, der END OF ANIMAL bedrückend unbefriedigend macht, sondern die Ziellosigkeit des Geschehens. Zwar präsentiert er viele Figuren und Ansätze, entwickelt daraus aber keine Geschichte, die mehr auszusagen vermag als das, was jeder bereits weiß: Dass Verzweiflung Menschen egoistisch werden lässt, das Isolation den Geist zersetzt und der Mensch schlussendlich stets des Menschen ärgster Feind bleibt. END OF ANIMAL ist somit als Titel treffend gewählt, schildert er doch das leise Verenden einer Spezies, die sich von sich selbst entfremdet hat. Sämtliches Potenzial darüber hinaus wird allerdings verschwendet, wodurch das Ergebnis aller Andeutungen und Symbolik zum Trotz frustrierend banal wirkt. Die Figuren erfahren keine Entwicklung, ihre Taten haben letztlich keine Konsequenz. END OF ANIMAL bleibt ein bewegtes Bild, in dem das Grauen stets am äußersten Rand des Blickfelds verschwimmt.</p>
<p>Positiv zu vermerken ist der konsequente Verzicht auf all die Hysterie, die das westliche Kino häufig aufweist. Der Film beschwört und hält ein konstantes Gefühl von Isolation und Verlust, von Verlorenheit und unterschwelliger Überlebensangst, ohne die Unterstützung dramatischer Hintergrundmusik oder laute Action. Auch kleine Kommentare finden sich in der rudimentären Handlung, Anspielungen auf die Fixierung unserer Gesellschaft auf Technik, auf das instinktive Verdrängen des Offensichtlichen in Stresssituationen. Was immer passiert ist, die ganze Welt scheint betroffen, und doch suchen die Verlorenen mit autistischer Gleichgültigkeit nach einer Verbindung zur Zivilisation, die mit jedem gescheiterten Versuch nur noch unendlich ferner scheint.</p>
<p>Ein Film, in dem kaum etwas passiert, der sich dafür aber sehr viel Zeit lässt. Wer sich auf kafkaeskes Arthaus-Kino einlassen möchte, dessen Hauptaugenmerk auf dichter Atmosphäre und Symbolik liegt, darf sich gerne an END OF ANIMAL messen. Wer als Europäer sein Sitzfleisch gut investiert wissen möchte, ist mit dem zugänglicheren THE ROAD oder dem (angeblich) ähnlich gestrickten TIME OF THE WOLF wahrscheinlich besser beraten.</p>
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		<title>Stake Land</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 10:57:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mainstream-kompatible Genrefilme haben es nicht immer leicht auf dem Fantasy Filmfest. Blutgierige Neuzugänge und alte Genrehasen im Publikum tauschen gerne gute Gore-Effekte gegen etwas  Plausibilität und achten bei bis zu 5 Filmen am Tag schon nach dem Mittagessen nicht unbedingt mehr auf subtile Zwischentöne und emotionale Glaubwürdigkeit. Wenn ein Film dann auch noch diverse Klischees [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/29/stake-land/"><img class="alignnone size-full wp-image-3842" title="Stake Land" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/stake_land_pposter.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Mainstream-kompatible Genrefilme haben es nicht immer leicht auf dem Fantasy Filmfest. Blutgierige Neuzugänge und alte Genrehasen im Publikum tauschen gerne gute Gore-Effekte gegen etwas  Plausibilität und achten bei bis zu 5 Filmen am Tag schon nach dem Mittagessen nicht unbedingt mehr auf subtile Zwischentöne und emotionale Glaubwürdigkeit. Wenn ein Film dann auch noch diverse Klischees bedient, ist er schneller unten durch, als die Nebenfiguren ihr Leben lassen können. STAKE LAND ist schuldig in allen Anklagepunkten, hat ein solches Schicksal aber nicht verdient. Im Gegenteil.<br />
<span id="more-3839"></span><br />
Wenn ein Faktor zu benennen wäre, der STAKE LAND von der Horde seiner Genrekollegen absetzt, dann ist es die Tonart, mit dem die Geschichte über eine Vampirapokalypse erzählt wird. “Vampirapokalypse”, da geht es ja schon los. Diesmal wartet jedoch kein Endzeit-Szenario wie in DAYBREAKERS, sondern wieder mal ein klassischer Überlebenskampf in Form einer Reise durch Amerika, ähnlich 28 DAYS LATER, CARRIERS, und so weiter. Dieser Vergleich erhält zusätzliches Gewicht durch den Umstand, dass die Vampire in STAKE LAND ebenso gut Zombies sein könnten, da sich die Unterschiede auf die Möglichkeiten zur Beseitigung der Monster beschränken. Auch das Motiv des fernen Zufluchtsortes, der mehr Hoffnung als Wirklichkeit zu sein scheint, ist aus Zombiefilmen mehr als bekannt.</p>
<p>So weit, so unterdurchschnittlich. Was STAKE LAND aber bereits nach wenigen Minuten vom Großteil der anderen Machwerke absetzt, ist die Bereitschaft, vor allem aber die Fähigkeit, seine Figuren und erzählerischen Wegpunkte trotz der Aneinanderreihung bewährter Ideen und Klischees ernst zu nehmen. Kein pausen- und sinnloses Gebrabbel der Protagonisten, kein manischer Comic Relief, keine aufgesetzt markigen One-Liner, keine übertrieben großen Gesten. Statt dessen viel Schweigen, zweckmäßig knappe Konversationen und kleine Charaktermomente. “No Bullshit”, lautet die Devise, und diese in Kombination mit einer so comichaften Handlung zu erleben, ist geradezu erfrischend. Wenn selbst ein penetrantes Voice-Over kaum Schaden anrichtet, weiß man, dass den Machern viel an der Geschichte lag.</p>
<p>Auf diese Weise weckt STAKE LAND zwar noch Erinnerungen an den eher bemühten ZOMBIELAND, der eine sehr ähnliche Konstellation von Charakteren aufwies, angesichts der vollkommen unterschiedlichen Grundstimmung fällt dies aber nicht weiter ins Gewicht. Die griffige Inszenierung und die beiläufige Selbstverständlichkeit, mit der STAKE LAND seine Wegpunkte abhandelt, erinnert schon eher an Klassiker wie MAD MAX: ROAD WARRIOR. Wer diesen Vergleich in Frage stellt, und den damit verbundenen Ritterschlag anzweifelt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Der wortkarge Held mit gutem Herz, dessen skrupelloser Überlebenswillen und Gerechtigkeitssinn einer kleinen Gruppe Menschen durch die Hölle hilft, ist seit MAD MAX nicht mehr so unprätentiös und doch mitreißend inszeniert worden. Over-the-Top-Understatement hat sich lange nicht mehr so gut angefühlt.</p>
<p>Um die Qualitäten des Films auf den Punkt zu bringen, sei ein weiterer, etwas abstruser Vergleich erlaubt: STAKE LAND wirkt nicht nur wie eine Comicverfilmung (die er nicht ist). Er wirkt, wie eine Comicverfilmung sich anfühlen SOLLTE, nur leider selten tut. Die Geschichte könnte 1:1 aus einem Graphic Novel übernommen worden sein, nur eben mit dem Unterschied, dass der Transfer auf die Leinwand tatsächlich einmal funktioniert, ohne dass die Dialoge peinlich wirken, und ohne dass die Atmosphäre der Vorlage zu sehr verfremdet wird. In diesem Zusammenhang weckt die Erzählweise Erinnerungen an die GRENDEL TALES von Macan und Biukovic, die ebenfalls Trauer, Zynismus und herzerwärmende Momente zu einem Ganzen verschmelzen, das mehr als nur die Summe seiner Teile ist.</p>
<p>Natürlich hat so etwas seine Schattenseiten. Gegen Ende gibt es eine Szene, die derart comichaft wirkt, dass sie den Film ernsthaft ins Straucheln bringt. Bis zu diesem Augenblick hat STAKE LAND jedoch derart viel richtig gemacht, dass man ihm kaum mehr böse sein kann, und auch wenn das Ende etwas kitschig wirkt, wird der brave Zuschauer mit einer Abblende belohnt, die das Geschehen zum einzig sinnvollen, harmonischen Ende führt. STAKE LAND ist ein Film, der von Grausamkeit und Menschlichkeit erzählt, von Bestien und der Bestie Mensch, von Mitleid, Liebe, Trauer, Reife, Opferbereitschaft und den kleinen Momenten, die selbst einem Zyniker das Herz erwärmen können. Ein Film, der trotz Klischees, trotz Voice-Over, trotz Vampiren, die ebenso gut Zombies hätten sein können, gut funktioniert.</p>
<p>Ich hasse Road-Movies. Und ich hasse Vampirfilme. STAKE LAND ist beides.<br />
Hat er mir trotzdem gefallen? Und wie.</p>
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		<title>The Woman</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 10:17:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn es dieses Jahr einen Film gab, bei dem ich schon vor dem Kartenkauf ein mieses Gefühl hatte, dann THE WOMAN. Diese Vorahnung sollte sich bestätigen, jedoch auf eine Art und Weise, die ich nie erwartet hätte. Der Grund dafür ist recht persönlich, und erfordert einige Ausführungen. Wen also nur die Wertung interessiert, dem nenne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/29/the-woman/"><img class="alignnone size-full wp-image-3834" title="The Woman" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/the-woman-poster.png" alt="" width="310" height="443" /></a></p>
<p>Wenn es dieses Jahr einen Film gab, bei dem ich schon vor dem Kartenkauf ein mieses Gefühl hatte, dann THE WOMAN. Diese Vorahnung sollte sich bestätigen, jedoch auf eine Art und Weise, die ich nie erwartet hätte. Der Grund dafür ist recht persönlich, und erfordert einige Ausführungen. Wen also nur die Wertung interessiert, dem nenne ich als Schulnote die 3, und schicke ihn gleich weiter.<br />
<span id="more-3832"></span><br />
Zur Sache: THE WOMAN basiert auf einem gleichnamigen, relativ aktuellen Buch von Jack Ketchum, dem Clive Barker des Thrillers, wenn man so will, ein Großwesir der Grausamkeiten. Mit seinen Geschichten, die gerne die finstersten Abgründe unserer Gesellschaft erforschen, ist er als Ideengeber für Horrorfilme und Psychothriller geradezu prädestiniert. Sein 2006 in Deutschland erschienener Roman THE GIRL NEXT DOOR, der seinerseits auf einer wahren Begebenheit basiert, ging mir auch gleich so an die Nieren, dass ich dessen Verfilmung, die 2008 unter dem Titel  AN AMERICAN CRIME auf dem Fantasy Filmfest lief, und später sogar ihren Weg in die Videotheken fand, bis heute meide. Eine weitere Verfilmung, die des Romans RED, entstand ebenfalls 2008, erhielt aber wenig Aufmerksamkeit und wurde auch nicht auf dem Filmfest gezeigt.</p>
<p><strong>[Richtigstellung: Ich wurde darauf hingewiesen, dass AN AMERICAN CRIME direkt auf den Gerichtsakten des betreffenden Falls basiert, nicht auf Ketchums Buch. Dieses wurde zwar ebenfalls verfilmt, sogar im selben Jahr, allerdings dann unter dem selben Titel wie der Roman, d.h. THE GIRL NEXT DOOR im Original, EVIL auf Deutsch. Die nachfolgende Überleitung ist demnach ebenfalls nicht 100% korrekt. Danke für die Richtigstellung an <a href="https://www.facebook.com/BmovieBlog">Ben's B-Movie Blog</a> und das <a href="http://popzombieblog.blogspot.com/">Popzombie Blog</a>. 01.09.2011]</strong></p>
<p>THE WOMAN ist also bereits die dritte Ketchum-Verfilmung und der zweite Auftritt einer Ketchum-Geschichte auf dem Fantasy Filmfest. Erneut geht es darum, was in den dunklen Nischen der amerikanischen Vororte und Kleinstädte an Grauen nistet, erneut ist es eine ganze Familie, die sich in perverse Bestien und ohnmächtige Opfer spaltet. Erneut wird angekettet, misshandelt, geschlagen und geschwiegen, wobei das Schweigen stets das Schlimmste ist. Und immer wieder ist es die Unschuld, die es am heftigsten erwischt, wenn sie auch diesmal von Wildheit verschleiert wird. Die gute Nachricht: Aus der Verfilmung ist kein Torture Porn geworden. Die schlechte Nachricht: Ich habe trotzdem ein Stück Glauben an die Menschheit eingebüßt.</p>
<p>Der besseren Nachvollziehbarkeit halber ein Wort zur Geschichte: Ein Familienvater, respektierter und beliebter Bürger nach außen und despotischer Patriarch nach innen, entdeckt bei der Jagd in dem an sein Grundstück anschließenden Wald eine junge Frau, die allein wie ein Tier in der Wildnis lebt. Fasziniert von dem animalischen Weib keimt eine wahnsinnige Idee in ihm auf. Er fängt die Frau, kettet sie in einen Keller  und präsentiert sie seiner Familie als “unser Projekt”. Das Ziel: Der Wilden die Zivilisation aufzwingen, wenn nötig mit Gewalt.</p>
<p>Es folgt, was folgen muss: Eine Spiralfahrt hinab in die schlimmsten menschlichen Abgründe. Dabei wird schnell deutlich, dass Frau und Kinder selbst längst Opfer sind. Gattin und Tochter leben in Angst vor der ständig präsenten Gewalt des Hausherren und sind vor Furcht dermaßen gelähmt, dass sie all seinen Befehlen  Folge leisten. Der Sohn ist selbst längst zum Psychopathen herangereift, und trägt seinen Teil zur Eskalation der Situation mit freudiger Erregung bei. Ohne ihr Zutun wird die stumme Frau so zum Katalysator einer Ereigniskette, an der die Familie endlich zerbricht.</p>
<p>Erfreulicherweise geriet die Verfilmung weit weniger plump und banal, als diese Zusammenfassung befürchten lässt. Im Zentrum steht nicht die Pein der Gefangenen, sondern die dysfunktionale Familie. Auf Voyeurismus wurde weitgehend verzichtet, und auch wenn die Ereignisse schrecklich sind, werden sie nie plakativ zur Schau gestellt oder verharmlosend inszeniert. Zwar merkt man dem Film deutlich an, dass es an Budget mangelte, und einige der Charaktere geraten bedingt durch Darsteller und Drehbuch etwas eindimensional, in weiten Teilen funktioniert der Psychothriller aber. Er ist nicht wirklich gut, aber zweckmäßig.</p>
<p>Wirklich störend ist allein der Soundtrack, welcher zu laut und aufdringlich eingesetzt wird, und manchen Szenen ein Tarantino-Feeling gibt, die ohne musikalische Untermalung weitaus realistischer und intensiver gewirkt hätten. Dass die (an sich sehr gut gewählte) Musik das Geschehen erträglicher macht, beziehungsweise einen Verfremdungseffekt zu erzwingen versucht, ist nicht unbedingt im Sinne der Geschichte. Ähnlich eigenwillig wirkt das furiose Finale, das, wenn man so will, glatt aus einem anderen Film stammen könnte.</p>
<p>Anstatt den Zusammenbruch der Familie zu seinem unvermeidlichen Ende zu führen, oder die gefangene Frau als Vehikel der absehbaren und notwendigen Eskalation zu verwenden, führt eine erzählerisch unnötige Überreaktion des Vaters zu einem geradezu absurden Gemetzel, das viel vom  erreichten Potenzial zugunsten eines derben Plot-Twists verschenkt. So dankbar das Genrepublikum auch auf diese Wendung reagieren mag, bleibt doch die Frage, ob der Film nicht ohne diesen Knall zu einem zufriedenstellenden Abschluss hätte gelangen können.</p>
<p>Wir fassen zusammen: Eine furchtbar grausame Geschichte, verpackt in einen anstrengenden, teilweise verstörenden Film, der zum Ende leider seine Bodenhaftung verliert, dadurch aber nicht unbedingt zur Vollgurke mutiert. Wo also liegt das Problem?</p>
<p>Ganz einfach: Es liegt nicht, es sitzt, und zwar gegenüber der Leinwand. Das Publikum des von mir so geliebten Fantasy Filmfests, zumindest das Publikum der von mir besuchten Vorstellung, hat mir mehr Angst gemacht als all die Grausamkeiten dieser bösartigen Verfilmung. Mitzuerleben, wie nicht wenige im Saal angesichts mitleiderregender, grauenvoller und deprimierender Momente in Gelächter ausbrachen, hat mich auf eine Weise verstört, die noch sehr lange in mir nachhallen wird.<br />
Das Schlimmste dabei: es war kein verlegenes, kein unbequemes Lachen. Es war keine Kompensation und auch kein Spott über einen verkorksten Effekt oder eine alberne Dialogzeile. Wenn ein Viertel der Zuschauer schallend lacht, während ein Psychopath seine Ehefrau zum Krüppel prügelt, bekomme ich nicht nur den Drang, den Saal zu verlassen, sondern verliere jede Lust, das Filmfest weiter zu besuchen. Denn damit bestätigt sich jedes Klischee des abgestumpften Horrorfans, jeder Vorwurf stupider Empathielosigkeit mit einer Intensität, die mir Brechreiz verursacht.</p>
<p>THE WOMAN ist kein guter Film. Dafür ist er zu inkonsequent und oberflächlich. Es ist ein solider Genrefilm, der sein Potenzial verschenkt und seinen Weg verliert, unterm Strich aber seinen Zweck erfüllt. Gleichzeitig ist er aber ein “Reality-Check” in Sachen Menschlichkeit, eine Prüfung für Moral und Mitgefühl, und angesichts derer, die an ihr versagen, auch das Zeugnis einer schrecklichen Wahrheit: Dass Geschichten nicht nur Werte prägen, sondern auch an deren Mangel scheitern können. Und das macht mich sehr traurig.</p>
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		<title>Devil</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 19:39:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/03/devil/"><img class="alignnone size-full wp-image-3746" title="DEVIL" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/Devil-poster.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Vor gut fünf Jahren, als ich noch besser über aktuelle Filme informiert war, hörte ich bei einer Busfahrt, wie sich ein paar Teenager über Quentin Tarantinos neuen Film HOSTEL unterhielten. Ich erinnere mich noch an die grimmig-amüsierte Verachtung, die ich empfand, als mir klar wurde, wie gut diese albernen “präsentiert von”-Zusätze tatsächlich funktionieren. Es hat lange gedauert, bis mir ein ähnlicher Fehler unterlief. Bedauerlich, dass dies der einzige Grund bleiben wird, warum ich DEVIL nicht vergessen werde.</p>
<p><span id="more-3744"></span>Auch wenn er mehrfach prominent auf dem Poster erwähnt wird: M. Night Shyamalan ist NICHT der Regisseur hinter DEVIL. Es ist nur irgendwie seine Idee, die aber ein Anderer ausformuliert hat und bei der ein Dritter Regie führte. Dieser “Andere” ist Brian Nelson, Autor von HARD CANDY, 30 DAYS OF NIGHT und WOLFFS REVIER. Ja, genau. Der “Dritte” John Erick Dowdle, Regisseur von QUARANTINE und THE POUGHKEEPSIE TAPES. Man versteht ein wenig, warum Shyamalans Name trotz seiner Flops auf dem Plakat landete.</p>
<p>Um die lästige Frage zu vermeiden, inwieweit Shyamalans Beteiligung über ein “Macht doch mal einen Film über ein paar Leute, die im Aufzug sterben” hinausging, produzierte er den Horrorthriller einfach in einer neu ins Leben gerufenen Reihe, den “Night Chronicles”. Kein Scheiß. Das Kriterium für die Aufnahme eines Titels in diese neue Filmreihe, die irgendwann in einem Atemzug mit Twilight Zone genannt werden möchte, ist, das Mr. Shyamalan die Idee so toll finden muss, dass er am liebsten selbst Regie führen würde. So zumindest seine Aussagen in einem Interview zum Film. Wir fassen zusammen: M. Night Shyamalan war von seiner Idee so begeistert, dass er am liebsten Regie geführt hätte, und hat sie deshalb produziert, um neuen Talenten eine Plattform zu geben. Lassen wir das einfach mal so stehen.</p>
<p>Das Problem, mit dem DEVIL kämpft, ist jedoch nicht, dass man einen Shyamalan-Film erwartet, und statt dessen eine 80-minütige Twilight Zone Folge bekommt, sondern, dass man nach den letzten drei Filmen von Shyamalan froh gewesen wäre, wenn bei einer Regiearbeit von ihm überhaupt eine solche heraus gekommen wäre. Denn Shyamalans nach Sixth Sense und Unbreakable sicherlich verdientes Selbstbewusstsein führte in den letzten Jahren zu unerträglich drögen Rohrkrepierern, die mit THE HAPPENING ihren traurigen Tiefpunkt erreichten.</p>
<p>DEVIL bleibt, von dem etwas zu ambitionierten Titel abgesehen, ein recht bodenständiger Höllentrip, der sich redlich bemüht, eine intensive Atmosphäre der Beklemmung und Paranoia aufzubauen. Das es damit nicht so richtig klappen will, liegt zum einem an dem unfassbar nervigen Voice-Over, das die Stimmung immer wieder in die Knie zwingt, zum anderen an der schlichten Tatsache, dass eine beachtliche Zahl von Genrefilmen diese Herausforderung weitaus eindrucksvoller bewältigt haben. Daran ändert auch das grundsätzlich tadellose Spiel der kleinen Darstellerriege wenig.</p>
<p>Unterm Strich hätte DEVIL ein unterhaltsames Kammerspiel werden können. Da er sich aber nie ganz zwischen realistischen Psychothriller und übernatürlichem Horrorstreifen entscheiden kann, versackt er in einem Mittelmaß, das den Zuschauer rein inhaltlich ebenso unbefriedigt zurücklässt wie die Neuauflage der hier wiederholt erwähnten Mysteryserie. Es ist eine Geschichte, die als kleiner Indie-Film in den 90ern vielleicht noch für Aufsehen gesorgt hätte, nach heutigen Maßstäben und dank einiger Logikprobleme aber bestenfalls als nette Abendunterhaltung herhalten kann.</p>
<p>Ein Aufzug ist ein passendes Symbol für Shyamalans Karriere. Wenn die “Night Chronicles” so weitergehen, dürfen wir noch eine ganze Weile auf sein Comeback warten. Als ehemaliger Fan muss man sich nach DEVIL wünschen, dass er bis dahin die Treppe nimmt.</p>
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		<title>The Rite</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 17:09:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anthony Hopkins war lange Zeit ein Garant für hervorragendes Schauspiel, wenn auch nicht immer hervorragende Filme, wie WOLFMAN und BEOWULF oder auch THOR bewiesen haben. Wenn man ihn jedoch aus den mittelalterlich angehauchten Szenarien entfernt, und an Filme wie DAS PERFEKTE VERBRECHEN und WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEBT denkt, wird ein Bild wiederbelebt, dass sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/02/the-rite/"><img class="alignnone size-full wp-image-3685" title="the_rite_poster_big" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/the_rite_poster_big.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Anthony Hopkins war lange Zeit ein Garant für hervorragendes Schauspiel, wenn auch nicht immer hervorragende Filme, wie WOLFMAN und BEOWULF oder auch THOR bewiesen haben. Wenn man ihn jedoch aus den mittelalterlich angehauchten Szenarien entfernt, und an Filme wie DAS PERFEKTE VERBRECHEN und WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEBT denkt, wird ein Bild wiederbelebt, dass sich seit SCHWEIGEN DER LÄMMER beharrlich hält.</p>
<p><span id="more-3676"></span>Man darf sich also keinen Illusionen hingeben, was der wahre Grund sein sollte, seine Zeit THE RITE zu opfern. Hopkins ernste Miene füllt das Poster nicht umsonst  vollständig aus. Wem das nicht reicht, der wird bereits am Klappentext ablesen können, dass es sich um einen Exorzisten-Thriller handelt, von wahren Begebenheiten “inspiriert”, der Hopkins &#8211; wenig überraschend &#8211; ins Zentrum eines sehr geradlinigen, psychologisch angehauchten Horrorfilms stellt.</p>
<p>Im Gegensatz zu Filmen wie AN AMERICAN HAUNTING oder THE EXORCISM OF EMILY ROSE hält der Film jedoch sein stilles Versprechen, ein Horrorfilm alter Schule zu sein, tatsächlich ein. Dabei tut er sich besonders damit hervor, sehr lange auf übertriebene, CGI-unterstützte Effekthascherei zu verzichten, und lotet den anregenden Schwebezustand der Ungewissheit recht konsequent aus. Zu dem Zeitpunkt, an dem der Film sich der unvermeidbaren, dramatischen Konfrontation vollständig hingibt, funktioniert diese deshalb auch als Höhepunkt.</p>
<p>Das soll nicht heißen, dass der Film bis dahin wenig zu bieten hätte. Schon der Beginn, in dem das von erdrückendem Schweigen geprägte Elternhaus des Protagonisten kurz porträtiert wird, geriet Regisseur Mikael Håfström besser als 90% der Horrorfilm-Eröffnungen, die man in den letzten Jahren zu sehen bekam, und kann somit schon fast als Plädoyer dafür verstanden werden, wie ruhig und realistisch Horrorfilme eingeleitet werden sollten. Dass Rutger Hauer den Vater des jungen Protagonisten spielt, ist dabei für jeden Filmfan ein nicht zu unterschätzender Bonus, trotz des fast unvermeidlichen Verfremdungseffekts.</p>
<p>Natürlich gibt es auch Aspekte, die weniger gut funktionieren. Nicht jeder Versuch, erinnerungswürdige Momente und Charaktere zu schaffen, will gelingen. Die junge Journalistin, die sich zur Vertrauensperson des Protagonisten, eines jungen Priesters in spe, entwickelt, bleibt eindimensional und blass, bis an den Punkt, an dem sich die Überlegung aufdrängt, ob der Film nicht auch ohne sie funktioniert hätte. Auch Ciarán Hinds als Exorzismus-Dozent wird zunächst wie eine relevante Nebenfigur behandelt, später dann aber kurzerhand aus der Geschichte geschrieben. Diese Figuren sind erzählerisches Aquaplaning, und somit nicht ungefährlich für den Gesamteindruck, bringen den Film aber nur in einzelnen Szenen, nie als Ganzes ins Schlittern.</p>
<p>Ein Mangel an Tiefe lässt sich in gewissem Sinn auch dem Protagonisten vorwerfen, dessen Kampf mit sich selbst, dem Glauben und seinen Zweifeln, eigenartig oberflächlich wirkt. Glücklicherweise gibt es einige, sehr wortarme Szenen und Rückblenden, die diesen Makel abschwächen.  Dabei zeigt sich auch der wesentliche Faktor, der zu dieser wohlwollenden Kritik führte: Auch wenn THE RITE kein anspruchsvolles Programmkino ist, und unterm Strich als entbehrlich bezeichnet werden muss, beleidigt er die Intelligenz seines Publikums weitaus weniger als der Großteil seiner (Sub-)Genrekollegen.</p>
<p>Wie aufmerksam Regie und Schnitt gearbeitet haben, fällt besonders beim Betrachten der Deleted Scenes auf. Denn hier finden sich die wenigen wirklich unglaubwürdigen Dialoge, der hanebüchene, sinnlose Twist am Ende und eine Traumsequenz, die in ihrer reduzierten Form im Hauptfilm um einiges effektiver geriet. All diese Elemente, an die man sich in Genrefilmen schon fast gewöhnt hat, fehlen in der Endfassung, und bestätigen im Nachhinein den Eindruck, dass THE RITE mit einer gewissen Ernsthaftigkeit erzählt wurde, die Andere nur vortäuschen.</p>
<p>Eventuelle Zweifel, ob die Welt nach THE EXORCIST überhaupt jemals noch einen Film über Exorzismus brauchte, kann auch dieser Film nicht zerstreuen. Dafür bleibt er in weiten Teilen zu generisch, zu vorhersehbar. Die wesentlichen Stationen einer solchen Erzählung werden konsequent abgespult, und wer dem Thema Religion kritisch gegenübersteht, kann auch hier nicht vollständig vergessen, wie leicht sich solch ein Film als Schleichwerbung für Katholizismus verstehen lässt. Mich persönlich störte mehr das product placement, das zwar nur einmal auffiel, da aber so prominent geriet, dass es schon beinahe grotesk war.</p>
<p>Trotzdem ist THE RITE ein überdurchschnittlicher Vertreter seines Subgenres, der besser funktioniert, als man es hätte erwarten dürfen. Ein solider Horrorfilm, der keine Maßstäbe setzt, innerhalb seines Subgenres aber das Durchschnittsniveau deutlich anhebt und allein des großartigen Anthony Hopkins wegen eine ehrliche Chance verdient.</p>
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		<title>Troll Hunter</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 10:54:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[André Øvredal liebt seine Heimat und ihre Legenden. Vermutlich zumindest, denn sie waren Grund genug, 10 Jahre nach seinem ersten (und letzten) abendfüllenden Spielfilm wieder als Regisseur und Drehbuchautor aktiv zu werden.  Was die Vermarktbarkeit betrifft, macht er dabei auch gleich etwas richtig, denn Troll Hunter lässt sich mit wenigen Worten ebenso griffig wie treffend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/04/17/troll-hunter/"><img class="alignnone size-full wp-image-3560" title="The-Troll-Hunter" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/04/The-Troll-Hunter.png" alt="" width="180" height="255" /></a>André Øvredal liebt seine Heimat und ihre Legenden. Vermutlich  zumindest, denn sie waren Grund genug, 10 Jahre nach seinem ersten (und  letzten) abendfüllenden Spielfilm wieder als Regisseur und Drehbuchautor  aktiv zu werden.  Was die Vermarktbarkeit betrifft, macht er dabei auch  gleich etwas richtig, denn <em>Troll Hunter</em> lässt sich mit wenigen Worten ebenso griffig wie treffend beschreiben: <em>Blair Witch Projekt</em> mit Trollen.   Das war es dann auch schon. Wir haben eine junge  Filmcrew, die in die Pampa reist, um einer fixen Idee hinterher zu jagen  (in diesem Fall einem Interview mit einem Wilderer), einen wahren  Höllentrip durchlebt und letztlich spurlos verschwindet. Bis es so weit  ist, darf viel mit der Kamera gewackelt und herum geschrien werden. Und  bis es überhaupt SO WEIT ist, wird sinnlos herum gefilmt, um die Figuren  beiläufig einzuführen.</p>
<p><span id="more-3558"></span>Dieses erste Drittel des Films ist es, das <em>Troll Hunter</em> beinahe  zu Fall bringt. Die Einführung von Figuren, Thema und Setting ist so  hirnerweichend öde, dass selbst die himmelschreiende Ignoranz der  Protagonisten dagegen verblasst. Nach einem gefühlten Dutzend Filmen  ähnlicher Machart hätte ein kompromissloserer Einstieg, der mehr auf  Realismus setzt, durchaus punkten können. Zu allem Überfluss bleibt die  Crew über die gesamte Laufzeit blass und konturlos, was es schwer macht,  nicht von Zeitverschwendung zu sprechen.</p>
<p>Apropos Realismus: Wann die Kamera läuft, was aufgenommen wird und wo es  zu freiwilligen oder unfreiwilligen Unterbrechungen kommt, ist  zweifellos essenziell für die Glaubwürdigkeit eines Films, der einen  dokumentarischen Stil verfolgt. Spätestens seit bei <em>Cloverfield</em> ein überspieltes Band die Gelegenheit zu Rückblenden gab, kann niemand  mehr behaupten, die Stilistik erlaube keine erzählerischen Freiheiten.  Umgekehrt nimmt man als Zuschauer durchaus wahr, wenn die Kamera auch in  Momenten läuft, die kein Kameramann, der mehr als 2 Sinne beisammen  hat, aufzeichnen würde. <em>Troll Hunter</em> ignoriert all das und zeigt stets, wonach dem schlichten Drehbuch der Sinn steht &#8211; kreatives Erzählen sieht anders aus.</p>
<p>Aber Logik, Realismus und Glaubwürdigkeit sind ohnehin keine Aspekte, um  die sich das Publikum schert; es will doch jeder nur die Trolle sehen.  Und hier zeigt sich dann endlich ein maßgeblicher Unterschied zu Blair  Witch und Co: Der Film geniert sich nicht, die titelgebenden Monster  zeitig und ausgiebig zu zeigen. Im Gegenteil: Anstatt mit dem Auftritt  der Fabelwesen noch weiter in die Knie zu gehen, punktet <em>Troll Hunter</em> mit eindrucksvoll inszenierten und animierten Auftritten, deren Wucht für die dringend benötigte Spannung sorgt.</p>
<p>Letztendlich sind es diese überraschend guten Produktionswerte sowie das Sounddesign, die Troll Hunter vor dem Krepieren retten. Die Trolle sind nicht nur toll animiert, sie lassen eine große Liebe zu den Figuren erkennen, die man aus Märchen und Legenden kennt. Auf Basis der Geräuschkulisse, dem Rumoren der massigen Wesen in der Dunkelheit, macht sich dann sogar stellenweise die erhoffte Beklemmung breit. Was in der öden Einleitung an Wohlwollen verspielt wurde, vermögen diese Szenen wieder einzufahren.</p>
<p>Bleibt das Problem der Stilistik.</p>
<p>&#8220;You&#8217;ll believe it when you see it!&#8221;, verkündet eines der Kinoplakate vollmundig. Der Film selbst lässt halbwegs erkennen, wie ironisch dieses Versprechen gemeint sein muss. Eine Zielgruppe, die jung und leichtgläubig genug ist, um sich von Dokumentationsfilm-Stilistik und CGI täuschen zu lassen, dürfte noch schwerer zu finden sein als die titelgebenden Fabelwesen. Wenn Troll Hunter aber eine Mockumentary sein soll, lässt er dies selten erkennen. Zu deutlich ist die Anbiederung an das Erfolgsrezept von Filmen wie Blair Witch Project und Cloverfield. Was an Absurditäten und Unglaubwürdigkeiten abseits der Filmprämisse präsentiert wird, kann nur auf sehr abstrakter Ebene als Kommentar auf die vergleichbaren Vorgänger gewertet werden. Trotz eines zähen ersten Drittels und den Ermüdungserscheinungen der Erzählweise ist Troll Hunter ein solider Dokugrusel, der allein schon seiner brachialen Soundkulisse wegen im Kino genossen werden sollte. Ansonsten kann es passieren, dass man mit der heimischen Anlage die Trolle der Nachbarschaft weckt.</p>
<p>Nach Metropia und Dead Snow endlich mal wieder ein netter, wenn auch nicht nennenswerter, innovativer Norweger.</p>
<p>(Diese Kritik ist im Original auf <a href="http://www.moviegod.de/kino/kritik/1717/troll-hunter">Moviegod.de</a> erschienen)</p>
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