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	<title>The Midnight Screening &#187; thriller</title>
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	<description>Rezensionen aus der letzten Reihe - ein Filmtagebuch</description>
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		<title>Buried</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 11:28:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es liegt in der Natur des Menschen, der Intensität und Energie der eigenen Jugend nachzutrauern und im nächsten Atemzug der aktuellen Jugend eben solche abzusprechen. Von Ausnahmen abgesehen wird das, was im Jetzt für Spannung sorgt, vom Gestern stets verurteilt. Im Medium Film äußert sich dies darin, jedes Remake argwöhnisch zu beäugen, dem modernen Studiosystem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/12/26/buried/"><img class="alignnone size-full wp-image-4019" title="buried_poster" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/buried_poster.png" alt="" width="310" height="434" /></a></p>
<p>Es liegt in der Natur des Menschen, der Intensität und Energie der eigenen Jugend nachzutrauern und im nächsten Atemzug der aktuellen Jugend eben solche abzusprechen. Von Ausnahmen abgesehen wird das, was im Jetzt für Spannung sorgt, vom Gestern stets verurteilt. Im Medium Film äußert sich dies darin, jedes Remake argwöhnisch zu beäugen, dem modernen Studiosystem jegliche Innovationsbereitschaft abzusprechen und &#8211; vor allem &#8211; den Mangel an echter Größe in der aktuellen Generation von (männlichen) Schauspielern zu beklagen.<br />
<span id="more-4017"></span><br />
Inwieweit diese Vorwürfe richtig scheinen oder sogar sind, muss jeder für sich entscheiden. Zweifellos haben Namen wie Paul Newman, Robert Redford, Dustin Hoffmann, Robert deNiro, Charlton Heston, Marlon Brando, Humphrey Bogart, James Stewart, Kirk Douglas, Jack Nicholson, Robert Mitchum, Clint Eastwood, Al Pacino (die Liste lässt sich fortführen) heute einen Nachhall, in dem Vermissen deutlich mitschwingt. Darsteller, deren Präsenz auf der Leinwand das romantische Bild von Film und Kino vollendeten und bis heute prägen. Ein Edward Norton hier sowie ein Leonardo DiCaprio oder ein Christian Bale dort können der Nostalgie nicht das Wasser reichen. Es reicht der Ausschnitt eines Klassikers, ein bloßer Satz, um an eine Zeit zu erinnern, in der nicht allein Effekte für Staunen sorgten.</p>
<p>Das dies ein Zerrbild ist, wird kaum jemand anzweifeln. Manch Name hat bereits die gleiche Wirkung (Gary Oldman, Kevin Spacey), manch Anderer kam lediglich spät zu seiner vollen Blüte (Viggo Mortensen, Liam Neeson). Nicht wenige Schauspieler sind dabei, ihren persönlichen Weg zur Unsterblichkeit zwischen Blockbustern und Indie-Produktionen zu finden. Heath Ledger hat es geschafft, leider auf furchtbar falsche Weise. Legenden, die der Tod geschaffen hat, kranken stets an Verklärung. Dabei zeigte sein Spiel in THE DARK KNIGHT eindrucksvoll, wie Intensität heute funktionieren kann. Tom Hardy ist ein weiterer, naheliegender Name, den man sich nicht allein des nächsten BATMAN Films wegen vormerken sollte. Doch auch er ist ein Mann der Extreme, und wo er landen wird, scheint ungewiss.</p>
<p>Ein großes Rätsel ist Ryan Reynolds. Hier gesellt sich THE NINES zu GREEN LANTERN, AMITYVILLE HORROR zu SMOKIN’ ACES und PAPER MAN zu SELBST IST DIE BRAUT. Das er sein Handwerk versteht, steht außer Frage. Doch auch den für Programmkinos geeigneten Stationen seiner Laufbahn fehlt es oft an eingangs beschriebener Intensität. Ob er sie zu selten zeigen darf, oder mit dem Gezeigten bereits an seine Grenzen stößt, scheint mir unmöglich zu beurteilen. Zu häufig scheint er mehr Projektionsfläche als Leuchtfeuer zu bleiben. In einem Film wie BURIED, der nicht mehr und nicht weniger als eine Ein-Mann-Tour-de-Force darstellt, sollte genau das aber eigentlich deutlich werden.</p>
<p>Über den Film selbst sagt man am Besten nichts. Die gesamte Wirkung des Kammerspiels ist davon abhängig, wie viel der Zuschauer bereits weiß, und wie rückhaltlos er sich auf das Geschehen einzulassen vermag. Das ist kein Allgemeinplatz: BURIED im Kino gesehen zu haben, mag gut für die  Einspielergebnisse gewesen sein, es gab aber in den letzten Jahren wohl kaum einen Film, bei dem das Risiko, unter dem Publikum zu leiden, größer war. Ein Film, der in einem geschlossenen Sarg spielt, und entsprechend über lange Strecken mit Dunkelheit, leisen Geräuschen und dem Grauen der todbringenden Isolation arbeitet, ist für größere Gruppen schlichtweg ungeeignet.</p>
<p>Wer allein oder zu zweit auf seinem Sofa sitzt und auf Beleuchtung verzichtet, darf sich aber auf ein eindringliches kleines Wunderwerk einstellen, dass aus dem restriktiven Setting mehr heraus holt, als man dem “modernen Film” eigentlich zutraut. BURIED ist spannend, beklemmend, anrührend und kompromisslos, und es wäre hirnverbrannt, dafür allein Drehbuch und Regisseur zu loben. Ryan Reynolds ist hier definitiv auf dem Zenit seiner Karriere angelangt, denn der Film zeigt mehr Facetten seines Fähigkeiten als all seine bisherigen Auftritte zusammengenommen.</p>
<p>Das ein solcher Film nicht an jedem Tag und für jeden Zuschauer funktionieren wird, sollte nachvollziehbar sein. Wenn aber die Umstände stimmen, bekommt man nicht nur einen starken Film geboten, sondern auch einen Grund, wieder etwas Glauben an ein Medium zurück zu gewinnen, dass in letzter Zeit mehr mit 3D-Spielereien und Produktionen wie “Schiffe versenken” beschäftigt schien.</p>
<p>In BURIED findet ein Talent zu seiner höchsten Form, und die hohe Kunst der Reduktion zu vollem Glanz. Wer das erkennt, darf seine Vorurteile begraben.</p>
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		<title>The Divide</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:37:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/29/the-divide/"><img class="alignnone size-full wp-image-3923" title="The Divide" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/The-Divide.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Zu den zeitlosen Klassikern, die über jeden Zweifel erhaben und vom Setting unabhängig sind, gehört der HERR DER FLIEGEN. Der 1954 erschienene Roman des englischen Schriftstellers William Golding ist so universell in Inhalt und Aussage, dass sich die Geschichte mühelos an einen anderen Ort oder eine andere Zeit übertragen und auf jede isolierte Gruppe anwenden lässt. Die Dunkelheit, die im Menschen schlummert, ist immer aktuell und verliert nie an Bedrohlichkeit und Schrecken.</p>
<p><span id="more-3922"></span></p>
<p>Nach diversen Verfilmungen, vielen Neu-Interpretation und unzähligen, vergleichbaren Geschichten nimmt sich nun THE DIVIDE der Thematik an und entwickelt sie um genau 1% weiter, indem er aus der Flucht vor einer atomaren Bedrohung eine tatsächliche Katastrophe macht, die eine Gruppe Erwachsener mit kindlichem Gemüt &#8211; im Film New Yorker &#8211; in den Bunker unter einem Mehrfamilienhaus treibt. Dort eingesperrt, mit begrenzten Vorräten und in Angst vor dem Strahlentod an der Oberfläche, eskalieren Furcht und Überlebenswille in altbewährter Form und abendfüllender Geschwindigkeit.</p>
<p>Schade ist nur, dass dem Ganzen der Beigeschmack eines TV-Films anhaftet, denn die überaus mäßigen Dialogen werden von den eindimensionalen Charakteren bereits im Originalton derart unbeholfen abgespult, dass man sich an eine Seifenoper oder ein unterdurchschnittliches Videospiel erinnert fühlt. Dunkelheit und Anspannung dieser emotional sehr zugänglichen Lage sorgen zwar für ein gewisses Maß an Atmosphäre, jedoch wird diese immer wieder von Drehbuchaussetzern zerrissen. Dass diverse Andeutungen und ein Nebenhandlungsstrang über einen gnadenlosen Militäreinsatz letztlich im Sand verlaufen, hilft ebenso wenig und trägt nur weiter dazu bei, die Reinheit der Grundidee zu verwässern.</p>
<p>Zu dem Zeitpunkt, an dem die Verbliebenen endgültig durchdrehen, beziehungsweise die Spaltung innerhalb der Gruppe zu dramatischen Konsequenzen führt, ist bereits so viel Potenzial verschenkt, dass der zunehmend groteske, in seiner fieberhaften Inszenierung überraschend dichte letzte Akt die Wertung zwar noch anhebt, aber auch nicht mehr über die Grenze hievt, die eine Empfehlung rechtfertigen würde.</p>
<p>Wer gerne wissen möchte, was Milo Ventimiglia nach seiner Zeit bei HEROES so treibt, und ob er zwischenzeitlich besser schauspielern gelernt hat, kann THE DIVIDE eine Chance geben. Sein Händchen für gute Drehbücher hat sich nicht sonderlich verbessert, die Zugänglichkeit des Szenarios sorgt aber für 1,5 halbwegs unterhaltsame Stunden.</p>
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		<title>Red State</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 10:27:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[1994 drehte ein bis dahin praktisch unbekannter Regisseur einen Film über zwei Taugenichtse, die in benachbarten Läden arbeiteten und den ganzen Tag damit verbrachten, Unsinn zu reden, sich mit ihren neurotischen Kunden anzulegen und jeder Art von Verantwortung tunlichst aus dem Weg zu gehen. Die Dialoge waren frech, die Witze kompromisslos und jede zweite Szene [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/10/15/red-state/"><img class="alignnone size-full wp-image-3903" title="Red State" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/redstate1.png" alt="" width="310" height="440" /></a></p>
<p>1994 drehte ein bis dahin praktisch unbekannter Regisseur einen Film über zwei Taugenichtse, die in benachbarten Läden arbeiteten und den ganzen Tag damit verbrachten, Unsinn zu reden, sich mit ihren neurotischen Kunden anzulegen und jeder Art von Verantwortung tunlichst aus dem Weg zu gehen. Die Dialoge waren frech, die Witze kompromisslos und jede zweite Szene perfekt zitierbar.<br />
<span id="more-3892"></span><br />
Der Film hieß CLERKS, war mit Minimalbudget in Schwarzweiß gedreht worden und avancierte aus dem Stand zum Kultfilm. Plötzlich hatte Kevin Smith, der in seinem Film auch eine Nebenrolle spielte und in dem Laden, der als Hauptschauplatz diente, nebenbei jobbte, eine Karriere. Es folgten weitere Filme, Comics, Stand Up Comedy und eine treu ergebene Fangemeinde, die von dem Slacker-Humor kaum genug bekommen konnte, sei es wegen dessen unverblümter Obszönität, oder weil die Narben, die der Tod von Kurt Cobain hinterlassen hatte, immer noch schmerzten. Die endlosen, authentisch klingenden Gespräche über Filme, Frauen, Drogen und Sex in CLERKS und Smiths nachfolgenden Werken waren genau der Balsam, den diese Generation brauchte &#8211; eine neue Art von Unbeschwertheit, die eine Rebellion ersetzte, ohne echten Einsatz zu erfordern.</p>
<p><strong>Geburtsort New Jersey, unbekannt verzogen</strong></p>
<p>12 Jahre später drehte Kevin Smith CLERKS 2. Der große Durchbruch mit DOGMA lag bereits einige Jahre zurück, die Smith-Euphorie war spürbar abgeebbt, und so richtig wollte der New Jersey Humor auch nicht mehr ziehen. Smith teilte plötzlich das Schicksal vieler Vorreiter: Er war von eben jenem Trend, den er mit erschaffen und wesentlich geprägt hatte, überholt worden. Obszönität war längst salonfähig geworden, schlimmer noch, Mainstream, und für die Art von Dreistigkeit, die jetzt noch provozierte, war Smith einfach zu smart, und vielleicht auch etwas zu erwachsen.</p>
<p>Dabei war er an seinem Schicksal keinesfalls unbeteiligt. Mit Filmen wie JAY &amp; SILENT BOB STRIKE BACK hatte er seine eigenen Kreationen gründlich totgeritten. Was als Gimmick in einem flapsig zusammen geschusterten Indie-Streifen hervorragend funktionierte, verlor unter der Last einer aufwändigeren Produktion und mangels Entwicklung erst seinen Charme, dann jegliche Authentizität. Dass Smith gleichzeitig begann, Material aus seinem StandUp-Programm in seinen Filmen aufzuwärmen, und sich somit wiederholt selbst zu zitieren, half dabei wenig. Selbst der solide ZACK &amp; MIRI MAKE A PORNO konnte nicht mehr richtig an jene alte Unbeschwertheit anknüpfen, vom viel getadelten COP OUT ganz zu schweigen. Smith war nicht mehr Indie, nicht mehr Kult, er war “der fette Typ in Stirb Langsam 4, der im Keller seiner Mutter wohnt und einen auf Hacker macht” (kein Zitat).</p>
<p>Was bleibt, sind Trümmer. Heute findet man neben erbitterten und verbitterten Fans deshalb auch jene, die sich fragen, welche Bedeutung Smith noch haben kann, nun da alles an den Tisch gebracht worden scheint, was er in petto hatte. Ehemalige Fans vielleicht, über die Jahre kritisch geworden, die Smiths Arbeit heute kaum mehr etwas abgewinnen können. Leute, die auf gewisse Weise älter geworden sind als der verschmitzte Schelm, der &#8211; wie jeder intelligente Mensch &#8211; tunlichst kaschiert, wie viel Furcht ihm manche Menschen bereiten.</p>
<p>Solange man Smith aber zugesteht, dass seine Arbeit einmal Relevanz hatte, einen unverkennbaren, eigenen Stil, muss man sich fragen, was es war, das seine Werke so einzigartig machte. Die Antwort darauf ist einfach. Es war nie das “Was”, sondern immer das “Wie.” Es war die Sichtweise eines Mannes, der trotz aller Klarsicht immer Kind geblieben ist, einem Geek aus Leidenschaft, der vor dem Leid der Welt flüchten und es manchmal auch banalisieren muss, um nicht an ihm zu zerbrechen. Der angesichts der Mentalitäten, die vor der eigenen Haustür lauern, ein gewisses Grauen nicht verbergen kann.</p>
<p><strong>Und dann kam das Grauen</strong></p>
<p>Wer nicht bereits zu dieser Erkenntnis gelangt ist, wird sie vielleicht bei RED STATE haben, denn was man auch über Smiths Ausflug ins Horror-Genre denken mag, eines sollte in jedem Fall unstrittig sein: Er ist erstaunlich unkonventionell. Die kleine Geschichte über ein paar notgeile Teenager, die in die Fänge einer ultrakonservativen, religiösen Gemeinde geraten, ist laut, brutal, absolut kompromisslos und überraschend kurzweilig geraten. Und wieder mal ist es das “wie”, nicht das “was”, welches für Erstaunen sorgt</p>
<p>Weniger wohlwollend könnte man formulieren, dass der Film von vorne bis hinten ein Fiasko ist; ein inkohärentes, launig zusammengestückeltes und manisch inszeniertes Filmchen, das mehr von John Goodman und Michael Parks darstellerischer Leistung zusammen gehalten wird als von seinem Drehbuch oder seinem Regisseur. Trotz seiner kurzen Laufzeit und seinem grausigen Thema gönnt sich Smith endlose Monologe, deplatzierten Slapstick und mehr als nur einen Bruch in Genre, Stilistik und Filmsprache (wobei ich mich mit Letzterem etwas aus dem Fenster lehne).</p>
<p>Gerade einem Genre, dem es so sehr an wirklich frischen Ideen mangelt, und das sich so gerne an Klischees bedient, bekommt diese unkonventionelle Erzählweise aber überraschend gut. Kein Zweifel, RED STATE wirkt genauso hingerotzt wie damals CLERKS, ohne dabei den selben Charme zu entwickeln, doch merkt man dem Geschehen an, dass Smith sich mit seinen ganz persönlichen Ängsten auseinander gesetzt hat. Dass er dabei versucht, möglichst keine Partei zu ergreifen, und neben der Sekte auch die Behörden und die Opfer bloßstellt, zeigt, dass ihm trotz aller Gewalt und Launigkeit an seinem Thema etwas lag.</p>
<p>RED STATE ist deshalb kein echter Horrorfilm geworden, und auch nicht keine rein polemische Hasstirade auf religiösen Fanatismus. Beide Aspekte werden zweifellos bedient, sei es durch Folterszenen oder eine ausufernde, von Wahnsinn vergiftete Predigt. Es ist kein Film über Zwischentöne, kein Film über Figuren, die irgend eine Art von Entwicklung durchleben. In erster Linie ist RED STATE eine Parabel über den Wahnsinn in unserer Welt, ein bitterer Witz, über den niemand so richtig lachen will. Und so scheint es mehr als passend, dass das Fazit Erinnerungen an BURN AFTER READING weckt, und nicht wenige Zuschauer mit der Frage in den Abspann entlassen werden, ob es das ernsthaft gewesen sein soll.</p>
<p>Man muss Kevin Smith deshalb nicht wieder mögen. Man muss nicht einmal RED STATE gesehen haben, so gut ist er nicht. Aber man muss Smith zugestehen, mit RED STATE endlich etwas Neues gewagt zu haben, ohne dabei zu vergessen, was eine Geschichte gut macht. Die persönliche Note, die Art und Weise, WIE man sie erzählt. Und so darf man &#8211; endlich und trotz Smiths Ankündigung, der nächste Film würde sein letzter sein &#8211; wieder auf seine kommenden Werke gespannt sein.</p>
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		<title>Kill List</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 13:13:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/05/kill-list/"><img class="alignnone size-full wp-image-3872" title="Kill List" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/kill-list-poster.png" alt="" width="310" height="464" /></a></p>
<p>Es ist recht leicht, KILL LIST zu hassen. Er ist brutal, obszön und moralisch mehr als fragwürdig. Eine tour de force über einen Ex-Soldaten, der aus Geldnot einen alten Freund bei einer Reihe von Auftragsmorden unterstützt, die bald völlig außer Kontrolle geraten.<br />
<span id="more-3870"></span><br />
Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ein Thriller, der mit seinem schmutzigen Realismus und seiner überraschend aufmerksamen Charakterzeichnung auf eine Weise an die Nieren geht, die das moderne Actionkino als moralisch nicht minder bedenkliche Verharmlosung enttarnt.</p>
<p>Das Erstaunliche dabei ist, dass der Film als spröde, fast dokumentarisch anmutende Milieustudie beginnt, dann als harter Selbstjustiz-Streifen die Grenzen der Glaubwürdigkeit im Rahmen seiner realistischen Erzählweise abtastet, nur um im letzten Akt vollkommen durchzudrehen und in einer albtraumhaft surrealen Hetzjagd zu explodieren, die den absehbaren Twist am Ende schon beinahe harmlos wirken lässt.</p>
<p>Wer bis zu diesem Punkt nicht bereits das Handtuch geworfen hat, erkennt hinter all dem Lärm und all der Raubeinigkeit eine gar nicht mal dumme Kombination zweier Klassiker, deren Nennung einem Spoiler gleich käme, jedem Filmfan aber ein Begriff sein sollten.</p>
<p>Getragen wird das Ganze von einem Drehbuch, das sich sowohl seiner Ziele als auch seiner Zielgruppe bewusst ist, und zwei Darstellern, die ihre Charaktere mit erschreckender Authentizität verkörpern. Selbst wenn die Geschichte für sich genommen enttäuschen oder abschrecken mag, schaffen es die beiden Protagonisten mühelos in meine persönlichen Top 10 der glaubwürdigsten Profikiller seit Alain Delon in LE SAMURAI.</p>
<p>Kompromisslos, derb und vollkommen wahnsinnig &#8211; KILL LIST ist ein grauschwarzer Albtraum, ein herber mindfuck irgendwo zwischen “bat shit crazy” und “quite smart”. Russisches Roulette für mutige Thrillerfans, die 8MM schon als nervigen Mainstream-Mist bezeichnen.</p>
<p>Ansehen auf eigene Gefahr.</p>
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		<title>End of Animal</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 10:18:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Taxi holpert auf einer schmalen, unbefestigten Straße durch eine karge Landschaft. Der Passagier, eine schwangere Frau, ist aus Seoul angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Als ein Anhalter darum bittet, mitgenommen zu werden, erteilt sie aus Höflichkeit ihre Erlaubnis, bloß um diese bereits Augenblicke später zu bereuen. Der zusätzliche Passagier entpuppt sich nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/01/end-of-animal/"><img class="alignnone size-full wp-image-3864" title="end-of-animal" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/end-of-animal.png" alt="" width="310" height="414" /></a></p>
<p>Ein Taxi holpert auf einer schmalen, unbefestigten Straße durch eine karge Landschaft. Der Passagier, eine schwangere Frau, ist aus Seoul angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Als ein Anhalter darum bittet, mitgenommen zu werden, erteilt sie aus Höflichkeit ihre Erlaubnis, bloß um diese bereits Augenblicke später zu bereuen.</p>
<p><span id="more-3862"></span>Der zusätzliche Passagier entpuppt sich nicht nur als aggressiver, aufdringlicher Zeitgenosse, sondern offenbart auch ein unheimlich detailliertes Wissen über die Vergangenheit des Taxifahrers und der jungen Frau. Bevor diese ihn zur Rede stellen können, spricht er von der Ankunft der Engel und zählt er einen Countdown herunter. Ein weißes Leuchten blendet die Insassen, und sie verlieren das Bewusstsein.</p>
<p>Eine Bombe? Eine Naturkatastrophe? Das Ende der Welt? Wer weiß.</p>
<p>Die junge Frau erwacht allein in dem verlassenen Taxi. Fahrer und Beifahrer sind verschwunden, Mobiltelefon und Motor nicht in Gang zu bringen. Eine Notiz informiert sie, dass der Fahrer sie nicht zu wecken vermochte, und aufgebrochen sei, um Hilfe zu holen. Nachdem sie eine Weile gewartet hat, verlässt die Frau den Wagen, und macht sich selbst auf dem Weg.</p>
<p>So beginnt eine post-apokalyptische Odyssee, wie sie minimalistischer kaum erzählt werden könnte. Was in den folgenden zwei Stunden passiert, könnte auf einem Bierdeckel Platz finden, würde nicht der streng lineare Aufbau dazu nötigen, jedes der Ereignisse gleichwertig zu behandeln. Besonders fällt dabei die geistige Verwandtschaft zu den Ideen Franz Kafkas auf, von dem nicht wenige Elemente der symbolschwangeren Geschichte inspiriert sein könnten. Ein  Erlösung verheißendes Ziel, das jeder Einheimische zu kennen vorgibt, aber niemand jemals zu erreichen scheint, eine allgegenwärtige Bedrohlichkeit, die alle Menschen zu umgibt, und selbst harmlose Kinder unterschwellig zu erbitterten Widersachern macht, eine Reise, die ihren Protagonisten immer wieder zurück wirft, und ihm Meter für Meter jeglicher Hoffnung sowie jedem Bezug zur Realität beraubt.</p>
<p>Funktioniert das so gut, wie es klingt? Leider nicht.</p>
<p>END OF ANIMAL ist, wie es sich für einen koreanischen Film gehört, keine leichte Kost. Wortkarg, unkomfortabel und bedeutungsschwanger dehnt er sich über seine 2 Stunden Laufzeit, die sich mangels packender Geschehnisse deutlich länger anfühlen. Dabei führt er viele interessante Motive ein, gleich den Protagonisten kommen diese aber niemals irgendwo an. Das mag bei Asia-Freaks und Arthaus-gestählten Cineasten als Kunst durchgehen, strapaziert aber die Geduld bis weit über den Punkt hinaus, an dem man dem Film noch ein klares Konzept zugestehen kann. Zu entbehrlich scheinen manche Nebenfiguren, zu repetitiv wiederholen sich die immer gleichen Andeutungen und zu wenig dieser Andeutungen führen tatsächlich zu einer befriedigenden Enthüllung.</p>
<p>Unterm Strich ist es nicht der Mangel an Erklärungen, der END OF ANIMAL bedrückend unbefriedigend macht, sondern die Ziellosigkeit des Geschehens. Zwar präsentiert er viele Figuren und Ansätze, entwickelt daraus aber keine Geschichte, die mehr auszusagen vermag als das, was jeder bereits weiß: Dass Verzweiflung Menschen egoistisch werden lässt, das Isolation den Geist zersetzt und der Mensch schlussendlich stets des Menschen ärgster Feind bleibt. END OF ANIMAL ist somit als Titel treffend gewählt, schildert er doch das leise Verenden einer Spezies, die sich von sich selbst entfremdet hat. Sämtliches Potenzial darüber hinaus wird allerdings verschwendet, wodurch das Ergebnis aller Andeutungen und Symbolik zum Trotz frustrierend banal wirkt. Die Figuren erfahren keine Entwicklung, ihre Taten haben letztlich keine Konsequenz. END OF ANIMAL bleibt ein bewegtes Bild, in dem das Grauen stets am äußersten Rand des Blickfelds verschwimmt.</p>
<p>Positiv zu vermerken ist der konsequente Verzicht auf all die Hysterie, die das westliche Kino häufig aufweist. Der Film beschwört und hält ein konstantes Gefühl von Isolation und Verlust, von Verlorenheit und unterschwelliger Überlebensangst, ohne die Unterstützung dramatischer Hintergrundmusik oder laute Action. Auch kleine Kommentare finden sich in der rudimentären Handlung, Anspielungen auf die Fixierung unserer Gesellschaft auf Technik, auf das instinktive Verdrängen des Offensichtlichen in Stresssituationen. Was immer passiert ist, die ganze Welt scheint betroffen, und doch suchen die Verlorenen mit autistischer Gleichgültigkeit nach einer Verbindung zur Zivilisation, die mit jedem gescheiterten Versuch nur noch unendlich ferner scheint.</p>
<p>Ein Film, in dem kaum etwas passiert, der sich dafür aber sehr viel Zeit lässt. Wer sich auf kafkaeskes Arthaus-Kino einlassen möchte, dessen Hauptaugenmerk auf dichter Atmosphäre und Symbolik liegt, darf sich gerne an END OF ANIMAL messen. Wer als Europäer sein Sitzfleisch gut investiert wissen möchte, ist mit dem zugänglicheren THE ROAD oder dem (angeblich) ähnlich gestrickten TIME OF THE WOLF wahrscheinlich besser beraten.</p>
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		<title>The Assault</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 09:05:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die meisten Trailer dieser Tage verraten zu viel. Sie sind zu lang und zu bemüht, möglichst viel vom Film zu zeigen. Spätestens wenn die, bei großen Produktionen übliche, schnelle Folge dramatischer Einstellungen das Ende des Trailers einläutet, kann man sich auf massive Spoiler gefasst machen. THE ASSAULT ist keine solche Produktion. Wer den Trailer gesehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/09/01/the-assault/"><img class="alignnone size-full wp-image-3858" title="The Assault" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/the-assault.png" alt="" width="310" height="419" /></a></p>
<p>Die meisten Trailer dieser Tage verraten zu viel. Sie sind zu lang und zu bemüht, möglichst viel vom Film zu zeigen. Spätestens wenn die, bei großen Produktionen übliche, schnelle Folge dramatischer Einstellungen das Ende des Trailers einläutet, kann man sich auf massive Spoiler gefasst machen. THE ASSAULT ist keine solche Produktion. Wer den Trailer gesehen hat, kann sich den eigentlichen Film dennoch sparen.<br />
<span id="more-3857"></span><br />
THE AUSSAULT erzählt von der Entführung einer Air-France-Maschine durch vier bewaffnete Terroristen im Jahre 1994. Der Vorfall hat sich tatsächlich ereignet, kostete mehrere der 220 Geiseln das Leben und endete in einem dramatischen Schusswechsel zwischen den Geiselnehmern und dem französischen GIGN-Einsatzkommando.</p>
<p>Autor und Regisseur Julien Leclerq beschreibt in nüchternen, stark farbreduzierten Bildern die Ereignisse jener drei Tage, von den Stunden vor der Entführung über das nervenzersetzende Warten bis hin zur dramatischen Stürmung des Flugzeugs, die Höhepunkt und Finale des Films bildet. Dabei verteilt er seine Aufmerksamkeit in gleichem Maß auf die verschiedenen involvierten Parteien. Neben den Vorgängen im Flugzeug und der Vorbereitung der Spezialeinheit werden auch die Entwicklungen im Ministerium für Innere Sicherheit sowie (an einem Beispiel) das Bangen der Familien jener tapferen Männer dokumentiert, die unter Einsatz ihres Lebens die Konfrontation auf engstem Raum wagen.</p>
<p>Diese furchtvollen Stunden, die Anspannung aller direkt oder indirekt betroffenen Personen, wird glaubhaft, realistisch und ohne jegliche Verklärung, Stilisierung oder überzogene Dramatik dargestellt. Somit vermeidet THE AUSSAULT auch ein Abrutschen in die Polemik, Banalität oder Verharmlosung des amerikanischen Popcorn-Kinos. Auch wenn ein Film wie MÜNCHEN in allen Belangen &#8211; Handlung, Darsteller, Emotionalität, Schauwerte &#8211; mehr zu bieten hat, sollte der ernsthaft an der Aufarbeitung von Terrorfällen interessierte Filmfan entweder THE AUSSAULT vorziehen, oder ihn zumindest mit in seine To-Do-Liste einbeziehen.</p>
<p>Das eigentliche Dilemma besteht aber, wie erwähnt, im Zusammenspiel mit dem Trailer. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was den Zuschauer bei THE AUSSAULT erwartet, ist eine Sichtung dessen dringend angeraten. Auf der anderen Seite umfasst der Trailer vollständig die beschriebene Zeitspanne, wodurch es dem Film an Überraschungen oder klassischen “Mehrwert” mangelt. Der Zuschauer bekommt exakt das geboten, was er im Trailer sieht, nicht weniger, aber eben auch keine Nanogramm, keine Nuance mehr.</p>
<p>Somit mag durchaus Enttäuschung aufkommen, wenn der Film gerade in dem Moment endet, als die Spannung ihren Höhepunkt erreicht. Wo eine fiktive Geschichte bei der Tragödie erst richtig beginnt, setzt Leclerq konsequent seinen Schlusspunkt. Dass die persönlichen Schicksale der Figuren nur noch im Abspann abzulesen sind, ist ernüchternd, aber stimmig. Und damit ist dann auch ein Fazit erreicht, das sowohl die Qualität, als auch den Inhalt des Films auf den Punkt bringt.</p>
<p>Ernüchternd, aber stimmig.</p>
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		<title>The Woman</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 10:17:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn es dieses Jahr einen Film gab, bei dem ich schon vor dem Kartenkauf ein mieses Gefühl hatte, dann THE WOMAN. Diese Vorahnung sollte sich bestätigen, jedoch auf eine Art und Weise, die ich nie erwartet hätte. Der Grund dafür ist recht persönlich, und erfordert einige Ausführungen. Wen also nur die Wertung interessiert, dem nenne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/29/the-woman/"><img class="alignnone size-full wp-image-3834" title="The Woman" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/the-woman-poster.png" alt="" width="310" height="443" /></a></p>
<p>Wenn es dieses Jahr einen Film gab, bei dem ich schon vor dem Kartenkauf ein mieses Gefühl hatte, dann THE WOMAN. Diese Vorahnung sollte sich bestätigen, jedoch auf eine Art und Weise, die ich nie erwartet hätte. Der Grund dafür ist recht persönlich, und erfordert einige Ausführungen. Wen also nur die Wertung interessiert, dem nenne ich als Schulnote die 3, und schicke ihn gleich weiter.<br />
<span id="more-3832"></span><br />
Zur Sache: THE WOMAN basiert auf einem gleichnamigen, relativ aktuellen Buch von Jack Ketchum, dem Clive Barker des Thrillers, wenn man so will, ein Großwesir der Grausamkeiten. Mit seinen Geschichten, die gerne die finstersten Abgründe unserer Gesellschaft erforschen, ist er als Ideengeber für Horrorfilme und Psychothriller geradezu prädestiniert. Sein 2006 in Deutschland erschienener Roman THE GIRL NEXT DOOR, der seinerseits auf einer wahren Begebenheit basiert, ging mir auch gleich so an die Nieren, dass ich dessen Verfilmung, die 2008 unter dem Titel  AN AMERICAN CRIME auf dem Fantasy Filmfest lief, und später sogar ihren Weg in die Videotheken fand, bis heute meide. Eine weitere Verfilmung, die des Romans RED, entstand ebenfalls 2008, erhielt aber wenig Aufmerksamkeit und wurde auch nicht auf dem Filmfest gezeigt.</p>
<p><strong>[Richtigstellung: Ich wurde darauf hingewiesen, dass AN AMERICAN CRIME direkt auf den Gerichtsakten des betreffenden Falls basiert, nicht auf Ketchums Buch. Dieses wurde zwar ebenfalls verfilmt, sogar im selben Jahr, allerdings dann unter dem selben Titel wie der Roman, d.h. THE GIRL NEXT DOOR im Original, EVIL auf Deutsch. Die nachfolgende Überleitung ist demnach ebenfalls nicht 100% korrekt. Danke für die Richtigstellung an <a href="https://www.facebook.com/BmovieBlog">Ben's B-Movie Blog</a> und das <a href="http://popzombieblog.blogspot.com/">Popzombie Blog</a>. 01.09.2011]</strong></p>
<p>THE WOMAN ist also bereits die dritte Ketchum-Verfilmung und der zweite Auftritt einer Ketchum-Geschichte auf dem Fantasy Filmfest. Erneut geht es darum, was in den dunklen Nischen der amerikanischen Vororte und Kleinstädte an Grauen nistet, erneut ist es eine ganze Familie, die sich in perverse Bestien und ohnmächtige Opfer spaltet. Erneut wird angekettet, misshandelt, geschlagen und geschwiegen, wobei das Schweigen stets das Schlimmste ist. Und immer wieder ist es die Unschuld, die es am heftigsten erwischt, wenn sie auch diesmal von Wildheit verschleiert wird. Die gute Nachricht: Aus der Verfilmung ist kein Torture Porn geworden. Die schlechte Nachricht: Ich habe trotzdem ein Stück Glauben an die Menschheit eingebüßt.</p>
<p>Der besseren Nachvollziehbarkeit halber ein Wort zur Geschichte: Ein Familienvater, respektierter und beliebter Bürger nach außen und despotischer Patriarch nach innen, entdeckt bei der Jagd in dem an sein Grundstück anschließenden Wald eine junge Frau, die allein wie ein Tier in der Wildnis lebt. Fasziniert von dem animalischen Weib keimt eine wahnsinnige Idee in ihm auf. Er fängt die Frau, kettet sie in einen Keller  und präsentiert sie seiner Familie als “unser Projekt”. Das Ziel: Der Wilden die Zivilisation aufzwingen, wenn nötig mit Gewalt.</p>
<p>Es folgt, was folgen muss: Eine Spiralfahrt hinab in die schlimmsten menschlichen Abgründe. Dabei wird schnell deutlich, dass Frau und Kinder selbst längst Opfer sind. Gattin und Tochter leben in Angst vor der ständig präsenten Gewalt des Hausherren und sind vor Furcht dermaßen gelähmt, dass sie all seinen Befehlen  Folge leisten. Der Sohn ist selbst längst zum Psychopathen herangereift, und trägt seinen Teil zur Eskalation der Situation mit freudiger Erregung bei. Ohne ihr Zutun wird die stumme Frau so zum Katalysator einer Ereigniskette, an der die Familie endlich zerbricht.</p>
<p>Erfreulicherweise geriet die Verfilmung weit weniger plump und banal, als diese Zusammenfassung befürchten lässt. Im Zentrum steht nicht die Pein der Gefangenen, sondern die dysfunktionale Familie. Auf Voyeurismus wurde weitgehend verzichtet, und auch wenn die Ereignisse schrecklich sind, werden sie nie plakativ zur Schau gestellt oder verharmlosend inszeniert. Zwar merkt man dem Film deutlich an, dass es an Budget mangelte, und einige der Charaktere geraten bedingt durch Darsteller und Drehbuch etwas eindimensional, in weiten Teilen funktioniert der Psychothriller aber. Er ist nicht wirklich gut, aber zweckmäßig.</p>
<p>Wirklich störend ist allein der Soundtrack, welcher zu laut und aufdringlich eingesetzt wird, und manchen Szenen ein Tarantino-Feeling gibt, die ohne musikalische Untermalung weitaus realistischer und intensiver gewirkt hätten. Dass die (an sich sehr gut gewählte) Musik das Geschehen erträglicher macht, beziehungsweise einen Verfremdungseffekt zu erzwingen versucht, ist nicht unbedingt im Sinne der Geschichte. Ähnlich eigenwillig wirkt das furiose Finale, das, wenn man so will, glatt aus einem anderen Film stammen könnte.</p>
<p>Anstatt den Zusammenbruch der Familie zu seinem unvermeidlichen Ende zu führen, oder die gefangene Frau als Vehikel der absehbaren und notwendigen Eskalation zu verwenden, führt eine erzählerisch unnötige Überreaktion des Vaters zu einem geradezu absurden Gemetzel, das viel vom  erreichten Potenzial zugunsten eines derben Plot-Twists verschenkt. So dankbar das Genrepublikum auch auf diese Wendung reagieren mag, bleibt doch die Frage, ob der Film nicht ohne diesen Knall zu einem zufriedenstellenden Abschluss hätte gelangen können.</p>
<p>Wir fassen zusammen: Eine furchtbar grausame Geschichte, verpackt in einen anstrengenden, teilweise verstörenden Film, der zum Ende leider seine Bodenhaftung verliert, dadurch aber nicht unbedingt zur Vollgurke mutiert. Wo also liegt das Problem?</p>
<p>Ganz einfach: Es liegt nicht, es sitzt, und zwar gegenüber der Leinwand. Das Publikum des von mir so geliebten Fantasy Filmfests, zumindest das Publikum der von mir besuchten Vorstellung, hat mir mehr Angst gemacht als all die Grausamkeiten dieser bösartigen Verfilmung. Mitzuerleben, wie nicht wenige im Saal angesichts mitleiderregender, grauenvoller und deprimierender Momente in Gelächter ausbrachen, hat mich auf eine Weise verstört, die noch sehr lange in mir nachhallen wird.<br />
Das Schlimmste dabei: es war kein verlegenes, kein unbequemes Lachen. Es war keine Kompensation und auch kein Spott über einen verkorksten Effekt oder eine alberne Dialogzeile. Wenn ein Viertel der Zuschauer schallend lacht, während ein Psychopath seine Ehefrau zum Krüppel prügelt, bekomme ich nicht nur den Drang, den Saal zu verlassen, sondern verliere jede Lust, das Filmfest weiter zu besuchen. Denn damit bestätigt sich jedes Klischee des abgestumpften Horrorfans, jeder Vorwurf stupider Empathielosigkeit mit einer Intensität, die mir Brechreiz verursacht.</p>
<p>THE WOMAN ist kein guter Film. Dafür ist er zu inkonsequent und oberflächlich. Es ist ein solider Genrefilm, der sein Potenzial verschenkt und seinen Weg verliert, unterm Strich aber seinen Zweck erfüllt. Gleichzeitig ist er aber ein “Reality-Check” in Sachen Menschlichkeit, eine Prüfung für Moral und Mitgefühl, und angesichts derer, die an ihr versagen, auch das Zeugnis einer schrecklichen Wahrheit: Dass Geschichten nicht nur Werte prägen, sondern auch an deren Mangel scheitern können. Und das macht mich sehr traurig.</p>
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		<title>Good Neighbors</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 10:52:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum Lieferumfang handelsüblicher Serienkiller-Thriller gehört genau ein Psychopath. Je nachdem, wo man bestellt, erhält man eventuell noch einen manischen Ermittler als Dreingabe. Ausnahmen gibt es, doch selbst diese stellt GOOD NEIGHBORS mühelos in den Schatten, denn der kanadische Indie-Streifen kommt mit sage und schreibe drei Verrückten daher, die als benachbartes Protagonistentrio alle Hauptrollen abdecken. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.acidbar.de/wordpress/2011/08/27/good-neighbors/"><img class="alignnone size-full wp-image-3818" title="Good Neighbors" src="http://www.acidbar.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/Good-Neighbors-Poster.png" alt="" width="310" height="459" /></a></p>
<p>Zum Lieferumfang handelsüblicher Serienkiller-Thriller gehört genau ein Psychopath. Je nachdem, wo man bestellt, erhält man eventuell noch einen manischen Ermittler als Dreingabe. Ausnahmen gibt es, doch selbst diese stellt GOOD NEIGHBORS mühelos in den Schatten, denn der kanadische Indie-Streifen kommt mit sage und schreibe drei Verrückten daher, die als benachbartes Protagonistentrio alle Hauptrollen abdecken.</p>
<p><span id="more-3816"></span>Es geht also um zwei Männer, eine Frau, Mord, Nachbarschaft, Zweckgemeinschaften, Sex, Nerventerror und Manie. Ein Vergleich mit KLEINE MORDE UNTER FREUNDEN aka SHALLOW GRAVE drängt sich da geradezu auf, ist aber ebenso unzutreffend wie unangebracht, denn während der 90er-Jahre-Kultfilm eher auf ein graduelles Ansteigen des Wahnsinns setzt, geht bei GOOD NEIGHBORS quasi von der Einführung der Figuren an die Neurosenpost ab. Das kann massiv abschrecken, ist aber erstaunlich unterhaltsam, denn die Charaktere wurden vom Drehbuch derart überzeichnet, dass man den Film eigentlich nur als rabenschwarz-groteske Komödie werten kann.</p>
<p>Die treffend gewählten Darsteller widmen sich ihren Rollen mit viel Hingabe, was, wenn man die eigenwillige Tonart akzeptieren kann, einen beträchtlichen Unterhaltungswert aufweist. Auf diese Weise kommt, obwohl der eigentliche Plot relativ schlicht und spannungsarm geriet, relativ wenig Langeweile auf. Die faszinierte Frage, welcher Abgrund zwischenmenschlichen Versagens und subtil bedrohlicher Manie sich als Nächstes auftun mag, hält den Film konstant einen Faden über dem Mittelmaß.</p>
<p>Umso schmerzhafter ist es, dass der Film im letzten Viertel völlig baden geht. Nachdem sich Regisseur und Drehbuchautor Jacob Tierney eine lange, aber selten langweilige Stunde Zeit gelassen hat, seine Protagonisten herrlich unsympathisch zu machen, hetzt er sich unvermittelt durch eine Intrige, die kaum unbefriedigender sein könnte. Zu dem Zeitpunkt, an dem sich das Drehbuch endlich ernsthaft einer Verknüpfung des Geschehens mit der konstant präsenten Serienkiller-Thematik zuwendet, bricht die Handlung dann vollends ein.</p>
<p>Hinzu kommt, dass der Film eine seiner besten Ideen einfach unter den Tisch fallen lässt. Dabei handelt es sich ausgerechnet um einen Twist, der die Glaubwürdigkeit zuvor massiv strapazierte, und letztlich nur mit Ausblick auf ein wundervoll verzwicktes Finale akzeptiert werden konnte. Das dem Publikum genau solch ein Ende vorenthalten wird, und an dessen Stelle ein banaler, erneut zu hastig inszenierter Showdown tritt, ist schlichtweg unverzeihlich und würde den Film in einer Wertung mindestens 30% kosten.</p>
<p>GOOD NEIGHBORS hätte Zentrum eines wunderbaren Streits werden können. Doch anstatt die amüsierten Zyniker gegen die enttäuschten Thrillerfans auszuspielen, herrscht nach dem Abspann eine müde Harmonie der Enttäuschung. Dem schwachen letzten Akt gelingt es weder, das  Niveau an Absurdität zu halten, noch die verprellten Krimifreunde wieder ins Boot zu holen. Dass jeder halbwegs talentierte Erzähler aus den vorhandenen Elementen ein zufriedenstellenderes Ende hätte konstruieren können, macht das tatsächliche Ergebnis nur umso trauriger.</p>
<p>GOOD NEIGHBORS beginnt als amüsanter Thriller mit dem Mut, viele Regeln zu brechen, und mutiert dann zum völligen Fehlschlag. Das verkorkste Finale mag der Buchvorlage geschuldet sein, dass Tierney es beibehielt, ist jedoch alleine ihm anzukreiden. Kein Verbrechen am Zuschauer, aber eine herbe Enttäuschung.</p>
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