Zeitreisen sind möglich. Zumindest in die 90er. Nach der Rezension der Schlaftablette WALL STREET – MONEY NEVER SLEEPS lieh mir ein Insider HIGH SPEED MONEY, mit der Anmerkung, der Film sei nicht frei von Schwächen, fange die Mentalität der Branche aber treffender ein. Was diesen letzteren Aspekt betrifft, kann ich mir kein Urteil anmaßen. Doch wenn ROGUE TRADER (so der Originaltitel) einen Eindruck vermittelt, dann den der Glaubwürdigkeit. Kunststück – er basiert auf einer wahren Geschichte.
Zum Lieferumfang handelsüblicher Serienkiller-Thriller gehört genau ein Psychopath. Je nachdem, wo man bestellt, erhält man eventuell noch einen manischen Ermittler als Dreingabe. Ausnahmen gibt es, doch selbst diese stellt GOOD NEIGHBORS mühelos in den Schatten, denn der kanadische Indie-Streifen kommt mit sage und schreibe drei Verrückten daher, die als benachbartes Protagonistentrio alle Hauptrollen abdecken.
Gut zwei Wochen schiebe ich diese Rezension bereits vor mir her, und wie es der Zufall so will, entspricht dies ziemlich genau der gefühlten Spieldauer von WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS.
Gut, dass ist vielleicht ein wenig übertrieben. Folgende Einschätzung leider nicht: Genauso wenig, wie ich wusste, was ich über dieses belanglose Bildgeplätscher schreiben könnte, genauso wenig scheint Oliver Stone gewusst zu haben, was er eigentlich erzählen möchte.
Französische Küche, französischer Käse, französischer Wein. Erkennt man alles, was aus Frankreich kommt, am Geschmack? Im Falle von 22 BULLETS lautet die Antwort: ja.
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Rachefilme sind wie ihre Protagonisten. Einfach nicht tot zu kriegen. Dabei hat das Genre seine Blütezeit längst hinter sich. Als Darsteller wie Charles Bronson in den 70er und 80er Jahren der Selbstjustiz ein Gesicht gaben und jegliche Zwischentöne vom Mündungsfeuer ihrer Schusswaffen überblendet wurden, war die Welt noch in Ordnung – beziehungsweise eben nicht, was den hauptsächlich mittelmäßigen bis gotterbärmlichen Produktionen einiges an Rückenwind bescherte. Dann kamen die 90er, und die Filme verschwanden in den Actionregalen der Videotheken und im Nachtprogramm der Privatsender, um schließlich auf billig produzierten VHS-Kassetten in den Wühltischen der Supermärkte zu vergammeln. Die Welt war immer noch nicht in Ordnung, aber Rachefilme alter Schule waren out.
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THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED war ein Geheimtipp auf dem 24. Fantasy Filmfest 2010, der ohne die Konkurrenz von FOUR LIONS gute Chancen gehabt hätte, zum Gewinner des FRESH BLOOD Wettbewerbs gekürt zu werden. Das Erstlingswerk von J Blakeson, der auch das Drehbuch schrieb, präsentiert sich als geradliniger, bissiger Thriller, der auf übertriebene Gewalt und zwanghaftes Schockieren verzichtet. Dafür kann man ihn nicht genug loben, besonders da die eröffnenden Minuten, in denen zwei schweigsame Männer ein Zimmer flucht- und schalldicht versiegeln, zunächst Schlimmstes erwarten lassen. Was folgt, ist jedoch kein Abstieg in die finstersten Abgründe menschlicher Triebe, sondern ein Kammerspiel mit großartiger Dynamik zwischen den lediglich drei Figuren, mit denen der Film auskommt.
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LEAVES OF GRASS ist, wenn man so will, ein klassischer Geheimtipp. Ihm wurde verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit zuteil, als er im Kino lief, was heutzutage aber sowieso in erster Linie von Budget oder – alternativ – Skandalpotenzial abhängig scheint. Mangels beider bleibt einem Film, der weder überdrehte Komödie noch verkitschte Romanze ist, lediglich die eitle Bedeutungslosigkeit der Programmkinos. Mit Edward Norton in einer Doppelrolle hatte er zwar zwei sehr talentierte Darsteller in der Besetzungsliste (Susan Sarandon in einer kleinen Nebenrolle nicht eingerechnet), doch wenn wir ehrlich sind, hat Norton die Blütezeit seiner Popularität in weiten Teilen der Gesellschaft hinter sich. Da nützt es auch wenig, wenn er auf dem Schizophrenie andeutendem, deutschen DVD-Cover in bester FIGHT CLUB Manier finster dreinschaut.
Die Schnitzeljagd (oder: Schnipseljagd) hat Tradition, bietet sie – als Krimi, Abenteuerfilm oder Agententhriller getarnt – doch den willkommenen Vorwand, einen oder mehrere Protagonisten quer über den Globus zu hetzen, und so den mehr oder minder inspirierten Plot mit malerischen Drehorten zu dekorieren. Dass ILLUMINATI einer jener Filme ist, sollten nicht nur Kenner der Romanvorlage bereits mitbekommen haben.
Im Gegensatz zu einem Buch, das den Leser per Definition aktiver ans Geschehen bindet als ein Film, lässt die von Tom Hanks geführte Rom-Tour jedoch viel Luft zum Stellen unbequemer Fragen, allen voran: warum man ausgerechnet einen Synchronsprecher für Hanks nehmen musste, dessen quäkige Stimme in Kombination mit seiner bierernsten Visage unfreiwillige Komik heraufbeschwört.