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	<title>The Midnight Screening &#187; kurioses</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Achilles and the Tortoise</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Apr 2011 12:29:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Takeshi Kitano hat viele Gesichter. Die Einen kennen (und lieben) ihn für seine schnörkellosen Thriller (VIOLENT COP, BROTHER, OUTRAGE), die Anderen eher für seine poetisch-grausamen Werke (SONATINE, HANA BI, BOILING POINT). Wer sich Fan schimpft, schreckt auch nicht vor den ganz ruhigen (KIKUJIROS SOMMER, DOLLS) oder den eher unbekannten Arbeiten (TAKESHIS, ALL GLORY TO THE [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/04/19/achilles-and-the-tortoise"><img class="alignnone size-full wp-image-3568" title="Achilles and the tortoise" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/04/achilles-tortoise.png" alt="" width="180" height="254" /></a>Takeshi Kitano hat viele Gesichter. Die Einen kennen (und lieben) ihn für seine schnörkellosen Thriller (VIOLENT COP, BROTHER, OUTRAGE), die Anderen eher für seine poetisch-grausamen Werke (SONATINE, HANA BI, BOILING POINT). Wer sich Fan schimpft, schreckt auch nicht vor den ganz ruhigen (KIKUJIROS SOMMER, DOLLS) oder den eher unbekannten Arbeiten (TAKESHIS, ALL GLORY TO THE FILMMAKER) zurück. Und selbst das klammert noch einiges aus (ZATOICHI) und verdrängt anderes (TAKESHIS CASTLE, GETTING ANY?, diverse weniger glückliche Auftritte als Beat Takeshi, etc.), teilweise gnädig. Kitano ist Regisseur, Schauspieler, Autor, Künstler, ein exzentrisches Multitalent mit einem einzigartigen Stil und Humor.<br />
<span id="more-3567"></span><br />
Man könnte also einfach fragen: Wie kann man Kitano NICHT lieben? Die Antwort ist relativ einfach und zugleich die Erklärung für diese sehr allgemeine, sehr ausufernde Einleitung: Weil er es einem in den letzten Jahren nicht gerade leicht gemacht hat. Seine letzten, eher künstlerischen Filme vor OUTRAGE, zum einen der schwer zugängliche TAKESHIS, zum anderen der vollkommen abstruse ALL GLORY TO THE FILMMAKER, waren schwere Brocken, an denen man selbst als Fan gut zu kauen hatte. Umso skeptischer durfte man vor dem dritten Teil dieser inoffiziellen Reihe, ACHILLES AND THE TORTOISE, sein.</p>
<p>Was nun folgt, ist weniger eine ernsthafte Rezension als ein Lobgesang. ACHILLES AND THE TORTOISE hat mich in allen Aspekten überrascht. Er ist zugänglicher als die letzten beiden Filme über Schauspielerei und das Filmemachen, und trifft auch eine klare, emotional wie intellektuell nachvollziehbare Aussage. Vor allem aber besticht er dadurch, trotz unterschiedlichster Nuancen und mehrerer Zeitsprünge immer stimmig und stimmungsvoll zu bleiben. Die einzelnen Szenen rangieren von humorvoll bis bizarr, von anrührend bis verstörend. Die wenigen Brüche in diesem durchweg homogenen Werk sind in der Geschichte selbst zu finden und zum einen durch diese berechtigt, zum anderen immer nachvollziehbar.</p>
<p>Im Wesentlichen erzählt der Film das Leben eines erfolglosen, fraglich talentierten Malers, und stellt dabei offen alles in Frage, was im weiteren Sinne mit Kunst zu tun hat. Genügt es, sich zur Kunst berufen zu fühlen, um etwas von Wert zu schaffen? Führt Beharrlichkeit irgendwann automatisch zu Qualität? Lässt sich Talent durch harte Arbeit ersetzen? Was ist Talent überhaupt, und wie kann man dieses erkennen? Sind es die Kunsthändler, die Qualität nur danach beurteilen, ob sie ein Bild verkaufen können? Die jederzeit bereit sind, einem Werk Bedeutung bei zu lügen, wenn sie einen Käufer finden, dessen Geschmack beeinflussbar und Naivität groß genug ist, und die den Künstler betrügen, wo sie können? Oder sind es die Mäzen und Familienangehörigen, die vor Stolz und Zuneigung blind für eine realistische Einschätzung werden? Was zählt die Meinung anderer Künstler, ab wann ist alles Kunst, und welche Rolle spielt Kunst für den Mann am Imbissstand? Welchen Wert hat es, an seinem Traum festzuhalten, diesen ohne Rücksicht von Kindheit bis ins hohe Alter zu verfolgen? Wohin muss eine solche Reise führen, welche Rolle spielt die Qualität der Werke für eine Bewertung dieser Hartnäckigkeit, und umgekehrt? Und ab welchem Punkt wird Willensstärke zur Manie, die sich unter keinen Umständen mehr rechtfertigen lässt?</p>
<p>All diesen Fragen stellt sich Kitano, und zeigt den Lebensweg seines Protagonisten von der tragischen Kindheit, die doch voller Magie steckt, über die kraftvolle Orientierungslosigkeit der Jugend, bis hin zum hohen Alter, indem der tiefe Glauben an die Kunst längst von Bitterkeit und der Verbissenheit des Alters infiziert wurde. Dabei geht Kitano, der sämtliche Werke in diesem Film selbst gemalt hat, mit seinem Alter Ego ebenso gnadenlos ins Gericht wie mit der Kunstwelt an sich, seien es eitle Galeristen oder manische Künstlerkollegen. Es ist kein Film über ein verkanntes Talent, das sein Glück sucht und sich in der Manier westlicher Erfolgsgeschichten allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Weg zum Erfolg bahnt. Es ist ein Film über Hingabe, Willen, Trotz, Beharrlichkeit und all die guten und schlechten Dinge und Erfahrungen, die diese Eigenschaften und Charakterzüge mit sich bringen. Und was noch viel wichtiger ist: Es ist ein ruhiger Film, der zwar eine klare Position  bezieht, seinen Zuschauern aber keine Stimmungen aufzwingt, sondern diesen erlaubt, selbst zu entscheiden, was noch komisch und was bereits erschreckend ist, und was man in einer konkreten Szene empfinden möchte. Lange ist ein kopfschüttelndes Schmunzeln nicht mehr so effektiv in sein Gegenteil verkehrt worden wie hier. Gerade wegen Kitanos stoischer Art, seiner vermeintlichen Gefühlskälte, ist ACHILLES AND THE TORTOISE wohl der ehrlichste Film, der je über Kunst gemacht wurde. Was Kitano zu sagen hat, hat universelle Gültigkeit. Das macht seinen Film zu Pflichtprogramm für jeden, der sich für oben genannte Fragen auch nur ansatzweise interessiert, denn der Protagonist könnte ebenso Musiker, Dichter, Bildhauer oder Schriftsteller sein.</p>
<p>Einzig das Ende wirkt etwas gewollt und somit unglaubwürdig, was sicher der gewünschten, abschließenden Botschaft des Films geschuldet ist. So begrüßenswert die Aussage für sich genommen auch sein mag, hätte sie mehr Zeit bzw. Vorbereitung gebracht. Man darf &#8211; minimaler Spoiler &#8211; sogar soweit gehen, einen generellen Mangel an Verständnis für Frauen darin zu sehen, was sich mit dem nicht zu leugnenden Problem Kitanos deckt, starke (und vor allem glaubwürdige) weibliche Figuren zu schaffen. Das ist ein Vorwurf, der sich angesichts seines Gesamtwerkes aufdrängt, und in dessen Kontext auch zwangsweise verziehen werden muss, hier aber störend auffällt, wenn man etwas mehr auf die Nebenfiguren achtet, als es die Handlung vorsieht. Etwas weniger Klischee und klassisches Rollenverständnis wäre eine interessante Dreingabe gewesen, Herrenkino und kulturelle Unterschiede hin oder her.</p>
<p>Wer diesen Artikel allen Ernstes durchgestanden hat, verträgt nun auch ein sehr persönliches Fazit.</p>
<p>Der Punkt ist, dass Kitanos Film unterm Strich für jene gedacht ist, die sich direkt oder indirekt von oben genannten Fragen betroffen sehen. Menschen, die künstlerisches Schaffen schätzen, dieses &#8211; und damit gegebenenfalls auch das eigene &#8211; jedoch kritisch bewerten und allergisch auf verklärte Sichtweisen reagieren. Es ist ein Film für Menschen, die Kunst gleichermaßen lieben und hassen, und an der Unterscheidung von Ehrlichkeit, Objektivität und Neurose verzweifeln.</p>
<p>Anders gesagt: Ich bewundere &#8211; und teile &#8211; den Schaffensdrang, der vielen Menschen innewohnt. Ich bin allerdings der Meinung, dass sich dieser an seinen Ergebnissen, und an der Art, wie er gelebt wird, messen lassen muss. Ich zweifle an, das Schaffen eo ipso Wert besitzt, und bin davon überzeugt, dass es eine gewisse Kompromisslosigkeit, eine gnadenlose Ehrlichkeit sich selbst und seiner Arbeit gegenüber braucht, um über bloße Spielerei hinaus zu wachsen.</p>
<p>Jedes Werte- und Bewertungssystem lässt sich in Frage stellen.<br />
Jede Form von Kreativität kategorisch wundervoll zu finden, ist jedoch keine Lösung.<br />
Diesen Standpunkt sehe ich in ACHILLES AND THE TORTOISE eindrucksvoll repräsentiert. Für mich (deshalb) nicht weniger als ein Meisterwerk.</p>
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		<title>Das Kabinett des Dr. Parnassus.</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Dec 2010 10:55:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine der wenigen Regeln, die ich für meine Rezensionen aufgestellt und nicht zwischenzeitlich wieder verworfen habe, lautet: Kritiken ausschließlich chronologisch einstellen, also in der Reihenfolge, in der ich auch die Filme gesehen habe. Dabei geht es ein wenig um Kontext (ein Melodram wird direkt nach zwei Slashern anders abschneiden als unter seinesgleichen), sondern in erster [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/12/11/das-kabinett-des-dr-parnassus/"><img class="alignnone size-full wp-image-3328" title="dr_parnassus_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/12/dr_parnassus_poster.jpg" alt="" width="180" height="254" /></a>Eine der wenigen Regeln, die ich für meine Rezensionen aufgestellt und nicht zwischenzeitlich wieder verworfen habe, lautet: Kritiken ausschließlich chronologisch einstellen, also in der Reihenfolge, in der ich auch die Filme gesehen habe. Dabei geht es ein wenig um Kontext (ein Melodram wird direkt nach zwei Slashern anders abschneiden als unter seinesgleichen), sondern in erster Linie aber ums Prinzip. Filmtagebuch und so. Ab und zu bremst mich das aus, doch früher oder später bekommt jeder sein Fett weg. Kommt Zeit, kommt Wort. Luxus eines Hobbykritikers.</p>
<p><span id="more-3324"></span></p>
<p>Umso irritierender ist es, wenn ich &#8211; wie nun geschehen &#8211; feststellen muss, dass ein Film in meiner ToDo-Liste fehlt. DAS KABINETT DES DR. PARNASSUS war irgendwann während oder direkt nach dem FANTASY FILMFEST endlich in meinem DVD-Player, danach nicht aber auf besagter Liste, gelandet. Und nun sitze ich an einer Kritik zu einem Film, den ich komplett vergessen hätte, wäre ich in der Videothek nicht zufällig wieder über das Cover gestolpert.</p>
<p>Was kann man also über einen Film schreiben, den man fast vergessen hat? Zum einen, dass vom Film selbst, nun da ich drüber nachdenke, erstaunlich viel hängen geblieben ist. Dies ist sicher in erster Linie der Fantasiewelt von Gilliam zuzuschreiben, der auch dieses Werk randvoll mit schrägen Ideen und wundervoll surrealistischen Details gepackt hat. Sowohl die Dimensionen des Unterbewußtseins, die im späteren Verlauf des Films in den Vordergrund rücken, als auch die »Realität«, in der Dr. Parnassus mit seinen Schaustellern in einem kuriosen Gefährt von Platz zu Platz fährt, um Passanten für die Show zu begeistern, sind mit sehr viel Liebe gestaltet. Sie erinnern auf positive Weise an Klassiker der 80er und 90er Jahre wie KÖNIG DER FISCHER, BRAZIL, und lassen Enttäuschungen wie THE BROTHERS GRIMM und TIDELAND fast vergessen.</p>
<p>Zurück zu den bewährten Wurzeln, könnte man also meinen, und in visueller Hinsicht ist das auch der Fall. Erzählerisch muss man jedoch leider bemerken, dass dem Altmeister das Zepter mehr als einmal aus der Hand gerutscht ist. Ohne es an einzelnen Szenen festmachen zu können, wirkt der Film mit seiner Geschichte über die Wette von Dr. Parnassus mit dem Teufel und dem daraus resultierenden Wettstreit um Seelen so ziellos wie die Tourplanung des verkappten Magiers. Weder die Konflikte innerhalb der Gruppe noch das Wettrennen zwischen Gut und Böse vermögen richtig zu greifen. Selbiges gilt für das aufgesetzte Rätsel um den namenlosen Neuzugang (Heath Ledger), dessen Lösung uninteressanter nicht sein könnte, sowie die zarte Romanze, die dieser Figur später als Motivation dienen soll.</p>
<p>Dass man auf diese Weise dazu verdammt wird, Zuschauer zu bleiben, weist insbesondere eine gewisse Ironie auf, da Dr. Parnassus sein Publikum stets einbezieht, und sie zu einem unentbehrlichen Teil seiner Darbietung macht. Dass die Teilnehmer sich in den von ihrem Unterbewusstsein kreierten Fantasiewelten für das Gute oder das Böse entscheiden sollen, ist leider viertelherzig umgesetzt und somit über weite Strecken kaum glaubhaft nachvollziehbar.</p>
<p>Nun ist und bleibt es erfreulich, dass es Filmemacher gibt, die über rege Kreativität verfügen und ihr Publikum in erster Linie in beeindruckend austaffierte Fantasiewelten entführen. Tim Burton macht mittlerweile auch nicht anderes mehr, als auf seinem Stil herum zu reiten. Im Hinblick auf Gilliams Filmografie muss man aber ernüchtert erkennen, dass dieser Film  es keinesfalls in die Liste der Titel schaffen wird, die in einem Atemzug mit ihrem Schöpfer genannt werden. Da ändert auch das Staraufgebot (Heath Ledger, zu dem ich hier absichtlich nicht viel weiter sagen möchte, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farell) wenig, das sich durch die Bank in bester Spiellaune zeigt. Wer beispielsweise Tom Waits mal wieder in einer für ihn geeigneten Rolle spielen sehen will, macht mit diesem Film einen besseren Griff als bei THE BOOK OF ELI. Aber das ist ja leider auch kein großes Lob.</p>
<p>Mir ist klar, dass die Einleitung diese Rezension diskreditiert. Aber so ist es eben mit Enttäuschungen: die bleiben gut im Gedächtnis haften. Dass es Gilliam gelang, den Film trotz des unerwartenen Ablebens eines seiner Hauptdarsteller mit einem halbwegs respektablen Ergebnis zu vollenden, verdient Respekt und Beachtung. Die Produktionsgeschichte wird aber in ein paar Jahren niemanden mehr interessieren. Dann muss der Film unkommentiert für sich stehen können, und dann reduziert er sich auf das, was ein paar Teile bilden, die sich nicht zu einer magischen Summe zusammen fügen wollen:</p>
<p>Ein putziges aber schlecht erzähltes Märchen mit bezaubernden Ideen, das weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Schade.</p>
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		<title>Rubber.</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Nov 2010 11:30:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kann ein Film über Kritik erhaben sein? Es gibt Filmemacher, die sich darauf berufen, indem sie ihre Machwerke als Kunst deklarieren. RUBBER hat das nicht nötig. RUBBER stellt sich dem Vorwurf, den seine Grundidee unweigerlich provoziert, mit der schlimmsten Sache, die einen Film eröffnen kann (von einer Traumsequenz mal abgesehen): Einem ausufernden Monolog, direkt ans [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/11/20/rubber/"><img class="alignnone size-full wp-image-3320" title="rubber_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/11/rubber_poster.jpg" alt="" width="180" height="254" /></a>Kann ein Film über Kritik erhaben sein? Es gibt Filmemacher, die sich darauf berufen, indem sie ihre Machwerke als Kunst deklarieren. RUBBER hat das nicht nötig. RUBBER stellt sich dem Vorwurf, den seine Grundidee unweigerlich provoziert, mit der schlimmsten Sache, die einen Film eröffnen kann (von einer Traumsequenz mal abgesehen): Einem ausufernden Monolog, direkt ans Publikum gerichtet. Diesem gelingt jedoch, woran solche Prologe sonst zwangsläufig scheitern &#8211; er rückt das Kommende ins rechte Licht, ohne den Zuschauer zu bevormunden, und fügt sich dabei bereits unmerklich in das Filmgeschehen ein. Mehr noch: Er demonstriert durch Inhalt und Inszenierung seine eigentliche Aussage, bevor er sie artikuliert, und beweist damit, dass die Prämisse funktioniert. Auch was vollkommen sinnfrei und beliebig scheint, kann unterhaltsam sein, wenn man nur frech und kompromisslos genug ist, seine Idee durchzuziehen.<br />
<span id="more-3319"></span><br />
Diese Argumentation ließe sich nun problemlos auf viele, zweifelsfrei missratene Machwerke übertragen, wäre da nicht die eigentliche Handlung des Films, die selbst dem ANGRIFF DER KILLERTOMATEN das Wasser reichen kann. Irgendwo in der Einöde der amerikanischen Wüste kommt ein einsamer Autoreifen zu Bewusstsein. Vielleicht hatte er es immer schon, und ist nur aus einem tiefen Schlaf erwacht, vielleicht hat er es eben erst erlangt &#8211; der Zuschauer wird es niemals erfahren.<br />
Der Autoreifen erhebt sich, setzt sich zögerlich in Bewegung. Rollt los, erst mühsam und unstet, dann zunehmend sicherer und zielstrebiger. Als er merkt, dass er Gegenstände und Lebewesen zum explodieren bringen kann, gibt es für ihn kein Halten mehr. Er beginnt eine Tour de Force entlang einer endlosen Landstraße, verliebt sich auf seinem Weg in eine vorbeifahrende Französin, wird von der Polizei gejagt und &#8211; als wäre all das viel zu bodenständig &#8211; von einer Gruppe Zuschauer beobachtet, die dem Geschehnissen von einer Anhöhe aus mit Ferngläsern folgen. Dass dieses Meta-Publikum von einer unbekannten dritten Partei heran gekarrt und dann unvermittelt von einem Lakai jener Organisation vergiftet wird, spielt da schon kaum eine Rolle mehr. Ein Film, der vollkommene Grundlosigkeit mit solcher Freude zelebriert, ist seinem Publikum keine Erklärung schuldig.</p>
<p>Schade ist lediglich, dass dem Reifen im letzten Drittel ein wenig die Luft ausgeht. Auf die unfassbar brillante Eröffnung und den amüsant-irritierenden Mittelteil folgt ein Finale, dass trotz anarchischem Witz nicht mehr die Fassungslosigkeit provoziert, die der Film benötigt, um unterhaltsam zu bleiben. Das liegt nicht nur daran, dass man sich nach einer Weile auf die Erzählweise einstellt. Der augenzwinkernde Irrsinn der ersten Hälfte, der auch später sporadisch aufflackert, weicht plötzlich einem vagen Gefühl von Vertrautheit, einem Beigeschmack von Beliebigkeit, der auch mancher Kalauer-Kanone eines Jerry Zucker oder Jim Abrahams anhaftet. Statt den Zuschauer zu verblüffen, werden halbwegs nette Kalauer aufgefahren, die dann abrupt zu einem Finale führen, das mehr wie eine Applikation als ein elementarer Teil des Films wirkt. Das ist beileibe kein schlechter Stil, um einen solchen Film zu beenden, wie ein Höhepunkt fühlt es sich aber auch nicht an.</p>
<p>In der kurzen Ansprache, die der Vorstellung voraus ging, wies der Programmleiter des Fantasy Filmfests darauf hin, dass RUBBER sein Publikum spalte. Die Hälfte, hieß es, würden den Film hingebungsvoll hassen, die anderen ihn mit ebensolcher Inbrunst verehren. Auch wenn ich mich keiner der beiden Fronten voll zugehörig fühle, sollten zwei Tatsachen über jeden Zweifel erhaben sein: RUBBER ist die schrägste Kampfansage an cineastische Konventionen, die man in diesem Jahr zu sehen bekommen konnte &#8211; und der einführende Monolog, wie das Programmheft richtig beschrieb: »einer der ganz großen Kinomomente in diesem Jahr«.</p>
<p>Ob Regisseur Quentin Dupieux alias Mr. Oizo nach RUBBER noch etwas Gleichwertiges liefern oder zur Abwechslung eine ganz normale Geschichte erzählen kann oder will, lässt sich aktuell nur vermuten. Nach einem solchen Beitrag muss er das aber auch gar nicht mehr. Zumindest in diesem Punkt sind sich wohl beide Seiten einig.</p>
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		<title>The Limits of Control.</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 11:57:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen &#8211; separat &#8211; für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/08/30/the-limits-of-control/"><img class="alignnone size-full wp-image-3033" title="limits-of-control-poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/limits-of-control-poster.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen &#8211; separat &#8211; für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur an Präsenz gewonnen sondern, angereichert mit neuen Interessen, zu seiner Vollendung gefunden hat. Somit ist THE LIMITS OF CONTROL auf seine Weise ein zutiefst nachdenklicher, vielschichtiger und durchaus kluger Film geworden.</p>
<p><span id="more-3032"></span></p>
<p>Auf der anderen Seite darf man einen Film auch daran messen, wie »gewollt« er wirkt. Selbst schwerer Stoff braucht beizeiten eine gewisse Leichtfüßigkeit, nicht inhaltlich, wohlgemerkt, sondern in dessen Ausführung. Anders formuliert: Ein Film, der seine Botschaft stillschweigend vermitteln will, sollte die Geduld des Zuschauers nicht überstrapazieren. Jarmuschs Film ist aber wie ein Witz, den man 6 mal erzählen muss, um ihn zu verstehen. Erst durch die Wiederholung, das Nicht-Erzählen, den Mangel an Entwicklung und Ablenkung kann der Betrachter verstehen, was Jarmusch sagen will. Und ja, diese Aussage kann nicht artikuliert, vielleicht nicht einmal verstanden werden. Man kann sie nur fühlen. Wer COFFEE AND CIGARETTES zu unruhig und konzeptlos fand, kommt hier somit voll auf seine Kosten.</p>
<p>Auf seine Weise ist THE LIMITS OF CONTROL wahrscheinlich brillant. Dadurch, dass er sich stur jeglichem Plot verweigert, zwingt er aber auch zur Frage, ob daraus wirklich ein abendfüllender Spielfilm werden musste. Ich für meinen Teil hatte auch meine Arthaus-Phase mit den dazugehörigen Programmkinobesuchen. Neben vielen tollen, stillen Filmerlebnissen habe ich für mich allerdings auch die Erkenntnis mitgenommen, dass selbst das größte Kunstwerk unterhalten darf &#8211; ja manchmal sogar unterhalten sollte &#8211; wenn es wirklich beim Zuschauer ankommen und von ihm angenommen werden will. Ein Regisseur, der glaubt (oder weiß), nicht mehr gefallen zu müssen, macht vielleicht ungewöhnliche, aber nicht unbedingt wertigere Arbeit.</p>
<p>So breit sich dieser Film in meinem Kopf auch macht, einen Platz in meinem Herzen hat er nicht.</p>
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		<title>Where the buffalo roam.</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 18:55:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gut 18 Jahre bevor Johnny Depp in Terry Gilliams &#8220;Fear and Loathing in Las Vegas&#8221; den berühmten Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson auf höchst unterhaltsame Weise porträtierte, gab es einen Film mit dem wenig mitreißenden Titel &#8220;Where the buffalo roam&#8221;, der sich ebenfalls Thompsons Eskapaden widmete.  Hauptdarsteller war ein junger, aufstrebender Schauspieler, der sich mit seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/08/09/where-the-buffalo-roam/"><img class="alignnone size-full wp-image-2923" title="where_the_buffallo_roam" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/where_the_buffallo_roam.jpg" alt="" width="180" height="256" /></a>Gut 18 Jahre bevor Johnny Depp in Terry Gilliams &#8220;Fear and Loathing in Las Vegas&#8221; den berühmten Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson auf höchst unterhaltsame Weise porträtierte, gab es einen Film mit dem wenig mitreißenden Titel &#8220;Where the buffalo roam&#8221;, der sich ebenfalls Thompsons Eskapaden widmete.  Hauptdarsteller war ein junger, aufstrebender Schauspieler, der sich mit seinen Auftritten bei Saturday Night Live bereits einen guten Namen gemacht hatte, und 4 Jahre später als Geisterjäger unsterblich werden sollte: Bill Murray.<br />
<span id="more-2920"></span></p>
<p>Der mittlerweile ziemlich in Vergessenheit geratene Streifen konzentrierte sich weniger auf den weltbekannten Roman, der die erstgenannte Verfilmung betitelt, sondern versuchte sich an einem etwas umfassenderen Blick auf die Kultfigur Thompson. Dazu wurden einige repräsentative Momente und Lebensphasen mit fiktiven Elementen angereichert und zu einer fragmentarischen Pseudo-Biografie aufbereitet. Die so entstandene Mischung huldigt der Legende zwangsläufig mehr als dem Menschen, präsentiert aber dennoch ein breiteres Spektrum als Gilliams Fassung.</p>
<p>Das Ergebnis ist &#8211; besonders für heutiges Publikum &#8211; trotzdem eher irritierend als befriedigend, da ohne Hintergrundwissen kaum erfassbar ist, welche Teile des kruden Geschehens ernst gemeint und in ähnlicher Form passiert sein könnten, und wie viel von Thompsons Leben der Film effektiv beschreiben soll. Die Inszenierung wirkt zudem über weite Strecken wie ein Theaterstück und vermag keine rechte Eigendynamik aufzubauen. Dass man dem Film darüber hinaus auch technisch sein Alter deutlich anmerkt, muss wohl nicht extra erwähnt werden.</p>
<p>All das ist allerdings nur bis zu einem gewissen Grad als Mängelrüge anzusehen. Schafft man es, sich an die Erzählweise und den eigenwilligen Tonfall zu gewöhnen, vermag der Film durchaus einen Eindruck seines Protagonisten zu vermitteln.</p>
<p>Somit ist WHERE THE BUFFALLO ROAM zumindest eine interessante Annäherung an einen Mann, dessen  Denken und Handeln schon Zeit seines Lebens vielen Menschen gänzlich unverständlich schienen. Eine Verbeugung vor einem rücksichtslosen Genie, die aber mehr filmhistorische Relevanz als echten Unterhaltungswert hat.</p>
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		<title>Coraline.</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 23:09:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit dem Stichwort »morbide Filmästhetik« assoziiert die breite Masse zweifelsfrei Weirdmeister Tim Burton. Ein weiterer Name, wenn auch mit geringerem Bekanntheitsgrad und einem für die Filmindustrie eher ungesunden Verhältnis zwischen Schaffenszeit und Projektanzahl, ist Henry Selick. Mit seinem unvergessenen NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS hatte er 1993 einen nachhaltigen Beitrag zur Animationsfilmgeschichte geschaffen, danach aber nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/02/10/coraline/"><img class="alignnone size-full wp-image-2686" title="Coraline Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Coraline_0.jpg" alt="" width="105" height="155" /></a>Mit dem Stichwort »morbide Filmästhetik« assoziiert die breite Masse zweifelsfrei Weirdmeister Tim Burton. Ein weiterer Name, wenn auch mit geringerem Bekanntheitsgrad und einem für die Filmindustrie eher ungesunden Verhältnis zwischen Schaffenszeit und Projektanzahl, ist Henry Selick. Mit seinem unvergessenen NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS hatte er 1993 einen nachhaltigen Beitrag zur Animationsfilmgeschichte geschaffen, danach aber nicht mehr an dessen Erfolg anknüpfen können. CORALINE, sein neuestes Werk, ist ein Animationsfilm eben dieser Art, der statt gerenderter Figuren samt makelloser Anatomie und glatten Kurven die krude Stofflichkeit und den schrägen Charme eines Puppenspiels bevorzugt.<br />
<span id="more-2685"></span></p>
<div id="attachment_2688" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Coraline_1.jpg" rel="lightbox[2685]"><img class="size-full wp-image-2688" title="Nur zu, nur zu, fassen Sie ihn ruhig an! Ich freue mich so, Sie zu sehen!" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Coraline_1.jpg" alt="" width="460" height="275" /></a><p class="wp-caption-text">Jeder Künstler hat irgendwann seine blaue Phase. Aber nicht jeder hat auch einen blauen Bart.</p></div>
<p>Aufgrund seines düsteren Stils, seiner eher ruhigen Inszenierung und einiger erstaunlich gruseliger Szenen ist CORALINE, wie es die Handlung zunächst vermuten lässt, kein lupenreiner Kinderfilm. Dieser Punkt ist das einzige, echte Problem des Films, da der Spagat zwischen kindkompatibler Märchenhandlung und erzählerischer wie stilistischer Ambitionen nicht immer aufgeht. Selbst die humorigen Figuren wirken stellenweise unheimlich, die Grundstimmung ist trotz vieler, putziger Momente meist trist, in den Parallelwelt-Szenen subtil bedrohlich. Angesichts der Tatsache, dass es sich um die Adaption einer Neil Gaiman Geschichte handelt, wenig verwunderlich, dennoch bemerkenswert.</p>
<p>Eben diese Stimmung ist es aber auch, die für CORALINE trotz bekannter Handlungselemente und vertrauter Stilistik zum Alleinstellungsmerkmal wird. Für zündenden Witz und anrührende Geschichten bleiben Pixar-Produktionen die beste Anlaufstelle. Wer Abwechslung schätzt, wird bei CORALINE aber auf ein erfreulich konsequentes Kontrastprogramm zu den knallbunten, zuckersüßen Genregrößen stoßen, das besonders glänzt, wenn es darum geht, kleinen Dingen, wie einem Paar Handschuhe oder  Haustieren, emotionalen Gehalt zu verleihen. Der zurückhaltende, nie bösartige Humor trägt seinen Teil dazu bei, eben jene Sympathie hervor zu rufen, die man sich von einem Film wie diesem wünscht.</p>
<div id="attachment_2689" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Coraline_2.jpg" rel="lightbox[2685]"><img class="size-full wp-image-2689" title="Kurz darauf begriff er die Bedeutung von &quot;ohrenbetäubendem Applaus&quot;." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Coraline_2.jpg" alt="" width="460" height="277" /></a><p class="wp-caption-text">Ein gutes Beispiel dafür, was eine Stubenfliege kurz vor ihrem Tod erblickt.</p></div>
<p>Um noch einmal auf den einleitenden Gedanken zurückzukommen: Ungeachtet der erwartungsvollen Begeisterung, die ALICE IM WUNDERLAND allerorts entgegengebracht wird, kann man es niemandem verdenken, sich an Burtons Stil satt gesehen zu haben. (Allein die Omnipräsenz von Helena Bonham Cartern schadet der Magie seiner Welten und Werke mittlerweile mehr, als sie nützt.)<br />
Auch CORALINE hat stilistisch einen hohen Wiedererkennungswert, der allerdings nicht weiter stört, schaffen es doch wenige Animationsfilme dieser Art auf die Leinwand. So vermag das eigenwillige Märchen die wenig überraschende Handlung mit dem erwarteten Potpourri an schrägen Charakteren und kruden Ideen erfolgreich zu übertünchen.</p>
<p>Ein schöner Film für einen regnerischen Nachmittag.<br />
Mit 9 in den Startlöchern aber (noch) keine neue Referenz.</p>
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		<title>Alles ist erleuchtet.</title>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2009 20:16:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[My Dear Diorama]]></category>
		<category><![CDATA[drama]]></category>
		<category><![CDATA[filme]]></category>
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		<description><![CDATA[Manche Filme sind wie Unfallopfer. Sie müssen nur lang genug herum liegen, dann wird sich schon jemand erbarmen. ALLES IST ERLEUCHTET bildet sogar in dieser Gruppe einen Härtefall. Bevor ich mich durchringen konnte, ihn anzusehen, beging ich erstmal wiederholt Fahrerflucht. Wie sich herausstellte, tat ich ihm damit Unrecht. Großes, großes Unrecht. Der erste Versuch dauerte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2009/05/08/alles-ist-erleuchtet/"><img class="alignnone size-full wp-image-1837" title="allesisterleuchtet_01" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/05/allesisterleuchtet_01.jpg" alt="allesisterleuchtet_01" width="104" height="147" /></a>Manche Filme sind wie Unfallopfer. Sie müssen nur lang genug herum liegen, dann wird sich schon jemand erbarmen. ALLES IST ERLEUCHTET bildet sogar in dieser Gruppe einen Härtefall. Bevor ich mich durchringen konnte, ihn anzusehen, beging ich erstmal wiederholt Fahrerflucht. Wie sich herausstellte, tat ich ihm damit Unrecht.</p>
<p>Großes, großes Unrecht.</p>
<p><span id="more-1834"></span></p>
<div id="attachment_1838" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><img class="size-full wp-image-1838" title="Von wegen &quot;follow the yellow big road&quot;." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/05/allesisterleuchtet_03.jpg" alt="...ob meine Nachbarin etwas Sonnenblumenöl übrig hat?" width="460" height="212" /><p class="wp-caption-text">...ob meine Nachbarin etwas Sonnenblumenöl übrig hat?</p></div>
<p>Der erste Versuch dauerte exakt 15 Sekunden. Dann entschied ich, nicht in der richtigen Stimmung für einen Film zu sein, dessen Vorspann mit fideler Klezmer-Musik unterlegt ist. Wochen vergingen. Die zweite Hürde riss ich bei Minute 7. Dann hatte ich genug vom dick bebrillten Elijah Wood, dessen dahinsiechender Großmutter und seinem pausbäckigen Rückblenden-Alter-Ego. Wenn ich ohne emotionalen Bezug zu den Figuren minutenlange Sterbeszenen mit minimalem Sprechtext sehen will, kann ich mir auch HOSTEL ausleihen. Dachte ich, schaltete ab und wartete nochmal zwei Wochen.</p>
<p>Tatsächlich dauert es selbst nach dieser trägen Einleitung noch ein gutes Stück, bis der Film wirklich zu sich findet. Die nachfolgende Einführung der übrigen Protagonisten wirkt nämlich trotz &#8211; und gerade wegen -  ihres skurrilen Charmes und ihrer schrulligen Figuren etwas zu bemüht komisch und verdreht, um wirklich zu überzeugen. Ich bin kein großer Fan von Reise-/Road-Movies, doch schräger Humor und Culture-Clash sind keine Motive, die man im Dunstkreis dieses Genres selten sieht. Erst letztes Jahr hat THE DARJEELING LIMITED gezeigt, wie niveauvoll und sympathisch man in dieser Tonlage erzählen kann, ohne albern zu wirken.</p>
<div id="attachment_1836" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><img class="size-full wp-image-1836" title="Sehr effektiv: In der Ukraine starrt man schlechte Ober einfach nieder." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/05/allesisterleuchtet_02.jpg" alt="... dann fiel ihm ein, dass er versprochen hatte, die Karten mitzubringen." width="460" height="211" /><p class="wp-caption-text">... dann fiel ihm ein, dass er versprochen hatte, die Karten mitzubringen.</p></div>
<p>Sind die ersten 25 Minuten mit den absehbaren Konfrontationen grundgegensätzlicher Charaktere aber überstanden, entfaltet sich eine anrührende, zutiefst menschliche Geschichte, der es gelingt, von Belustigung über Nachdenklichkeit bis hin zu Trauer und Katharsis dermaßen viele Stimmungslagen beim Zuschauer hervor zu rufen, dass man am Ende kaum mehr weiß, was für eine Art Träne man sich eigentlich gerade aus den Augenwinkeln wischt. Sogar der Soundtrack macht nach einer Weile richtig Spaß.</p>
<p>Eine unbedingte Empfehlung für diese stellenweise anstrengende, jedoch absolut wundervolle Romanverfilmung. Nach DER PIANIST die wahrscheinlich beste Aufarbeitung einer jüdischen Tragödie im zweiten Weltkrieg, die ich je gesehen habe.</p>
<p>Großartig ist deshalb noch untertrieben.</p>
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