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	<title>The AcidBar &#187; review</title>
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	<description>...schreibt Romane, Kurzgeschichten, Fast Fiction und alles, wozu er sonst noch Worte findet. Wenn es drauf ankommt, fehlen sie dann.</description>
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		<title>Inglorious Basterds.</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Jul 2010 08:56:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[My Dear Diorama]]></category>
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		<description><![CDATA[Schon alles gesagt. Damit muss man ja quasi eine Kritik zu diesem Film, die jetzt erst kommt, beginnen. Nichts, was man noch hinzufügen könnte, kein Blickwinkel, der nicht auf mehr Niveau, als mir möglich ist, bis ins Detail ausgeleuchtet wurde.
Alles schon gesagt. Sogar dieser Ausdruck, der auf seine Weise selbst verlogen ist, dient er doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/07/10/inglorious-basterds/"><img class="alignnone size-full wp-image-2899" title="inglourious_basterds_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/inglourious_basterds_poster.jpg" alt="" width="180" height="254" /></a>Schon alles gesagt. Damit muss man ja quasi eine Kritik zu diesem Film, die jetzt erst kommt, beginnen. Nichts, was man noch hinzufügen könnte, kein Blickwinkel, der nicht auf mehr Niveau, als mir möglich ist, bis ins Detail ausgeleuchtet wurde.</p>
<p>Alles schon gesagt. Sogar dieser Ausdruck, der auf seine Weise selbst verlogen ist, dient er doch lediglich als Alibi, sämtlichen Anspruch auf Objektivität und Vollständigkeit hinsichtlich der Berichterstattung über Bord zu werfen.</p>
<p>Wie gut, dass es sich bei diesem Eintrag nicht um eine Kritik handelt, sondern um blanke Polemik, genährt durch eine befremdliche Mischung aus Ekel und Frustration. Denn so unterhaltsam wie INGLORIOUS BASTERDS ist, so sehr muss man sich wundern, was hier von Volk und FSK als Entertainment dankend durchgewunken wurde.</p>
<p><span id="more-2896"></span><br />
Was haben wir also hier? Zum Einen, zweifelsfrei: einen echten Tarantino. Denn hier tut er mal wieder das, was er am Besten kann: Endlose, aber hochgradig unterhaltsame Dialoge schreiben, die dann zu einem dünnen, aber niemals langweiligen Plot zusammen gestückelt und mit ein paar Referenzen angereichert werden. Das gelingt auch diesmal wunderbar. Obwohl der Film nicht ganz so zitierbar ist wie Tarantinos frühere Werke, lässt er doch jede Menge toller Momente entstehen, die ihre Wirkung über den Abspann hinaus halten. In diesem Zusammenhang muss natürlich augenblicklich Christoph Waltz erwähnt werden, der den Film derart beherrscht, dass man kitschig sagen darf: Ohne sein Zutun wäre der Streifen verzichtbar. Was Waltz in seinen Szenen leistet, die nicht ohne Grund länger und unterhaltsamer sind als die von Pitt, ist mehr als beachtlich und in jedem Fall das Geld für eine Kinokarte oder DVD wert.</p>
<p>Soviel zum Guten. Doch wie der Film folgt auch diese Kritik gewissen Klischees und Konventionen: Wenn mit dem Positiven begonnen wird, folgt unweigerlich ein längerer, kritischer Teil.</p>
<p>Für mich persönlich endete der Spaß in der Szene, in der Eli Roth als »Bear Jew« einen deutschen Offizier mit einem Baseballschläger zu Tode prügelt. Im aktuellen Mainstream-Kino suchen diese paar Minuten ihresgleichen. Jede Sekunde, von der Inszenierung von Roth über den kurzen Dialog bis zur eigentlichen Ermordung, ist grauenvoll und abstoßend. Das wäre vollkommen in Ordnung, womöglich sogar lobenswert, sprächen wir hier von einem Drama, einer Tragödie oder einem Thriller. Wir reden aber von einem Film, der weder sich noch sein Thema ernst nimmt, einem gewalt- und effekttrunkenen Partyfilm, der in etwa das selbe Verhältnis zu Mord und Totschlag hat wie 300 oder SIN CITY.</p>
<p>Und während einer der Helden, angefeuert von seinen Kameraden, auf einen wehrlosen Kriegsgefangenen eindrischt, frage ich mich, ob ich ebenso empfinden würde, wenn in den Credits ein anderer Regisseur aufgeführt wäre. Einer, der nicht mit KILLBILL bewiesen hätte, dass ihm jegliches Gefühl für Zwischentöne abhanden gekommen ist, und der für einen Effekt allein jegliche Moral über Bord wirft. Ich frage mich, ob es mich weniger stören würde, wenn es nicht der Regisseur des unsäglichen HOSTEL wäre, der den Schläger hält, und von seinem Kumpel als Archetyp für jüdisches Selbstbewusstsein inszeniert wird.</p>
<p>Die Frage ist natürlich akademisch und lässt sich nicht beantworten, da die Erkenntnis unweigerlich lauten müsste, dass es in diesem Fall wohl generell ein komplett anderer Film geworden wäre. Ein einfaches Gemüt dürfte den Kritikern sogar entgegen halten, dass dieser Moment, in dieser Form, der Klarstellung der »Basterds« als Anti-Helden dienen soll. Die Szene wären jedoch allein nicht Grund genug, so ausführlich angesprochen zu werden, wäre sie nicht auch der Auslöser für weitere Fragen. Sie ist der Kern des Übels, der erkennen lässt, welche Überlegungen sich aufdrängen, wenn man einmal kurz aus dem Moment gerissen wird:</p>
<p>Man darf infrage stellen, ob die Figuren diesmal mehr sind als Abziehbilder aus einer 90er-Jahre Kaugummiverpackung. Ob die spannenden Momente wirklich dem Drehbuch, oder vielleicht doch  mehr den Darstellern zu verdanken sind, die bis auf wenige Ausnahmen durch die Bank brillieren. Tarantino zeigt, was er kann, wenn er seine Akteure ihr Bestes geben lässt &#8211; aber auch wenn er jenen, die nicht viel vermögen, kein Quäntchen Leistung entlockt.</p>
<p>Des weiteren sollte man sich fragen, WER da einem WAS als cool verkaufen möchte. Man sollte sich fragen, ob unter den Leuten, die jene Szenen mit Schmunzeln, Gelächter oder Szenenapplaus adeln, nicht auch jene sind, die angesichts von Horrorfilmen und Ego-Shootern die Nase rümpfen. Man sollte sich fragen, ob jene, die sich diesen Film kaufen und wiederholt zelebrieren, nicht genauso schlimm sind wie Leute, die allen Ernstes mehrfach für einen Film wie Avatar bezahlen. Tarantino ist, mit all seinen Macken, Mainstream. Doch wenn dies Mainstream ist, warum dann Verbote und Indizierungen? Wenn dieser Film eine 16er-Freigabe bekommen kann, warum dann überhaupt noch FSK?</p>
<p>Aber es ist ja alles nur Spaß. Es ist ja alles zu grotesk, zu überdreht, man meint das ja nicht ernst. Genau. Ironie ist die Totschlagattitüde unserer Generation. Mögen sich Menschen mit eigener Meinung aufregen und ereifern; jedes wohl durchdachte Argument muss unweigerlich an dem scheitern, was gelassene Verfechter als subversiven Spaß etikettieren. Genau wie jede Kritik zwangsläufig von dem Spruch »Tarantino mache Filme, die er selbst sehen möchte, Filme, die ihm Spaß machen« ausgebremst werden soll, obwohl dabei verkannt wird, dass sich öffentliches Erzählen immer an dem messen lassen muss, was als wertig gilt. Angesichts all der Gewalt möchte man ein Auge, das ununterbrochen zwinkert, selbst mit einem Faustschlag schließen.</p>
<p>Für jene, die nun fragen, wo bitte der Unterschied zur Ohr-ab-Szene in RESERVOIR DOGS liegt, sei ergänzend erwähnt: Genannte Szene in INGLORIOUS BASTERDS trägt nichts zur Handlung, nicht einmal zur Dynamik zwischen den Figuren bei. Sie ist einfach nur geschmacklos. Hätte man sie aus dem Film entfernt oder weniger menschenverachtend inszeniert, es wäre nicht aufgefallen. Bemerkenswert ist lediglich, dass es auch in diesem Film wieder in erster Linie <em>ein</em> versierter Darsteller ist, der die <em>wirklich</em> handlungsrelevanten Szenen über den Durchschnitt rettet.</p>
<p>BASTERDS glaubt von sich, cool genug zu sein, um damit durchzukommen. Dass er damit offenbar recht hatte, finde ich in gleichem Maße ärgerlich wie bedenklich. Was der Film kommuniziert, ist: Solange man Spaß dabei hat, ist alles erlaubt. Mit seiner unterhaltsamen Inszenierung verschleiert er letztlich aber nur, wie menschenverachtend das Geschehen eigentlich ist. Gewöhnlich wird ein solcher Film ab 18 freigegeben &#8211; mit gutem Grund. Aber bei einem Tarantino ticken die Uhren ja ein wenig anders.</p>
<p>INGLORIOUS BASTERDS ist Tarantino in Bestform, mit all seinen Stärken und Schwächen. Wer sich an oben erwähnten Faktoren nicht stört, bekommt ein actionreiches Schauspiel mit einigen grotesken Momenten und überaus unterhaltsamen Situationen geboten. Wer mit KILLBILL und Co nicht glücklich wurde, und Gewalt nicht per se unterhaltsam findet, sollte sich dem Streifen nur mit äußerster Vorsicht nähern.</p>
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		<title>Antichrist.</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 10:15:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu jener Zeit, in der ANTICHRIST in Feuilletons und Öffentlichkeit diskutiert wurde, konnte man ein interessantes Detail beobachten, dass in der Abreibung, die von Triers Neuer vielerorts kassierte, beinahe unterging. Selbt jene Kinogänger, die den Film prinzipiell mochten, äußerten sich relativ verhalten bzw. gaben sich nüchtern-kritisch, was die Bewertung mancher Aspekte betraf. Auf echte Begeisterung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/07/03/antichrist/"><img class="alignnone size-full wp-image-2888" title="antichrist-postera" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/antichrist-postera.jpg" alt="" width="180" height="247" /></a>Zu jener Zeit, in der ANTICHRIST in Feuilletons und Öffentlichkeit diskutiert wurde, konnte man ein interessantes Detail beobachten, dass in der Abreibung, die von Triers Neuer vielerorts kassierte, beinahe unterging. Selbt jene Kinogänger, die den Film prinzipiell mochten, äußerten sich relativ verhalten bzw. gaben sich nüchtern-kritisch, was die Bewertung mancher Aspekte betraf. Auf echte Begeisterung traf man recht selten. Deshalb sehe ich es als meine Pflicht, hier einen Schritt nach vorn zu wagen und mit einer klaren Ansage zu eröffnen. ANTICHRIST ist nicht genial, aber sehr, sehr gut. Punkt. Jedenfalls wenn man von der Prämisse ausgeht, dass ein Regisseur wie von Trier ein recht klares Bild vor Augen hat, wo er mit einem Film, einer Geschichte, hin will.</p>
<p><span id="more-2874"></span></p>
<div id="attachment_2890" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/antichrist-1.jpg" rel="lightbox[2874]"><img class="size-full wp-image-2890 " title="Irgendwo hier ist ein Reim versteckt, der &quot;Schnecke&quot;, &quot;Decke&quot;, und &quot;Aushecken&quot; enthält, aber ich kann ihn nicht finden." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/antichrist-1.jpg" alt="" width="460" height="307" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Wenn ich Dir nun sage, dass dein &quot;Cape&quot; meine therapeutische Schmusedecke ist, was sagst du dann, mein Schatz?&quot; - &quot;Nenn mich BATMAN!&quot;</p></div>
<p>Zunächst stellt sich die Frage, warum man NICHT von dieser Prämisse ausgehen sollte. Warum sich überraschend viele in einer Richtung äußern, die suggeriert, dass sie besser wüssten, was der Film sagen will &#8211; oder eben sagen sollte &#8211; als der, der ihn geschrieben und inszeniert hat. Ich bin beileibe kein Fan von von Trier, aber ein wenig anmaßend darf man das schon finden. Zwar nimmt sich persönliche Meinung stets das Recht, solch ein Urteil zu fällen, in diesem Fall überrascht aber die Vehemenz, mit der die Kritiker sich ereifern. Betrachtet man die Themen, bei denen jene Unkenrufe vornehmlich ertönen, wir die Angelegenheit schon klarer.</p>
<p>Stein des Anstoßes ist &#8211; zum einen &#8211; die deutliche Darstellung von Gewalt, die viele als überflüssig erachten. Ich werfe mir jetzt selbst einen Knüppel in die Beine, indem ich  zugebe, dass ich in vergangenen Werken durchaus auch den Eindruck hatte, dass von Trier sporadisch gerne um den Provozierens willen provoziert. Das ist nichts, mit dem man bei mir punkten kann. Man muss jedoch zugeben, dass der Vorteil einer solchen Attitüde sein kann, ohne Schalldämpfer und ohne Selbstzensur zu arbeiten. Und in diesem Fall darf man da sehr polemisch werden. Zum einen der Titel. Der Film heißt Antichrist. ANTICHRIST. Man muss schon sehr sensibel &#8211; oder sehr abgestumpft sein, um davon überrascht zu sein, wenn ein Erzähler bei dem Titel auf die Kacke haut.<br />
Zum anderen das Genre: von Trier ist Arthaus-Kino, keine Frage, aber hier handelt es sich um einen waschechten Horrorfilm, nur eben einen, der erwachsener und psychologisch interessanter daher kommt als der Rotz, der das Genre in den letzten Jahren diskreditiert hat. Da erschreckt sich der Programmkinobesucher also genauso wie die kleine Gruppe anspruchsvollerer Multiplex-Gänger, die nicht gerade der Gewalt wegen in Horrorfilme gehen. Falls es die überhaupt noch gibt.</p>
<p>Nein, es ist nie die Intensität der Gewalt, die allein ausschlaggebend dafür ist, wie sie vom Zuschauer wahrgenommen wird. Es ist immer (auch) der Kontext. Wem passiert was unter welchen Umständen, und wie realistisch wird dies vermittelt. Ich für meinen Teil kann sagen, dass mich seit IRREVERSIBEL wenig Filme so mitgenommen haben, ohne dass ich gleichzeitig das Gefühl hatte, manipuliert zu werden (von der Sexszene am Anfang einmal abgesehen, die in ihrer Ausführung etwas zu gewollt wirkt).</p>
<div id="attachment_2891" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/antichrist-2.jpg" rel="lightbox[2874]"><img class="size-full wp-image-2891 " title="Reichhaltiges Studentenfutter für kommende Filmwissenschaftler. Aber nur eine Rosine?" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/antichrist-2.jpg" alt="Reichhaltiges Studentenfutter für kommende Filmwissenschaftler. Aber nur eine Rosine?" width="460" height="259" /></a><p class="wp-caption-text">Sein ganzes Leben träumte er davon, Kaffeebauer zu werden. Von großen, gerösten Bohnen. Dann kamen die Pads - und alles war verloren.</p></div>
<p>Nun muss man sich fragen: Wieso darf ein solcher Film den Zuschauer nicht anekeln? Ist explizite Gewaltdarstellung immer automatisch Selbstzweck? Und wäre der wirklich, ehrlich, seinem Namen gerecht geworden, wenn er das Schlimmste ausgeblendet hätte? Niemand zweifelt an, dass Grauen und Gewalt genauso oder sogar noch viel intensiver sein können, wenn man NICHT mit der Kamera drauf hält. Die Reaktionen auf diesen Film zeigen aber, dass das Ziel erreicht wurde, Ekel und Grauen zu vermitteln. Das hat auch nichts damit zu tun, sich bei einer jüngeren Zielgruppe anzubiedern, die so etwas vielleicht erwartet. Es hat auch nicht unbedingt damit zu tun, eine ältere Zielgruppe vor den Kopf zu stoßen. Es hat aber ganz sicher damit zu tun, nicht einen Teil eines Bildes mit einem Laken abzudecken, nur weil das Gezeigte geschmacklos ist. Ein solcher Film verlangt, mit Verlaub, einen Umgang, der dem entspricht, was man Kunst im allgemeinen zugesteht. Und dass ANTICHRIST Filmkunst ist, möchte ich glaubwürdig widerlegt sehen. Was von Trier hier atmosphärisch, visuell und akustisch aus sich herausholt und wagt, spottet jeder Beschreibung. Und wenn ein Filmemacher hüfttief in Symbolik watet, ohne dabei unterzugehen, werde ich vorsichtig, mir besseres Wissen zuzusprechen.</p>
<p>Stein Nummer 2 ist das Thema Frauenfeindlichkeit, also auf seine Weise noch brisanter, und spätestens hier verliere ich ein wenig den Durchblick. Seit wann, möchte ich fragen, macht sich ein Erzähler die Meinung seiner Figuren zu eigen? Soweit ich informiert war bzw. bin, war es nie Aufgabe, nie die Pflicht eines Erzählers, politisch korrekt zu sein, genauso wenig wie man als Erzähler differenziert oder objektiv zu sein hat, sofern man sich dies nicht zu sein behauptet. Hat der Drehbuchautor eines Films wie ROMPER STOMPER, der damals ähnlich krass wirkte, die Pflicht, die Aktionen seiner Protagonisten anzuprangern? Oder sollten die Geschehnisse nicht für sich selbst sprechen? Geschichten haben immer auch erzieherischen Wert, beizeiten auch erzieherische Pflicht, doch ist dafür bei einem Werk, dass keine Jugendfreigabe erhält, wirklich der erhobene Zeigefinger notwendig? Man bedenke: von Trier sichert sich sogar ab, in dem er beide Charaktere seines Films in gleichem Maße hoch neurotisch macht, zumindest zu Beginn. Die Sünde, die den Stein ins Rollen bringt, ist die eitle Arroganz des Mannes, nicht die Psychose der Frau. Dass irgendwann die Waage kippt, und einer der beiden zum Antagonisten werden muss, liegt in der Natur des Erzählens. Dass es die Frau ist, die sich frauenfeindlich äußert, und durch ihr Verhalten dies gleich noch bestätigt, ist vielleicht nicht die bestmögliche Konstellation, steht aber im Dienst einer Geschichte, und was wäre langweiliger gewesen als ein frauenfeindlicher Mann? Nun, da dies gesagt ist, sei erwähnt, dass von Trier diversen Quellen zufolge tatsächlich ein Problem mit Frauen, bzw. konkreter der weiblichen Sexualität (was auch immer damit gemeint ist), hat. In Verbindung mit anderen Leiden kann man ihm hier kaum Distanz akkreditieren. Daran kann man die vorhandenen Passagen messen. Man kann jedoch auch nicht von einem Ausmaß sprechen, dass den Film ohne dieses Vorwissen als frauenfeindlich enttarnen würde. Auch dies nimmt dem Film nicht seinen Schrecken, seine unleugbare  Intensität.</p>
<p>Kommen wir zum Ende. Ich bezweifle nicht, dass ANTICHRIST anders hätte gemacht werden KÖNNEN. Ich stelle aber in Frage, ob er anders gemacht werden MUSSTE. Er funktioniert, wenn auch mit Kollateralschaden, sehr gut. Kamera, Besetzung und Ton sind vortrefflich, das Drehbuch bietet zweifelsfrei sehr solide Dialoge, die von der Inszenierung in stets origineller, nie langweiliger Weise transportiert werden. Daraus resultiert eine Atmosphäre, die nicht nur dem Titel auf eigenwillige Weise gerecht wird, sondern auch eine Stimmung, die so in dieser Form lange nicht mehr auf der Leinwand zu sehen war. Dass er mit seiner Thematik und seiner Inszenierung sowohl das  Massenpublikum als auch Filmverständige vergrault, ist schade.</p>
<p>Und so darf man mit etwas Chuzpe sagen, dass ANTICHRIST eine Art SHINING meets MISERY meets EVIL DEAD für diese Dekade darstellt. Mehr noch: Es ist ein kunstvoll inszenierter Albtraum, den man in solch reifer Form selten bis nie zu sehen bekomm, in gleichem Maße widerlich wie furchterregend, abstoßend wie beeindruckend, polemisch wie fesselnd.</p>
<p>ANTICHRIST wirkt, als wolle er um keinen Preis gefallen.<br />
Aber das muss er ja auch nicht. Er muss nur funktionieren.</p>
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		<title>Cargo.</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Jun 2010 12:35:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[My Dear Diorama]]></category>
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		<description><![CDATA[»Stell Dir vor, du fliegst ins All, und langweilst dich zu Tode.« So könnte der Slogan eines Films über die Folgen anhaltender Isolation bei Raumfahrern lauten. In diesem Fall beschreibt es leider in erster Linie den Film selbst, weniger dessen Handlung.
Der Start der Reise gerät noch halbwegs interessant. Regisseur und Co-Autor Ivan Engler verstand das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/06/06/cargo/"><img class="alignnone size-full wp-image-2863" title="Cargo" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/cargo1.jpg" alt="" width="180" height="252" /></a>»Stell Dir vor, du fliegst ins All, und langweilst dich zu Tode.« So könnte der Slogan eines Films über die Folgen anhaltender Isolation bei Raumfahrern lauten. In diesem Fall beschreibt es leider in erster Linie den Film selbst, weniger dessen Handlung.</p>
<p>Der Start der Reise gerät noch halbwegs interessant. Regisseur und Co-Autor Ivan Engler verstand das Beste aus dem überschaubaren Budget zu machen und eröffnet sein Zweitwerk mit Space-Porn allererster Güte. Eine gigantische Raumstation, auf der fast die komplette, verbliebene Menschheit beheimatet ist, dreht sich glitzernd im All. Aus einer TV-Sendung und Werbetrailern erfährt der Zuschauer vom Elend unserer Erde, die längst nicht mehr bewohnbar ist, sowie der Existenz eines neuen Planeten, der jedoch nur den Glücklichen und Reichen Unterschlupf gewährt.</p>
<p><span id="more-2861"></span></p>
<div id="attachment_2870" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/cargo03.jpg" rel="lightbox[2861]"><img class="size-full wp-image-2870" title="Was Kälteschlaf betrifft, ist Gel ja mittlerweile state of the art. Es kühlt - und formt die Haare." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/cargo03.jpg" alt="" width="460" height="233" /></a><p class="wp-caption-text">So fühlt man sich also als Zahnpasta.</p></div>
<p>In den folgenden Minuten schimmert mit der Einführung der Protagonistin erstmals durch, was CARGO trotz der beachtlichen Effekte letztlich immer wieder als Indie-Produktion demaskiert. Gestus, Dialoge und Sprechweise der Hauptdarstellerin wirken wie in vielen jungen, deutschsprachigen Produktionen eigenartig steif und aufgesetzt, was sich nicht zwangsläufig bzw. allein mit mangelnder Erfahrung erklären lässt. Auch die Motivation der Protagonistin, auf dem Frachtschiff anzuheuern, welches den Großteil der Laufzeit über Schauplatz der Handlung sein wird, könnte direkt aus einem Übungsbuch in Drehbuchschreiben übernommen worden sein und lässt bereits deutlich erahnen, wohin die erzählerische Reise geht.</p>
<p>Für eine Weile gelingt es dem Ambiente, allen voran den gekonnt präparierten und eingefangenen Kulissen, davon abzulenken. Mit den ersten Andeutungen einer fremden Präsenz an Bord wird auch der vom Trailer geweckte Eindruck bestätigt, dass Engler irgendwie auch gerne einen neuen ALIEN drehen oder diesem Klassiker zumindest huldigen möchte, denn die dunklen Gänge des gigantischen Raumfrachters schaffen exakt jene klaustrophobische Atmosphäre, die jeder Filmfan mit der Nostromo assoziiert. Verstärkt wird der Effekt durch die kleine Crew, die in Zusammenstellung, Charakterzeichnung und Grundstimmung dem geistigen Vater kaum ähnlicher sein könnte.</p>
<p>Wenig später deutet sich jedoch bereits an, was letztendlich den zentrale Mangel des Films bildet. Man beginnt zu ahnen, dass CARGO nicht liefern wird, was er an Erwartungen weckt. Sobald erahnbar wird, was sich an Bord befindet, verfällt der Film in einen erzählerischen Kälteschlaf und verliert jeglichen Bewegungsmoment &#8211; ein Todesstoß für die Stimmung. Ab diesem Moment ändern auch ein paar ansehnliche CGI-Sequenzen, ein wenig wohldosierte Action und die grundsätzlich saubere Inszenierung wenig an der schleichenden Langeweile, die sich  unweigerlich beim Zuschauer breitmacht. Besonders fatal dabei ist, dass genau jene Szenen, die eindeutig Höhepunkte darstellen sollen, auf ganzer Linie enttäuschen.</p>
<div id="attachment_2866" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/cargo02.jpg" rel="lightbox[2861]"><img class="size-full wp-image-2866 " title="Schnappschuss aus dem &quot;Writers Room&quot;" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/cargo02.jpg" alt="Schnappschuss aus dem &quot;Writers Room&quot; von CARGO." width="460" height="259" /></a><p class="wp-caption-text">Als ihm klar wurde, dass man im Weltall als Kapitän nicht &quot;mit seinem Boot untergehen&quot; konnte, wusste Ernst Groebe, dass seine Tage gezählt waren.</p></div>
<p>Gegen Ende wird es dann plötzlich rasant. Als hätten sich die Drehbuchautoren darauf besonnen, dass sie doch eigentlich eine Geschichte erzählen wollten, gibt das Drehbuch unvermittelt vollen Schub und donnert durch ein Ende, dass einem anderen Film gut gestanden hätte, wenn es nicht &#8211; wie hier &#8211; vollkommen übereilt und gehetzt durchgenudelt werden würde. Die plötzliche, aufgesetzte Dramatik erschreckt mehr, als das sie unterhält, und ohne ausreichende emotionale Basis verglüht die nette, leider aber auch sehr abgedroschene Aussage lange bevor Sie beim Zuschauer zu anzudocken vermag.</p>
<p>Dass CARGO in seiner Gesamtheit unbefriedigend wirkt, liegt weniger an den unvermeidbaren Logikmängeln, gegen die sich das Drehbuch mit klassischen Tricks weitgehend abzusichern verstand, sondern mehr an dem Gefühl, Zeuge eines Experiments geworden zu sein, dass ungewollt das volle Ausmaß seiner Schwächen offenlegte. Zwei abgedroschene Themen zu verschmelzen, um etwas Neues zu schaffen, muss, wenn es nicht gelingt, unweigerlich in einer Potenzierung von Vorhersehbarkeit und Unwillen enden.</p>
<p>Es ist erfreulich, dass in den letzten Jahren wieder zunehmend »echte« Science-Fiction Filme gedreht werden. Dass man CARGO handwerklich kaum ansieht, wie viel er gekostet haben mag, und die Atmosphäre in der ersten Hälfte überhaupt Erinnerungen an Größen wie ALIEN weckt, macht Engler auf jeden Fall zu einem soliden Regisseur. Nur das Drehbuchschreiben sollte er anderen überlassen &#8211; oder weniger Leute mit einbeziehen, wie die 5 Namen in den ausführlichen Credits nahe legen.</p>
<p>Fazit:</p>
<p>CARGO ist wie eine talentlose Stripperin mit wenig »drunter«. Nach etwa einer halben Stunde beginnt dem Zuschauer zu dämmern, dass der Film nichts mehr zu zeigen hat, bzw. dass das, was einen erwartet, nicht halb so interessant sein wird, wie der Trailer hoffen ließ. Regisseur und Co-Autor Ivan Engler merkt dies leider erst 20 Minuten vor Schluss, woraufhin das Geschehen ebenso abrupt wie uninspiriert zu einem fulminanten Finale hochgepeitscht wird, dass sich nicht nur vollkommen von der bislang aufgebauten Atmosphäre verabschiedet, sondern zu allem Überfluss auch noch angestrengt bedeutungsschwanger und moralbeladen daher kommt. Dass der finale Kniff schon nach der ersten Hälfte absehbar war, stört da noch am wenigsten. Dass auf dem Weg von der Andeutung zur Auflösung so wenig Spannung und Unterhaltungswerte vermittelt werden kann, hingegen sehr.</p>
<p>Weniger trashig als der kürzlich erschienene PANDORUM, aber erzählerisch kaum anspruchsvoller und definitiv nicht unterhaltsamer. Weniger als ein Jahr nach MOON und mit einer langen Liste themenverwandter Filme reicht das nicht für eine Empfehlung.</p>
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		<title>The Collector.</title>
		<link>http://www.acidbar.de/wordpress/2010/05/15/the-collector/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 May 2010 11:30:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Wichtigste vorweg: Ich habe kein gutes Gefühl dabei, THE COLLECTOR zu empfehlen. Es ist ein kleiner, wenig innovativer Folter- Fallen-Film, der in keiner Kategorie, sei es Drehbuch, Inszenierung oder Technik, richtig überzeugt. An den Standards seines Genres gemessen, kann man ihm aber einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Dass er diesen maßgeblich daraus bezieht, im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/05/15/the-collector/"><img class="alignnone size-full wp-image-2819" title="TheCollector Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/The-Collector.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Das Wichtigste vorweg: Ich habe kein gutes Gefühl dabei, THE COLLECTOR zu empfehlen. Es ist ein kleiner, wenig innovativer <span style="text-decoration: line-through;">Folter-</span> Fallen-Film, der in keiner Kategorie, sei es Drehbuch, Inszenierung oder Technik, richtig überzeugt. An den Standards seines Genres gemessen, kann man ihm aber einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Dass er diesen maßgeblich daraus bezieht, im Gegensatz zu seinen Genossen <strong>nicht</strong> maßlos zu nerven, muss einem nicht gefallen, der Fairness halber aber kurz erwähnt werden.</p>
<p>Man ist ja einiges gewohnt. Figuren, deren Sprechtext einem mehr Schmerzen bereitet als der Anblick der grausigen Gewaltakte. Plotwendungen, denen Glaubwürdigkeit ebenso fremd ist wie den Schauspielern der Begriff &#8220;Mienenspiel&#8221;, und die charakterbezogene Motivation durch blanke Idiotie ersetzen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. THE COLLECTOR ist hier nicht viel besser. Nur ein wenig. Aber auf dieses Etwas kommt es durchaus an.</p>
<p><span id="more-2814"></span></p>
<p>Natürlich ist die Prämisse, dass ein Serienmörder innerhalb weniger Stunden ein Haus mit einer solchen Vielzahl kruder Fallen präpariert, dass selbst ein ganzes Team von Handwerkern mehrere Tage damit beschäftigt wäre, alles zu installieren, vollkommen bescheuert. Dass in genau dieses Haus, an genau diesem Abend, ein Einbrecher einsteigt, ist hingegen witzig und wird &#8211; wenn auch mit einigen Abkürzungen &#8211; halbwegs glaubwürdig erklärt. Es reicht sogar noch für ein Sahnehäubchen in Form genervter One-Liner, die zur Abwechslung mal nicht peinlich gerieten, sondern jene Gedanken artikulieren, die einem auch als Zuschauer angesichts solcher Szenen durch den Kopf gehen.</p>
<p>Ähnlich verhält es sich mit dem weiteren Verlauf des Geschehens. Warum der Einbrecher (unsere Hauptfigur) nach Entdecken der Fallen, ersten Verletzungen und gerade mal so eben gelungener Flucht allen Ernstes noch einmal umdreht, wird knapp aber nachvollziehbar dargelegt. Hier &#8211; wie an ein paar anderen Stellen &#8211; hat sich das Drehbuch vorher abgesichert, und auch wenn die Art und Weise, in welcher derlei Erzähltechniken angewendet werden, oberflächlich und durchsichtig wie Frischhaltefolie ist, kann man nicht umhin, zur Kenntnis zu nehmen, dass hier Rücksicht auf Details genommen wird, um die sich Filmreihen wie SAW keinen Deut mehr zu scheren scheinen.</p>
<p>Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Abstand, mit dem THE COLLECTOR diese Klippen umschifft, ist äußerst gering. Dass es sich bei den Machern von THE COLLECTOR ironischerweise um jenes Team handelt, das sich auch für SAW IV bis VI verantwortlich zeichnet, sollte in ausreichendem Maß für sich sprechen und jeden Zweifel daran, um was für eine Art von Film es sich handelt, aus dem Weg räumen. Weitaus weniger intelligent als der erste SAW, aber auch nicht so abartig wie ein HOSTEL, lässt er jegliche Finesse und Rafinesse vermissen. Der Twist am Ende ist als solcher kaum zu erkennen, die Enthüllung des Täters uninteressant und ohne Konsequenz für die Bewertung des vorher gesehenen. Wer sich heute noch davon einschüchtern lässt, dass ein Täter vor seinen Greueltaten unentdeckt in der Nähe seiner Opfer agiert hat, hat in derlei Genre-Kino nichts zu suchen.</p>
<p>Man muss den Herren aber zugestehen, hier in kleinem Maß zu zeigen, was man im Genre sonst weithin vermisst: Ein wenig Zurückhaltung. Es werden weder neue Untiefen der Grausamkeiten ausgelotet, noch so lange mit der Kamera draufgehalten, bis auch dem letzten Dumpfhirn im Publikum übel ist. Den Hauptteil des Films nimmt das Katz- und Maus-Spiel zwischen Psychopath und Kleingangster ein, und auch wenn dieses vom Niveau her nicht über einem Tom und Jerry Cartoon liegt, fühlt man sich wenigstens nicht abgestoßen oder für dumm verkauft. Die Fallen sorgen hingegen in ihrer blanken Absurdität für den ein oder anderen Schmunzler, wie man ihn sich bei FINAL DESTINATION schon nicht verkneifen konnte.</p>
<p>Das ist nicht viel, und wie das Gesamtbild sowie die Auflösung am Ende befürchten lässt, wird auch nicht wesentlich mehr aus diesem neuen Franchise erwachsen als eine Reihe niedrig budgetierter Slasher. Zum Abschalten am einem regnerischen Abend, oder für Horrorfans, die Fallen noch  nicht überdrüssig sind, kann man ihn aber &#8211; ne, ich trau&#8217; mich doch nicht.</p>
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		<title>Heartless.</title>
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		<pubDate>Sat, 15 May 2010 10:01:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fantasy Filmfest]]></category>
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		<category><![CDATA[mystery]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor ein paar Monaten stellte FRANKLYN bedauernswerterweise zur Schau, dass auch ein frischer Wind den Geruch von faulen Eiern mit sich tragen kann. Trotz aller Ambitionen, seinem Genre etwas Neues abzugewinnen, wenn nicht sogar ein eigenes zu schaffen, vermochte er in keinem Punkt richtig zu überzeugen. HEARTLESS scheitert ebenfalls bei dem Versuch, wichtige Schlaglöcher zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/05/15/heartless/"><img class="alignnone size-full wp-image-2804" title="Heartless" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/heartless_poster.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Vor ein paar Monaten stellte <a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2009/03/17/franklyn/" target="_blank">FRANKLYN</a> bedauernswerterweise zur Schau, dass auch ein frischer Wind den Geruch von faulen Eiern mit sich tragen kann. Trotz aller Ambitionen, seinem Genre etwas Neues abzugewinnen, wenn nicht sogar ein eigenes zu schaffen, vermochte er in keinem Punkt richtig zu überzeugen. HEARTLESS scheitert ebenfalls bei dem Versuch, wichtige Schlaglöcher zu umfahren, und donnert statt dessen mit Karacho in eine Sackgasse anstrengender Belanglosigkeit.</p>
<p>Aber beginnen wir von vorn.</p>
<p>Zu Beginn ist vom Willen zur Innovation nicht viel zu merken. Ein junger, durch ein schlimmes Muttermal entstellter Fotograf streift durch die heruntergekommenen Teile Londons um Fotos von Hausruinen und Verfall zu schießen. So weit, so klischeebeladen. Als er beim späteren Entwickeln der Fotos in einem Fenster eine geisterhafte Fratze entdeckt, hat er natürlich nichts Besseres zu tun, als mitten in der Nacht zu jenem Haus zurück zu kehren und den Dingen auf den Grund zu gehen, wobei er gleich mal Hausfriedensbruch begeht.</p>
<p><span id="more-2802"></span></p>
<div id="attachment_2806" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/heartless_1.jpg" rel="lightbox[2802]"><img class="size-full wp-image-2806 " title="Das Motto &quot;Unsere Stadt  muss grüner werden.&quot; wurde offensichtlich falsch verstanden." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/heartless_1.jpg" alt="Unsere Stadt muss grüner werden." width="460" height="222" /></a><p class="wp-caption-text">Wo Innenarchitekten Amok  laufen.</p></div>
<p>Das mag man als Zugeständnis ans Genre werten, oder als Zeichen dafür, dass der Drehbuchautor absolut keine Idee hatte, wie er seine Figur in die geplante Geschichte bringen soll. Man ist ja mittlerweile gewohnt, Fotografen in Filmen stets einen Voyeurismus zugestehen, der jeglichen Anstand und Selbsterhaltungstrieb beiseite wischt. Trotzdem würde man sich von einem so »jungen« Mysterythriller etwas mehr Kreativität und Glaubwürdigkeit wünschen, was die Motivation des Protagonisten betrifft, sich einer unbekannten Bedrohung zu nähern.</p>
<p>Wie dem auch sei: Es entspinnt sich eine Geschichte über echsenhafte Monster, die den Stadtteil terrorisieren, über den bzw. einen Teufel, der Wünsche gewährt und damit die Stadt ins Chaos und seine gewonnen Lakaien in den Untergang treibt, und eben jenen Fotografen, der doch eigentlich nur normal sein will, und dabei seine Seele aufs Spiel setzt. Nebenher bringt man noch ein wenig Milieustudie und Romantik unter, wobei letztere natürlich einer der Aufhänger ist, die den Protagonisten am laufen halten, nachdem die Initialzündung verpufft ist. Um jenen, die dem Film gern eine Chance geben möchten, nicht die Freude zu verderben, sei es mit diesen vagen Angaben belassen. Es sei lediglich gesagt, dass am Ende doch alles ganz anders ist, wobei dies leider keinen Mehrwert darstellt &#8211; ganz im Gegenteil.</p>
<div id="attachment_2807" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/heartless_2.jpg" rel="lightbox[2802]"><img class="size-full wp-image-2807" title="An dieser Stelle den Werbeslogan  eines Herstellers für Frischhaltefolie zu zitieren, ist sogar unter  MEINEM Witzniveau." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/heartless_2.jpg" alt="" width="460" height="259" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Das ist nichts Sexuelles, ehrlich. Aber sei doch  so gut und leck mich kurz ab.&quot;</p></div>
<p>Dass zwei Absätze weiter oben von einem »jungen« Mysterythriller die Rede war, hat zwei Gründe. Erstens haftet HEARTLESS deutlich der Beigeschmack eines Erstlingswerkes an, was er streng genommen aber nicht ist. Zweitens ist Regisseur und Drehbuchautor Philip Ridley mit seinen 46 Jahren nun auch kein Jungspund mehr, auch wenn sein Werk sehr überschaubar ist. Beides führt aber zu einem gewissen Grad an den prägenden Makel des Films heran: Timing. Ridley macht leider genau da vieles falsch, wo der Pulsschlag eines Films am deutlichsten zu fühlen ist. Während diverse Szenen, unter anderem die wenig innovative Romanze, unnötig in die Länge gezogen werden, werden andere, nicht minder essenzielle Aspekte, viel zu abgehackt abgehandelt. Der daraus resultierende, holprige Eindruck macht jeden netten Ansatz zunichte und stört noch mehr als die eingangs erwähnte, genreübliche Dummheit der Figuren.</p>
<p>Ein weiterer, eher nebensächlicher Faktor, der aber Filmfans auffallen wird, ist, wie konsequent das cineastische Grundwissen der Zuschauer ignoriert wird. Manche Motive sind so etabliert, dass man als Erzähler davon ausgehen kann, dass das Publikum selbstständig die Lücken füllt und Verbindungen herstellt. Klischees sind dafür nur ein Beispiel. Die Fähigkeit, solche Stellen zu identifizieren, und an der richtigen Stelle abzublenden, bevor das Publikum sich zu langweilen beginnt, macht in solchen Fällen gutes Storytelling aus.</p>
<p>Wird nun aber beispielsweise ein Date, dessen genauer Ablauf für die Geschichte irrelevant ist, nicht in ein bis zwei Minuten oder einer prägenden Szene auf den Punkt gebracht, sondern in einer gefühlt viertelstündigen Montage von Momenten, die die Etappen des Abends beschreiben, ausgewalzt, muss man sich als Autor und Regisseur gefallen lassen, als Amateur bezeichnet zu werden. Statt sich den Figuren verbundener zu fühlen, wird der Zuschauer aus dem Geschehen gerissen und selbst zum Voyeur degradiert. Ein ähnlicher Effekt entsteht übrigens durch den Stolz, mit dem der nette, aber nicht beeindruckende Soundtrack präsentiert wird, was leider ebenfalls darin resultiert, dass überflüssige Einstellungen aneinandergereiht bzw. in die Länge gezogen werden.</p>
<p>Um zur Abwechslung mal wieder ein müdes Wortspiel zu bringen: Man kann HEARTLESS vieles vorwerfen, aber nicht, dass es der Umsetzung an Herz mangelt. Leider zeigt der Film, wie wenig das im Ernstfall nützt. So wird aus einem netten Mysterythriller ein Paradebeispiel für Scheitern mangels Erfahrung und Gefühl für gutes Erzählen.</p>
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		<title>Kalender girls.</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 10:55:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rund um die Jahrtausendwende, offenbar zu einer Zeit, als in gewissen Bevölkerungsgruppen ein gesteigertes Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Harmonie herrschte*, schafften es eine Reihe von Filmen auf die Leinwände mittlerer bis kleinerer Säle, die man herablassend als &#8220;Dorfkomödien&#8221; bezeichnen könnte. Filme wie LANG LEBE NED DEVINE und GRASGEFLÜSTER setzten auf frechen, aber leicht verdaulichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/05/09/kalender-girls/"><img class="alignnone size-full wp-image-2796" title="calendar_girls" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/calendar_girls.jpg" alt="" width="180" height="266" /></a>Rund um die Jahrtausendwende, offenbar zu einer Zeit, als in gewissen Bevölkerungsgruppen ein gesteigertes Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Harmonie herrschte*, schafften es eine Reihe von Filmen auf die Leinwände mittlerer bis kleinerer Säle, die man herablassend als &#8220;Dorfkomödien&#8221; bezeichnen könnte. Filme wie LANG LEBE NED DEVINE und GRASGEFLÜSTER setzten auf frechen, aber leicht verdaulichen Humor sowie schrullige Charaktere, die in ländlichem Setting von charmant verrunzelten Darstellern verkörpert wurden.<br />
Das kam gut an und wurde beinahe zu einem cineastischen Même, dessen Ausläufer noch Jahre später spürbar waren. Selbst heute  beschert der Wunsch nach Landidylle und Culture Clash Komödien Filmen wie dem mies übersetzten WILLKOMMEN BEI DEN SCH&#8217;TIS noch ein dankbares Publikum. Nüchtern betrachtet war CHOCOLAT jedoch der einzige Vertreter der &#8220;gentle comedies&#8221;, der dank großer Namen und süßem Thema nachhaltig Freude bereiten konnte. Selbst dieser findet heute jedoch bestenfalls noch in Frauenzeitschriften und Fernsehprogrammen Erwähnung.</p>
<p><span id="more-2790"></span></p>
<p>KALENDER GIRLS gehört zu eben dieser Sorte Film, war aber damals (2003) schon fast ein Nachzügler. Sieht man ihn sich heute an, muss man zugeben, dass er weniger gut gealtert ist als seine Darsteller. Die komplett konfliktbefreite Story über eine Gruppe Hausfrauen, die für einen guten Zweck einen erotischen Kalender publizieren, in dem sie selbst die Models sind, plätschert mit einer Gelassenheit vor sich hin, die schon beinahe weh tut. Sämtliche Ansätze, die über die ach so drollige Prämisse hinausgehen, werden kurz angesprochen und dann links liegen gelassen. Dabei wären gerade Themen wie familiäre Spannungen in diesem Kontext &#8211; wenn nicht interessant &#8211; dann doch zumindest eigenständige Facetten abzugewinnen gewesen. Statt dessen begnügt sich das Drehbuch, die rüstigen Damen nach Hollywood zu schicken &#8211; ein Besuch, der sich die ganze Zeit über wie eine Montage anfühlt &#8211; und den dort &#8220;eskalierenden&#8221; Egotrip der Hauptdarstellerin (Helen Mirren) kurz darauf mit einem Blick und einem Lächeln wieder abzutun.</p>
<p>Was man aus dem Film für sich mitnehmen kann, ist die Erkenntnis, dass Helen Mirren in jeder Rolle cool wirken kann &#8211; was nach SHADOWBOXER aber sowieso niemand mehr in Frage stellen wird &#8211; und dass eine coole Sau wie Philip Glenister immer sympathisch wirkt, egal ob er einen chauvinistisch-bulligen Loner wie DCI Gene Hunt in Life on Mars oder &#8211; in diesem Fall &#8211; einen schüchternen, zurückhaltenen Hobbyfotografen spielt.</p>
<p>Außerdem in einer Nebenrolle: Ciarán Hinds (ROME, HALLAM FOE, THERE WILL BE BLOOD), dessen Charaktergesicht und Präsenz zu keiner Sekunde genutzt werden, der aber wenigstens der Rolle des verständnisvollen, wenn auch wenig begeisterten Gatten jene Authentizität verleiht, die ein Film wie dieser unbedingt benötigt, um wenigstens grundlegend zu funktionieren. Dass Männer in diesem Film ansonsten bestenfalls als kleine Widersacher oder große Kinder zur Verfügung stehen, untermauert den Eindruck, dass der KALENDER GIRLS lediglich für eine sehr spezielle, kleine Zielgruppe gemacht wurde.</p>
<p>Freunden des Genres bleibt zu hoffen, dass solche Filme in noch einmal 10 bis 20 Jahren jenen Unterhaltungswert zugesprochen bekommen, den man heute alten Heinz-Erhardt-Streifen und Lümmel-Filmen zugesteht. Wahrscheinlicher scheint, dass sie bis dahin in Vergessenheit geraten sein werden. In diesem Fall: Good riddance.</p>
<p><em>*Wann das nicht der Fall ist, vermag ich nicht zu sagen.</em></p>
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		<title>Daybreakers.</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 10:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist mal wieder Zeit für eine neue Regel, also aufgemerkt: Je schicker der Trailer für einen Genrefilm wirkt, desto beschissener ist wahrscheinlich das abendfüllende Endergebnis. Spontan denke ich hier an UNDERWORLD und 28 WEEKS LATER. Seit kurzem auch an DAYBREAKERS.
Zugegeben: Ich hab es mit Vampirfilmen nicht so. Wie mittlerweile auch bei Zombiefilmen muss ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/05/04/daybreakers/"><img class="alignnone size-full wp-image-2773" title="Daybreakers Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/daybreakers1.jpg" alt="" width="180" height="267" /></a>Es ist mal wieder Zeit für eine neue Regel, also aufgemerkt: Je schicker der Trailer für einen Genrefilm wirkt, desto beschissener ist wahrscheinlich das abendfüllende Endergebnis. Spontan denke ich hier an UNDERWORLD und 28 WEEKS LATER. Seit kurzem auch an DAYBREAKERS.</p>
<p>Zugegeben: Ich hab es mit Vampirfilmen nicht so. Wie mittlerweile auch bei Zombiefilmen muss ich darauf achten, ein gewisses »Film/Jahr«-Pensum einzuhalten, da aus wiederholter Enttäuschung sonst Abneigung, später physisch spürbarer Widerwillen wird. Bei DAYBREAKERS, einem postapokalyptischen Vampirstreifen mit Sam Neill, Willem Dafoe und Ethan Hawke, schien es an der Zeit, sich zu  überwinden. Das Ergebnis waren gut zwei Stunden gequältes Herbeisehnen eines Abspanns, der einfach nicht kommen wollte.</p>
<p><span id="more-2770"></span></p>
<div id="attachment_2772" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/daybreakers2.jpg" rel="lightbox[2770]"><img class="size-full wp-image-2772" title="Nein, das sind nicht Hudson Hawke und Willem Tell." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/daybreakers2.jpg" alt="" width="460" height="238" /></a><p class="wp-caption-text">Zeitgemäße Herrenmode trifft auf zeitgemäße Waffentechnik.</p></div>
<p>Zugegeben 2: Die Besetzung war eine Warnung, die man nicht hätte ignorieren dürfen. So sehr ich Neill, Dafoe und Hawke auch mag, jeder von ihnen hat bei seiner Filmwahl mehr als nur einmal heftig enttäuscht. Im Fall von Neill und Dafoe sollte man sogar von einem Abgleich absehen, das Resultat könnte ernüchternd sein.</p>
<p>Was hat der Film also zu bieten, abgesehen von einem Titel, den man wörtlicher kaum nehmen kann (jedenfalls, wenn man sich den Tag kaputt machen will). Die Ernüchterung setzt quasi bereits mit dem Kennenlernen den Protagonisten ein. Die aufgesetzte Schwermut von Hawkes Charakter (Name schon wieder vergessen) nervt, lange bevor sich die Handlung als absoluter Quark enttarnt. In gewissem Sinne erinnert seine Passivität an das extrovertierte Leiden von Brad Pitts Charakter Louis de Pointe du Lac (übersetzt: Louis, dem die Daseinsberechtigung fehlt) in INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR. Als Hauptfigur eine denkbar schlechte Wahl, die darin resultiert, dass man sämtlichen Nebenfiguren &#8211; selbst den Antagonisten &#8211; mehr Dialoge und zum Teil auch mehr Erfolg in ihrem Bemühungen wünscht. Abgesehen davon sieht es auf deren Seite aber nicht viel sonniger aus.</p>
<p>Sam Neill darf mal wieder finster sein, versteckt sich aber hinter der blassen Schminke und trägt seine banalen Zeilen mit einer Zufrieden- und Gelassenheit vor, der man fast anmerken kann, wie sehr es ihn beruhigt, seine Karriere in trockenen Tüchern und nicht von diesem Film abhängig zu wissen.<br />
Willem Dafoe als Widerstandskämpfer scheint komplett austauschbar, vor allem da sein Sprechtext ein paar der generischsten, bemühtesten One-Liner enthält, die der Film zu bieten hat. Seine Inszenierung als »coole Sau« ruft leider nur in Erinnerung, um wie viel besser James Woods in JOHN CARPENTERS VAMPIRES diesen trashigen Archetyp im Griff hatte.</p>
<div id="attachment_2775" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/daybreakers3.jpg" rel="lightbox[2770]"><img class="size-full wp-image-2775" title="Ihr wisst, nur einer von euch kann Germanys Next Armbrustmädel werden..." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/daybreakers3.jpg" alt="" width="460" height="308" /></a><p class="wp-caption-text">Gar nicht so selten: Eine ménage à trois in der Partnerberatung. Scheint aber ein recht hoffnungsloser Fall zu sein.</p></div>
<p>Die Handlung selbst ist kaum einer Erwähnung wert, soll der Fairness halber aber knapp erläutert werden, also: Vampire haben die Menschheit versklavt und nutzen sie als Zapfsäulen. Die fortgeschrittene Technik erlaubt eine voll automatisierte Ernte, eingegliedert in ein schattenhaftes Abbild unserer kapitalistisch geprägten, modernen Zivilisation. Als sich die Menschheit der Ausrottung nähert, die Blutreserven zu  Neige gehen und immer mehr Vampire aus Blutmangel zu Monstern degenerieren, wird die Bevölkerung zunehmend unruhig. In der wachsenden Verzweiflung gerät ein standhafter Blutforscher (Hawke), der  sein Dasein als Vampir verabscheut und mit dem Finden einer Ersatzlösung betreut ist, an eine Zelle menschlicher Widerstandskämpfer, angeführt von einem »ehemaligen« Vampir (Dafoe), die ihn für sich gewinnen können und versprechen, ihn ebenfalls zurück zu verwandeln. Von sich, seiner Rasse im allgemeinen und seinem Boss (Neill) im speziellen angewidert, verbündet sich Hawke mit Dafoe und nimmt den Kampf für &#8211; oder gegen, je nachdem &#8211; sein eigenes Volk auf.</p>
<p>Das hier im Kleinen wie im Großen mit dem breiten Pinsel gearbeitet wird, dürfte nicht überraschen. Was aber erstaunt, ist die Dreistigkeit, mit der interessante Themen in irrwitziger Knappheit abgehandelt oder quasi links liegen gelassen werden, während die banale Hatz, das Hin und Her der verfeindeten Parteien, auf die von durchschnittlichen Actionfilmen zu genüge bekannte Weise vor sich hin tröpfelt. Die Inszenierung krankt dabei am alten »Optik vor Inhalt«-Syndrom, denn Sätze, die nicht von einem Minderjährigen geschrieben scheinen, sind in etwa so knapp wie die Blutreserven 20 Minuten vor Filmschluss, als (Wenn das ein SPOILER ist, Pech) nur noch ein paar ausgelutschte Leichen an den Zapfsäulen hängen.</p>
<p>Um das Leid hier schneller zu beenden als der Film, sei eingestanden, dass nicht wenige Leute in der von mir besuchten Vorstellung den Saal mit einem breiten Grinsen verließen. Ich fühlte mich eher so, als hätte ich meine mehrstündige Zugfahrt mit überdrehten, dauerschnatternden Teenagern im selben Abteil hinter mir.</p>
<p>Wer die eingangs im Vergleich genannten Filme mag, und somit die letzten 2 Minuten mit anhaltendem Zweifel diese Kritik überflogen hat, mag durchaus auf seine Kosten kommen. Der Film wagt zumindest einen zaghaften Schritt in Bereiche des Vampirfilms, die noch nicht völlig ausgetreten sind. Wer allen Ernstes einen Film erwartet, der einem die Zähne zeigt, wird jedoch restlos enttäuscht.</p>
<p>THIRST bekommt noch eine Chance, dann ist wahrscheinlich Ruhe bis 2011. Danke, DAYBREAKERS.</p>
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		<title>Splice.</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 18:44:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vinceno Natali ist, wenn man so will, ein Lieblingsonkel der Sci-Fi-Mystery-Nerds. Man sieht zu wenig von ihm, sowohl als Person als auch von seinem Schaffen, um einen näheren Verwandtschaftsgrad herauf zu beschwören, freut sich aber stets, wenn er mit einem neuen Werk zu Besuch kommt.
Selten sind sie leider auch, die Besuche, denn als Regisseur dürfte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/05/04/splice/"><img class="alignnone size-full wp-image-2752" title="SPLICE Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/splice1.jpg" alt="" width="180" height="240" /></a>Vinceno Natali ist, wenn man so will, ein Lieblingsonkel der Sci-Fi-Mystery-Nerds. Man sieht zu wenig von ihm, sowohl als Person als auch von seinem Schaffen, um einen näheren Verwandtschaftsgrad herauf zu beschwören, freut sich aber stets, wenn er mit einem neuen Werk zu Besuch kommt.</p>
<p>Selten sind sie leider auch, die Besuche, denn als Regisseur dürfte er bislang nur mit drei Werken einem breiteren Publikum bekannt sein &#8211; wobei »breit« hier ein relativer Begriff ist, denn bislang schaffte nur (der später mit zwei unsäglichen Fortsetzungen gestrafte) CUBE den Sprung ins Programm der Mainstream-Kinos. Der feine, intelligente Sci-Fi-Agentenfilm CYPHER (2002) kam kaum über Festivals hinaus und verdankte die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurde, mehr der hübschen DVD-Hülle als der Presse, die ihn weithin ignorierte. Der wundervoll abgedrehte, schwarzhumorige NOTHING wurde schon fast nicht mehr wahrgenommen und als DVD schnell zu Niedrigpreisen verramscht.</p>
<p>Das alles fördert zwar in gewissem Sinn die kultige Aura, die Natalis Schaffen umgibt, verlangt den Fans aber auch einige Geduld ab. Sechs Jahre nach NOTHING, von denen drei in die Entwicklung von SPLICE gesteckt wurden, darf man sich zu Recht fragen, ob sich das Warten gelohnt hat. Und wie es mit Erwartungen so ist, neigen sie in dazu, unfaire Ausmaße zu erreichen. Der Onkel ist aus dem Exil zurück, doch kann das, was er mitbringt, überzeugen?</p>
<p><span id="more-2751"></span></p>
<div id="attachment_2754" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/splice2.jpg" rel="lightbox[2751]"><img class="size-full wp-image-2754 " title="Viva Piñata!" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/splice2.jpg" alt="" width="460" height="226" /></a><p class="wp-caption-text">Die Jugend von heute ... hängt nur noch faul rum.</p></div>
<p>Splice ist, das muss man der Antwort vorausstellen, ein Genrefilm für Genrepublikum. Das bedeutet, dass er nicht versucht, ein Genre salonfähig zu machen, das seit Jahren &#8211; durchaus gerechtfertigt &#8211; ein Nischendasein fristet. Es bedeutet aber auch, dass man ihn daran messen muss, was er dem Genre abgewinnt, wo er Wagnisse eingeht, die andere Vertreter missen lassen und die ausgetretenen Pfade zugunsten guten Storytellings verlässt.</p>
<p>Das alles klingt wie eine Rechtfertigung, wie die Einleitung zu einer Verteidigungsrede. So ist es aber nicht gemeint, denn SPLICE hat dergleichen nicht nötig. Natali zeigt einmal mehr, wie intelligent und bodenständig Genrekino sein kann. Er kreiert eine Welt, die in sich so stimmig und glaubwürdig ist, dass man als Filmfan echte Anerkennung empfinden muss. Mit wenigen Mitteln, zu denen auch die beiden gut besetzten Hauptdarsteller Adrien Brody und Sarah Polley gehören, konstruiert er eine Wirklichkeit, die so klein und hermetisch wirkt, dass man sich kaum vorstellen kann, dass außerhalb dieser noch eine andere Normalität existieren soll. Das dies ohne aufgesetzten Surrealismus funktioniert, macht SPLICE auch atmosphärisch interessant. Der Mikrokosmus verströmt, ähnlich wie in CYPHER, die Behaglichkeit einer Petrischale, mit dem Unterschied, dass die von SPLICE bereits Kulturen enthält, die dem Geschehen schmutzverkrustete Ränder bescheren. Das Ergebnis ist nicht ganz so antiseptisch, aber noch immer auf unterschwellige Weise irritierend.</p>
<p>In diesem Rahmen wirkt die Geschichte um ein Forscherpaar, deren illegales Genexperiment ein humanoides Wesen, eine neue Lebensform, hervorbringt, fast wie eine Parabel, so als hätte man Kafkas Der Prozess die Türhüterlegende »Vor dem Gesetz« entnommen und eigenständig verfilmt. Dieser Effekt rückt quasi automatisch die Metaebenen ins Bewusstsein des Zuschauers und lenkt die Aufmerksamkeit auf die omnipräsente Symbolik, mit der Themen wie Elternschaft und Familie, sowie klassische Frankenstein-Motive, in die Handlung eingewoben werden. Dass dies auf einer sehr einfach erfassbaren, quasi greifbaren Ebene von statten geht, ist dem Film auch eher als Leistung denn als Schwäche zu akkreditieren, will er doch bei all den Ideen nicht die Unterhaltung vergessen.</p>
<p>Man merkt, ich bin nicht wirklich objektiv. Frei von Makel und Verirrung ist dieses Experiment natürlich nicht. Der Film bietet quasi auf keiner Ebene echte Andockpunkte für das geldbringende Normalpublikum. Und auch das Genrepublikum wird, der gewohnten Kost beraubt, Schwierigkeiten haben, Zugang zu der Geschichte zu finden. Für gutes Entertainment ist SPLICE zu verkopft, für Programmkino-Publikum mehr als nur einen Zacken zu derb und effektreich. Auch kann nicht bestritten werden, dass die Geschichte zum Ende hin etwas entgleist, und eine unerwartete Intensivierung von Gewalt und Action, die in den schlechten Momenten wie aus einem anderen Film entnommen scheint, das Geschehen in jene störenden Verhaltensmuster driften lässt, die man vom Genre gewohnt ist. Mit viel Liebe kann man darin Konsequenz sehen, wie auch ein weiteres Motiv, ohne das ein solcher Themenkomplex unvollständig wäre &#8211; die Inszenierung geriet aber eindeutig zu hektisch, um uneingeschränkt zu überzeugen.</p>
<p>Am Ende muss man auch als »Verwandter« eingestehen, dass SPLICE in seiner Endfassung die drei Jahre Pause nicht ganz rechtfertigt. Der Film, der angeblich häufig umgeschnitten wurde, liegt nicht über den Niveau eines CYPHER, und wird Natali somit auch nicht massiv weiterbringen. Angesichts seiner Filmographie muss man sich aber fragen, ob dies überhaupt ein Wunsch des Regisseurs ist. Vielleicht, so darf man hoffen, will Natali genau das tun: Filme machen, die genug Geld bringen, um die kommenden Projekte zu finanzieren, und die zeigen, welches Niveau fantastische Geschichten haben können, wenn man sie clever erzählt. Wenn das dann Filme sind, bei denen man nicht der Einzige im Publikum ist, dem ein (wissendes) Lächeln über das Gesicht huscht, wenn David Hewlett auf der Leinwand erscheint, dann soll es halt so sein.</p>
<p>Einem Regisseur, der sich so treu bleibt, darf man auch mal gehobenes Mittelmaß verzeihen.</p>
<p><em>Anmerkung: Falls jemand, der den Film gesehen hat oder zu sehen  plant, Filmwissenschaften oder Ähnliches studiert, soll der die beiden  Hauptdarsteller (bzw. deren Aussehen) mit den Figuren vergleichen, die  das Poster des kürzlich erschienenen Animationsfilms »Sonnig mit  Aussicht auf Fleischbällchen« zieren (<a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/splice3.jpg" rel="lightbox[2751]">Bild hier, auch noch in der passenden Vorstellung</a>). </em><em>Ich bin sicher, das hat Potenzial für eine Hausarbeit.</em></p>
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		<title>Zack &amp; Miri make a porno.</title>
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		<pubDate>Sun, 02 May 2010 12:26:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Was hat dich bloß so ruiniert?&#8221;, hörte man es vor Kurzem aus dem Lager der Kritiker schallen, nachdem Kevin Smiths missratene Komödie COP OUT ihre Pressevorstellungen absolviert hatte. Im Falle von ZACK &#38; MIRI MAKE A PORNO müsste man eher &#8220;Warum ist mit dir nichts passiert?&#8221; rufen. So schmerzlich, wie der Film Esprit vermissen lässt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/05/02/zack-and-miri-make-a-porno/"><img class="alignnone size-full wp-image-2745" title="Zack And Miri Make A Porno Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/zackandmiri1.jpg" alt="" width="105" height="160" /></a>&#8220;Was hat dich bloß so ruiniert?&#8221;, hörte man es vor Kurzem aus dem Lager der Kritiker schallen, nachdem Kevin Smiths missratene Komödie COP OUT ihre Pressevorstellungen absolviert hatte. Im Falle von ZACK &amp; MIRI MAKE A PORNO müsste man eher &#8220;Warum ist mit dir nichts passiert?&#8221; rufen. So schmerzlich, wie der Film Esprit vermissen lässt, muss man sich nämlich fragen, ob man hier noch von einer künstlerischen Entwicklung reden kann, oder ob es sich einfach um einen unbedeutenden Lückenbüßer handelt, der auf die komplette Filmographie des Regisseurs gerechnet keinerlei Relevanz hat. Anders gesagt: Es scheint an der Zeit, sich einzugestehen, dass Kevin Smiths Filme  nicht zu  kennen keine Bildungslücke mehr darstellt.</p>
<p><span id="more-2740"></span></p>
<div id="attachment_2746" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/zackandmiri2.jpg" rel="lightbox[2740]"><img class="size-full wp-image-2746" title="Was meinst du, Schatz, bekommt sie den Fußball da wieder raus?" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/zackandmiri2.jpg" alt="" width="460" height="255" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Genau so hatte ich mir das &#39;Zimmer mit Aussicht&#39; vorgestellt.&quot;</p></div>
<p>Was ist also passiert? Kevin Smith war immer witzig, und die kleine Komödie über die beiden Sandkastenfreunde Zack &amp; Miri, die aus finanzieller Not heraus entschließen, einen Porno zu drehen, ist genau seine Kragenweite. Entsprechend liefert Smith, unterstützt vom wie immer sympathischen Spiel von Elizabeth Banks und Seth Rogen, einige wirklich solider Lacher ab, die trotz Smiths infantiler Ader genug Charme versprühen, um sich von den oftmals nur peinlichen Genre-Kollegen abzuheben. Dass Smith auch diesmal nicht ohne Kot-Kalauer auskommt, ist zu bedauern, aber auch nicht wirklich überraschend. Genauso wenig wie der Plot, der dermaßen formelhaft verläuft, dass es schon fast beschämt, ihn anzusprechen.</p>
<p>Das Problem liegt darin, dass es dem Ganzen an jenem anarchistischen Geist mangelt, der CLERKS und MALLRATS damals auszeichnete und genau jene Note anschlug, die die Komödien der 90er weitgehend vermissen ließen. Sicher spielt hier auch die Thematik eine Rolle. Internet und Porno sind längst im Mainstream angekommen und werden entsprechend überall thematisiert. Nerds und Geeks gelten längst als en vogue, sind vielleicht nicht unbedingt cool, als Träger humoristischer Eskapaden aber in keinem Fall mehr innovativ. Wenn also Zack auf Amazon Sexspielzeug bestellt, ist das bestenfalls noch einen Schmunzler wert, im schlimmsten Fall banales Product Placement.</p>
<p>Mit ZACK &amp; MIRI wird klar: Kevin Smith wurde von eben jenem Zeitgeist überholt, den er einst mit geprägt hat. Die Generation, der er angehört, ist im Begriff, ihn hinter sich zu lassen.  Das ist einerseits traurig, andererseits unumgänglich. Es bleibt zu hoffen, dass er sich als Nächstes endlich eine Comicverfilmung vorknöpft bzw. vorknöpfen darf. Dort wäre sein Talent wahrscheinlich besser aufgehoben.</p>
<p>Ein viel zu netter Film, der gerade deshalb hinter den Erwartungen zurückbleibt.</p>
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		<title>Avatar.</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 21:25:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ach ja, was soll man sagen. Zuerst hatte ich überlegt, diese Rezension auf einer Metaebene zu bestreiten, indem ich eine Pocahontas-Kritik kopiere und einfach die Namen austausche. Aber erstens ist das abmahnfähig und zweitens hätte es sicher kaum jemand verstanden, jedenfalls nicht, wenn man danach geht, was sich im Web so herumtreibt. Die nächste Idee [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2010/02/16/avatar/"><img class="alignnone size-full wp-image-2721" title="Avatar Poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Avatar_01.jpg" alt="" width="105" height="148" /></a>Ach ja, was soll man sagen. Zuerst hatte ich überlegt, diese Rezension auf einer Metaebene zu bestreiten, indem ich eine Pocahontas-Kritik kopiere und einfach die Namen austausche. Aber erstens ist das abmahnfähig und zweitens hätte es sicher kaum jemand verstanden, jedenfalls nicht, wenn man danach geht, was sich im Web so herumtreibt. Die nächste Idee war, es bei einer selbstironischen Spitze zu belassen und einen Aufguss meiner eigenen Phrasen als Einleitung zu verwenden, im Stil von: <em>»Es gibt Kinofilme, nach deren Besuch man merkt, wie mit jeder Minute die Begeisterung, und somit auch die persönliche Wertung, abebbt. Bei AVATAR stellt sich dieser Effekt weit vor dem Abspann ein.«</em><br />
Haute mich aber auch nicht vom Hocker. Also lassen wir das.<br />
<span id="more-2719"></span></p>
<div id="attachment_2720" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Avatar_04.jpg" rel="lightbox[2719]"><img class="size-full wp-image-2720" title="Was schleicht herum und trifft sehr schwer? Der Tiecher mit dem Schiessgewehr." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Avatar_04.jpg" alt="" width="460" height="259" /></a><p class="wp-caption-text">Hätte er nicht so kleine Ohren, würde er vermutlich hören, wie sich der Heli von hinten anschleicht.</p></div>
<p>AVATAR ist einfach alles, was die Kritiken besagen. Und weniger. Denn selbst in 3D auf gigantischer Leinwand kann die Sturmflut an Effekten die banale Langeweile nicht ersäufen, welche die Handlung heraufbeschwört. Man sieht sich fast genötigt, dem Film eine seiner wenigen Leistungen vorzuhalten: Die Welt, die James Cameron mit seinem CGI-Overkill erschaffen hat, ist absolut stimmig und leistet sich keine künstlerischen Ausrutscher &#8211; wirkt aber auch nicht fremdartig genug, um dauerhaft zu faszinieren. Ein halbes Dutzend schräge Tierarten und ein paar leuchtende Blumen machen eben aus einem Regenwald keinen faszinierenden, fremden Planeten.</p>
<p>Zugegeben: Die Gesichtsanimationen der Aliens sind hervorragend, Tier- und Pflanzenwelt wirken paradiesisch und exotisch, aber nie übertrieben genug, um sich zu diskreditieren. Die 3D-Effekte werden konsequent und nicht allein um ihrer selbst willen eingesetzt, und fügen sich so nach einer Weile angenehm in das Filmerlebnis ein. Das bunte Treiben macht für eine Weile ordentlich Spaß, und man meint fast, sich an den Bildern niemals sattsehen zu können.</p>
<p>Dieses Gefühl hält ungefähr bis zur Hälfte des Filmes vor. Dummerweise mobilisiert das Drehbuch zum selben Zeitpunkt all seine Reserven. Das esoterische, religiös-verklärte Fantasygebrabbel der Figuren, welches zuvor als leichtes Hintergrundrauschen halbwegs ausgeblendet werden konnte, erreicht zunehmend eine Intensität, bei der sich besten Willens nicht mehr übersehen lässt, was einem da in hübscher Folie dargeboten wird: ein strunzbanaler Fantasyplot auf Grundschul-Niveau, in seiner Harmlosigkeit und Vorhersehbarkeit kaum mehr zu übertreffen. Wer sich in eine Welt, bevölkert von Indianern, die Bäume anbeten und auf Drachen (ja, was sonst bitte?) reiten, als bahnbrechende Science-Fiction verkaufen lässt, ist selbst schuld. Genauso all jene, die sich von derart weichgespülten Konflikten und Erwählten-Fantasien mitreißen lassen, um nach Filmende in der Schlange einer FastFood-Kette darüber zu diskutieren, wie wir doch mit mehr Nähe zur Natur bessere Menschen werden könnten.</p>
<div id="attachment_2723" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Avatar_02.jpg" rel="lightbox[2719]"><img class="size-full wp-image-2723" title="Gebannt beobachteten sie das Heranwachsen ihres ersten Uhrzeitkrebses." src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Avatar_02.jpg" alt="" width="460" height="270" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Was ist das, Rambo?&quot; -  &quot;Ein blaues Licht.&quot; - &quot;Was tut es?&quot; - &quot;...&quot;</p></div>
<p>Gegen Ende hin wird das Getöse noch einmal richtig laut, um über ein paar Logikfehler und erzählerische Dreistigkeiten hinweg zu täuschen. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht bereits mit dem Einnicken ringt, sitzt wahrscheinlich in der Nachmittagsvorstellung. Das Positivste, das man wagen kann, ist AVATAR als eine Art Reise in eine fremde Welt zu bezeichnen. Selbst dafür ist er jedoch erschreckend inhaltsarm, werden doch die wenigen, interessanten Fragen und Aspekte (neurale Vernetzung des gesamten Planeten, kulturelle Besonderheiten, Missionierung der Einwohner durch Schulen) in Halb- und Nebensätzen abgehandelt. Es braucht keine Forschung, keine Völkerverständigung, nur einen Helden mit Bierfilz-tauglicher Motivation, der zahlreiche Nebenfiguren voller Inbrunst in den Untergang führt, ohne jemals inne zu halten. Wirft man einen halbwegs klaren Blick auf das Geschehen, kann man nicht umhin, zu erkennen, wie erstaunlich konservativ, angepasst und fundamentalistisch all das Treiben im Kern ist. Das macht aus AVATAR in erster Linie eine unglaubliche Ansammlung verschenkter Chancen,  etwas wirklich Ungewöhnliches, Innovatives oder Provokantes zu zeigen. Der Mut der Macher reichte leider nicht einmal für Polygamie oder ein Kastensystem, dass mehr als »Jäger« kennt.</p>
<p>Schlussendlich dürfte egal sein, was die Kritiker sagen. Der Erfolg gibt Cameron Recht, und so wird AVATAR ganz sicher nicht der letzte seiner Art sein. Aber der Erfolg spricht auch Bände über jene, die ihn zu verantworten haben.</p>
<p>Er spricht Bände über uns.</p>
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