Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten. WEITER
Eines muss eigentlich am Anfang wie auch am Ende dieser Kritik stehen, denn es behält trotz diverser Nörgeleien seine Gültigkeit: INCEPTION hat jegliches Lob, das ihm von Zuschauern und Presse zugedacht wurde, verdient. Eine – zumindest in dieser Form – unverbrauchte Grundidee, eine durchweg saubere und packende Inszenierung, gute Darsteller und vor allem eindrucksvolle Effekte, deren Einsatz sich tatsächlich an den Bedürfnissen der Handlung orientiert, statt umgekehrt. Was will man mehr?
Gut, eine Sache wäre da. Zwei, um genau zu sein. So beschämend es sich auch anfühlt, angesichts der hohen Qualität überhaupt von Mängeln zu sprechen, fehlte mir ein Quäntchen Intensität zu echter, ungebremster Begeisterung. Dies mag den hohen Erwartungen geschuldet sein, muss aber erwähnt werden, um den spürbaren Mangel an Euphorie in diesen Zeilen zu erklären.
Serienmörder, soweit das Auge reicht. Die düstere Faszination, die von jenen gestörten Gestalten ausgeht, hat sich als nachhaltiger erwiesen als jedes Vampir-Revival und jede Zombie-Welle. Woran das liegt, und wie weit diese Faszination zurückreicht, füllt Essays und Bücher, Sammelkarten und Dokumentationen. Im Rahmen einer Filmkritik genügt es, sich zu fragen, wie viel Potenzial der Thematik noch innewohnt, wenn Serienmörder schon zu Serienhelden werden müssen, um interessante Geschichten erzählen zu können.
Hat irgendwer, der nicht musste oder sich als Fan bezeichnen würde, David Lynchs INLAND EMPIRE gesehen? Mich schreckt noch immer die Laufzeit ab. Statt dessen wünsche ich mir Filme wie WILD AT HEART, LOST HIGHWAY oder BLUE VELVET zurück. Was das mit THE KILLER INSIDE ME zu tun hat? Ganz einfach: THE KILLER INSIDE ME ist die Art von Film, die Lynch vielleicht gemacht hätte, wenn er nicht den MULHOLLAND DRIVE genommen hätte.
Der noireske Kleinstadt-Thriller hat vieles mit letztgenannten Titeln gemein, atmosphärisch, erzählerisch, stilistisch. Das ist – ebenfalls wie bei einem echten Lynch – erst einmal gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar abschreckend – schlussendlich aber durchaus sehenswert. WEITER
Wenn sich eine gealterte Kino-Ikone, quasi das personifizierte Synonym für Coolness, in seinem neuen Film mit einer gewalttätigen Jugendgang anlegt, und dabei Zivilcourage mit Western-Attitüde mischt, dann klingt das zunächst wie: GRAN TORINO, nicht wahr?
Ist es aber nicht. Und das werden Einige als Mangel werten. Denn auch wenn Michael Caine einer der wenigen Schauspieler sein dürfte, der Clint Eastwood in Sachen klassischer Coolness das Wasser reichen kann, schlägt sein lupenreiner Rachethriller HARRY BROWN gänzlich andere Töne an als Eastwoods anrührende Milieustudie. WEITER
WEITER
Selten sind sie, die Filme, in denen einfach alles stimmt. THE GHOSTWRITER ist solch ein Fall. Mit ruhigem Tempo und leisen Tönen komponiert (anders darf man es schon nicht mehr nennen) Regisseur Roman Polanski einen Thriller, wie man ihn sich harmonischer kaum wünschen kann. Der angedeutete Widerspruch in dieser Aussage ist dabei stellvertretend für den einzigen kritischen Hinweis, den man in diesem Kontext geben muss: THE GHOSTWRITER ist Programmkino, ein guter Wein mit edler Note, der jedoch auch einen gewissen »Feingeist« voraussetzt, um überzeugen zu können. Er ist nicht wahnsinnig packend, nicht unfassbar einfallsreich und auch nicht so intensiv, dass man noch Jahre später davon sprechen wird. Doch wer zieht nicht mit Freuden einen Film, der gut sein möchte und das schafft, einem Film vor, der bahnbrechend sein will, und an diesem Anspruch scheitert.
WEITER
Kaum ein Film der letzten Monate hat mich so wütend gemacht wie SHUTTER ISLAND. Nicht, weil der Film an sich viele Fehler macht (die zweifelsfrei vorhanden sind), sondern weil er wie nur wenig andere verrissen wurde, ohne dies (in diesem Ausmaß) zu verdienen. Wenn man SHUTTER ISLAND demnach etwas vorwerfen kann, dann dass es ihm nicht gelang, sein Publikum zu finden. Dies wäre dann aber eher jenen vorzuwerfen, die im Vorfeld eine gewisse Erwartungshaltung weckten. Auch auf die Gefahr hin, diese Kritik – wie schon die von SPLICE – zu einer unaufgeforderten, polemischen Verteidigungsschrift zu machen, und den Film damit indirekt ebenso zu erniedrigen, möchte ich die relevanten Faktoren einzeln ansprechen.
Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen – separat – für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur an Präsenz gewonnen sondern, angereichert mit neuen Interessen, zu seiner Vollendung gefunden hat. Somit ist THE LIMITS OF CONTROL auf seine Weise ein zutiefst nachdenklicher, vielschichtiger und durchaus kluger Film geworden.