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Takeshi Kitano hat viele Gesichter. Die Einen kennen (und lieben) ihn für seine schnörkellosen Thriller (VIOLENT COP, BROTHER, OUTRAGE), die Anderen eher für seine poetisch-grausamen Werke (SONATINE, HANA BI, BOILING POINT). Wer sich Fan schimpft, schreckt auch nicht vor den ganz ruhigen (KIKUJIROS SOMMER, DOLLS) oder den eher unbekannten Arbeiten (TAKESHIS, ALL GLORY TO THE FILMMAKER) zurück. Und selbst das klammert noch einiges aus (ZATOICHI) und verdrängt anderes (TAKESHIS CASTLE, GETTING ANY?, diverse weniger glückliche Auftritte als Beat Takeshi, etc.), teilweise gnädig. Kitano ist Regisseur, Schauspieler, Autor, Künstler, ein exzentrisches Multitalent mit einem einzigartigen Stil und Humor.
Was für ein Film! ENTER THE VOID kann man mit einer Inbrunst hassen, die ihresgleichen sucht. Nicht, weil er per se viel Angriffsfläche bietet, sondern weil er bedingungslose Hingabe vom Zuschauer verlangt. Sperrig erzählt, gewöhnungsbedürftig gefilmt und unkonventionell strukturiert vermag er – wortwörtlich – von der ersten Sekunde an auf die Nerven zu gehen. Wem es aber gelingt, sich auf ihn einzulassen, wird in hohem Maß dafür entlohnt. ENTER THE VOID ist ein Film, in dem man sich verlieren kann – ja, muss – und der, wenn dies vollbracht ist, zu einer Reise wird, die noch lange im Zuschauer nachhallt.
Eine der wenigen Regeln, die ich für meine Rezensionen aufgestellt und nicht zwischenzeitlich wieder verworfen habe, lautet: Kritiken ausschließlich chronologisch einstellen, also in der Reihenfolge, in der ich auch die Filme gesehen habe. Dabei geht es ein wenig um Kontext (ein Melodram wird direkt nach zwei Slashern anders abschneiden als unter seinesgleichen), sondern in erster Linie aber ums Prinzip. Filmtagebuch und so. Ab und zu bremst mich das aus, doch früher oder später bekommt jeder sein Fett weg. Kommt Zeit, kommt Wort. Luxus eines Hobbykritikers.
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Kann ein Film über Kritik erhaben sein? Es gibt Filmemacher, die sich darauf berufen, indem sie ihre Machwerke als Kunst deklarieren. RUBBER hat das nicht nötig. RUBBER stellt sich dem Vorwurf, den seine Grundidee unweigerlich provoziert, mit der schlimmsten Sache, die einen Film eröffnen kann (von einer Traumsequenz mal abgesehen): Einem ausufernden Monolog, direkt ans Publikum gerichtet. Diesem gelingt jedoch, woran solche Prologe sonst zwangsläufig scheitern – er rückt das Kommende ins rechte Licht, ohne den Zuschauer zu bevormunden, und fügt sich dabei bereits unmerklich in das Filmgeschehen ein. Mehr noch: Er demonstriert durch Inhalt und Inszenierung seine eigentliche Aussage, bevor er sie artikuliert, und beweist damit, dass die Prämisse funktioniert. Auch was vollkommen sinnfrei und beliebig scheint, kann unterhaltsam sein, wenn man nur frech und kompromisslos genug ist, seine Idee durchzuziehen.
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Am Anfang dieser Kritik stand ursprünglich eine irrsinnig clevere Einleitung, die damit begann, dass Konversationskärtchen überflüssig seien, solange es Filme gibt, über die sich leidenschaftlich und hitzig diskutieren lässt. Abgesehen davon, dass die Überleitung ziemlich austauschbar klingt (lies: hinkt) und Gesprächsthemenwahl auf Basis vorgefertigter Stichworte grundsätzlich höchst verwerflich ist, hatte dieser Vergleich zwei Probleme: Erstens hielt er sich für cleverer, als er tatsächlich war. Zweitens fiel mir ein, dass ich mir die Mühe eines eloquenten Aufbaus sparen konnte, wenn ich mich statt dessen in simple Obskurität stürzte. Wie es der Zufall so will, sind dies auch die Makel, die METROPIA zu Fall bringen.
Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen – separat – für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur an Präsenz gewonnen sondern, angereichert mit neuen Interessen, zu seiner Vollendung gefunden hat. Somit ist THE LIMITS OF CONTROL auf seine Weise ein zutiefst nachdenklicher, vielschichtiger und durchaus kluger Film geworden.
VALHALLA RISING ist der womöglich am schwierigsten zu rezensierende Film, den ich in den vergangenen Monaten zu Gesicht bekommen habe. Deshalb will ich gar nicht erst versuchen, diesen Beitrag sauber zu strukturieren und mit einem gewissen Konzept vorzugehen. Bei einem Film, der nicht eindeutig erkennen lässt, ob Regisseur und Co-Autor (Nicolas Winding Refn) selbst eines hatte, wäre dies ohnehin müßig.
Belassen wir es deshalb bei den Fakten: VALHALLA RISING ist ein esoterischer Wikingerfilm, der sich ein, zwei historisch belegte Details schnappt und diese vollkommen frei und fiktiv aufbereitet. Das Ergebnis ist mehr Trip als Film, was angesichts der Inszenierung auch definitiv beabsichtigt war. WEITER
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Ungefähr einmal im Jahr, und dieser Anlass ist für mich stets Grund zu großer Freude, kommt mehr oder minder unerwartet ein Film daher, der nicht nur positiv überrascht und die (meist eher moderaten) Erwartungen überflügelt, sondern in jedem Aspekt voll überzeugt. KONTROLL (der U-Bahn-, nicht der Musikerfilm) war so ein Fall, KISS KISS BANG BANG ein anderer, THE LOOKOUT (dt: Die Regeln der Gewalt) ein weiterer. THE FALL ist auch so ein … Fall, und diesmal hätte ich im Vorfeld eine kleine Summe dagegen gewettet.