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	<title>The Midnight Screening &#187; mystery</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Kill List</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 13:13:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/05/kill-list/"><img class="alignnone size-full wp-image-3872" title="Kill List" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/kill-list-poster.png" alt="" width="310" height="464" /></a></p>
<p>Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten.<br />
<span id="more-3870"></span><br />
Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit seinem schmutzigen Realismus und seiner überraschend aufmerksamen Charakterzeichnung auf eine Weise an die Nieren geht, die das moderne Actionkino als moralisch nicht minder bedenkliche Verharmlosung enttarnt.</p>
<p>Das Erstaunliche dabei ist, dass der Film als spröde, fast dokumentarisch anmutende Milieustudie beginnt, dann als harter Selbstjustiz-Streifen die Grenzen der Glaubwürdigkeit im Rahmen seiner realistischen Erzählweise abtastet, nur um im letzten Akt vollkommen durchzudrehen und in einer albtraumhaft surrealen Hetzjagd zu explodieren, die den absehbaren Twist am Ende schon beinahe harmlos wirken lässt.</p>
<p>Wer bis zu diesem Punkt nicht bereits das Handtuch geworfen hat, erkennt hinter all dem Lärm und all der Raubeinigkeit eine gar nicht mal dumme Kombination zweier Klassiker, deren Nennung einem Spoiler gleich käme, jedem Filmfan aber ein Begriff sein sollten.</p>
<p>Getragen wird das Ganze von einem Drehbuch, das sich sowohl seiner Ziele als auch seiner Zielgruppe bewusst ist, und zwei Darstellern, die ihre Charaktere mit erschreckender Authentizität verkörpern. Selbst wenn die Geschichte für sich genommen enttäuschen oder abschrecken mag, schaffen es die beiden Protagonisten mühelos in meine persönlichen Top 10 der glaubwürdigsten Profikiller seit Alain Delon in LE SAMURAI.</p>
<p>Kompromisslos, derb und vollkommen wahnsinnig &#8211; KILL LIST ist ein grauschwarzer Albtraum, ein herber mindfuck irgendwo zwischen “bat shit crazy” und “quite smart”. Russisches Roulette für mutige Thrillerfans, die 8MM schon als nervigen Mainstream-Mist bezeichnen.</p>
<p>Ansehen auf eigene Gefahr.</p>
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		<title>End of Animal</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 10:18:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Taxi holpert auf einer schmalen, unbefestigten Straße durch eine karge Landschaft. Der Passagier, eine schwangere Frau, ist aus Seoul angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Als ein Anhalter darum bittet, mitgenommen zu werden, erteilt sie aus Höflichkeit ihre Erlaubnis, bloß um diese bereits Augenblicke später zu bereuen. Der zusätzliche Passagier entpuppt sich nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/01/end-of-animal/"><img class="alignnone size-full wp-image-3864" title="end-of-animal" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/end-of-animal.png" alt="" width="310" height="414" /></a></p>
<p>Ein Taxi holpert auf einer schmalen, unbefestigten Straße durch eine karge Landschaft. Der Passagier, eine schwangere Frau, ist aus Seoul angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Als ein Anhalter darum bittet, mitgenommen zu werden, erteilt sie aus Höflichkeit ihre Erlaubnis, bloß um diese bereits Augenblicke später zu bereuen.</p>
<p><span id="more-3862"></span>Der zusätzliche Passagier entpuppt sich nicht nur als aggressiver, aufdringlicher Zeitgenosse, sondern offenbart auch ein unheimlich detailliertes Wissen über die Vergangenheit des Taxifahrers und der jungen Frau. Bevor diese ihn zur Rede stellen können, spricht er von der Ankunft der Engel und zählt er einen Countdown herunter. Ein weißes Leuchten blendet die Insassen, und sie verlieren das Bewusstsein.</p>
<p>Eine Bombe? Eine Naturkatastrophe? Das Ende der Welt? Wer weiß.</p>
<p>Die junge Frau erwacht allein in dem verlassenen Taxi. Fahrer und Beifahrer sind verschwunden, Mobiltelefon und Motor nicht in Gang zu bringen. Eine Notiz informiert sie, dass der Fahrer sie nicht zu wecken vermochte, und aufgebrochen sei, um Hilfe zu holen. Nachdem sie eine Weile gewartet hat, verlässt die Frau den Wagen, und macht sich selbst auf dem Weg.</p>
<p>So beginnt eine post-apokalyptische Odyssee, wie sie minimalistischer kaum erzählt werden könnte. Was in den folgenden zwei Stunden passiert, könnte auf einem Bierdeckel Platz finden, würde nicht der streng lineare Aufbau dazu nötigen, jedes der Ereignisse gleichwertig zu behandeln. Besonders fällt dabei die geistige Verwandtschaft zu den Ideen Franz Kafkas auf, von dem nicht wenige Elemente der symbolschwangeren Geschichte inspiriert sein könnten. Ein  Erlösung verheißendes Ziel, das jeder Einheimische zu kennen vorgibt, aber niemand jemals zu erreichen scheint, eine allgegenwärtige Bedrohlichkeit, die alle Menschen zu umgibt, und selbst harmlose Kinder unterschwellig zu erbitterten Widersachern macht, eine Reise, die ihren Protagonisten immer wieder zurück wirft, und ihm Meter für Meter jeglicher Hoffnung sowie jedem Bezug zur Realität beraubt.</p>
<p>Funktioniert das so gut, wie es klingt? Leider nicht.</p>
<p>END OF ANIMAL ist, wie es sich für einen koreanischen Film gehört, keine leichte Kost. Wortkarg, unkomfortabel und bedeutungsschwanger dehnt er sich über seine 2 Stunden Laufzeit, die sich mangels packender Geschehnisse deutlich länger anfühlen. Dabei führt er viele interessante Motive ein, gleich den Protagonisten kommen diese aber niemals irgendwo an. Das mag bei Asia-Freaks und Arthaus-gestählten Cineasten als Kunst durchgehen, strapaziert aber die Geduld bis weit über den Punkt hinaus, an dem man dem Film noch ein klares Konzept zugestehen kann. Zu entbehrlich scheinen manche Nebenfiguren, zu repetitiv wiederholen sich die immer gleichen Andeutungen und zu wenig dieser Andeutungen führen tatsächlich zu einer befriedigenden Enthüllung.</p>
<p>Unterm Strich ist es nicht der Mangel an Erklärungen, der END OF ANIMAL bedrückend unbefriedigend macht, sondern die Ziellosigkeit des Geschehens. Zwar präsentiert er viele Figuren und Ansätze, entwickelt daraus aber keine Geschichte, die mehr auszusagen vermag als das, was jeder bereits weiß: Dass Verzweiflung Menschen egoistisch werden lässt, das Isolation den Geist zersetzt und der Mensch schlussendlich stets des Menschen ärgster Feind bleibt. END OF ANIMAL ist somit als Titel treffend gewählt, schildert er doch das leise Verenden einer Spezies, die sich von sich selbst entfremdet hat. Sämtliches Potenzial darüber hinaus wird allerdings verschwendet, wodurch das Ergebnis aller Andeutungen und Symbolik zum Trotz frustrierend banal wirkt. Die Figuren erfahren keine Entwicklung, ihre Taten haben letztlich keine Konsequenz. END OF ANIMAL bleibt ein bewegtes Bild, in dem das Grauen stets am äußersten Rand des Blickfelds verschwimmt.</p>
<p>Positiv zu vermerken ist der konsequente Verzicht auf all die Hysterie, die das westliche Kino häufig aufweist. Der Film beschwört und hält ein konstantes Gefühl von Isolation und Verlust, von Verlorenheit und unterschwelliger Überlebensangst, ohne die Unterstützung dramatischer Hintergrundmusik oder laute Action. Auch kleine Kommentare finden sich in der rudimentären Handlung, Anspielungen auf die Fixierung unserer Gesellschaft auf Technik, auf das instinktive Verdrängen des Offensichtlichen in Stresssituationen. Was immer passiert ist, die ganze Welt scheint betroffen, und doch suchen die Verlorenen mit autistischer Gleichgültigkeit nach einer Verbindung zur Zivilisation, die mit jedem gescheiterten Versuch nur noch unendlich ferner scheint.</p>
<p>Ein Film, in dem kaum etwas passiert, der sich dafür aber sehr viel Zeit lässt. Wer sich auf kafkaeskes Arthaus-Kino einlassen möchte, dessen Hauptaugenmerk auf dichter Atmosphäre und Symbolik liegt, darf sich gerne an END OF ANIMAL messen. Wer als Europäer sein Sitzfleisch gut investiert wissen möchte, ist mit dem zugänglicheren THE ROAD oder dem (angeblich) ähnlich gestrickten TIME OF THE WOLF wahrscheinlich besser beraten.</p>
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		<title>Devil</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 19:39:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor gut fünf Jahren, als ich noch besser über aktuelle Filme informiert war, hörte ich bei einer Busfahrt, wie sich ein paar Teenager über Quentin Tarantinos neuen Film HOSTEL unterhielten. Ich erinnere mich noch an die grimmig-amüsierte Verachtung, die ich empfand, als mir klar wurde, wie gut diese albernen “präsentiert von”-Zusätze tatsächlich funktionieren. Es hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/03/devil/"><img class="alignnone size-full wp-image-3746" title="DEVIL" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/Devil-poster.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Vor gut fünf Jahren, als ich noch besser über aktuelle Filme informiert war, hörte ich bei einer Busfahrt, wie sich ein paar Teenager über Quentin Tarantinos neuen Film HOSTEL unterhielten. Ich erinnere mich noch an die grimmig-amüsierte Verachtung, die ich empfand, als mir klar wurde, wie gut diese albernen “präsentiert von”-Zusätze tatsächlich funktionieren. Es hat lange gedauert, bis mir ein ähnlicher Fehler unterlief. Bedauerlich, dass dies der einzige Grund bleiben wird, warum ich DEVIL nicht vergessen werde.</p>
<p><span id="more-3744"></span>Auch wenn er mehrfach prominent auf dem Poster erwähnt wird: M. Night Shyamalan ist NICHT der Regisseur hinter DEVIL. Es ist nur irgendwie seine Idee, die aber ein Anderer ausformuliert hat und bei der ein Dritter Regie führte. Dieser “Andere” ist Brian Nelson, Autor von HARD CANDY, 30 DAYS OF NIGHT und WOLFFS REVIER. Ja, genau. Der “Dritte” John Erick Dowdle, Regisseur von QUARANTINE und THE POUGHKEEPSIE TAPES. Man versteht ein wenig, warum Shyamalans Name trotz seiner Flops auf dem Plakat landete.</p>
<p>Um die lästige Frage zu vermeiden, inwieweit Shyamalans Beteiligung über ein “Macht doch mal einen Film über ein paar Leute, die im Aufzug sterben” hinausging, produzierte er den Horrorthriller einfach in einer neu ins Leben gerufenen Reihe, den “Night Chronicles”. Kein Scheiß. Das Kriterium für die Aufnahme eines Titels in diese neue Filmreihe, die irgendwann in einem Atemzug mit Twilight Zone genannt werden möchte, ist, das Mr. Shyamalan die Idee so toll finden muss, dass er am liebsten selbst Regie führen würde. So zumindest seine Aussagen in einem Interview zum Film. Wir fassen zusammen: M. Night Shyamalan war von seiner Idee so begeistert, dass er am liebsten Regie geführt hätte, und hat sie deshalb produziert, um neuen Talenten eine Plattform zu geben. Lassen wir das einfach mal so stehen.</p>
<p>Das Problem, mit dem DEVIL kämpft, ist jedoch nicht, dass man einen Shyamalan-Film erwartet, und statt dessen eine 80-minütige Twilight Zone Folge bekommt, sondern, dass man nach den letzten drei Filmen von Shyamalan froh gewesen wäre, wenn bei einer Regiearbeit von ihm überhaupt eine solche heraus gekommen wäre. Denn Shyamalans nach Sixth Sense und Unbreakable sicherlich verdientes Selbstbewusstsein führte in den letzten Jahren zu unerträglich drögen Rohrkrepierern, die mit THE HAPPENING ihren traurigen Tiefpunkt erreichten.</p>
<p>DEVIL bleibt, von dem etwas zu ambitionierten Titel abgesehen, ein recht bodenständiger Höllentrip, der sich redlich bemüht, eine intensive Atmosphäre der Beklemmung und Paranoia aufzubauen. Das es damit nicht so richtig klappen will, liegt zum einem an dem unfassbar nervigen Voice-Over, das die Stimmung immer wieder in die Knie zwingt, zum anderen an der schlichten Tatsache, dass eine beachtliche Zahl von Genrefilmen diese Herausforderung weitaus eindrucksvoller bewältigt haben. Daran ändert auch das grundsätzlich tadellose Spiel der kleinen Darstellerriege wenig.</p>
<p>Unterm Strich hätte DEVIL ein unterhaltsames Kammerspiel werden können. Da er sich aber nie ganz zwischen realistischen Psychothriller und übernatürlichem Horrorstreifen entscheiden kann, versackt er in einem Mittelmaß, das den Zuschauer rein inhaltlich ebenso unbefriedigt zurücklässt wie die Neuauflage der hier wiederholt erwähnten Mysteryserie. Es ist eine Geschichte, die als kleiner Indie-Film in den 90ern vielleicht noch für Aufsehen gesorgt hätte, nach heutigen Maßstäben und dank einiger Logikprobleme aber bestenfalls als nette Abendunterhaltung herhalten kann.</p>
<p>Ein Aufzug ist ein passendes Symbol für Shyamalans Karriere. Wenn die “Night Chronicles” so weitergehen, dürfen wir noch eine ganze Weile auf sein Comeback warten. Als ehemaliger Fan muss man sich nach DEVIL wünschen, dass er bis dahin die Treppe nimmt.</p>
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		<title>Troll Hunter</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 10:54:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[André Øvredal liebt seine Heimat und ihre Legenden. Vermutlich zumindest, denn sie waren Grund genug, 10 Jahre nach seinem ersten (und letzten) abendfüllenden Spielfilm wieder als Regisseur und Drehbuchautor aktiv zu werden.  Was die Vermarktbarkeit betrifft, macht er dabei auch gleich etwas richtig, denn Troll Hunter lässt sich mit wenigen Worten ebenso griffig wie treffend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/04/17/troll-hunter/"><img class="alignnone size-full wp-image-3560" title="The-Troll-Hunter" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/04/The-Troll-Hunter.png" alt="" width="180" height="255" /></a>André Øvredal liebt seine Heimat und ihre Legenden. Vermutlich  zumindest, denn sie waren Grund genug, 10 Jahre nach seinem ersten (und  letzten) abendfüllenden Spielfilm wieder als Regisseur und Drehbuchautor  aktiv zu werden.  Was die Vermarktbarkeit betrifft, macht er dabei auch  gleich etwas richtig, denn <em>Troll Hunter</em> lässt sich mit wenigen Worten ebenso griffig wie treffend beschreiben: <em>Blair Witch Projekt</em> mit Trollen.   Das war es dann auch schon. Wir haben eine junge  Filmcrew, die in die Pampa reist, um einer fixen Idee hinterher zu jagen  (in diesem Fall einem Interview mit einem Wilderer), einen wahren  Höllentrip durchlebt und letztlich spurlos verschwindet. Bis es so weit  ist, darf viel mit der Kamera gewackelt und herum geschrien werden. Und  bis es überhaupt SO WEIT ist, wird sinnlos herum gefilmt, um die Figuren  beiläufig einzuführen.</p>
<p><span id="more-3558"></span>Dieses erste Drittel des Films ist es, das <em>Troll Hunter</em> beinahe  zu Fall bringt. Die Einführung von Figuren, Thema und Setting ist so  hirnerweichend öde, dass selbst die himmelschreiende Ignoranz der  Protagonisten dagegen verblasst. Nach einem gefühlten Dutzend Filmen  ähnlicher Machart hätte ein kompromissloserer Einstieg, der mehr auf  Realismus setzt, durchaus punkten können. Zu allem Überfluss bleibt die  Crew über die gesamte Laufzeit blass und konturlos, was es schwer macht,  nicht von Zeitverschwendung zu sprechen.</p>
<p>Apropos Realismus: Wann die Kamera läuft, was aufgenommen wird und wo es  zu freiwilligen oder unfreiwilligen Unterbrechungen kommt, ist  zweifellos essenziell für die Glaubwürdigkeit eines Films, der einen  dokumentarischen Stil verfolgt. Spätestens seit bei <em>Cloverfield</em> ein überspieltes Band die Gelegenheit zu Rückblenden gab, kann niemand  mehr behaupten, die Stilistik erlaube keine erzählerischen Freiheiten.  Umgekehrt nimmt man als Zuschauer durchaus wahr, wenn die Kamera auch in  Momenten läuft, die kein Kameramann, der mehr als 2 Sinne beisammen  hat, aufzeichnen würde. <em>Troll Hunter</em> ignoriert all das und zeigt stets, wonach dem schlichten Drehbuch der Sinn steht &#8211; kreatives Erzählen sieht anders aus.</p>
<p>Aber Logik, Realismus und Glaubwürdigkeit sind ohnehin keine Aspekte, um  die sich das Publikum schert; es will doch jeder nur die Trolle sehen.  Und hier zeigt sich dann endlich ein maßgeblicher Unterschied zu Blair  Witch und Co: Der Film geniert sich nicht, die titelgebenden Monster  zeitig und ausgiebig zu zeigen. Im Gegenteil: Anstatt mit dem Auftritt  der Fabelwesen noch weiter in die Knie zu gehen, punktet <em>Troll Hunter</em> mit eindrucksvoll inszenierten und animierten Auftritten, deren Wucht für die dringend benötigte Spannung sorgt.</p>
<p>Letztendlich sind es diese überraschend guten Produktionswerte sowie das Sounddesign, die Troll Hunter vor dem Krepieren retten. Die Trolle sind nicht nur toll animiert, sie lassen eine große Liebe zu den Figuren erkennen, die man aus Märchen und Legenden kennt. Auf Basis der Geräuschkulisse, dem Rumoren der massigen Wesen in der Dunkelheit, macht sich dann sogar stellenweise die erhoffte Beklemmung breit. Was in der öden Einleitung an Wohlwollen verspielt wurde, vermögen diese Szenen wieder einzufahren.</p>
<p>Bleibt das Problem der Stilistik.</p>
<p>&#8220;You&#8217;ll believe it when you see it!&#8221;, verkündet eines der Kinoplakate vollmundig. Der Film selbst lässt halbwegs erkennen, wie ironisch dieses Versprechen gemeint sein muss. Eine Zielgruppe, die jung und leichtgläubig genug ist, um sich von Dokumentationsfilm-Stilistik und CGI täuschen zu lassen, dürfte noch schwerer zu finden sein als die titelgebenden Fabelwesen. Wenn Troll Hunter aber eine Mockumentary sein soll, lässt er dies selten erkennen. Zu deutlich ist die Anbiederung an das Erfolgsrezept von Filmen wie Blair Witch Project und Cloverfield. Was an Absurditäten und Unglaubwürdigkeiten abseits der Filmprämisse präsentiert wird, kann nur auf sehr abstrakter Ebene als Kommentar auf die vergleichbaren Vorgänger gewertet werden. Trotz eines zähen ersten Drittels und den Ermüdungserscheinungen der Erzählweise ist Troll Hunter ein solider Dokugrusel, der allein schon seiner brachialen Soundkulisse wegen im Kino genossen werden sollte. Ansonsten kann es passieren, dass man mit der heimischen Anlage die Trolle der Nachbarschaft weckt.</p>
<p>Nach Metropia und Dead Snow endlich mal wieder ein netter, wenn auch nicht nennenswerter, innovativer Norweger.</p>
<p>(Diese Kritik ist im Original auf <a href="http://www.moviegod.de/kino/kritik/1717/troll-hunter">Moviegod.de</a> erschienen)</p>
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		<title>Enter the void</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Apr 2011 10:44:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was für ein Film! ENTER THE VOID kann man mit einer Inbrunst hassen, die ihresgleichen sucht. Nicht, weil er per se viel Angriffsfläche bietet, sondern weil er bedingungslose Hingabe vom Zuschauer verlangt. Sperrig erzählt, gewöhnungsbedürftig gefilmt und unkonventionell strukturiert vermag er &#8211; wortwörtlich &#8211; von der ersten Sekunde an auf die Nerven zu gehen. Wem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/04/16/enter-the-void/"><img class="alignnone size-full wp-image-3544" title="enter-the-void" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/04/enter-the-void.png" alt="" width="180" height="246" /></a>Was für ein Film! ENTER THE VOID kann man mit einer Inbrunst hassen, die ihresgleichen sucht. Nicht, weil er per se viel Angriffsfläche bietet, sondern weil er bedingungslose Hingabe vom Zuschauer verlangt. Sperrig erzählt, gewöhnungsbedürftig gefilmt und unkonventionell strukturiert vermag er &#8211; wortwörtlich &#8211; von der ersten Sekunde an auf die Nerven zu gehen. Wem es aber gelingt, sich auf ihn einzulassen, wird in hohem Maß dafür entlohnt. ENTER THE VOID ist ein Film, in dem man sich verlieren kann &#8211; ja, muss &#8211; und der, wenn dies vollbracht ist, zu einer Reise wird, die noch lange im Zuschauer nachhallt.</p>
<p><span id="more-3539"></span>Doch worum geht es? ENTER THE VOID erzählt im Wesentlichen vom Sterben &#8211; und darin vom Leben &#8211; eines jungen Drogendealers in Tokio. Dieser stirbt &#8211; kein Spoiler &#8211; früh im Film und durchlebt, verstärkt von den Drogen, die er zuvor nahm, sein eigenes Ableben. Dieses wiederum gestaltet sich als hypnotischer Trip ineinander verschachtelter Szenen, der sich an dem orientiert, was das tibetische Buch der Toten beschreibt. Erinnerungen, Gegenwart und Visionen vermengen und verzahnen sich zu einer meditativen Reise, die das Wesen unseres Seins zu erfassen versucht, ohne sich auf eine Aussage einzulassen, die nur oberflächlich und willkürlich wirken könnte.</p>
<p>Regisseur Gaspar Noé, der bereits mit IRREVERSIBLE und MENSCHENFEIND harte, aufwühlende Filme abgeliefert hat, beweist hier einmal mehr den Mut, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Man sollte ihm aber nicht unterstellen, es darauf an zu legen, sein Publikum vor den Kopf zu stoßen. Er schockiert, ohne zwanghaft zu provozieren. Er lässt sich Zeit, ohne  zu langweilen. Vor allem aber bleibt die Notwendigkeit des Extremen in Form und Inhalt nachvollziehbar. Darin liegt die Brillanz seiner Arbeit. Letztlich verlangt er also nicht mehr und nicht weniger als Geduld und etwas Empathie.</p>
<p>Der Vollständigkeit halber sei betont, dass hier keinerlei Grenzüberschreitung erzwungen wird. Eine Szene wie in IRREVERSIBLE, die kaum mehr zu ertragen war, findet sich hier nicht. Es ist die bittersüße Grausamkeit des Seins, die Unvermeidbarkeit, mit der sich jede Seele verliert, die hier betroffen macht. Vor allem aber ist es die Form, die hypnotische Optik, der eindringliche Soundtrack, die ENTER THE VOID zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Ein Film, der wirklich etwas zu sagen hat, und die Mittel nicht scheut, dies zu tun &#8211; wie selten das geworden ist, versteht man erst, wenn man es an diesem Beispiel erlebt.</p>
<p>Noés Zugeständnisse an die Zugänglichkeit zeigen sich in kleinen Expositionen zu Filmbeginn, in der Wiederaufnahme von Motiven sowie klar differenzierbaren Erzählsträngen. Die stille Trauer, die er evoziert, wird dabei auf unterschwellige Weise vermittelt, was der heiklen Thematik besser gerecht wird als eine verkitschte Aneinanderreihung oberflächlicher Dialoge. Diese Herangehensweise legitimiert auch die Zeit, die er ENTER THE VOID zugesteht, seine Geschichte zu erzählen. Was er sagen will, braucht Zeit, sich zu entfalten, und die Bilder, die Noé heraufbeschwört, brauchen Luft, um zu atmen. Eine Geschichte, in der Zeit keinerlei Bedeutung mehr hat, darf sich nicht um die Konzentrationsfähigkeit, Geduld oder Blase seines Publikums scheren.</p>
<p>Sicher merkt man einigen Momenten an, auf einen konkreten Effekt hin konstruiert worden zu sein. Auch darf man sich fragen, ob die zweite Hälfte dem Film noch genug »gibt«. Die letzte Stunde erhält durch die Struktur des Film Legitimation, erreicht aber weder die emotionale noch die atmosphärische Dichte der ersten 1,5 Stunden. Man muss sich jedoch dann ebenso fragen, ob dieser Film mit einer wesentlich gekürzten, zweiten Hälfte noch funktioniert hätte. Was auf dem Schneidetisch der Theorie harmoniert, muss in der Praxis nicht mit gleicher Konsequenz funktionieren.</p>
<p>Abschließend kann es nur eine Empfehlung geben: Ansehen. Sofern nicht schon geschehen, keinen Trailer suchen, keine Kritiken wälzen. Einfach kaufen oder ausleihen. Er ist das Risiko wert.</p>
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		<title>Die Tür</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Mar 2011 15:20:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der größte Spoiler vorweg: Die Tür ist streng genommen keine Tür, sondern ein Tunnel. Ein magischer, ja geradezu magnetischer Tunnel, denn neben dem Protagonisten finden noch ein paar Leute mehr ihren Weg in die ach so verborgene Parallelwelt, welche &#8211; die Leistungsbereitschaft von Paralleldimensionen hat in den letzten Jahren offenbar dramatisch nachgelassen &#8211; der unseren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/03/10/die-tur/"><img class="alignnone size-full wp-image-3477" title="DieTuer-Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/DieTuer-Poster.png" alt="" width="180" height="255" /></a>Der größte Spoiler vorweg: Die Tür ist streng genommen keine Tür, sondern ein Tunnel. Ein magischer, ja geradezu magnetischer Tunnel, denn neben dem Protagonisten finden noch ein paar Leute mehr ihren Weg in die ach so verborgene Parallelwelt, welche &#8211; die Leistungsbereitschaft von Paralleldimensionen hat in den letzten Jahren offenbar dramatisch nachgelassen &#8211; der unseren um gut fünf Jahre hinterherhinkt.</p>
<p>Nun, da dieses titelgebende Missverständnis aus dem Weg geschafft ist, ein Geständnis. So wirklich begriffen, was diese deutsche Produktion sein möchte, habe ich nicht. Einerseits ist es den Machern geglückt, eine Geschichte mit der Kamera einzufangen, die auch eine große, englischsprachige Genreproduktion sein könnte. Das kann man gut finden oder auch nicht, letztendlich spielt es sowieso keine Rolle, denn: Auf der anderen Seite haftet dem Ganzen immer noch der Beigeschmack eines typischen,  deutschen TV-Films an.</p>
<p><span id="more-3475"></span></p>
<p>Wodurch genau, oder primär, jener letztgenannte Eindruck entsteht, will sich mir mangels Studium der Filmwissenschaften nicht erschließen. Gut, Heike Makatsch, für mich der personifizierte Verfremdungseffekt, hat einen Gastauftritt in einer kleinen Nebenrolle. Da ist cineastischer Kollateralschaden quasi vorprogrammiert. Sicher spielt auch die jahrzehntelange Konditionierung amerikanischer Filme mit hinein, deren Mittelklasse-Fantasiewelt tatsächlich authentischer wirkt als die der wohlhabenden Künstlerfamilie in diesem kleinen Gruselstück. Dies ließe sich ebenso als Armutszeugnis für mich, den Zuschauer, auslegen, wären da nicht die kleinen Szenen, die jene Künstlichkeit vergessen lassen. Hier beweist DIE TÜR, dass die Magie des Kinos immer noch darauf angewiesen ist, reinen Schein glaubwürdig wirken zu lassen.</p>
<p>Schlussendlich liegt die Hauptschuld bei den Dialogen, die sich in ihren schlechteren Momenten so geschrieben anhören, als wären sie von Kaspar Hauser verfasst worden. Der Mangel an Lebensnähe wird nirgendwo so deutlich wie hier, wo stets ein Wort zu viel gesprochen oder zu schnell zur Exposition übergegangen wird. Der Faktor Muttersprache ist sicher relevant, ändert aber nichts daran, dass die Dialoge pointierter, prägnanter oder schlichtweg lebensnaher wirken sollten.</p>
<p>Dass der gezeigte Kosmos bis zur Hälfte des Films recht klein bleibt, dann aber plötzlich den Blickwinkel auf ein viel größeres Universum öffnet, wirkt bei aller Unvermeidbarkeit ebenso befremdlich und weniger plausibel als die sehr persönliche Erfahrung, als die er beginnt. Wenn die (sehr viel) fleischgewordene Exposition in Form von Thomas Thieme in einem barocken Wohnzimmer seine Erläuterungen abspult, fühlt man sich fast schon an Laurence Fishburne in The Matrix erinnert &#8211; was dem geneigten Leser hoffentlich nachvollziehbar vermittelt, wo genau mein Problem mit der Ausweitung der Mythologie zur Filmmitte liegt.</p>
<p>Fassen wir zusammen: Die auf der Buchvorlage von Akif Pirinçci basierende Geschichte an sich ist nettes Mystery- Potpourri, das von seinem brillanten Hauptdarsteller (Mads Mikkelsen im OT), einer soliden Atmosphäre, der hervorragenden Kamera und ein paar emotional sehr zugänglichen Momenten lebt, in selbem Maß aber unter hölzernen Dialogen und einem Übermaß an Exposition leidet.</p>
<p>Das Meiste von dem, was die Geschichte erzählt, war in der ein oder anderen Form schon einmal da. Und das, was der Film zeigt, funktioniert nicht immer. Doch ist nicht zu leugnen, dass DIE TÜR auf emotionaler Ebene funktioniert und durchweg ein gutes Spannungsniveau zu halten vermag, ohne sich zu lang mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten.</p>
<p>Als TV-Film eine Perle, als Kinofilm oberer Durchschnitt, das reicht für eine Empfehlung für jene, die das Fernsehprogramm im Auge behalten. Genrefans und überzeugte Cineasten sollten ihn mehr als Füllmaterial betrachten.</p>
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		<title>Inception</title>
		<link>http://www.acidbar.de/wordpress/2011/03/02/inception/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 15:14:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<category><![CDATA[noir]]></category>
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		<category><![CDATA[thriller]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines muss eigentlich am Anfang wie auch am Ende dieser Kritik stehen, denn es behält trotz diverser Nörgeleien seine Gültigkeit: INCEPTION hat jegliches Lob, das ihm von Zuschauern und Presse zugedacht wurde, verdient. Eine &#8211; zumindest in dieser Form &#8211; unverbrauchte Grundidee, eine durchweg saubere und packende Inszenierung, gute Darsteller und vor allem eindrucksvolle Effekte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/03/02/inception/"><img class="alignnone size-full wp-image-3453" title="inception_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/inception_poster.jpg" alt="" width="180" height="251" /></a>Eines muss eigentlich am Anfang wie auch am Ende dieser Kritik stehen, denn es behält trotz diverser Nörgeleien seine Gültigkeit: INCEPTION hat jegliches Lob, das ihm von Zuschauern und Presse zugedacht wurde, verdient. Eine &#8211; zumindest in dieser Form &#8211; unverbrauchte Grundidee, eine durchweg saubere und packende Inszenierung, gute Darsteller und vor allem eindrucksvolle Effekte, deren Einsatz sich tatsächlich an den Bedürfnissen der Handlung orientiert, statt umgekehrt. Was will man mehr?</p>
<p>Gut, eine Sache wäre da. Zwei, um genau zu sein. So beschämend es sich auch anfühlt, angesichts der hohen Qualität überhaupt von Mängeln zu sprechen, fehlte mir ein Quäntchen Intensität zu echter, ungebremster Begeisterung. Dies mag den hohen Erwartungen geschuldet sein, muss aber erwähnt werden, um den spürbaren Mangel an Euphorie in diesen Zeilen zu erklären.</p>
<p><span id="more-3450"></span></p>
<p>Die beiden Punkte? Kurz gesagt? Spannung und Emotion.</p>
<p>Es mag die Abstraktion der Gefahr sein, in welcher ein ominöses »Stranden im Nirvana der Träume und Erinnerungen« an Stelle eines simplen, endgültigen Todes tritt, denn ein Gefühl wirklicher Bedrohlichkeit kommt selten auf. Die Atemlosigkeit der Inszenierung spielt hier sicher eine Rolle, denn wer damit beschäftigt ist, der kontinuierlich komplexer werdenden Verschachtelung von Ebenen zu folgen, und dabei  fulminante Actionszenen zu genießen, findet kaum Zeit, sich um das simple Wohlergehen der Figuren zu sorgen oder das subtile Grauen eines solchen Schicksals zu verinnerlichen. Empfindsamere Gemüter mögen widersprechen, sollten aber nicht gleich alle Energie in diesen einen Einspruch investieren, denn der nächste Punkt schlägt quasi in die selbe Kerbe.</p>
<p>Emotional ist INCEPTION erstaunlich steril geraten, und auch hier ist es ein Mangel, der abseits konkreter Defizite entsteht. So sind die erforderlichen, erzählerischen Grundlagen, beispielsweise in Form von Backstory und Charakterzeichnung, durchaus gegeben. Die wenigen Atempausen, die sich das Drehbuch gönnt, widmen sich fast ausschließlich dem verdrängten Trauma des Protagonisten. Doch diese gut gemeinten Szenen bieten nicht ausreichend Gelegenheit, den emotionalen Unterbau der Geschichte für sich zu ergründen und darin Halt zu finden. Genauso wenig, wie ein plumper Blockbuster sein Publikum zwingen kann, auf Kommando gerührt oder erheitert zu sein, scheitert der intelligente INCEPTION daran, den Zuschauer an die Figuren zu binden.</p>
<p>Das ist zum Teil Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio vorzuwerfen, der zwar solide spielt, dennoch stets eine gewisse Distanz zu seiner Figur zu wahren scheint. Ebenso kann man versuchen, dies dem Drehbuch anzukreiden, dass so viel richtig macht und doch alleine steht, ähnlich einem hochintelligenten Gast auf einer ausgelassenen Party, der keinen Zugang in die laufenden Gespräche findet. Die eigenartige Ähnlichkeit zu DiCaprios Figur aus SHUTTER ISLAND weist jedoch darauf hin, dass die Erklärung eher im Zusammenspiel von Darsteller und Rolle zu finden ist, denn diesem mangelt es eindeutig an Chemie.</p>
<p>Dieses »Problem«, wenn man es als solches empfindet, überträgt sich in zweiter Instanz auch auf die übrigen Figuren, die den Protagonisten umkreisen, letztendlich aber Stichwortgeber und Gehilfen bleiben, zu denen er keine ehrliche, echte Bindung empfindet. Da die Geschichte aus diesem Umstand nur die naheliegendsten Konflikte extrahiert, wird der Zuschauer in einen ähnlichen Fatalismus gezwungen, bzw. effektiv daran gehindert, diesem zu entkommen.</p>
<p>INCEPTION lässt den Zuschauer mit einigen Fragen zurück, die er sich selbst beantworten soll. Das Ende fasziniert, das lässt sich nicht anzweifeln. Viel wichtiger als die Frage nach der »korrekten« Interpretation ist jedoch eine andere: Hätte es nicht auch erschüttern können? Vielleicht sogar müssen? Selbst wenn dem Zuschauer die volle Tragweite der negativen Auslegung bewusst wird,  bleibt wenig Raum für ein Gefühl, das man auch mit nach Hause nehmen kann.</p>
<p>INCEPTION hinterließ mich beeindruckt, aber nicht überwältigt; angetan, aber nicht euphorisch. Es wäre unfair, ihm dies als Vorwurf auszulegen, denn es ist zweifellos der intelligenteste Actionfilm seit langer, langer Zeit. Pflichtprogramm, das man sich von erwähntem Hype jedoch nicht zu schwer beladen lassen sollte.</p>
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		<title>Illuminati</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Jan 2011 11:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<category><![CDATA[filme]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Schnitzeljagd (oder: Schnipseljagd) hat Tradition, bietet sie &#8211; als Krimi, Abenteuerfilm oder Agententhriller getarnt &#8211; doch den willkommenen Vorwand, einen oder mehrere Protagonisten quer über den Globus zu hetzen, und so den mehr oder minder inspirierten Plot mit malerischen Drehorten zu dekorieren. Dass ILLUMINATI einer jener Filme ist, sollten nicht nur Kenner der Romanvorlage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/01/23/illuminati/"><img class="alignnone size-full wp-image-3354" title="Illuminati mit Tom Hanks" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/01/illuminati_poster.jpg" alt="" width="180" height="255" /></a>Die Schnitzeljagd (oder: Schnipseljagd) hat Tradition, bietet sie &#8211; als Krimi, Abenteuerfilm oder Agententhriller getarnt &#8211; doch den willkommenen Vorwand, einen oder mehrere Protagonisten quer über den Globus zu hetzen, und so den mehr oder minder inspirierten Plot mit malerischen Drehorten zu dekorieren. Dass ILLUMINATI einer jener Filme ist, sollten nicht nur Kenner der Romanvorlage bereits mitbekommen haben.</p>
<p>Im Gegensatz zu einem Buch, das den Leser per Definition aktiver ans Geschehen bindet als ein Film, lässt die von Tom Hanks geführte Rom-Tour jedoch viel Luft zum Stellen unbequemer Fragen, allen voran: warum man ausgerechnet einen Synchronsprecher für Hanks nehmen musste, dessen quäkige Stimme in Kombination mit seiner bierernsten Visage unfreiwillige Komik heraufbeschwört.</p>
<p><span id="more-3352"></span>Bereits der deutsche Trailer war diesbezüglich ein Quell der Freude, und so bietet ILLUMINATI selbst Originaltonverächtern einen guten Grund, das eingerostete Englisch zu üben. Als angenehmen Nebeneffekt hat man so Anlass, sich zu konzentrieren, denn wenn die Dan Brown Verfilmung sich in einem Punkt bemüht, ihrer Vorlage gerecht zu werden, dann dem, dem Zuschauer das Denken abzunehmen. Dies geschieht, indem jeglicher Subtext, jede Form facettenreicher Charakterzeichnung und jeder zwischenmenschliche Konflikt auf ein bis maximal zwei Dimensionen reduziert und das so frei gewordene Dialogpensum zu 90% der Exposition gewidmet wird. Ernsthaft: Ich kann mich nicht erinnern, wann mir das letzte Mal in einem Film so viel erklärt wurde, das entweder offensichtlich, uninteressant oder redundant war. Natürlich: Man will verstehen, wie und warum die Hinweise ineinandergreifen, doch ohne Möglichkeit, sich ernsthaft rätselnd am Geschehen zu beteiligen, verkommt die Spurensuche zu einem bloßen Abspulen historischer Details.</p>
<p>Was bleibt, ist, wie es sich für eine hoch budgetierte Produktion gehört, die illustre Darstellerriege. In diesem Fall ein Hauptdarsteller, der in der Synchronisation wie eine Ente klingt, ein Ewan McGregor, der (bei aller Sympathie) endlich mal wieder herrlich fehlbesetzt wirken darf, ein Armin Müller-Stahl, der zum gefühlt fünfhundertsten Mal den gelassenen Fiesling mimen soll, der ja dann doch eigentlich gar nicht so schlimm ist, und ein finaler Twist, der nur überrascht, wenn man nicht von Beginn mit einem rechnet. All das macht ILLUMINATI zu Berieselung in Reinkultur, Sonntag-Nachmittag-Programm für (fast) die ganze Familie. Die bombastische Inszenierung, in der jeder Toilettengang als Höhepunkt verkauft wird, tut ihr Übriges, die Langeweile zu betonen, die sich mit zunehmender Laufzeit breitmacht.</p>
<p>Wer gerne dabei zuschaut, wie aufgeregte Persönchen Hinweisen hinterherjagen, kann bedenkenlos zugreifen. Oder einfach für die Nachbarskinder eine Schnitzeljagd ausrichten.</p>
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