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	<title>The Midnight Screening &#187; kunst</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Achilles and the Tortoise</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Apr 2011 12:29:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Takeshi Kitano hat viele Gesichter. Die Einen kennen (und lieben) ihn für seine schnörkellosen Thriller (VIOLENT COP, BROTHER, OUTRAGE), die Anderen eher für seine poetisch-grausamen Werke (SONATINE, HANA BI, BOILING POINT). Wer sich Fan schimpft, schreckt auch nicht vor den ganz ruhigen (KIKUJIROS SOMMER, DOLLS) oder den eher unbekannten Arbeiten (TAKESHIS, ALL GLORY TO THE [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/04/19/achilles-and-the-tortoise"><img class="alignnone size-full wp-image-3568" title="Achilles and the tortoise" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/04/achilles-tortoise.png" alt="" width="180" height="254" /></a>Takeshi Kitano hat viele Gesichter. Die Einen kennen (und lieben) ihn für seine schnörkellosen Thriller (VIOLENT COP, BROTHER, OUTRAGE), die Anderen eher für seine poetisch-grausamen Werke (SONATINE, HANA BI, BOILING POINT). Wer sich Fan schimpft, schreckt auch nicht vor den ganz ruhigen (KIKUJIROS SOMMER, DOLLS) oder den eher unbekannten Arbeiten (TAKESHIS, ALL GLORY TO THE FILMMAKER) zurück. Und selbst das klammert noch einiges aus (ZATOICHI) und verdrängt anderes (TAKESHIS CASTLE, GETTING ANY?, diverse weniger glückliche Auftritte als Beat Takeshi, etc.), teilweise gnädig. Kitano ist Regisseur, Schauspieler, Autor, Künstler, ein exzentrisches Multitalent mit einem einzigartigen Stil und Humor.<br />
<span id="more-3567"></span><br />
Man könnte also einfach fragen: Wie kann man Kitano NICHT lieben? Die Antwort ist relativ einfach und zugleich die Erklärung für diese sehr allgemeine, sehr ausufernde Einleitung: Weil er es einem in den letzten Jahren nicht gerade leicht gemacht hat. Seine letzten, eher künstlerischen Filme vor OUTRAGE, zum einen der schwer zugängliche TAKESHIS, zum anderen der vollkommen abstruse ALL GLORY TO THE FILMMAKER, waren schwere Brocken, an denen man selbst als Fan gut zu kauen hatte. Umso skeptischer durfte man vor dem dritten Teil dieser inoffiziellen Reihe, ACHILLES AND THE TORTOISE, sein.</p>
<p>Was nun folgt, ist weniger eine ernsthafte Rezension als ein Lobgesang. ACHILLES AND THE TORTOISE hat mich in allen Aspekten überrascht. Er ist zugänglicher als die letzten beiden Filme über Schauspielerei und das Filmemachen, und trifft auch eine klare, emotional wie intellektuell nachvollziehbare Aussage. Vor allem aber besticht er dadurch, trotz unterschiedlichster Nuancen und mehrerer Zeitsprünge immer stimmig und stimmungsvoll zu bleiben. Die einzelnen Szenen rangieren von humorvoll bis bizarr, von anrührend bis verstörend. Die wenigen Brüche in diesem durchweg homogenen Werk sind in der Geschichte selbst zu finden und zum einen durch diese berechtigt, zum anderen immer nachvollziehbar.</p>
<p>Im Wesentlichen erzählt der Film das Leben eines erfolglosen, fraglich talentierten Malers, und stellt dabei offen alles in Frage, was im weiteren Sinne mit Kunst zu tun hat. Genügt es, sich zur Kunst berufen zu fühlen, um etwas von Wert zu schaffen? Führt Beharrlichkeit irgendwann automatisch zu Qualität? Lässt sich Talent durch harte Arbeit ersetzen? Was ist Talent überhaupt, und wie kann man dieses erkennen? Sind es die Kunsthändler, die Qualität nur danach beurteilen, ob sie ein Bild verkaufen können? Die jederzeit bereit sind, einem Werk Bedeutung bei zu lügen, wenn sie einen Käufer finden, dessen Geschmack beeinflussbar und Naivität groß genug ist, und die den Künstler betrügen, wo sie können? Oder sind es die Mäzen und Familienangehörigen, die vor Stolz und Zuneigung blind für eine realistische Einschätzung werden? Was zählt die Meinung anderer Künstler, ab wann ist alles Kunst, und welche Rolle spielt Kunst für den Mann am Imbissstand? Welchen Wert hat es, an seinem Traum festzuhalten, diesen ohne Rücksicht von Kindheit bis ins hohe Alter zu verfolgen? Wohin muss eine solche Reise führen, welche Rolle spielt die Qualität der Werke für eine Bewertung dieser Hartnäckigkeit, und umgekehrt? Und ab welchem Punkt wird Willensstärke zur Manie, die sich unter keinen Umständen mehr rechtfertigen lässt?</p>
<p>All diesen Fragen stellt sich Kitano, und zeigt den Lebensweg seines Protagonisten von der tragischen Kindheit, die doch voller Magie steckt, über die kraftvolle Orientierungslosigkeit der Jugend, bis hin zum hohen Alter, indem der tiefe Glauben an die Kunst längst von Bitterkeit und der Verbissenheit des Alters infiziert wurde. Dabei geht Kitano, der sämtliche Werke in diesem Film selbst gemalt hat, mit seinem Alter Ego ebenso gnadenlos ins Gericht wie mit der Kunstwelt an sich, seien es eitle Galeristen oder manische Künstlerkollegen. Es ist kein Film über ein verkanntes Talent, das sein Glück sucht und sich in der Manier westlicher Erfolgsgeschichten allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Weg zum Erfolg bahnt. Es ist ein Film über Hingabe, Willen, Trotz, Beharrlichkeit und all die guten und schlechten Dinge und Erfahrungen, die diese Eigenschaften und Charakterzüge mit sich bringen. Und was noch viel wichtiger ist: Es ist ein ruhiger Film, der zwar eine klare Position  bezieht, seinen Zuschauern aber keine Stimmungen aufzwingt, sondern diesen erlaubt, selbst zu entscheiden, was noch komisch und was bereits erschreckend ist, und was man in einer konkreten Szene empfinden möchte. Lange ist ein kopfschüttelndes Schmunzeln nicht mehr so effektiv in sein Gegenteil verkehrt worden wie hier. Gerade wegen Kitanos stoischer Art, seiner vermeintlichen Gefühlskälte, ist ACHILLES AND THE TORTOISE wohl der ehrlichste Film, der je über Kunst gemacht wurde. Was Kitano zu sagen hat, hat universelle Gültigkeit. Das macht seinen Film zu Pflichtprogramm für jeden, der sich für oben genannte Fragen auch nur ansatzweise interessiert, denn der Protagonist könnte ebenso Musiker, Dichter, Bildhauer oder Schriftsteller sein.</p>
<p>Einzig das Ende wirkt etwas gewollt und somit unglaubwürdig, was sicher der gewünschten, abschließenden Botschaft des Films geschuldet ist. So begrüßenswert die Aussage für sich genommen auch sein mag, hätte sie mehr Zeit bzw. Vorbereitung gebracht. Man darf &#8211; minimaler Spoiler &#8211; sogar soweit gehen, einen generellen Mangel an Verständnis für Frauen darin zu sehen, was sich mit dem nicht zu leugnenden Problem Kitanos deckt, starke (und vor allem glaubwürdige) weibliche Figuren zu schaffen. Das ist ein Vorwurf, der sich angesichts seines Gesamtwerkes aufdrängt, und in dessen Kontext auch zwangsweise verziehen werden muss, hier aber störend auffällt, wenn man etwas mehr auf die Nebenfiguren achtet, als es die Handlung vorsieht. Etwas weniger Klischee und klassisches Rollenverständnis wäre eine interessante Dreingabe gewesen, Herrenkino und kulturelle Unterschiede hin oder her.</p>
<p>Wer diesen Artikel allen Ernstes durchgestanden hat, verträgt nun auch ein sehr persönliches Fazit.</p>
<p>Der Punkt ist, dass Kitanos Film unterm Strich für jene gedacht ist, die sich direkt oder indirekt von oben genannten Fragen betroffen sehen. Menschen, die künstlerisches Schaffen schätzen, dieses &#8211; und damit gegebenenfalls auch das eigene &#8211; jedoch kritisch bewerten und allergisch auf verklärte Sichtweisen reagieren. Es ist ein Film für Menschen, die Kunst gleichermaßen lieben und hassen, und an der Unterscheidung von Ehrlichkeit, Objektivität und Neurose verzweifeln.</p>
<p>Anders gesagt: Ich bewundere &#8211; und teile &#8211; den Schaffensdrang, der vielen Menschen innewohnt. Ich bin allerdings der Meinung, dass sich dieser an seinen Ergebnissen, und an der Art, wie er gelebt wird, messen lassen muss. Ich zweifle an, das Schaffen eo ipso Wert besitzt, und bin davon überzeugt, dass es eine gewisse Kompromisslosigkeit, eine gnadenlose Ehrlichkeit sich selbst und seiner Arbeit gegenüber braucht, um über bloße Spielerei hinaus zu wachsen.</p>
<p>Jedes Werte- und Bewertungssystem lässt sich in Frage stellen.<br />
Jede Form von Kreativität kategorisch wundervoll zu finden, ist jedoch keine Lösung.<br />
Diesen Standpunkt sehe ich in ACHILLES AND THE TORTOISE eindrucksvoll repräsentiert. Für mich (deshalb) nicht weniger als ein Meisterwerk.</p>
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		<title>Enter the void</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Apr 2011 10:44:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was für ein Film! ENTER THE VOID kann man mit einer Inbrunst hassen, die ihresgleichen sucht. Nicht, weil er per se viel Angriffsfläche bietet, sondern weil er bedingungslose Hingabe vom Zuschauer verlangt. Sperrig erzählt, gewöhnungsbedürftig gefilmt und unkonventionell strukturiert vermag er &#8211; wortwörtlich &#8211; von der ersten Sekunde an auf die Nerven zu gehen. Wem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/04/16/enter-the-void/"><img class="alignnone size-full wp-image-3544" title="enter-the-void" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/04/enter-the-void.png" alt="" width="180" height="246" /></a>Was für ein Film! ENTER THE VOID kann man mit einer Inbrunst hassen, die ihresgleichen sucht. Nicht, weil er per se viel Angriffsfläche bietet, sondern weil er bedingungslose Hingabe vom Zuschauer verlangt. Sperrig erzählt, gewöhnungsbedürftig gefilmt und unkonventionell strukturiert vermag er &#8211; wortwörtlich &#8211; von der ersten Sekunde an auf die Nerven zu gehen. Wem es aber gelingt, sich auf ihn einzulassen, wird in hohem Maß dafür entlohnt. ENTER THE VOID ist ein Film, in dem man sich verlieren kann &#8211; ja, muss &#8211; und der, wenn dies vollbracht ist, zu einer Reise wird, die noch lange im Zuschauer nachhallt.</p>
<p><span id="more-3539"></span>Doch worum geht es? ENTER THE VOID erzählt im Wesentlichen vom Sterben &#8211; und darin vom Leben &#8211; eines jungen Drogendealers in Tokio. Dieser stirbt &#8211; kein Spoiler &#8211; früh im Film und durchlebt, verstärkt von den Drogen, die er zuvor nahm, sein eigenes Ableben. Dieses wiederum gestaltet sich als hypnotischer Trip ineinander verschachtelter Szenen, der sich an dem orientiert, was das tibetische Buch der Toten beschreibt. Erinnerungen, Gegenwart und Visionen vermengen und verzahnen sich zu einer meditativen Reise, die das Wesen unseres Seins zu erfassen versucht, ohne sich auf eine Aussage einzulassen, die nur oberflächlich und willkürlich wirken könnte.</p>
<p>Regisseur Gaspar Noé, der bereits mit IRREVERSIBLE und MENSCHENFEIND harte, aufwühlende Filme abgeliefert hat, beweist hier einmal mehr den Mut, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Man sollte ihm aber nicht unterstellen, es darauf an zu legen, sein Publikum vor den Kopf zu stoßen. Er schockiert, ohne zwanghaft zu provozieren. Er lässt sich Zeit, ohne  zu langweilen. Vor allem aber bleibt die Notwendigkeit des Extremen in Form und Inhalt nachvollziehbar. Darin liegt die Brillanz seiner Arbeit. Letztlich verlangt er also nicht mehr und nicht weniger als Geduld und etwas Empathie.</p>
<p>Der Vollständigkeit halber sei betont, dass hier keinerlei Grenzüberschreitung erzwungen wird. Eine Szene wie in IRREVERSIBLE, die kaum mehr zu ertragen war, findet sich hier nicht. Es ist die bittersüße Grausamkeit des Seins, die Unvermeidbarkeit, mit der sich jede Seele verliert, die hier betroffen macht. Vor allem aber ist es die Form, die hypnotische Optik, der eindringliche Soundtrack, die ENTER THE VOID zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Ein Film, der wirklich etwas zu sagen hat, und die Mittel nicht scheut, dies zu tun &#8211; wie selten das geworden ist, versteht man erst, wenn man es an diesem Beispiel erlebt.</p>
<p>Noés Zugeständnisse an die Zugänglichkeit zeigen sich in kleinen Expositionen zu Filmbeginn, in der Wiederaufnahme von Motiven sowie klar differenzierbaren Erzählsträngen. Die stille Trauer, die er evoziert, wird dabei auf unterschwellige Weise vermittelt, was der heiklen Thematik besser gerecht wird als eine verkitschte Aneinanderreihung oberflächlicher Dialoge. Diese Herangehensweise legitimiert auch die Zeit, die er ENTER THE VOID zugesteht, seine Geschichte zu erzählen. Was er sagen will, braucht Zeit, sich zu entfalten, und die Bilder, die Noé heraufbeschwört, brauchen Luft, um zu atmen. Eine Geschichte, in der Zeit keinerlei Bedeutung mehr hat, darf sich nicht um die Konzentrationsfähigkeit, Geduld oder Blase seines Publikums scheren.</p>
<p>Sicher merkt man einigen Momenten an, auf einen konkreten Effekt hin konstruiert worden zu sein. Auch darf man sich fragen, ob die zweite Hälfte dem Film noch genug »gibt«. Die letzte Stunde erhält durch die Struktur des Film Legitimation, erreicht aber weder die emotionale noch die atmosphärische Dichte der ersten 1,5 Stunden. Man muss sich jedoch dann ebenso fragen, ob dieser Film mit einer wesentlich gekürzten, zweiten Hälfte noch funktioniert hätte. Was auf dem Schneidetisch der Theorie harmoniert, muss in der Praxis nicht mit gleicher Konsequenz funktionieren.</p>
<p>Abschließend kann es nur eine Empfehlung geben: Ansehen. Sofern nicht schon geschehen, keinen Trailer suchen, keine Kritiken wälzen. Einfach kaufen oder ausleihen. Er ist das Risiko wert.</p>
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		<title>Das Kabinett des Dr. Parnassus.</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Dec 2010 10:55:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine der wenigen Regeln, die ich für meine Rezensionen aufgestellt und nicht zwischenzeitlich wieder verworfen habe, lautet: Kritiken ausschließlich chronologisch einstellen, also in der Reihenfolge, in der ich auch die Filme gesehen habe. Dabei geht es ein wenig um Kontext (ein Melodram wird direkt nach zwei Slashern anders abschneiden als unter seinesgleichen), sondern in erster [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/12/11/das-kabinett-des-dr-parnassus/"><img class="alignnone size-full wp-image-3328" title="dr_parnassus_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/12/dr_parnassus_poster.jpg" alt="" width="180" height="254" /></a>Eine der wenigen Regeln, die ich für meine Rezensionen aufgestellt und nicht zwischenzeitlich wieder verworfen habe, lautet: Kritiken ausschließlich chronologisch einstellen, also in der Reihenfolge, in der ich auch die Filme gesehen habe. Dabei geht es ein wenig um Kontext (ein Melodram wird direkt nach zwei Slashern anders abschneiden als unter seinesgleichen), sondern in erster Linie aber ums Prinzip. Filmtagebuch und so. Ab und zu bremst mich das aus, doch früher oder später bekommt jeder sein Fett weg. Kommt Zeit, kommt Wort. Luxus eines Hobbykritikers.</p>
<p><span id="more-3324"></span></p>
<p>Umso irritierender ist es, wenn ich &#8211; wie nun geschehen &#8211; feststellen muss, dass ein Film in meiner ToDo-Liste fehlt. DAS KABINETT DES DR. PARNASSUS war irgendwann während oder direkt nach dem FANTASY FILMFEST endlich in meinem DVD-Player, danach nicht aber auf besagter Liste, gelandet. Und nun sitze ich an einer Kritik zu einem Film, den ich komplett vergessen hätte, wäre ich in der Videothek nicht zufällig wieder über das Cover gestolpert.</p>
<p>Was kann man also über einen Film schreiben, den man fast vergessen hat? Zum einen, dass vom Film selbst, nun da ich drüber nachdenke, erstaunlich viel hängen geblieben ist. Dies ist sicher in erster Linie der Fantasiewelt von Gilliam zuzuschreiben, der auch dieses Werk randvoll mit schrägen Ideen und wundervoll surrealistischen Details gepackt hat. Sowohl die Dimensionen des Unterbewußtseins, die im späteren Verlauf des Films in den Vordergrund rücken, als auch die »Realität«, in der Dr. Parnassus mit seinen Schaustellern in einem kuriosen Gefährt von Platz zu Platz fährt, um Passanten für die Show zu begeistern, sind mit sehr viel Liebe gestaltet. Sie erinnern auf positive Weise an Klassiker der 80er und 90er Jahre wie KÖNIG DER FISCHER, BRAZIL, und lassen Enttäuschungen wie THE BROTHERS GRIMM und TIDELAND fast vergessen.</p>
<p>Zurück zu den bewährten Wurzeln, könnte man also meinen, und in visueller Hinsicht ist das auch der Fall. Erzählerisch muss man jedoch leider bemerken, dass dem Altmeister das Zepter mehr als einmal aus der Hand gerutscht ist. Ohne es an einzelnen Szenen festmachen zu können, wirkt der Film mit seiner Geschichte über die Wette von Dr. Parnassus mit dem Teufel und dem daraus resultierenden Wettstreit um Seelen so ziellos wie die Tourplanung des verkappten Magiers. Weder die Konflikte innerhalb der Gruppe noch das Wettrennen zwischen Gut und Böse vermögen richtig zu greifen. Selbiges gilt für das aufgesetzte Rätsel um den namenlosen Neuzugang (Heath Ledger), dessen Lösung uninteressanter nicht sein könnte, sowie die zarte Romanze, die dieser Figur später als Motivation dienen soll.</p>
<p>Dass man auf diese Weise dazu verdammt wird, Zuschauer zu bleiben, weist insbesondere eine gewisse Ironie auf, da Dr. Parnassus sein Publikum stets einbezieht, und sie zu einem unentbehrlichen Teil seiner Darbietung macht. Dass die Teilnehmer sich in den von ihrem Unterbewusstsein kreierten Fantasiewelten für das Gute oder das Böse entscheiden sollen, ist leider viertelherzig umgesetzt und somit über weite Strecken kaum glaubhaft nachvollziehbar.</p>
<p>Nun ist und bleibt es erfreulich, dass es Filmemacher gibt, die über rege Kreativität verfügen und ihr Publikum in erster Linie in beeindruckend austaffierte Fantasiewelten entführen. Tim Burton macht mittlerweile auch nicht anderes mehr, als auf seinem Stil herum zu reiten. Im Hinblick auf Gilliams Filmografie muss man aber ernüchtert erkennen, dass dieser Film  es keinesfalls in die Liste der Titel schaffen wird, die in einem Atemzug mit ihrem Schöpfer genannt werden. Da ändert auch das Staraufgebot (Heath Ledger, zu dem ich hier absichtlich nicht viel weiter sagen möchte, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farell) wenig, das sich durch die Bank in bester Spiellaune zeigt. Wer beispielsweise Tom Waits mal wieder in einer für ihn geeigneten Rolle spielen sehen will, macht mit diesem Film einen besseren Griff als bei THE BOOK OF ELI. Aber das ist ja leider auch kein großes Lob.</p>
<p>Mir ist klar, dass die Einleitung diese Rezension diskreditiert. Aber so ist es eben mit Enttäuschungen: die bleiben gut im Gedächtnis haften. Dass es Gilliam gelang, den Film trotz des unerwartenen Ablebens eines seiner Hauptdarsteller mit einem halbwegs respektablen Ergebnis zu vollenden, verdient Respekt und Beachtung. Die Produktionsgeschichte wird aber in ein paar Jahren niemanden mehr interessieren. Dann muss der Film unkommentiert für sich stehen können, und dann reduziert er sich auf das, was ein paar Teile bilden, die sich nicht zu einer magischen Summe zusammen fügen wollen:</p>
<p>Ein putziges aber schlecht erzähltes Märchen mit bezaubernden Ideen, das weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Schade.</p>
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		<title>Rubber.</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Nov 2010 11:30:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kann ein Film über Kritik erhaben sein? Es gibt Filmemacher, die sich darauf berufen, indem sie ihre Machwerke als Kunst deklarieren. RUBBER hat das nicht nötig. RUBBER stellt sich dem Vorwurf, den seine Grundidee unweigerlich provoziert, mit der schlimmsten Sache, die einen Film eröffnen kann (von einer Traumsequenz mal abgesehen): Einem ausufernden Monolog, direkt ans [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/11/20/rubber/"><img class="alignnone size-full wp-image-3320" title="rubber_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/11/rubber_poster.jpg" alt="" width="180" height="254" /></a>Kann ein Film über Kritik erhaben sein? Es gibt Filmemacher, die sich darauf berufen, indem sie ihre Machwerke als Kunst deklarieren. RUBBER hat das nicht nötig. RUBBER stellt sich dem Vorwurf, den seine Grundidee unweigerlich provoziert, mit der schlimmsten Sache, die einen Film eröffnen kann (von einer Traumsequenz mal abgesehen): Einem ausufernden Monolog, direkt ans Publikum gerichtet. Diesem gelingt jedoch, woran solche Prologe sonst zwangsläufig scheitern &#8211; er rückt das Kommende ins rechte Licht, ohne den Zuschauer zu bevormunden, und fügt sich dabei bereits unmerklich in das Filmgeschehen ein. Mehr noch: Er demonstriert durch Inhalt und Inszenierung seine eigentliche Aussage, bevor er sie artikuliert, und beweist damit, dass die Prämisse funktioniert. Auch was vollkommen sinnfrei und beliebig scheint, kann unterhaltsam sein, wenn man nur frech und kompromisslos genug ist, seine Idee durchzuziehen.<br />
<span id="more-3319"></span><br />
Diese Argumentation ließe sich nun problemlos auf viele, zweifelsfrei missratene Machwerke übertragen, wäre da nicht die eigentliche Handlung des Films, die selbst dem ANGRIFF DER KILLERTOMATEN das Wasser reichen kann. Irgendwo in der Einöde der amerikanischen Wüste kommt ein einsamer Autoreifen zu Bewusstsein. Vielleicht hatte er es immer schon, und ist nur aus einem tiefen Schlaf erwacht, vielleicht hat er es eben erst erlangt &#8211; der Zuschauer wird es niemals erfahren.<br />
Der Autoreifen erhebt sich, setzt sich zögerlich in Bewegung. Rollt los, erst mühsam und unstet, dann zunehmend sicherer und zielstrebiger. Als er merkt, dass er Gegenstände und Lebewesen zum explodieren bringen kann, gibt es für ihn kein Halten mehr. Er beginnt eine Tour de Force entlang einer endlosen Landstraße, verliebt sich auf seinem Weg in eine vorbeifahrende Französin, wird von der Polizei gejagt und &#8211; als wäre all das viel zu bodenständig &#8211; von einer Gruppe Zuschauer beobachtet, die dem Geschehnissen von einer Anhöhe aus mit Ferngläsern folgen. Dass dieses Meta-Publikum von einer unbekannten dritten Partei heran gekarrt und dann unvermittelt von einem Lakai jener Organisation vergiftet wird, spielt da schon kaum eine Rolle mehr. Ein Film, der vollkommene Grundlosigkeit mit solcher Freude zelebriert, ist seinem Publikum keine Erklärung schuldig.</p>
<p>Schade ist lediglich, dass dem Reifen im letzten Drittel ein wenig die Luft ausgeht. Auf die unfassbar brillante Eröffnung und den amüsant-irritierenden Mittelteil folgt ein Finale, dass trotz anarchischem Witz nicht mehr die Fassungslosigkeit provoziert, die der Film benötigt, um unterhaltsam zu bleiben. Das liegt nicht nur daran, dass man sich nach einer Weile auf die Erzählweise einstellt. Der augenzwinkernde Irrsinn der ersten Hälfte, der auch später sporadisch aufflackert, weicht plötzlich einem vagen Gefühl von Vertrautheit, einem Beigeschmack von Beliebigkeit, der auch mancher Kalauer-Kanone eines Jerry Zucker oder Jim Abrahams anhaftet. Statt den Zuschauer zu verblüffen, werden halbwegs nette Kalauer aufgefahren, die dann abrupt zu einem Finale führen, das mehr wie eine Applikation als ein elementarer Teil des Films wirkt. Das ist beileibe kein schlechter Stil, um einen solchen Film zu beenden, wie ein Höhepunkt fühlt es sich aber auch nicht an.</p>
<p>In der kurzen Ansprache, die der Vorstellung voraus ging, wies der Programmleiter des Fantasy Filmfests darauf hin, dass RUBBER sein Publikum spalte. Die Hälfte, hieß es, würden den Film hingebungsvoll hassen, die anderen ihn mit ebensolcher Inbrunst verehren. Auch wenn ich mich keiner der beiden Fronten voll zugehörig fühle, sollten zwei Tatsachen über jeden Zweifel erhaben sein: RUBBER ist die schrägste Kampfansage an cineastische Konventionen, die man in diesem Jahr zu sehen bekommen konnte &#8211; und der einführende Monolog, wie das Programmheft richtig beschrieb: »einer der ganz großen Kinomomente in diesem Jahr«.</p>
<p>Ob Regisseur Quentin Dupieux alias Mr. Oizo nach RUBBER noch etwas Gleichwertiges liefern oder zur Abwechslung eine ganz normale Geschichte erzählen kann oder will, lässt sich aktuell nur vermuten. Nach einem solchen Beitrag muss er das aber auch gar nicht mehr. Zumindest in diesem Punkt sind sich wohl beide Seiten einig.</p>
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		<title>Metropia.</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Sep 2010 10:47:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Anfang dieser Kritik stand ursprünglich eine irrsinnig clevere Einleitung, die damit begann, dass Konversationskärtchen überflüssig seien, solange es Filme gibt, über die sich leidenschaftlich und hitzig diskutieren lässt. Abgesehen davon, dass die Überleitung ziemlich austauschbar klingt (lies: hinkt) und Gesprächsthemenwahl auf Basis vorgefertigter Stichworte grundsätzlich höchst verwerflich ist, hatte dieser Vergleich zwei Probleme: Erstens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/09/26/metropia/"><img class="alignnone size-full wp-image-3194" title="Metropia" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/09/metropia.jpg" alt="" width="180" height="256" /></a>Am Anfang dieser Kritik stand ursprünglich eine irrsinnig clevere Einleitung, die damit begann, dass Konversationskärtchen überflüssig seien, solange es Filme gibt, über die sich leidenschaftlich und hitzig diskutieren lässt. Abgesehen davon, dass die Überleitung ziemlich austauschbar klingt (lies: hinkt) und Gesprächsthemenwahl auf Basis vorgefertigter Stichworte grundsätzlich höchst verwerflich ist, hatte dieser Vergleich zwei Probleme: Erstens hielt er sich für cleverer, als er tatsächlich war. Zweitens fiel mir ein, dass ich mir die Mühe eines eloquenten Aufbaus sparen konnte, wenn ich mich statt dessen in simple Obskurität stürzte. Wie es der Zufall so will, sind dies auch die Makel, die METROPIA zu Fall bringen.<br />
<span id="more-3192"></span><br />
Kein Zweifel: Der Animationsfilm ist sehr hübsch anzusehen. Die Hingabe, die in den visuellen Stil des Films investiert wurde, ist beachtlich und sehr lobenswert, da es dem Film auf diese Weise tatsächlich gelingt, sich von dem Gros seiner Kollegen zu distanzieren. Die Optik ist demnach zweifellos METROPIAs Alleinstellungsmerkmal, was den Film vielleicht &#8211; aber auch nur vielleicht &#8211; mit RENAISSANCE vergleichbar macht. Dieser bezog seinen Charme ebenfalls aus dem Spiel mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers und wies sogar gewisse inhaltliche Parallelen auf.</p>
<p>Leider ist hinter der hochästhetischen Fassade nicht viel Substanz. Der generische Verschwörungsplot tröpfelt uninspiriert vor sich hin, und der Versuch, für die Dystopie realistisch wirkende Dialoge zu kreieren, resultiert in ebenso anstrengendem wie inhaltlosen Geschwätz, dass sich fortwährend in Fragmenten und Phrasen verliert. Daran ändern auch die prominenten Sprecher (Stellan Skarsgård, Udo Kier, Juliette Lewis) wenig. Wären da nicht die ansehnliche Präsentation, METROPIA würde nach spätestens der Hälfte untergehen. Der Effekt erinnert ein wenig an jenen, der sich bei 3D-Filmen einstellt, wenn man sich erst einmal an die Tiefenwirkung gewöhnt hat.</p>
<p>Am meisten stören jedoch jene Elemente, bei denen man nicht sicher sein kann, ob sich der Film für klüger hält, als er ist, oder &#8211; mit einem Augenzwinkern &#8211; darauf abzielt, den Zuschauer am Subtext teilhaben zu lassen, indem er diesen an die Oberfläche holt. Ein Beispiel für diese Form bewusster Banalität ist das Shampoo, dessen Verwendung die Reise des Protagonisten einläutet. Dieses trägt den Namen »D‘Angst«, was in einem dystopischen Animationsfilm ungefähr so ist, als würde man einen bleichen Hacker »E-Milk« nennen. Solche Spielereien mögen das ein oder andere Schmunzeln provozieren, festigen aber auch das Gefühl, gerade die Abschlussarbeit eines Studenten zu sehen.</p>
<p>Schlussendlich verliert METROPIA lange vor seinem uninspirierten Ende jeglichen Bewegungsmoment, was ihn zu einer bloßen Design-Studie verkommen lässt, die man sich mal ansehen kann, aber nicht im Regal stehen haben muss. Früher oder später wird der Stil vielleicht von jemandem kopiert, der dem erzählerischen Herausforderungen besser gewachsen ist.</p>
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		<title>The Limits of Control.</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 11:57:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<category><![CDATA[filme]]></category>
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		<description><![CDATA[Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen &#8211; separat &#8211; für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/08/30/the-limits-of-control/"><img class="alignnone size-full wp-image-3033" title="limits-of-control-poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/limits-of-control-poster.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen &#8211; separat &#8211; für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur an Präsenz gewonnen sondern, angereichert mit neuen Interessen, zu seiner Vollendung gefunden hat. Somit ist THE LIMITS OF CONTROL auf seine Weise ein zutiefst nachdenklicher, vielschichtiger und durchaus kluger Film geworden.</p>
<p><span id="more-3032"></span></p>
<p>Auf der anderen Seite darf man einen Film auch daran messen, wie »gewollt« er wirkt. Selbst schwerer Stoff braucht beizeiten eine gewisse Leichtfüßigkeit, nicht inhaltlich, wohlgemerkt, sondern in dessen Ausführung. Anders formuliert: Ein Film, der seine Botschaft stillschweigend vermitteln will, sollte die Geduld des Zuschauers nicht überstrapazieren. Jarmuschs Film ist aber wie ein Witz, den man 6 mal erzählen muss, um ihn zu verstehen. Erst durch die Wiederholung, das Nicht-Erzählen, den Mangel an Entwicklung und Ablenkung kann der Betrachter verstehen, was Jarmusch sagen will. Und ja, diese Aussage kann nicht artikuliert, vielleicht nicht einmal verstanden werden. Man kann sie nur fühlen. Wer COFFEE AND CIGARETTES zu unruhig und konzeptlos fand, kommt hier somit voll auf seine Kosten.</p>
<p>Auf seine Weise ist THE LIMITS OF CONTROL wahrscheinlich brillant. Dadurch, dass er sich stur jeglichem Plot verweigert, zwingt er aber auch zur Frage, ob daraus wirklich ein abendfüllender Spielfilm werden musste. Ich für meinen Teil hatte auch meine Arthaus-Phase mit den dazugehörigen Programmkinobesuchen. Neben vielen tollen, stillen Filmerlebnissen habe ich für mich allerdings auch die Erkenntnis mitgenommen, dass selbst das größte Kunstwerk unterhalten darf &#8211; ja manchmal sogar unterhalten sollte &#8211; wenn es wirklich beim Zuschauer ankommen und von ihm angenommen werden will. Ein Regisseur, der glaubt (oder weiß), nicht mehr gefallen zu müssen, macht vielleicht ungewöhnliche, aber nicht unbedingt wertigere Arbeit.</p>
<p>So breit sich dieser Film in meinem Kopf auch macht, einen Platz in meinem Herzen hat er nicht.</p>
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		<title>Valhalla Rising.</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 08:45:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[My Dear Diorama]]></category>
		<category><![CDATA[action]]></category>
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		<description><![CDATA[VALHALLA RISING ist der womöglich am schwierigsten zu rezensierende Film, den ich in den vergangenen Monaten zu Gesicht bekommen habe. Deshalb will ich gar nicht erst versuchen, diesen Beitrag sauber zu strukturieren und mit einem gewissen Konzept vorzugehen. Bei einem Film, der nicht eindeutig erkennen lässt, ob Regisseur und Co-Autor (Nicolas Winding Refn) selbst eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/08/28/valhalla-rising/"><img class="alignnone size-full wp-image-2998" title="valhalla_rising" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/valhalla_rising.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>VALHALLA RISING ist der womöglich am schwierigsten zu rezensierende Film, den ich in den vergangenen Monaten zu Gesicht bekommen habe. Deshalb will ich gar nicht erst versuchen, diesen Beitrag sauber zu strukturieren und mit einem gewissen Konzept vorzugehen. Bei einem Film, der nicht eindeutig erkennen lässt, ob Regisseur und Co-Autor (Nicolas Winding Refn) selbst eines hatte, wäre dies ohnehin müßig.</p>
<p>Belassen wir es deshalb bei den Fakten: VALHALLA RISING ist ein esoterischer Wikingerfilm, der sich ein, zwei historisch belegte Details schnappt und diese vollkommen frei und fiktiv aufbereitet. Das Ergebnis ist mehr Trip als Film, was angesichts der Inszenierung auch definitiv beabsichtigt war.<br />
<span id="more-2997"></span><br />
Von der Bodenständigkeit, die im eindrucksvollen Trailer herauf beschworen wurde, ist besonders im späteren Verlauf des Film jedenfalls wenig zu merken. Dafür gibt es jede Menge Kompromisslosigkeit, angefangen bei dem Umstand, dass Hauptdarsteller Mads Mikkelsen tatsächlich die gesamte Laufzeit über kein einziges Wort spricht. Dass dies halbwegs glaubhaft und nicht gekünstelt wirkt, ist sowohl dessen schauspielerischer Leistung als auch der Regie zu verdanken, die jedes andere Detail daran orientiert und sich somit vor allzu großen Verfremdungseffekten rettet. An diesen gibt es zwar trotzdem noch genug, bis zu deren Erscheinen hat man sich im Idealfall aber bereits an den eigenwilligen Stil und das generell eher Kurosawa-eske Verhältnis von Sprechtext (in Worten) zu Laufzeit (in Minuten)  gewöhnt.</p>
<p>Das alles klingt sicher sehr interessant, doch soll die Warnung davon nicht übertönt werden. VALHALLA RISING wirft ab einem gewissen Zeitpunkt jegliche Glaubwürdigkeit und jeden Realismus über Bord und konzentriert sich darauf, eine Stimmung zu transportieren, die mit den sperrigsten Szenen von APOKALYPSE NOW vergleichbar ist, ohne natürlich deren Niveau zu erreichen. Das bringt die Gefahr mit sich, den Film als sehr unbefriedigendes Erlebnis zu empfinden.<br />
Auf der anderen Seite ist es eben jene Dreistigkeit, die den Film aus der Masse heraus hebt, und den Zuschauer nach der klug bemessenen (nämlich kurzen) Laufzeit leicht betäubt in die Realität zurück wirft.</p>
<p>Angesichts dieser eigenwilligen Vermengung bleibt undurchdringlich, wie viel Substanz dem Film tatsächlich akkreditiert werden darf. Die Metaphorik, die Nicolas Winding Refn im Audiokommentar beschreibt, könnte mit etwas Finesse sicher demontiert und als Unsinn bezeichnet werden. Man kann sie aber auch akzeptieren und als Legitimation für die drastische Stilistik verwenden. Es fällt jedoch schwer, ein derartiges Urteil zu fällen, solange ein Rest-Zweifel bleibt, ob und wenn ja in welchem Umfang man den Film überhaupt verstanden hat, bzw. verstehen kann.</p>
<p>Gemessen an oben genannten Aspekten ist es wohl nur passend und gerecht, dass VALHALLA RISING das wohl mieseste, irreführendste DVD-Cover (siehe unten) erhalten hat, das man sich vorstellen kann. Geplant war offenbar, möglichst viel potenzielle Käufer mitzunehmen, indem man sich stilistisch dreist an 300 anbiedert. Dass der Film der dadurch geweckten Erwartungshaltung nicht gerecht wird bzw. werden kann, ist die gerechte Strafe für beide Seiten. Nebenbei erwähnt kommt das, was die Abbildung zeigt, nicht einmal ansatzweise im Film vor.</p>
<p>VALHALLA RISING ist entweder ein nihilistisches, sehr minimalistisches Testosteron-Paket für verhinderte Intellektuelle &#8211; oder ein stark improvisiertes, bewegtes Gemälde mit reichhaltiger Symbolik. Allein deshalb verdient er eine Erwähnung, und vielleicht sogar eine Chance. Man sollte aber vorsichtig dabei sein »Filmkunst« zu schreien, wenn berauschte, bärtige Männer im Schlamm übereinander herfallen.</p>
<div id="attachment_2999" class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/valhalla_rising_dvd.jpg" rel="lightbox[2997]"><img class="size-full wp-image-2999" title="Valhalla Rising - Das DVD Cover" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/valhalla_rising_dvd.jpg" alt="" width="450" height="526" /></a><p class="wp-caption-text">Wunderschön, nicht wahr?</p></div>
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		<title>The Fall.</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 11:20:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[My Dear Diorama]]></category>
		<category><![CDATA[drama]]></category>
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		<category><![CDATA[kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[Ungefähr einmal im Jahr, und dieser Anlass ist für mich stets Grund zu großer Freude, kommt mehr oder minder unerwartet ein Film daher, der nicht nur positiv überrascht und die (meist eher moderaten) Erwartungen überflügelt, sondern in jedem Aspekt voll überzeugt. KONTROLL (der U-Bahn-, nicht der Musikerfilm) war so ein Fall, KISS KISS BANG BANG [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2009/07/28/the-fall/"><img class="alignnone size-full wp-image-2277" title="The Fall - Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/07/fall1.jpg" alt="The Fall - Poster" width="104" height="146" /></a>Ungefähr einmal im Jahr, und dieser Anlass ist für mich stets Grund zu großer Freude, kommt mehr oder minder unerwartet ein Film daher, der nicht nur positiv überrascht und die (meist eher moderaten) Erwartungen überflügelt, sondern in jedem Aspekt voll überzeugt. KONTROLL (der U-Bahn-, nicht der Musikerfilm) war so ein Fall, KISS KISS BANG BANG ein anderer, THE LOOKOUT (dt: Die Regeln der Gewalt) ein weiterer. THE FALL ist auch so ein &#8230; Fall, und diesmal hätte ich im Vorfeld eine kleine Summe dagegen gewettet.<br />
<span id="more-2276"></span></p>
<div id="attachment_2278" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><img class="size-full wp-image-2278  " title="Skandal: Komasaufen jetzt auch im Regenwald!" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/07/fall2.jpg" alt="Deshalb meidet man am letzten Tag den Zeltplatz bei Rock im Park." width="460" height="265" /><p class="wp-caption-text">Deshalb meidet man am letzten Tag den Zeltplatz bei Rock im Park.</p></div>
<p>Zum einen ist es nicht unbedingt ein gutes Zeichen, wenn ein Regisseur und Filmemacher nach Jahren endlich sein »Traumprojekt« realisieren oder abschließen kann. Derlei Werke leiden gerne unter überbordender, symbolischer Schwere oder sind generell zu überfrachtet und / oder persönlich. Manchmal ist solch ein Film auch nur die konsequente Weiterentwicklung eines Stils, der in vorherigen Werken schon deutlich war, in seiner Vollendung aber nicht unbedingt besser (oder überhaupt) funktionieren muss. Siehe diesbezüglich Jim Jarmuschs LIMITS OF CONTROL, der deshalb recht einhellig verrissen wurde.</p>
<p>Eine solche Befürchtung greift umso mehr bei einem Filmemacher wie Tarsem, der in seinem einzigen vorherigen Werk THE CELL bereits durch brillante Bilder beeindruckte, ansonsten aber wenig vorzuweisen hatte. Dass dies zu einem guten Teil der hölzernen Hauptdarstellerin Lopez und dem unterdurchschnittlichen Drehbuch zuzuschreiben gewesen sein mag, ändert mangels weiterer Referenzen wenig. Schon damals stand die Symbolik der Handlung im Weg, und nichts, was man über THE FALL im Vorfeld erfuhr, trug dazu bei, die Sorge zu zerstreuen, dass sich dieser Effekt hier wiederholen könnte. Auch die späte Veröffentlichung hierzulande hätte man eher als schlechtes Zeichen interpretieren müssen.</p>
<div id="attachment_2279" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/07/fall4.jpg" rel="lightbox[2276]"><img class="size-full wp-image-2279" title="Die Liga der außergewöhnlich gekleideten Gentlemen." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/07/fall4.jpg" alt="Der Kostümbildner hatte MINDESTENS einen Orgasmus." width="460" height="247" /></a><p class="wp-caption-text">Der Kostümbildner hatte MINDESTENS einen Orgasmus.</p></div>
<p>Zusammenfassend lässt sich sagen: Man durfte von THE FALL nicht mehr erwarten als hochästhetische, malerisch komponierte Bilder mit hohem Symbolgehalt und eine zweckmäßige, aber nicht überwältigende Handlung.</p>
<p>Herausgekommen ist jedoch ein Juwel. Durch das gelungene Zusammenspiel von »realer« und »erzählter« Handlung im Film, durch das unprätentiöse Verschwimmen von Realität und Traumwelt, durch eine musikalische Untermalung, die kreativ, aber nicht aufdringlich geriet, durch sympathische, ungemein glaubwürdige Hauptdarsteller (Lee Pace und Catinca Untaru sind eine Offenbarung) und eine anrührende, aber nicht unnötig weinerliche Emotionalität ist THE FALL ein Meisterwerk geworden. Ich würde sogar soweit gehen, vom idealen Film zu sprechen, allein aus dem Grund, weil die Geschichte durch ihre visuelle Komponente, die nicht nur hübsch ist sondern viele Worte spart, in keinem anderen Medium funktioniert hätte.</p>
<div id="attachment_2280" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/07/fall3.jpg" rel="lightbox[2276]"><img class="size-full wp-image-2280" title="Die Superhelden-Azubis werden auch immer jünger." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/07/fall3.jpg" alt="Links: Der zweiarmige Bandit. Rechts: Wolverine." width="460" height="265" /></a><p class="wp-caption-text">Links: Der zweiarmige Bandit. Rechts: Wolverine.</p></div>
<p>THE FALL ist ein beeindruckendes Beispiel für Film- und Erzählkunst, das sich niemand entgehen lassen sollte. Eine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits, die ich lediglich deshalb bedaure, weil die Erwartungen damit zu hoch steigen.</p>
<p>Deshalb mein Rat:<br />
Vorher nochmal kurz an THE CELL denken, danach THE FALL erliegen.</p>
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