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	<title>The Midnight Screening &#187; Soundtrack</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Super</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 10:51:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Action]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy Filmfest]]></category>
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		<description><![CDATA[3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/02/super/"><img class="alignnone size-full wp-image-3886" title="super" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/super.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>3 Wochen. So lange hat es gedauert, diese Kritik fertigzustellen. Bis ich mich überwinden konnte, die endgültige Auseinandersetzung mit SUPER zu wagen. Warum? Weil ich ihn lieben möchte, und gleichzeitig hassen muss. <span id="more-3878"></span>Weil er etwas versucht, das intelligent, vielleicht sogar wichtig, ist, ohne sich dessen voll bewusst zu sein &#8211; und, was noch viel schlimmer ist, ohne dies in ausreichendem Maß dem Publikum zu vermitteln. Es ist ein Film, der die richtigen Werkzeuge wiederholt falsch einsetzt, und somit viel Potenzial verschenkt. Dafür verdient er Anerkennung und Verachtung zugleich, und in diesem Spannungsfeld der Extreme, in dem sich auch die Handlung des Films bewegt, sehe ich mich gefangen. Und deshalb geht es diesmal auch nicht komplett ohne kleine Spoiler.</p>
<p><strong>Kleine Erwartungen, große Überraschung</strong></p>
<p>Die erste Frage, die sich bereits angesichts des Trailers stellte, war, ob SUPER überhaupt notwendig sei. Nach der mehr als gelungenen Millar-Verfilmung KICK-ASS schien ein weiterer Film über einen ordinären Verlierer, der sich entschließt, ein Superheld zu werden, und mit der unbarmherzigen Realität konfrontiert wird, überflüssig. Daran änderte auch das Indie-Flair des Trailers, der gute Soundtrack und die stets sympathische Ellen Page in einer Nebenrolle wenig.</p>
<p>Wer SUPER gesehen hat, weiß, dass diese Frage schnell irrelevant wird. SUPER ersetzt nicht nur den naiv-verzweifelten Teenager durch einen erwachsenen Soziopathen, er geht auch in allen anderen Aspekten weiter als sein Konkurrent. Wer KICK-ASS für derb und respektlos hielt, kann sich bei SUPER auf eine heftige Überraschung gefasst machen, denn was dieser an Bösartigkeit und blanker Brutalität mitbringt, sollte einen Großteil der Zuschauer weit aus der Komfortzone heraus katapultieren. Das dieses “sollte” ein Problem darstellt, dazu später mehr.</p>
<p><strong>Auf die Fresse, gerne, aber muss das sein?</strong></p>
<p>Dieser Effekt, das Abkippen der harmlosen Komödie in eine wüste Gewaltorgie, wirkt selbstverständlich deutlich intensiver, wenn man lediglich den Trailer kennt. Dieser verspricht eine ironische, leicht schwarzhumorige, ansonsten aber unauffällige Komödie. Das stellenweise schlichtweg geschmacklose Schlachtfest, das SUPER in Wirklichkeit darstellt, dürfte nur von Wenigen in dieser Form erwartet worden sein. Das Problem dabei ist weniger das blanke Vorhandensein der Gewalt, sondern wie diese als komisch oder gar verzeihlich inszeniert wird.</p>
<p>Ganz gleich, wie man den Film schlussendlich bewertet, an einer Sache darf es keinen Zweifel geben: SUPER erzählt von einem schwer geistig gestörten Mann, der sich von niemand geringerem als Gott berufen fühlt, Verbrechen zu bekämpfen, und dabei selbst geringste Taten mit einer unfassbaren, widerlichen Brutalität ahndet, die bei schwerer Körperverletzung beginnt und bei einem Massenmord endet. Punkt.</p>
<p>Es sollte nicht erwähnt werden müssen, dass der Film in dem Augenblick aufhört, eine reine Komödie zu sein, als der Protagonist einen Handtaschendieb mit einer Rohrzange krankenhausreif schlägt. Oder der Freundin eines Proleten, der sich in die Schlange vor der Kinokasse drängelt, ein schweres Schädeltrauma zufügt. Oder einem Teenager, der angeblich ein Auto ruiniert haben soll, eine Glasvase im Gesicht zertrümmert wird. Und weil die Kamera immer drauf hält, bis zum bitteren Ende, bis das Leben aus den Augen des Opfers weicht, während der “Held” immer noch dessen Kopf auf den Steinboden schmettert. Das zweite “sollte”, das gleiche Problem.</p>
<p>Die Frage muss nun lauten: Wie viel Intelligenz gesteht man Drehbuchautor, Regie und Publikum zu? Und welche Relevanz hat dies für das Zusammenspiel zwischen Film und Publikum? Versucht man diese beiden Fragen zu beantworten, öffnet man gleich die nächste Büchse, ein Kaleidoskop der Fragezeichen, ein “Best of LOST”, wenn man so will.</p>
<p>Waren die Macher ernsthaft der Meinung, hier noch eine Komödie zu produzieren? Oder ist SUPER womöglich der ultimative Abgesang auf unsere Art, Entertainment zu definieren bzw. damit umzugehen? Hält er, wie jedes wirklich großartige Werk, der Welt und seinem Publikum einen Spiegel vor, indem unverblümt zeigt, wie fadenscheinig und verlogen unser Umgang mit Gewalt geworden ist? Will SUPER erreichen, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt, dass wir über uns selbst erschrecken, so wie es schwarzem Humor durchaus erlaubt ist? Und wenn ja, warum bleibt er dem Zuschauer ein klares Signal schuldig, was seine Intention betrifft?</p>
<p><strong>Wo das Dilemma wohnt</strong></p>
<p>Ein Beispiel &#8211; in dubio pro reo, wenn man so will: Wieso ist es vollkommen in Ordnung, Helden wie BATMAN cool zu finden? Weil die Art und Weise, wie Blockbuster inszeniert werden, Gewalt in etwas verwandelt, dass immer leicht verdaulich bleibt. Weil der Held immer nur die Bösen umbringt, wenn es nicht mehr anders geht, mit »gutem Grund«, wenn es die Handlung erlaubt, und die Bösen immer Unschuldige töten, damit wir wissen, wer die Bösen sind. Tot und Gewalt haben in diesen Geschichten stets ihre erzählerische Berechtigung, sie sind ein Mittel zum Zweck, über das man nicht nachdenkt, solange es in der gewohnten Form angewendet wird. Jeder weiß, dass Batman seine Gegner nicht tötet. Aber ist das nicht pure Augenwischerei? Ist das nicht komplett verlogen? Warum erlauben wir Batman, ein Held zu sein, der er in der Wirklichkeit nie sein könnte? Weil wir solche Helden brauchen, wie auch die Filme selbst nicht müde werden, zu betonen. Weil uns ein Batarang nicht weh tut. Weil die Kamera im FSK12-Blockbuster schnell beiseite wischt, wenn der Knüppel niedersaust, die Wirklichkeit aber keine Abblende kennt. Selbst die neueren Filme, die einen realistischeren Ansatz verfolgen, können sich nicht von diesem Erbe lösen. Sie wollen es auch gar nicht, denn solange ein Farbfilter über den Bildern liegt und vorrangig die Bösen für den Bodycount sorgen, wirkt der Gute lediglich wie ein »dunkler Ritter«. Es ist absurd.</p>
<p>Und hier liegt nun der Kern des Problems:  Wenn SUPER eine solche Botschaft hat, verlagert er sie beinahe vollständig in den Subtext. Auf diese Weise kaschiert er mit seinen Intentionen aber genau jene Aussage, die dem Publikum unbedingt vermittelt werden müsste. Somit stellt er sich auf eine Ebene mit Zombiefilmen, deren banale Sozial- und Gesellschaftskritik regelmäßig im blanken Entertainment untergeht.</p>
<p><strong>Die Herde schluckt alles</strong></p>
<p>Keine Frage: Super kann erschrecken, wenn nicht sogar verstören. Genau deshalb sollte aber klar sein, dass es ein Fehler wäre, ihn lediglich als derbe Komödie zu sehen. Das Problem ist, wie schon angedeutet, dieses “sollte”. Es ist das selbe Problem, das auch bei den INGLORIOUS BASTERDS zu wenig diskutiert wurde. Und in vielerlei Hinsicht sind diese beiden Filme miteinander vergleichbar. Das Lachen sollte einem im Halse stecken bleiben. Nur scheint das bei der Masse nicht der Fall zu sein.</p>
<p>Denn machen wir uns nichts vor: Angesichts überdreht-brachialer Gewalt und auf die breite Masse gerechnet, gehen selbst die besten Absichten im Blöken und Grunzen der Schafe und Schweine unter. Ich wähle diese Beleidigungen sehr bewusst, denn anders kann man das, was sich an einem Samstag Abend im Cineplex versammelt, häufig nicht bezeichnen. Im selben Maß, wie sich SUPER vor der Verantwortung drückt, seinem Publikum eine schallende Ohrfeige zu verpassen, bzw. ihm zu sagen, WARUM er dies tut, nimmt er es leider auch aus der Verantwortung, seine eigenen Reaktionen zu hinterfragen. Der Spiegel, den der Film seinem Publikum vorhält, ist zu stumpf, um etwas darin zu erkennen.<strong></strong></p>
<p><em>(Spoilerwarnung, die kommenden beiden Absätze bitte ggf. überspringen)</em></p>
<p>Wozu man auch tendiert, weder Film noch Publikum können aus der Verantwortung genommen werden. Ein Film, der mehr von seinem Publikum erwartet, als es leisten kann, macht sich ebenso schuldig wie ein Publikum, das nicht willens oder nicht fähig ist, zu verstehen, was es sieht, durch seine Reaktion aber eine klare Aussage trifft. Das macht SUPER zu einem Erlebnis, das in positiver wie negativer Weise einzigartig ist. Ein MANN BEISST HUND der Superheldenkomödie, wenn man so will, ein Machwerk sondergleichen. Braucht die Welt Filme wie SUPER? Sicherlich nicht. Die Welt braucht Menschen, die von Filmen wie SUPER verstört werden. Aber setzt das die Existenz eines solchen Films voraus? Neu ist diese Frage nicht.</p>
<p>Selbst wenn man eine wohlwollende Interpretation vertritt und SUPER damit eine gewisse Absolution erteilt, darf man nicht leugnen, dass er sich schlussendlich an einer essenziellen Sache schuldig macht: Inkonsequenz. Falls all die Rücksichtslosigkeit tatsächlich Mut sein sollte, dann hätte SUPER auch den Mut haben müssen, seine Geschichte in angemessener Form zu beenden. Dass er seinen Protagonisten aber nach einem Blutbad, das unzählige eindeutiger Spuren hinterlässt, in ein Happy End entkommen lässt, in dem er nicht für seinen Amoklauf zur Rechenschaft gezogen wird, ist feige und verlogen und spielt jenen Psychopathen in die Hände, die den Film als reine Komödie sehen.</p>
<p><strong>Was ist, ist, was nicht ist, ist möglich</strong></p>
<p>SUPER ist ein guter Film. Er ist voller herber Ideen und handwerklich tadellos inszeniert. Aber er hat mir nur stellenweise Spaß gemacht. Die Frage, die ich mir seitdem stelle, ist:<em> Sollte</em> er das überhaupt? So vehement ich die Frage auch verneinen und SUPER ein tadelloses Zeugnis ausstellen will &#8211; die Zweifel bleiben. Am Film. An uns, dem Publikum. Und inwieweit wir einander verstehen.</p>
<p>SUPER ist ein Film, der seine Zuschauer zu Mittätern macht, ohne sie zuvor um ihr Einverständnis zu bitten. Auch wenn ich es zuvor als Frage formuliert habe, bin ich mir doch sicher: Die Welt braucht solche Geschichten, sei es in Film, Literatur oder anderen Kunstformen. Die Frage ist nicht, ob das einem gefällt, die Frage ist, ob man sich von einem solchen Werk zum Opfer machen lassen möchte. Die Welt braucht nämlich auch Leute, die bei solch einem Film den Saal verlassen. Und wenn ich Respekt vor jenen habe, die einen solchen Affront dreist als Komödie tarnen, dann auch vor jenen, die sich weigern, an dieser Farce teilzunehmen. Wer sich dem verweigert, ist kein Spielverderber, sondern zieht eine persönliche Konsequenz aus einem unprovozierten Angriff auf das, was man mangels besserer Alternativen als guten Geschmack bezeichnen kann.</p>
<p><strong>Am Ende keine Erkenntnis</strong></p>
<p>Was wissen wir, am Ende dieser endlosen Überlegungen? Ich könnte sagen, dass ich SUPER für einen guten, vielleicht sogar hervorragenden Film halte, mir aber immer noch nicht sicher bin, ob ich ihn vielleicht für schlauer halte, als er ist. SUPER stemmt sich mit Gewalt gegen jegliche Regeln, und wirft dabei eine Menge Fragen auf, ohne sie klar zu beantworten. Trägt ein Künstler die Verantwortung, nicht nur für sein Werk, sondern was es in den Augen jener, die es betrachten, darstellt? So formuliert muss die Antwort “Nein” lauten, aber es setzt voraus, einen Film wie ein Kunstwerk zu behandeln. Und dass SUPER dieses Prädikat verdient, darf angezweifelt werden.</p>
<p>In jedem Fall verdient er die Freigabe ab 18 wie kaum ein anderer Film, denn er erfordert ein gewisses Maß an Reife. Dass ein guter Teil des Publikums diesem Anspruch nicht gerecht werden wird, ist bedenklich. Wer über einen starken Magen verfügt und sich trotzdem eine gewisse Sensibilität erhalten hat, sollte ihn wahrscheinlich sehen. Eine Empfehlung behalte ich mir diesmal jedoch vor.</p>
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		<title>500 Days of Summer</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Aug 2011 18:33:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Komödie]]></category>
		<category><![CDATA[My Dear Diorama]]></category>
		<category><![CDATA[Romanze]]></category>
		<category><![CDATA[Chloe Moretz]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[JosephGordon-Levitt]]></category>
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		<description><![CDATA[Woran man merkt, dass man zu aktuellen Liebesfilmen und romantischen Komödien wenig Bezug hat? Wenn die erste Genre-Referenz, die spontan in den Sinn kommt, HARRY UND SALLY ist, dicht gefolgt von CASABLANCA. Ist man dann darüber hinweg, sich ganz schrecklich alt zu fühlen, folgen vielleicht weitere Titel. THE SCIENCE OF SLEEP, ETERNAL SUNSHINE OF A [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/23/500-days-of-summer/"><img class="alignnone size-full wp-image-3791" title="500 Days of Summer" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/five_hundred_days_of_summer_poster.png" alt="" width="310" height="452" /></a></p>
<p>Woran man merkt, dass man zu aktuellen Liebesfilmen und romantischen Komödien wenig Bezug hat? Wenn die erste Genre-Referenz, die spontan in den Sinn kommt, HARRY UND SALLY ist, dicht gefolgt von CASABLANCA. Ist man dann darüber hinweg, sich ganz schrecklich alt zu fühlen, folgen vielleicht weitere Titel. THE SCIENCE OF SLEEP, ETERNAL SUNSHINE OF A SPOTLESS MIND, REALITY BITES, BEFORE SUNRISE sowie SCHLAFLOS IN SEATTLE, HAUTNAH oder meinetwegen auch KEEPING THE FAITH.<br />
<span id="more-3790"></span><br />
Aktueller wird es aber nicht. Und warum auch, wenn Hollywood die immer gleichen, mehr oder minder sympathischen Zicken und treudoofen Schnösel die immer gleichen, mehr oder minder einfallsreichen Variationen der immer gleichen, mehr oder minder realistischen Kennenlern-Geschichten durchleben lässt. Romanzen werden in der Regel nicht erzählt, sie werden abgespult, auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner und in der konstanten Furcht, durch eine eigene Meinung und einen tieferen Konflikt die Sympathie des harmoniesüchtigen Publikums zu verlieren.</p>
<p>An den Gemeinsamkeiten der genannten Titel wird jedenfalls deutlich: die besten Liebesfilme unserer Generation tragen Wehmut im Herzen. Charaktere, Stilistik, Soundtrack und Erzählweise mögen sich über die Jahre hinweg ändern, diese Wehmut aber ist es, die aus einer belanglos-langweiligen Schmonzette etwas Großartiges, Ehrliches oder sogar emotional Bedeutungsvolles &#8211; kurz: einen Klassiker &#8211; machen kann. Insofern kann man das “unserer Generation” im einleitenden Satz dieses Absatzes streichen. Die Aussage behält ihre Gültigkeit.</p>
<p>500 DAYS OF SUMMER ist ein Film, der diese Wehmut zum Kernthema erklärt. Von den ersten Minuten an wird deutlich, dass sich die folgende Geschichte bei aller Leichtigkeit und allem Witz doch primär ums Scheitern dreht, um eine Beziehung, die nicht funktionieren kann, egal wie sehr man es sich wünschen mag. Und so überrascht es kaum, dass wenigstens eine der beiden Figuren über die folgenden neunzig Minuten nicht immer sympathisch, geschweige denn liebenswert, wirken wird. Das ist ein wenig unbequem, das hat Ecken und Kanten, denn man will instinktiv beide Protagonisten mögen. Es hat aber auch jene erwähnte Ehrlichkeit, eine eigene Stimme.</p>
<p>Nun liegt es im Charakter des Betrachters, auf wessen Seite man sich schlägt. Zu dem Moment, als Grußkartentexter Tom (Joseph Gordon-Levitt) sich in die Empfangsdame Summer (Zooey Deschanel) verliebt, weiß der Zuschauer bereits, dass die Beziehung niemals funktionieren wird, und wenn die Geschichte eines zeigt, dann, wie schlecht Verliebte manchmal zuhören, und wie wankelmütig Menschen sind, die ihre Neurosen zur Lebenseinstellung machen, nur weil sie ein Kindheitstrauma niemals überwunden haben. Das klingt wie eine Mischung aus NAOKOS LÄCHELN und A SERIOUS MAN und kann somit auf einen kritischen Betrachter abschreckend wirken. Glücklicherweise umschifft der Plot gekonnt solche Extreme. Naivität und Grausamkeit reichen sich die Klinke, bleiben aber stets in nachvollziehbarem Rahmen, so dass keiner der beiden Protagonisten zum reinen Bösewicht verkommt.</p>
<p>Fakt ist: Auch wenn die Handlung stellenweise kitschig wirkt und Hauptfigur Tom genretypisch eigentlich Architekt werden wollte, was einem gleich wieder die Suppe hochtreiben könnte, rettet Traumbesetzung Joseph Gordon-Levitt den Film im positiven Sinn vor dem Zuckerschock. Gordon-Levitt  mag kein Darsteller sein, dem man die großen Emotionen ständig im Gesicht abliest, doch waren seine Auftritte in geeigneten Haupt- (BRICK, THE LOOKOUT) und Nebenrollen (INCEPTION, SHADOW BOXER) immer tadellos. So auch hier. Der mir vielleicht sympathischste Schauspieler seiner Generation schafft es, seinen Charakter, der ganz schrecklich nervtötend hätte wirken können, mit einem unterkühlten Charme zu spielen, der in den richtigen Momenten aufbricht und mehr aus der Figur macht als einen weinerlich-hilflosen Romantiker. Jener Charme geht Zooey Deschanel etwas ab, die mangelnde Chemie zwischen den beiden ist aber durch die Handlung und die Grundidee hinter ihrer Figur mehr als entschuldigt.</p>
<p>Was 500 DAYS OF SUMMER letztlich von der breiten Masse absetzt, ist nicht der Plot an sich, sondern der gekonnte Schnitt, denn die titelgebenden 500 Tage werden nicht chronologisch, sondern kontextuell aneinandergereiht und bei Bedarf sogar mehrfach eingesetzt, ähnlich spontanen Erinnerungen. So springt die Handlung in Sekunden von Euphorie zu Melancholie und zeigt Konsequenzen und Kontraste auf, die weder bemüht noch konstruiert wirken.</p>
<p>Dieser (streng genommen) recht abgedroschene Kniff funktioniert hier vortrefflich, da er die behäbige Formelhaftigkeit und Linearität, die Liebesfilmen zwangsläufig innewohnt und stets zu Vorhersehbarkeit führt, aufbricht und dem Geschehen so eine assoziative Dynamik verleiht, die auf allzu plumpe Manipulation des Zuschauers verzichten kann. Auf Deutsch: Eine Prise Pulp Fiction erspart dem Zuschauer die gewohnte Kette aus Kennenlernen, Verlieben, Entfremden, Verlassen, Wiederfinden und Vereinen, zugunsten einer peppigen Geschichte über einen, der nicht einsehen kann, an die Falsche geraten zu sein. Hier wird auch deutlich, warum 500 DAYS OF SUMMER kein Liebesfilm ist. Ob Tom und Summer zueinander finden, ist letztlich nebensächlich.</p>
<p>Ein toller Soundtrack, eine bodenständige Besetzung, ein gesundes Verhältnis von Kitsch und Selbstironie sowie eine Reihe wirklich gelungener Drehbuchzeilen: 500 DAYS OF SUMMER ist sicher nicht der beste Liebesfilm seiner Generation, und vor Zynismus seitens des Zuschauers keinesfalls gefeit, kann aber über seine gesamte Laufzeit hinweg ohne wesentliche Längen gut unterhalten. Als Feel-Good-Movie für jene, die von Plakaten mit Hugh Grant, Kate Hudson, Jennifer Aniston und Gwyneth Paltrow abgeschreckt werden, eine gute Wahl. Ach, was sag’ ich: Eine wundervolle.</p>
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		<title>Soundscapes.</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Mar 2010 16:02:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Durcheinander]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Soundtrack]]></category>

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		<description><![CDATA[So, genau so und kein Stück anders, wird mein nächster Roman klingen (wenn er mal fertig sein wird). Track 1: НеГрузовики &#8211; Intro Track 2: Purple Eve &#8211; Windcraft Fies, nicht wahr? By the way: VAN DIEMEN&#8217;S LAND kommt im Mai auf DVD raus. Vormerken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, genau so und kein Stück anders, wird mein nächster Roman klingen<br />
(wenn er mal fertig sein wird).</p>
<p>Track 1: <a href="http://www.lastfm.de/music/%D0%9D%D0%B5%D0%93%D1%80%D1%83%D0%B7%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D0%BA%D0%B8/_/Intro?autostart" target="_blank">НеГрузовики &#8211; Intro</a><br />
Track 2: <a href="http://www.lastfm.de/music/Purple+Eve/_/Windcraft" target="_blank">Purple Eve &#8211; Windcraft</a></p>
<p>Fies, nicht wahr?</p>
<p>By the way: <a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2009/09/08/van-diemens-land/" target="_blank">VAN DIEMEN&#8217;S LAND</a> kommt im Mai auf <a href="http://www.amazon.co.uk/gp/product/B00395ATLI/ref=s9_simh_gw_p74_i1?pf_rd_m=A3P5ROKL5A1OLE&amp;pf_rd_s=center-1&amp;pf_rd_r=1217ZQ8X7KSX19ZGFP30&amp;pf_rd_t=101&amp;pf_rd_p=467198433&amp;pf_rd_i=468294" target="_blank">DVD</a> raus. Vormerken.</p>
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