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	<title>The Midnight Screening &#187; noir</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Kill List</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 13:13:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/05/kill-list/"><img class="alignnone size-full wp-image-3872" title="Kill List" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/kill-list-poster.png" alt="" width="310" height="464" /></a></p>
<p>Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten.<br />
<span id="more-3870"></span><br />
Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit seinem schmutzigen Realismus und seiner überraschend aufmerksamen Charakterzeichnung auf eine Weise an die Nieren geht, die das moderne Actionkino als moralisch nicht minder bedenkliche Verharmlosung enttarnt.</p>
<p>Das Erstaunliche dabei ist, dass der Film als spröde, fast dokumentarisch anmutende Milieustudie beginnt, dann als harter Selbstjustiz-Streifen die Grenzen der Glaubwürdigkeit im Rahmen seiner realistischen Erzählweise abtastet, nur um im letzten Akt vollkommen durchzudrehen und in einer albtraumhaft surrealen Hetzjagd zu explodieren, die den absehbaren Twist am Ende schon beinahe harmlos wirken lässt.</p>
<p>Wer bis zu diesem Punkt nicht bereits das Handtuch geworfen hat, erkennt hinter all dem Lärm und all der Raubeinigkeit eine gar nicht mal dumme Kombination zweier Klassiker, deren Nennung einem Spoiler gleich käme, jedem Filmfan aber ein Begriff sein sollten.</p>
<p>Getragen wird das Ganze von einem Drehbuch, das sich sowohl seiner Ziele als auch seiner Zielgruppe bewusst ist, und zwei Darstellern, die ihre Charaktere mit erschreckender Authentizität verkörpern. Selbst wenn die Geschichte für sich genommen enttäuschen oder abschrecken mag, schaffen es die beiden Protagonisten mühelos in meine persönlichen Top 10 der glaubwürdigsten Profikiller seit Alain Delon in LE SAMURAI.</p>
<p>Kompromisslos, derb und vollkommen wahnsinnig &#8211; KILL LIST ist ein grauschwarzer Albtraum, ein herber mindfuck irgendwo zwischen “bat shit crazy” und “quite smart”. Russisches Roulette für mutige Thrillerfans, die 8MM schon als nervigen Mainstream-Mist bezeichnen.</p>
<p>Ansehen auf eigene Gefahr.</p>
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		<title>Inception</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 15:14:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eines muss eigentlich am Anfang wie auch am Ende dieser Kritik stehen, denn es behält trotz diverser Nörgeleien seine Gültigkeit: INCEPTION hat jegliches Lob, das ihm von Zuschauern und Presse zugedacht wurde, verdient. Eine &#8211; zumindest in dieser Form &#8211; unverbrauchte Grundidee, eine durchweg saubere und packende Inszenierung, gute Darsteller und vor allem eindrucksvolle Effekte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/03/02/inception/"><img class="alignnone size-full wp-image-3453" title="inception_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/inception_poster.jpg" alt="" width="180" height="251" /></a>Eines muss eigentlich am Anfang wie auch am Ende dieser Kritik stehen, denn es behält trotz diverser Nörgeleien seine Gültigkeit: INCEPTION hat jegliches Lob, das ihm von Zuschauern und Presse zugedacht wurde, verdient. Eine &#8211; zumindest in dieser Form &#8211; unverbrauchte Grundidee, eine durchweg saubere und packende Inszenierung, gute Darsteller und vor allem eindrucksvolle Effekte, deren Einsatz sich tatsächlich an den Bedürfnissen der Handlung orientiert, statt umgekehrt. Was will man mehr?</p>
<p>Gut, eine Sache wäre da. Zwei, um genau zu sein. So beschämend es sich auch anfühlt, angesichts der hohen Qualität überhaupt von Mängeln zu sprechen, fehlte mir ein Quäntchen Intensität zu echter, ungebremster Begeisterung. Dies mag den hohen Erwartungen geschuldet sein, muss aber erwähnt werden, um den spürbaren Mangel an Euphorie in diesen Zeilen zu erklären.</p>
<p><span id="more-3450"></span></p>
<p>Die beiden Punkte? Kurz gesagt? Spannung und Emotion.</p>
<p>Es mag die Abstraktion der Gefahr sein, in welcher ein ominöses »Stranden im Nirvana der Träume und Erinnerungen« an Stelle eines simplen, endgültigen Todes tritt, denn ein Gefühl wirklicher Bedrohlichkeit kommt selten auf. Die Atemlosigkeit der Inszenierung spielt hier sicher eine Rolle, denn wer damit beschäftigt ist, der kontinuierlich komplexer werdenden Verschachtelung von Ebenen zu folgen, und dabei  fulminante Actionszenen zu genießen, findet kaum Zeit, sich um das simple Wohlergehen der Figuren zu sorgen oder das subtile Grauen eines solchen Schicksals zu verinnerlichen. Empfindsamere Gemüter mögen widersprechen, sollten aber nicht gleich alle Energie in diesen einen Einspruch investieren, denn der nächste Punkt schlägt quasi in die selbe Kerbe.</p>
<p>Emotional ist INCEPTION erstaunlich steril geraten, und auch hier ist es ein Mangel, der abseits konkreter Defizite entsteht. So sind die erforderlichen, erzählerischen Grundlagen, beispielsweise in Form von Backstory und Charakterzeichnung, durchaus gegeben. Die wenigen Atempausen, die sich das Drehbuch gönnt, widmen sich fast ausschließlich dem verdrängten Trauma des Protagonisten. Doch diese gut gemeinten Szenen bieten nicht ausreichend Gelegenheit, den emotionalen Unterbau der Geschichte für sich zu ergründen und darin Halt zu finden. Genauso wenig, wie ein plumper Blockbuster sein Publikum zwingen kann, auf Kommando gerührt oder erheitert zu sein, scheitert der intelligente INCEPTION daran, den Zuschauer an die Figuren zu binden.</p>
<p>Das ist zum Teil Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio vorzuwerfen, der zwar solide spielt, dennoch stets eine gewisse Distanz zu seiner Figur zu wahren scheint. Ebenso kann man versuchen, dies dem Drehbuch anzukreiden, dass so viel richtig macht und doch alleine steht, ähnlich einem hochintelligenten Gast auf einer ausgelassenen Party, der keinen Zugang in die laufenden Gespräche findet. Die eigenartige Ähnlichkeit zu DiCaprios Figur aus SHUTTER ISLAND weist jedoch darauf hin, dass die Erklärung eher im Zusammenspiel von Darsteller und Rolle zu finden ist, denn diesem mangelt es eindeutig an Chemie.</p>
<p>Dieses »Problem«, wenn man es als solches empfindet, überträgt sich in zweiter Instanz auch auf die übrigen Figuren, die den Protagonisten umkreisen, letztendlich aber Stichwortgeber und Gehilfen bleiben, zu denen er keine ehrliche, echte Bindung empfindet. Da die Geschichte aus diesem Umstand nur die naheliegendsten Konflikte extrahiert, wird der Zuschauer in einen ähnlichen Fatalismus gezwungen, bzw. effektiv daran gehindert, diesem zu entkommen.</p>
<p>INCEPTION lässt den Zuschauer mit einigen Fragen zurück, die er sich selbst beantworten soll. Das Ende fasziniert, das lässt sich nicht anzweifeln. Viel wichtiger als die Frage nach der »korrekten« Interpretation ist jedoch eine andere: Hätte es nicht auch erschüttern können? Vielleicht sogar müssen? Selbst wenn dem Zuschauer die volle Tragweite der negativen Auslegung bewusst wird,  bleibt wenig Raum für ein Gefühl, das man auch mit nach Hause nehmen kann.</p>
<p>INCEPTION hinterließ mich beeindruckt, aber nicht überwältigt; angetan, aber nicht euphorisch. Es wäre unfair, ihm dies als Vorwurf auszulegen, denn es ist zweifellos der intelligenteste Actionfilm seit langer, langer Zeit. Pflichtprogramm, das man sich von erwähntem Hype jedoch nicht zu schwer beladen lassen sollte.</p>
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		<title>Memories of murder.</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Jan 2011 11:47:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Serienmörder, soweit das Auge reicht. Die düstere Faszination, die von jenen gestörten Gestalten ausgeht, hat sich als nachhaltiger erwiesen als jedes Vampir-Revival und jede Zombie-Welle. Woran das liegt, und wie weit diese Faszination zurückreicht, füllt Essays und Bücher, Sammelkarten und Dokumentationen. Im Rahmen einer Filmkritik genügt es, sich zu fragen, wie viel Potenzial der Thematik [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/01/22/memories-of-murder/"><img class="alignnone size-full wp-image-3345" title="Memories of Murder" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/01/memories-of-murder.jpg" alt="" width="180" height="254" /></a>Serienmörder, soweit das Auge reicht. Die düstere Faszination, die von jenen gestörten Gestalten ausgeht, hat sich als nachhaltiger erwiesen als jedes Vampir-Revival und jede Zombie-Welle. Woran das liegt, und wie weit diese Faszination zurückreicht, füllt Essays und Bücher, Sammelkarten und Dokumentationen. Im Rahmen einer Filmkritik genügt es, sich zu fragen, wie viel Potenzial der Thematik noch innewohnt, wenn Serienmörder schon zu Serienhelden werden müssen, um interessante Geschichten erzählen zu können.</p>
<p><span id="more-3343"></span>MEMORIES OF MURDER erzählt, wie viele seiner Genrekollegen, die Geschichte einer Serienmörderjagd, und stellt dabei, mit einer Konsequenz, die an Finchers ZODIAC erinnert, das zunehmend verzweifelte Streben der Ermittler ins Zentrum der Handlung. Der soziale und psychische Verfall der Protagonisten verleiht der Hatz eine Tiefe, die selbst ein Film wie SIEBEN bei all seiner bösartigen Brillanz nicht bieten konnte. Wo Brad Pitt und Morgan Freeman bis zum Ende letztlich Abziehbilder blieben und sich &#8211; vom Metronom mal abgesehen &#8211; in erster Linie durch das Spannungsfeld ihrer unterschiedlichen, archetypischen Charaktere definierten, zeigt MEMORIES OF MURDER echte Unsympathen am Rande des sozial akzeptieren Wahnsinns, die im Verlauf der Handlung, mit wachsender Verzweiflung, ihre persönlichen Grenzen erreichen.</p>
<p>Was MEMORIES OF MURDER dabei von seinen amerikanischen Kollegen unterscheidet, ist der Humor. Was wie ein handelsüblicher TV-Krimi beginnt, zeigt bald jenen schwarzhumorigen, stellenweise absurden Anstrich, den man von anderen asiatischen Produktionen kennt, in diesem Kontext und in dieser Betonung jedoch nicht unbedingt erwartet. Wenn die Polizei die Familie eines Verdächtigen vom Schauplatz eines Verbrechens entfernen muss, und dabei ein Tumult entsteht, der nur noch als grotesk bezeichnet werden kann, merkt man erst, wie man von europäischem und amerikanischen Kino geprägt wurde, was den erzählerischen Umgang mit Verbrechen betrifft. Der kulturell geprägte Humor kontrastiert dabei heftig mit der unverblümt demonstrierten Polizeibrutalität und schafft so eine Stimmung konstanten Unbehagens, die dem Film als Ganzes sehr gut tut.<br />
Auf der anderen Seite findet MEMORIES OF MURDER immer wieder in ernsthaftere Gewässer zurück und widmet sich eben jenen Themen wie Polizeigewalt, Sexismus und sozialen Missständen mit einer Deutlichkeit, die sich nicht leicht beiseite wischen lässt.</p>
<p>Es ist diese Vermengung der Gegensätze, die MEMORIES OF MURDER Anfangs schwer zugänglich macht. Und es ist diese Vermengung, die, hat man erst einmal seinen Weg in die Inszenierung gefunden, den Film bis zu seinem ernüchternd konsequenten Ende spannend hält, so dass man schlussendlich mit einem faden Beigeschmack zurückbleibt, der nichts mit dem Film an sich zu tun hat, sondern der Thematik angemessen scheint.</p>
<p>Gewöhnungsbedürftig großartig.</p>
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		<title>The Killer Inside Me.</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Sep 2010 10:39:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hat irgendwer, der nicht musste oder sich als Fan bezeichnen würde, David Lynchs INLAND EMPIRE gesehen? Mich schreckt noch immer die Laufzeit ab. Statt dessen wünsche ich mir Filme wie WILD AT HEART, LOST HIGHWAY oder BLUE VELVET zurück. Was das mit THE KILLER INSIDE ME zu tun hat? Ganz einfach: THE  KILLER INSIDE ME [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/09/25/the-killer-inside-me/"><img class="alignnone size-full wp-image-3185" title="The Killer Inside Me" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/09/the-killer-inside-me.jpg" alt="" width="180" height="245" /></a> Hat irgendwer, der nicht musste oder sich als Fan bezeichnen würde, David Lynchs INLAND EMPIRE gesehen? Mich schreckt noch immer die Laufzeit ab. Statt dessen wünsche ich mir Filme wie WILD AT HEART, LOST HIGHWAY oder BLUE VELVET zurück. Was das mit THE KILLER INSIDE ME zu tun hat? Ganz einfach: THE  KILLER INSIDE ME ist die Art von Film, die Lynch vielleicht gemacht hätte, wenn er nicht den MULHOLLAND DRIVE genommen hätte.</p>
<p>Der noireske Kleinstadt-Thriller hat vieles mit letztgenannten Titeln gemein, atmosphärisch, erzählerisch, stilistisch. Das ist &#8211; ebenfalls wie bei einem echten Lynch &#8211; erst einmal gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar abschreckend &#8211; schlussendlich aber durchaus sehenswert.<br />
<span id="more-3183"></span><br />
Die Geschichte des Kleinstadtsheriffs Lou Ford (Casey Affleck) erinnert in vielerlei Hinsicht an einen klassischen Film Noir. Kein Wunder, immerhin basiert das Drehbuch auf dem gleichnamigen Buch von Jim Thompson. Wir haben reiche Männer und deren schmutzige Geschäfte, korrupte und inkompetente Polizisten, einen verhinderten Privatdetektiv, ein braves Mädchen und &#8211; wenn man so will &#8211; eine Femme Fatale. Der interessante Unterschied liegt darin, wie die Rollen in diesem Beispiel betont und verteilt sind, denn der Held ist diesmal nicht der Einzelgänger mit klassischen Moralvorstellungen, sondern ein skrupelloser Mörder, ein feiges Individuum voll aufgestauter Wut, Angst und sexueller Repression, der nicht davor zurückschreckt, Wehrlose zu töten, um sich selbst zu schützen und seine persönlichen Interessen zu wahren.</p>
<p>Casey Affleck verkörpert diese Rolle mit genau jener Abgründigkeit, die man von ihm erwartet. Sein Talent, Außenseiter interessant zu spielen und dabei auf schmalem Grat zwischen Nachvollziehbarkeit und Verabscheuenswürdigkeit zu balancieren, ohne an Glaubwürdigkeit einzubüßen, sucht unter Schauspielern seiner Generation seinesgleichen. Er scheint geradezu dafür geboren, unscheinbare Psychopaten, feige Verräter und fatalistische Schwächlinge zu spielen. Man erinnere sich nur an <a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2008/03/26/die-ermordung-des-jesse-james-durch-den-feigling-robert-ford/" target="_blank">DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORT</a> oder <a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2008/09/28/gone-baby-gone/" target="_blank">GONE, BABY, GONE</a>.</p>
<p>Natürlich lässt sich die Komplexität der Romanfigur nicht auf ein paar Dialogzeilen reduzieren. Fans der Romanvorlage werden sich daran stoßen, dass viele der Nuancen im Spiel der Darsteller verloren gehen. Man tut jedoch Unrecht daran, wenn man dies allein Affleck vorwirft, nur weil dieser im Fokus der Geschichte steht. Gerade die Stellen, in denen die Figuren Vielschichtigkeit demonstrieren müssen,  wirken auch  bei anderen Darstellern befremdlich und etwas aufgesetzt. Hier sei beispielsweise Jessica Alba als masochistische Geliebte erwähnt, die dem Film zweifellos ein paar zusätzliche Dollar einspielen wird, mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Sie macht ihre Sache gut, bekommt aber zu wenig an der Hand, um das, was unter der Oberfläche brodelt, einigermaßen fassbar und glaubhaft zu vermitteln. Man muss sich diesbezüglich wohl oder übel &#8211; wie bei Romanverfilmungen generell &#8211; vom Drang zum  Vergleich lösen.</p>
<p>Auch die Gelassenheit, mit der die mit Sex und Mord gesättigte Geschichte erzählt wird, wird den ein oder anderen vor den Kopf stoßen, befremden oder verscheuchen. Man kann jedoch nicht umhin, diesem arsengetränkten Bonbon von einem Film zuzugestehen, seine Sache wirklich gut zu machen. THE KILLER INSIDE ME ist schwer zu beschreiben, schwer zu verdauen und schwer »einfach gut« zu finden. Genau das macht ihn jedoch nach den schwierigen ersten Minuten sehr sympathisch. Kein Film, für den man jemanden umbringen würde, auf DVD aber in jedem Fall sehenswert.</p>
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		<title>Harry Brown.</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Sep 2010 09:20:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn sich eine gealterte Kino-Ikone, quasi das personifizierte Synonym für Coolness, in seinem neuen Film mit einer gewalttätigen Jugendgang anlegt, und dabei Zivilcourage mit Western-Attitüde mischt, dann klingt das zunächst wie: GRAN TORINO, nicht wahr? Ist es aber nicht. Und das werden Einige als Mangel werten. Denn auch wenn Michael Caine einer der wenigen Schauspieler [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/09/25/harry-brown/"><img class="alignnone size-full wp-image-3170" title="harry-brown" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/09/harry-brown.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Wenn sich eine gealterte Kino-Ikone, quasi das personifizierte Synonym für Coolness, in seinem neuen Film mit einer gewalttätigen Jugendgang anlegt, und dabei Zivilcourage mit Western-Attitüde mischt, dann klingt das zunächst wie: GRAN TORINO, nicht wahr?</p>
<p>Ist es aber nicht. Und das werden Einige als Mangel werten. Denn auch wenn Michael Caine einer der wenigen Schauspieler sein dürfte, der Clint Eastwood in Sachen klassischer Coolness das Wasser reichen kann, schlägt sein lupenreiner Rachethriller HARRY BROWN gänzlich andere Töne an als Eastwoods anrührende Milieustudie.<br />
<span id="more-3169"></span><br />
Sieht man aber über die offensichtliche Simplizität und die sicher nicht astreine Botschaft einer solch gewalttätigen Geschichte hinweg, darf man sich über einen sehr geradlinigen, sauber inszenierten und packend gespielten Thriller freuen, dem es gelingt, kompromisslose Härte und lähmende Beklemmung gekonnt zu transportieren. Darsteller, Kamera und Plot bewegen sich dabei stets festen Schrittes auf ein finsteres Finale zu, dass in bester Rachefilm-Tradition kaum Zweifel an den Fronten zwischen Gut und Böse lässt. Das hat eingangs erwähntes Gegenstück allerdings auch nicht.</p>
<p>Das die Struktur des Films letztendlich einfacher nicht sein könnte (40 Minuten Tristesse und pures Leid, dann blutige Katharsis), ist ebenso nebensächlich wie moralische Bedenken, ob solch ein Film der Thematisierung gesellschaftlicher Probleme in Erzählmedien nicht eher schadet als nützt. Es sei mit Nachdruck wiederholt: wer einen GRAN TORINO erwartet, wird maßlos enttäuscht. Man sollte sich jedoch auch fragen, ob die Welt aktuell wirklich einen weiteren <a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2009/07/31/gran-torino/" target="_blank">GRAN TORINO</a> braucht, der &#8211; lasst uns ehrlich sein &#8211; ohnehin nicht mehr zu toppen ist.</p>
<p>Jedes Genre, dass sich nicht allein dem Krieg gegen den guten Geschmack verschrieben hat, hat seine Daseinsberechtigung. Filme wie HARRY BROWN haben keinerlei erzieherischen Anspruch, aber einen gewissen therapeutischen Nutzen.<br />
Eine »Darmspülung der niederen Instinkte«, die einerseits unterhält, andererseits aber auch realen Ängsten ein Ventil gibt, wird immer ein dunkler Bruder nachdenklicherer Filme bleiben &#8211; solange dieser aber seine Stärken kennt, darf er empfohlen werden. Für Männer mit &#8211; nennen wir es »klassischer Prägung« &#8211; ist ein Film mit einem knüppelharten Michael Caine sowieso Pflichtprogramm.</p>
<p>Wer <a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2009/04/22/96-hours/" target="_blank">96 HOURS</a> unterhaltsam fand und in Kneipen die Toiletten mit dem Pfeil nach oben nutzt, wird von HARRY BROWN begeistert sein.</p>
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		<title>The Ghost Writer.</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 13:40:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Selten sind sie, die Filme, in denen einfach alles stimmt. THE GHOSTWRITER ist solch ein Fall. Mit ruhigem Tempo und leisen Tönen komponiert (anders darf man es schon nicht mehr nennen) Regisseur Roman Polanski einen Thriller, wie man ihn sich harmonischer kaum wünschen kann. Der angedeutete Widerspruch in dieser Aussage ist dabei stellvertretend für den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/09/02/the-ghost-writer/"><img class="alignnone size-full wp-image-3095" title="ghostwriter_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/09/ghostwriter_poster.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Selten sind sie, die Filme, in denen einfach alles stimmt. THE GHOSTWRITER ist solch ein Fall. Mit ruhigem Tempo und leisen Tönen komponiert (anders darf man es schon nicht mehr nennen) Regisseur Roman Polanski einen Thriller, wie man ihn sich harmonischer kaum wünschen kann. Der angedeutete Widerspruch in dieser Aussage ist dabei stellvertretend für den einzigen kritischen Hinweis, den man in diesem Kontext geben muss: THE GHOSTWRITER ist Programmkino, ein guter Wein mit edler Note, der jedoch auch einen gewissen »Feingeist« voraussetzt, um überzeugen zu können. Er ist nicht wahnsinnig packend, nicht unfassbar einfallsreich und auch nicht so intensiv, dass man noch Jahre später davon sprechen wird. Doch wer zieht nicht mit Freuden einen Film, der gut sein möchte und das schafft, einem Film vor, der bahnbrechend sein will, und an diesem Anspruch scheitert.<br />
<span id="more-3093"></span><br />
Schon in der ersten Einstellung, in der eine Fähre in einen Hafen einläuft, wird deutlich, dass gleich etwas Besonderes folgen wird. Die Stimmung, die von Kamera und musikalischer Untermalung transportiert wird, während sich der Bug langsam öffnet, liegt einen Tick abseits der gewohnten Kost, wirkt einen Hauch kühler, eindringlicher, ja sogar »bedachter« als in anderen Filmen. Würde es sich nicht um die Verfilmung eines Romans von Robert Harris handeln, träfe es der Vergleich am Besten, dass sich die Szene anfühlt, als würde man sie gerade lesen, nicht betrachten. Wer sich hiervon schon gelangweilt fühlt, kann eigentlich gleich abschalten.</p>
<p>Dieses Gefühl zieht sich durch den gesamten Film, dem es gelingt, sich seine Klarheit in allen Aspekten zu bewähren. Allen voran muss hier die brillante Besetzung erwähnt werden. Ewan McGregor und Pierce Brosnan entpuppen sich als ideale Wahl für ihre jeweiligen Rollen und überraschen &#8211; gestützt durch vortreffliche Dialoge &#8211; mit einer Authentizität, die man ihnen nicht unbedingt zugetraut hätte. Genauso erwähnenswert sind jedoch die weiteren Rollen, bei denen man geradezu ins Schwärmen gerät. Olivia Williams, Kim Cattrall und Tom Wilkinson kann man schon kaum mehr für ihr gutes Spiel loben, so perfekt sind sie besetzt.</p>
<p>Die Geschichte selbst ist relativ geradlinig, profitiert aber von dem durchweg professionellem Timing und guter Glaubwürdigkeit, so dass die Passagen, in denen der literarische Charakter in den Vordergrund tritt, nie störend auffallen. Dabei ist zu beachten, dass es kaum eine Rolle spielt, was letztlich hinter dem mysteriösen Todesfall steckt. THE GHOSTWRITER handelt nicht allein von der Aufklärung eines Verbrechens, sondern &#8211; wenn man so will &#8211; vom klassischen Bild der Fliege, die sich in einem Spinnennetz verfängt und immer weiter darin verstrickt, je mehr sie sich nach einem Ausweg umsieht. Der politische Aspekt wird dabei lediglich in homöopathischen Dosen verabreicht und lässt nie seine Funktion als Katalysator vergessen. Wenn die Buchvorlage, wie es heißt, auch als Abrechnung mit Tony Blair zu verstehen ist &#8211; der filmischen Umsetzung merkt man nicht viel davon an.</p>
<p>Schlussendlich lebt THE GHOSTWRITER jedoch von seiner Stimmung, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Laufzeit zieht. Mit einem herben, in gewissem Sinne für Polanski-Filme typischen Ende wird dann noch eine Schlussnote gesetzt, die endgültig beweist, wie schön und erwachsen ein Thriller wirken kann, der sich nicht darum sorgen muss, wie er an den Kinokassen abschneiden wird.</p>
<p>Einfach großartig.</p>
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		<title>Shutter Island.</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 14:02:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kaum ein Film der letzten Monate hat mich so wütend gemacht wie SHUTTER ISLAND. Nicht, weil der Film an sich viele Fehler macht (die zweifelsfrei vorhanden sind), sondern weil er wie nur wenig andere verrissen wurde, ohne dies (in diesem Ausmaß) zu verdienen. Wenn man SHUTTER ISLAND demnach etwas vorwerfen kann, dann dass es ihm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/08/31/shutter-island/"><img class="alignnone size-full wp-image-3045" title="Shutter Island" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/shutterisland_poster.jpg" alt="" width="180" height="271" /></a>Kaum ein Film der letzten Monate hat mich so wütend gemacht wie SHUTTER ISLAND. Nicht, weil der Film an sich viele Fehler macht (die zweifelsfrei vorhanden sind), sondern weil er wie nur wenig andere verrissen wurde, ohne dies (in diesem Ausmaß) zu verdienen. Wenn man SHUTTER ISLAND demnach etwas vorwerfen kann, dann dass es ihm nicht gelang, sein Publikum zu finden. Dies wäre dann aber eher jenen vorzuwerfen, die im Vorfeld eine gewisse Erwartungshaltung weckten. Auch auf die Gefahr hin, diese Kritik &#8211; wie schon die von SPLICE &#8211; zu einer unaufgeforderten, polemischen Verteidigungsschrift zu machen, und den Film damit indirekt ebenso zu erniedrigen, möchte ich die relevanten Faktoren einzeln ansprechen.<br />
<span id="more-3044"></span><br />
Das Hauptproblem von SHUTTER ISLAND ist, dass der Film die schlimmsten Fehltritte gleich zu Anfang begeht. Es beginnt schon bei der Anfahrt zu jener Anstalt, die den wichtigsten Schauplatz der Handlung bildet. Während der gefühlt halbstündigen Fahrt spielt die Musik derart dramatisch auf, dass man meinen könne, es handle sich um die Tore zur Hölle. Unnötigerweise versucht man hier, dem Zuschauer ein Gefühl der Bedrohlichkeit zu suggerieren, für das es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Anlass gibt. Dass der Soundtrack generell wenig berauschend daherkommt, ist nur einer der Faktoren, mit dem man sich abfinden, mit dem man leben muss.</p>
<p>Das zweitgrößte Problem sind die Traumsequenzen oder Illusionen, mit denen der Protagonist zu kämpfen hat. Hier verfehlen Drehbuch und Regisseur komplett den Ton. Insbesondere Scorsese muss man vorwerfen, dass er an dieser Stelle nicht regulierend eingegriffen hat. Damit wird es dem Zuschauer unnötig erschwert, einen emotionalen Zugang zu der Figur zu finden, ja mehr noch, ein guter Teil der mühsam aufgebauten Stimmung geht verloren und muss über Minuten hinweg wieder aufgebaut werden. Dieser Effekt wiederholt sich einige Male und erfordert entweder viel Offenheit für derartige Stilmittel oder eine Menge Geduld, die man nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht unbedingt mehr mitbringt.</p>
<p>Schlussendlich ist da noch der Charakter des Films an sich, der vielen Probleme bereitet. Es handelt sich &#8211; das wird schnell klar &#8211; um eine klassische Pulp Geschichte, nur eben auf technisch hohem Niveau erzählt. Nicht anders wurde sie vom Autor der Romanvorlage betrachtet und genau so wurde sie auch bei der Umsetzung zum Drehbuch und schließlich in der Produktion behandelt. Mit dem Genre einher gehen  jedoch die üblichen, erzählerischen Schnitzer und der ein oder andere kleine Logikfehler, die sicher vermeidbar gewesen wären. Auch wirkt die Handlung immer wieder &#8211; insbesondere im Umfeld der Traumsequenzen &#8211; recht konstruiert.</p>
<p>All dies hatte den Effekt, das SHUTTER ISLAND bei einigen gnadenlos durchfiel. Dies resultierte dann auch in Wertungen, die so niedrig waren, dass man meinen konnte, es handle sich um die größte Gurke seit PLAN 9 FROM OUTER SPACE. Was jene Kritiker dabei ignorieren, ist, dass die Auflösung einige sachliche Fehler und erzählerische Schwächen legitimiert, ja teilweise sogar erklärt. Und, dass der Film auf der Haben-Seite ebenfalls einiges für sich verbuchen kann, dass ihn mühelos von der Konkurrenz dieses Sommers abhebt.</p>
<p>Zum einen sind da die überzeugenden Darsteller. Es gibt wenige große Namen, die mir weniger Reaktion entlocken als Leonardo DiCaprio, doch gerade deshalb muss erwähnt werden, dass seine Leistung in SHUTTER ISLAND in keiner Sekunde Grund zur Beanstandung gibt. Er wird Figur, Thema und Genre absolut gerecht und verleiht seiner Rolle genau die richtige Mischung aus Bodenhaftung und Unbeständigkeit, die die Geschichte benötigt. Auch die übrigen Schauspieler wissen größtenteils zu gefallen, obwohl man bei manchen Figuren erst gegen Ende wirklich verstehen kann, woraus sie ihre Plausibilität beziehen.</p>
<p>Zum anderen ist da der Charme, der dem Genre zu eigen ist. SHUTTER ISLAND ist zweifellos ein altmodischer Film, ein Faktor, den man nebenbei bemerkt ebenso gut als Kritikpunkt aufführen könnte. Er wirkt in vielerlei Hinsicht nicht mehr zeitgemäß, ein wenig altbacken und stellenweise auch naiv. Jedoch muss ich mich mit Nachdruck davon distanzieren, dies als Mangel anzusehen. Die Atmosphäre, die der Film transportieren will, entspricht der eines Groschenromans für Erwachsene, was allein schon durch Genre und Handlung ersichtlich sein sollte und durch die technischen Aspekte nur bekräftigt wird.</p>
<p>Natürlich ist der Film als Vertreter seiner Gattung bis zu einem gewissen Punkt vorhersehbar. Dies reicht aber nie so weit, dass man in knappen Worten artikulieren könnte, wie genau die Lösung des Rätsels aussehen mag. Ziemlich früh im Film wird deutlich, wohin die Reise geht. Das Gefühl, dies erfasst zu haben, nur um am Ende noch einmal (leicht) überrascht zu werden, ist ebenfalls typisch für das Genre und darf dem Film somit ebenso wenig vorzuwerfen wie SHARKS die Strandszenen.</p>
<p>Neben der tollen Kamera und dem guten Licht, die nicht unerwähnt bleiben sollen, bleibt noch ein Detail, das sich schlussendlich als Zünglein an der Waage entpuppt. Das Ende. In einer der letzten Einstellungen des Films, mit dem letzten gesprochenen Satz, gelingt es SHUTTER ISLAND eine berührende Schlussnote zu setzen, die dem Geschehen, all dem bislang erlebten, ein emotionales Gewicht verleiht, einen Nachhall, der noch weit in den Abspann hinein nachklingt. Wer es schafft, sich bis zum Ende Freude am Gezeigten zu bewahren, und nicht dem eingangs erwähnten Sarkasmus zum Opfer zu fallen, erhält zur Belohnung einen Augenblick geschenkt, der in solch tragischer Poesie lang keinen Mainstream-Film mehr schmückte. Gerade deshalb ist es schade, dass SHUTTER ISLAND über seine Laufzeit hinweg so viele Leute verlor, und gerade deshalb verärgert die Plumpheit, mit der sich manche Kritiker den Film zu demontieren versuchen.</p>
<p>Eine der Zuschauerrezensionen auf IMDB bringt genannten Effekt noch besser auf den Punkt:  »There is one line of dialogue, right at the end of Shutter Island before the credits roll, that elevates the emotion of the film and makes it much more powerful.«</p>
<p>Vielleicht lag es am allgemeinen Genöle, dass die Erwartungen im Vorfeld ertränkt hatte, oder dem Umstand, dass ich generell ein Herz für Mystery habe, doch trotz der teils massiven, nicht zu leugnenden Schwächen hat mir SHUTTER ISLAND gut gefallen.</p>
<p>Wer elaborierte Mindgames mag, den Film im Originalton sehen kann, von Spukgeschichten mit Pulp-Charakter nicht abgeschreckt wird, auf Symbolik und Subtext steht und dabei noch offen für ganz simple Tragik bleibt, wird sicher nicht enttäuscht. Dass diese Beschreibung keine große Zielgruppe definiert, sollte ebenso klar sein, wie dass ein Film wie dieser nicht dazu gedacht ist, gefällig zu sein.</p>
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		<title>The Limits of Control.</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 11:57:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen &#8211; separat &#8211; für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/08/30/the-limits-of-control/"><img class="alignnone size-full wp-image-3033" title="limits-of-control-poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/limits-of-control-poster.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Man muss Jim Jarmusch schon bewundern. Zum einen für seine künstlerische Integrität, zum anderen &#8211; separat &#8211; für die Konsequenz, die dieser zu Grunde liegt. THE LIMITS OF CONTROL ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterführung jenes Stils, der sich schon in seinen Frühwerken bemerkbar machte und seitdem, besonders in seinen letzten Filmen, nicht nur an Präsenz gewonnen sondern, angereichert mit neuen Interessen, zu seiner Vollendung gefunden hat. Somit ist THE LIMITS OF CONTROL auf seine Weise ein zutiefst nachdenklicher, vielschichtiger und durchaus kluger Film geworden.</p>
<p><span id="more-3032"></span></p>
<p>Auf der anderen Seite darf man einen Film auch daran messen, wie »gewollt« er wirkt. Selbst schwerer Stoff braucht beizeiten eine gewisse Leichtfüßigkeit, nicht inhaltlich, wohlgemerkt, sondern in dessen Ausführung. Anders formuliert: Ein Film, der seine Botschaft stillschweigend vermitteln will, sollte die Geduld des Zuschauers nicht überstrapazieren. Jarmuschs Film ist aber wie ein Witz, den man 6 mal erzählen muss, um ihn zu verstehen. Erst durch die Wiederholung, das Nicht-Erzählen, den Mangel an Entwicklung und Ablenkung kann der Betrachter verstehen, was Jarmusch sagen will. Und ja, diese Aussage kann nicht artikuliert, vielleicht nicht einmal verstanden werden. Man kann sie nur fühlen. Wer COFFEE AND CIGARETTES zu unruhig und konzeptlos fand, kommt hier somit voll auf seine Kosten.</p>
<p>Auf seine Weise ist THE LIMITS OF CONTROL wahrscheinlich brillant. Dadurch, dass er sich stur jeglichem Plot verweigert, zwingt er aber auch zur Frage, ob daraus wirklich ein abendfüllender Spielfilm werden musste. Ich für meinen Teil hatte auch meine Arthaus-Phase mit den dazugehörigen Programmkinobesuchen. Neben vielen tollen, stillen Filmerlebnissen habe ich für mich allerdings auch die Erkenntnis mitgenommen, dass selbst das größte Kunstwerk unterhalten darf &#8211; ja manchmal sogar unterhalten sollte &#8211; wenn es wirklich beim Zuschauer ankommen und von ihm angenommen werden will. Ein Regisseur, der glaubt (oder weiß), nicht mehr gefallen zu müssen, macht vielleicht ungewöhnliche, aber nicht unbedingt wertigere Arbeit.</p>
<p>So breit sich dieser Film in meinem Kopf auch macht, einen Platz in meinem Herzen hat er nicht.</p>
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